Zero Waste mit Baby: 5 Tipps, wie ihr beim Stillen Müll sparen könnt

©Anja Bergmann

Wie ihr wisst kommen ja einige wirklich wichtige Themen bei mir leider etwas zu kurz, weil ich nicht aus eigener Erfahrung sprechen kann. Ich werde z.B. ganz viel nach Zero Waste mit Kindern und  Zero-Waste-Haustierhaltung gefragt. Ich halte immer meine Ohren offen und lasse mir das immer sehr gerne erzählen, fühle mich aber nie kompetent genug, um selber etwas dazu zu schreiben. Deswegen freue ich mir immer ’nen Ast ab, wenn liebe Menschen sich bereit erklären, aus ihrem Erfahrungsschatz zu berichten! ❤️ (Wenn jemand hier mitliest, der ihre*seine Erfahrungen mit einer Zero Waste/müllarme/plastikfreie Haustierhaltung teilen mag, der soll sich gerne bei mir melden 😉)

Darf ich nun vorstellen *Trommelwirbel*: Anja, müllarme Mama von zwei Wirbelwinden (2,5 Jahre und 5 Monate)! In neun unglaublich informativen Artikeln teilt sie heute und in den kommenden Wochen jeden Freitag ihre Erfahrungen mit euch. Vergesst nicht, meinen Blog zu abonnieren (unten links), um keinen dieser Artikel zu verpassen!

1. Länger stillen spart Ressourcen

Ich wünsche euch sehr, dass ihr zu den Müttern gehört, die ihr Kind stillen können. Das ist der einfachste Zero Waste lifestyle für Mutter und Kind in Puncto Ernährung. Je länger ihr stillt, desto weniger Müll fällt an 😉 .Viele Kinderärzte empfehlen, im Gegensatz zur WHO, schon ab dem 4. Monat zuzufüttern. Wie ich in meinem Freundeskreis erlebt habe, entscheiden sich leider viele Mütter dadurch, bereits ab diesem Zeitpunkt langsam abzustillen. Die WHO empfiehlt, mindestens 6 Monate voll zu stillen, denn erst danach sind Mundmotorik, Darmtätigkeit und Würgreflex soweit entwickelt, dass ein Kind feste Nahrung zu sich nehmen kann. Das habe ich in einem Breikochkurs gelernt, der von einer Ernährungsberaterin durchgeführt wurde, die sich auf die Baby- und Kleinkindernährung spezialisiert hat.

Ab dem 6. Monat lautet die Empfehlung: Weiterstillen und zufüttern. Es heißt nicht umsonst Beikost und nicht Ersatzkost. Muttermilch sollte während des ersten Lebensjahres den Haupternährungsanteil ausmachen und erst nach und nach durch feste Nahrung ersetzt werden. Die WHO empfiehlt sogar, bis Vollendung des 2. Lebensjahres weiterzustillen. Das muss natürlich im gegenseitigen Einvernehmen zwischen Mutter und Kind geschehen.
Wer (lange) stillt, hat das Essen fürs Baby stets dabei, in der richtigen Temperatur und zu jeder Zeit. Das spart unheimlich Ressourcen.

2. Fragt euch: Muss es ein Stillkissen sein und, wenn ja, kann ich das nicht auch gebraucht kaufen?

Stillen soll durch ein Stillkissen bequem werden. Ich habe ehrlich gesagt noch nicht das perfekte Stillkissen gefunden. Die mit den Kügelchen (hatte ich von einer Verwandten geliehen bekommen) fand ich furchtbar, weil die Kügelchen immer verrutschen, sobald das Kind draufliegt. Die ganz festen (zum Beispiel von Motherhood oder ErgoBaby) sind in einer steifen, unflexiblen Form, die Stillen nur im Sitzen ermöglichen. Sie passen nur normalgewichtigen Frauen. Eine Freundin hat einfach eine Nackenrolle als Unterlage genommen und ist vollkommen zufrieden damit. Es ist also zu überlegen, ob ihr wirklich ein Stillkissen braucht oder ob es auch ohne geht. Ich empfehle euch aus meiner Erfahrung heraus jedenfalls, ein Stillkissen auszuprobieren, bevor ihr es kauft. Beim Stillen in liegender Position z.B. brauche ich kein Stillkissen. Normale Kissen, die ihr zu Hause habt, können genauso als Stillunterlage genutzt werden. Und falls ihr doch eines braucht, gibt es auch das gebraucht im Internet zu kaufen.

3. Hab ein paar Spuktücher/Mullwindeln parat

Es ist ratsam, beim Stillen ein paar Spucktücher/Mullwindeln parat zu haben. Diese bekommt man überall, denn jede Mutter hat und hatte wohl welche. Es gibt sie auch aus Bio-Baumwolle von Hans Natur z.B. Fragt doch erstmal eure Freundinnen, ob sie welche abzugeben haben oder kauft sie eben gebraucht auf dem Flohmarkt oder im Internet.

4. Setzt auf waschbare Stilleinlagen aus Naturmaterialien

Waschbare Stilleinlagen © Anja Bergmann

Stilleinlagen für die Mütter, die ein Problem mit auslaufenden Brüsten haben, gibt es waschbar und mehrfach verwendbar, z.B. von Blümchen oder ImseVimse. Sie sind aus Baumwolle oder Wolle und Seide und lassen sich hygienisch in der Waschmaschine bei 60 °C waschen. Somit spart man sich die Wegwerfeinlagen.

5. Kauf Still-BHs entweder gebraucht oder aus Bio-Baumwolle

Wenn es für euch vertretbar ist, könnt ihr sogar Still-BHs gebraucht kaufen. Wenn ihr euch aus hygienischen Gründen für neue BHs entscheidet, gibt es diese inzwischen auch in der Bio-Baumwolle-Version.

Kategorie Artikel, Gastartikel, Kinder, Schwangerschaft & Kleinkind, Zero-Waste-Alternativen

14 Kommentare

  1. Stilleinlagen kann man im Übrigen auch ganz leicht selber basteln. Und somit natürlich auch hier selbst den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit etc. bei den verwendeten Materialien legen.
    LG Andree

  2. Kannst Du den Punkt Stilleinlagen konkretisieren? Bei jedem Stillen und auch zwischendurch läuft die Milch an beiden Seiten, die Wiederverwendbaren aus Stoff sind sofort nass, deshalb verwende ich die teuren Einwegeinlagen, die halten schon viel mehr aus als die Hausmarken der bekannten Drogerien. Wie viele Paar würdest du beim Kauf empfehlen und rentiert es sich? Welche Marken bzw. welche Materialien halten besonders viel auf?

  3. Ich fand ja ein StillKissen in der SS auch überflüssig, war dann aber froh, dass ich eins hatte (zusammen mit dem gebrauchten Kinderwagen gekauft, also jetzt beim insgesamt 4ten Kind im Einsatz). Wir haben es dann später als Stützkissen verwendet oder zum Kuscheln, Reinlümmeln und Spielen für den Großen.
    Stilleinlagen habe ich mir nun selbst genäht aus alten Handtüchern, einem BW-Nachthemd und ähnlichen BW-Reststoffen. So wäre sogar Kochwäsche kein Problem. Für zuhause oder kurze Strecken reichen Sie in der Regel. Bei Tagesausflügen muss ich aber auf saugfähige Einmaleinlagen zurückgreifen oder mich mehrmals umziehen

  4. Mir ist noch eine Sache eingefallen: Brustwarzensalbe, vor allem in den ersten Tagen unerlässlich!

    Ich habe Lanolin genommen und in vielen Apotheken kann man sich das abfüllen lassen. Somit bleiben keine Reste übrig und wenn man seinen eigenen Behälter mitbringt, auch gar kein Müll.

    (Lanolin ist nicht vegan, war aber für mich persönlich die ethischere Variante als irgendwelche an Tieren getestete Cremes…)

    • Stimmt, ein guter Punkt! Ohne Lanolin wäre ich am Anfang echt voll kaputt gegangen xD Hilft einfach auch am besten…
      Eventuell verbleibende Reste kann man super aufbrauchen bei rauen Lippen oder Ellbogen.

    • Hallo, danke für die Info! Nach meiner Erfahrung helfen Muttermilch auf die Brustwarzen und frische Luft am besten . Außerdem hilft Heilwolle.

    • Lieben Dank für eure Kommentare. Beim Thema Beikost und Stillen scheiden sich die Geister. Problematisch finde ich einfach für mich, dass teilweise Kinderärzte empfehlen, ab dem 4. Monat zuzzfüttern u gleichzeitig das Abstillen damit proklamieren. Oft steht ja auch die Behauptung im Raum, das Kind würde durch die Muttermilch nicht ausreichend versorgt u bekäme nicht mehr alle Nährstoffen, die es braucht. Und satt würde es auch nicht mehr davon. So etwas zu behaupten, finde ich problematisch. Das ist einfach nicht wahr und bringt große Verunsicherung bei Müttern hervor, die vielleicht noch länger stillen würden.
      Zufüttern geht hierzulande oft mit Abstillen einher, das entspricht einfach nicht meiner Meinung, die ich mir aus zahlreichen wissenschaftlichen Artikeln gebildet habe. Es kann ja jeder machen, wie er/ sie will.
      Hier auf Shia Blog geht es ja aber um Müll sparen. Und am meisten Müll spart man eben durchs Stillen . Da tun wir der Umwelt und dem Kind etwas Gutes 🙂

  5. Wieder einen lieben Dank an Anja für den Beitrag!

    Was ich noch erwähnen will: Stillkleidung. Ist schon echt praktisch, vor allem wenn man unterwegs ist. Man kann Stillkleidung relativ einfach gebraucht kaufen, was auch Geld spart, da sie neu gekauft extrem teuer ist. Voraussetzung ist allerdings, dass man bzw. Frau Standardgrößen entspricht. Weil das bei mir nicht der Fall ist, habe ich paar Stillsachen neu gekauft habe umd sonst auf normale Kleidung, mit der man leicht stillen kann, gesetzt.

    Was die WHO-Empfehlung angeht, ist meiner Meinung nach das Problem, dass sie oft so verstanden wird bzw. so vermittelt wird, als müsse man jedes Baby ab dem 4. Monat zufüttern. Und das ist natürlich Quatsch – jedes Baby ist anders! Bei einigen sollte es tatsächlich gleich ab dem 4. Monat sein, bei einigen kann man getrost auch über den 6. Monat hinaus warten.

  6. Aus Erfahrung kann ich waschbare Stilleinlagen aus Baumwolle empfehlen, die man heiß waschen kann (kann man auch ganz leicht selbst nähen). In der Wolle/Seide-Variante können sich schnell Bakterien ansammeln. Und sobald der Verdacht eines Pilzes besteht, muss alles, was nicht heiß gewaschen werden kann (inkl. Still-BH!) in die Tonne.
    Ganz am Anfang gingen bei mir aber auch nur die Einmaleinlagen, weil immer beide Seiten liefen beim Stillen und Stoff sofort durch war.

    Zum Zufüttern: das Babys generell erst ab dem 6 Monat Beikost vertragen ist genauso Quatsch wie zu sagen ab Monat 6 kann jedes Baby essen. Auch da sind Kinder unterschiedlich. Die Empfehlung ist ja nicht ohne Grund: ab dem 4. Monat kann (!) man anfangen. Die Empfehlung der WHO ist zwar insgesamt sinnvoll, man sollte aber bedenken, dass es auch Sicherheitsgründe sind. Nicht überall auf der Welt steht sichere Beikost (speziell sauberes Wasser) zur Verfügung.

  7. Danke für den Beitrag! Gerade beim Stillkissen finde ich, dass es so ne typische Braucht-man-nicht-Anschaffung ist. Da tut’s ein normales Kissen auch. Genau wie man keinen speziellen Stillsessel braucht (was es nicht alles gibt…)

    Bei den wiederverwendbaren Einlagen muss man übrigens genau hinschauen, wie sie zu pflegen sind! Wenn die natürlich nur aus Baumwolle bestehen ist Maschinenwäsche natürlich kein Problem. Ich hatte aber welche aus Wolle/Seide und da kursierten verschiedene Empfehlungen, z.B:
    – trocknen lassen und Eingekrustetes abrubbeln
    – nur mit Wasser auswaschen
    – Handwäsche mit sanftem Waschmittel, usw…
    Ich hatte mich fürs gelegentliche Auswaschen nur mit Wasser entschieden (auf dem Textilpflege-Etikett war übrigens Handwäsche vermerkt). Mit dem unschönen Ergebnis, dass ich (obwohl die Einlagen nur wenig auffangen mussten) schnell rote und juckende Brustwarzen hatte. Bin dann wieder zu Einmaleinlagen gewechselt und das Problem hatte sich innerhalb weniger Tage erledigt. Also: Augen auf bei der Wahl der Stilleinlagen 😀

  8. Hallo Anja,
    Ich freue mich jeden Freitag schon auf deine tollen Tipps für Zero warte mit Kindern.
    Die Baumwoll Stilleinlagen hatte ich auch ausprobiert, aber ich hatte so viel Milch dass die Ruck zuck voll waren und meine Kleidung auch, deswegen habe ich in diesem Fall leider auf die einweg Alternative zurückgreifen müssen. Dafür benutze ich die baumwoll Einlagen jetzt als Abschminkpads 🙂
    Und Danke dass du mal die Wahrheit über Stillkissen gesagt hast, beim ersten Kind wurde mir auch von allen Seiten gesagt, ich müsste unbedingt eins haben, schon damit ich den Bauch abstützen kann.
    Fazit war, ich konnte damit überhaupt nicht schlafen und stillen auch nicht. Zur Zeit fristet es ein Dasein als Rausfallschutz in unserem Bett (wir haben so ein schweres dickes aus Dinkelspelzen).
    Liebe Grüße
    Carolin

  9. Hallo,

    es mag ja Mütter geben, die möglichst früh mit der Beikost oder dem Abstillen beginnen wollen, aber es gibt auch welche, die früher als gewollt mit der Beikost beginnen müssen. Was nützt die tolle Who Empfehlung bis 6 Monate ausschließlich zu stillen, wenn dein Kind von deiner Milch nicht mehr satt wird und unbedingt zusätzliche Energie benötigt? Diese ganzen Empfehlungen können auch ganz viel Druck und schlechtes Gewissen erzeugen (inklusive andere Mütter: Waaas, sie kriegt schon Brei?! Ich werde xy mindestens noch so und so lange voll stillen…) Zumindest war das bei mir so (und ich erachte sie für sinnvoll). Bis ich meinen inneren Frieden damit gemacht habe, keine schlechte Mutter zu sein, weil ich mein Kind mit 5 Monaten zufüttern musste (eigentlich schon früher notwendig , aber ich wollte es nicht akzeptieren) was es ein langer Weg. Jedes Kind ist anders, diese Empfehlungen sollen auch als das wahrgenommen werden, was sie sind: eine Empfehlung. Beste Grüße Jessica

    • Ob ein Kind von der Muttermilch „nicht mehr satt wird“ kann nur eine erfahrene Stillberatung herausfinden. Viele Babys trinken irgendwann effektiver, und werden zusätzlich quengelig, was aber nur in den allerseltensten Fällen an der Milch liegt! Leider gibt es genug „Experten“ wie Hebammen, Kinderärzte und so weiter, die dann gleich die Milch verantwortlich machen. 🙁

      Beim Zufüttern kann auch sehr viel Müll gespart werden, zum Beispiel sind Breigläschen auf jeden Fall mit anderen, müllärmeren Alternativen ersetzbar. Meine Kinder wollten z.B. gar keine breiige Nahrung, sondern lieber auf Brötchen rumlutschen.

      Zum Thema Stilleinlagen sage ich: ich bin immer ausgelaufen und da haben die WW (Wegwerf-) weniger gesaugt als die waschbaren. Nachts hab ich bei der Zweiten einfach ne Mullwindel an die Brust gepappt, hielt eh viel besser und war bequemer, weil ich dann keinen BH mehr tragen musste nachts. Meist läuft auch was aus, wenn an der anderen Brust jemand saugt, da hilft auch sanfter (mehr oder weniger ;)) Druck auf die Warze, das stoppt den Milchabgabereflex.

      Für viele Mütter (und Babys) ist es auch super bequem, „rücklings“ zu stillen, also so dass die Mutter sich hinlegt oder wenigstens sehr weit zurück an ein Kisen lehnt und Baby dann direkt auf dem Bauch liegt. Da ist auch kein Kissen nötig und eventuelle Narben werden geschont. Mein Kind ist jetzt 13 Monate und liegt natürlich nicht mehr beim Stillen, sondern macht meist „Nursing Yoga“ dabei. Oder telefoniert. oder beobachtet die Katze… 🙂 Und ich hab die Hände frei für ein Buch.

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