Zero Waste und nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den USA unterwegs?

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Mal einfach ein Jahr woanders leben, davon träumen ja viele von uns. Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin hat’s gemacht. 11 Monate lang hat sie sich in Vancouver an der kanadischen Westküste für Zero Waste eingesetzt. Nach getaner Arbeit reist sie nun vier Wochen lang die US-amerikanische Westküste runter. Die Challenge, die sie sich im Land des unbegrenzten Mülls und der begrenzten öffentlichen Verkehrsmittel gesetzt hat: Ausschließlich mit öffentlichen Massenverkehrsmitteln, zu Fuß, oder per Fahrrad unterwegs zu sein. Und natürlich dabei so wenig Müll wie möglich zu produzieren.

Shia, wo bist du gerade?

Vorgestern bin ich per Fernbus in Los Angeles angekommen. LA ist auch meine letzte Station auf diesem Kontinent. Danach geht es per Direktflug von LA nach Paris. Das war leider der einzige Direktflug von der Westküste in die Nähe von Deutschland, den ich mir leisten konnte, denn 3000 € für einen Flug sind doch nicht ganz in meinem Budget drin. Es war mir einfach irre wichtig, das per Direktflug zu machen, weil gerade Start und Landung sehr zulasten der Umwelt gehen. Daraus ist überhaupt erst diese Reise entstanden, weil das am Ende weniger umweltbelastend war als ein Flug mit Umstieg! Aber ja, fliegen ist und bleibt eine der größten Umweltsünden, auch wenn man den Flug kompensiert…

Shia, gerade in den USA wird Umweltschutz ja nicht gerade besonders großgeschrieben… Fast 2kg Müll produziert der durchschnittliche US-Amerikaner pro Tag. Wie viel fiel denn bei dir in den letzten 3 Wochen an?

Ich muss leider gestehen, dass bei mir in diesen drei Wochen ungefähr so viel Müll wie im ganzen letzten Jahr angefallen ist…! Das liegt aber vor allem daran, dass ich mich in San Francisco tätowieren ließ. Da wird einfach alles in Plastik eingewickelt… Ansonsten ging es aber super! Überall hat man mir meine Sachen in meine eigenen Container oder in den eigenen Stoffbeutel gepackt. Kundenwünschen entgegenzukommen gehört halt mit zum Service hier. in Bioläden gab es außerdem ganze Abteilungen, wo ich mir alles aus Spendern in meine eigenen Beutel oder auch in Gläser abzapfen konnte. Ich hab mich auch viel an Brot und Obst gehalten, das dürfte in den meisten Ländern einigermaßen verpackungsfrei zu kriegen sein.

Was fiel denn so bei dir an Müll an?

Außer dem ganzen Plastik beim Tätowieren fielen ungefähr 20 Kassenbons, ein paar Obst- und Gemüsesticker, ein paar Papierfahrkarten und zwei Strohhalme an, also wirklich super überschaubar. Achja, und meine Handyhülle ist endgültig auseinandergebrochen, aber das hat ja nix damit zu tun, dass ich in den USA unterwegs bin.

Und was ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Ich hab ja mal gehört, dass die in den USA ganz schlecht sein sollten, stimmt das?

Leider ja. San Francisco soll neben New York den besten ÖPNV in den USA haben. Würde ich dem eine Schulnote geben, wäre es wahrscheinlich eine glatte Drei… Machbar, aber nicht wirklich gut.

Das Land ist außerdem so riesig und die Städte liegen so weit auseinander, dass Fernverkehr für die meisten Leute automatisch fliegen bedeutet. Dementsprechend ist das Bahnnetz sehr schlecht nur ausgebaut und verdammt ineffizient. Ich saß zum Beispiel von Portland nach San Francisco 17 Stunden im Zug, weil an jeder Station eine halbe Stunde für das Ein- und Aussteigen und kontrollieren der Tickets verloren ging. Mit dem Auto wäre man in 10 Stunden da, mit dem Flieger in nicht mal 2 Stunden. Ich muss aber sagen, dass sowohl der Zug als auch die Fernbusse ziemlich komfortabel waren und ich gerade im Zug die wirklich spektakuläre Aussieht echt genossen habe.

Hat’s denn geklappt mit deinem Vorhaben, dir kein Taxi zu nehmen und dich auch nicht von Leuten im Auto rumfahren zu lassen?

Nee, nicht ganz leider! Wäre ich die ganze Zeit nur mit meinem Partner zu zweit unterwegs gewesen, hätte das aber hingehauen. Wir haben unterwegs aber ganz viele Leute besucht und natürlich wollten sie uns ihre Stadt zeigen und uns auf Ausflüge mitnehmen. Manchmal konnten wir sie überreden, das zusammen mit dem ÖPNV zu machen, manchmal nicht. Dazu kommt, dass einige Ecken im Großraum San Francisco und in LA nach Einbruch der Dunkelheit nicht sicher sind. Wer im Dunkeln zu Fuß unterwegs ist, riskiert, ausgeraubt und auch vergewaltigt zu werden – da wird auch mal die Knarre gezückt. Kein Scherz, leider. Am Ende gilt dann doch: Sicherheit geht vor!

Kategorie COSMO, Reisen, Unterwegs

3 Kommentare

  1. Liebe Shia,

    ich finde Deine Erfahrungsberichte immer toll. Allerdings wollte ich wissen, ob es wirklich notwendig war, sich tätowieren zu lassen. Nicht nur wegen des Mülls usw., sondern auch aus gesundheitlichen Gründen.

    • Hi Astrid,
      du, notwendig ist eine Tattowierung sicherlich nicht! Aber notwendig ist so vieles im Leben strenggenommen nicht, was wir uns gönnen oder z.T. sogar als „notwendig“ inzwischen ansehen. Das war etwas, was ich seit Jahren unbedingt wollte und ich bin sehr glücklich darüber, sie jetzt zu haben :). Gesundheitlich habe ich da allerdings nicht die großen Bedenken, da setze ich mich meiner Meinung nach deutlich größeren Risiken aus, wenn ich Sport machen gehe ;).
      Liebe Grüße,
      Shia

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