Geht Zero Waste im medizinischen Bereich als Patient?

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Gehört ihr eigentlich zu den Menschen, die immer unbeschadet durchs Jahr kommen oder gibt’s da auch mal kleine und größere Macken? Also Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin, die sagt von selbst, dass sie zu sie extrem tollpatschig ist und andauernd kleine Verletzungen davonträgt. Und das heißt: Sie braucht ein Pflaster und vielleicht sogar mal ’n Verband! Und dann denke ich mal ’n Schritt weiter und komme auf Müll – denn das sind Pflaster und Verband, wenn z.B. Shia wieder heile ist….

Shia, du lebst zero waste! Wie machst du das denn?! Verzichtest du auf’s Pflaster?

Ach, du, gerade in diesem Moment klebt ein dickes Kinder-Pflaster über meiner linken Handfläche, weil mich eine böse Treppe geschubst hat und mir da nun so ein Quadratzentimeter Haut fehlt… Ich gehöre ja leider zu den Menschen, die sich andauernd irgendwelche Kratzer oder blaue Flecken zuziehen, ohne zu wissen, wie es passiert ist… Bei den meisten Sachen geht’s zum Glück ja auch ohne Pflaster, aber leider nicht immer. Wie dieses Mal.
Ich hab es auch schon geschafft, innerhalb von zwei Monaten mir zwei Mal die gleiche Fingerkuppe fast komplett abzusäbeln…

AUTSCH! Was hast du da gemacht?

Ab in die Notaufnahme, um das gute Stück irgendwie wieder dran zu bekommen. Das konnte wegen des Fingernagels nicht richtig genäht, dafür aber geklebt werden. Da fiel natürlich so einiges an Müll an: der Verband, die Verpackungen vom Verband, diese Klebefäden, Handschuhe des Chirurgen und so weiter… Aber da diskutier ich nicht. Denn im Gegensatz zu vielem Verpackungsmüll macht so was ja zumindest noch Sinn.

Shia, ist der medizinische Bereich denn ein Bereich, wo du sagst, dass Müll auch gerechtfertigt ist?

Hm, ja und nein. Das kommt drauf an. Es ist natürlich gerade im medizinischen Bereich enorm wichtig, alles so steril wie möglich zu halten, um das Infektionsrisiko so minimal wie möglich zu halten. Vieles ist also wirklich wichtig und im Gegensatz zu vielem anderen Verpackungsmüll auch tatsächlich sinnvoll. Das heißt aber nicht, dass es da nicht auch noch sehr viel Luft nach oben in Sachen Nachhaltigkeit gibt.

Was denn zum Beispiel?

Tabletten zum Beispiel! Die sind in Deutschland grundsätzlich einzeln in sogenannten Blistern eingeschweißt. Nicht mal Krankenhäuser bekommen sie blisterfrei – z.B. in großen Dosen oder Gläsern. In vielen anderen Ländern ist es durchaus üblich, dass Krankenhäuser, Arztpraxen oder Apotheken Tabletten in blisterfreien Großpackungen bekommen. Die verteilen ja die Tabletten sowieso stückgenau an die Patienten – oftmals in so orangefarbigen Plastikdöschen, wie man das aus amerikanischen Filmen kennt. Ich habe mir sagen lassen, dass man als Patient in den USA, also als Privatmensch, auch in der Apotheke fragen kann, ob sie einem die verschriebenen Tabletten nicht einfach in ein Medikamentendöschen, das man noch hat, einfüllen statt eine neue Dose zu nehmen.

Diese stückgenaue Abgabe beugt übrigens auch Medikamentenmissbrauch vor. Überhaupt wurde vieles, was man früher auch so hygienisch einwandfrei regeln konnte, heute durch Einweg-Zeugs ersetzt. Die kleinen Einwegbecherchen, worin Patienten ihre Medikamente gereicht bekommen zum Beispiel. Könnte man ja auch aus Glas oder Porzellan machen diese Döschen – damit man die immer wieder verwenden kann, weil die auch einen Geschirrspülgang nicht übel nehmen.

Oh ja, und gibt’s ja auch noch diese Tücher, mit denen die Behandlungsliegen abgedeckt werden!

Genau! Heute sind das ja ganz häufig Papierbahnen. Laken tun es aber auch, das ist hygienisch auch nicht bedenklich, wird ja heiß gewaschen, was übrigens unterm Strich nicht mehr Ressourcen verbraucht. Der Ressourcenverbrauch von Einweg-Sachen wird leider meistens enorm unterschätzt…

Aber – dir geht’s ja auch nich nur um Einwegdosen und Papierlaken und Tücher und Spritzen… Was könnte man denn noch anders organisieren?

Sagen wir mal, du verletzt dich irgendwie am Fuß. Beim Sport oder in einem Unfall oder so. Du kannst nicht gut laufen, brauchst also Krücken. Das bekommst du von der Krankenkasse dann bezahlt. Aber die Krücken brauchst du nur so lange, wie du humpelst und vielleicht noch nicht wieder ganz auftreten darfst. Also – vielelicht ’n paar Wochen. Danach gehören sie dir aber. Und was macht man mit Krücken, die über sind? Die verstauben bei dir auf’m Dachboden oder im Keller – oder landen auf dem Müll. Überleg mal, wie viele Ressourcen verbraucht wurden, um Krücken zu produzieren… Da wär’s dann viel schlauer- und günstiger für alle – da ein Leih-System aufzubauen!

Klar! Und die Krankenkassen könnten das gesparte Geld ja auch sinnvoller dann einsetzen! Was könnte ich aber dann Sinnvolleres mit den Krücken machen?

Du kannst solche Sachen z.B. an Alten- oder Pflegeheime spenden. Hilfsorganisationen nehmen sie manchmal auch an, je nach Bedarf. Du kannst sie ansonsten auch in lokale Facebook-Gruppen oder Ebay-Kleinanzeigen zum Verschenken anbieten, da findet sich auch ganz häufig ein dankbarer Abnehmer.

Kategorie COSMO, Gesundheit & Körperhygiene

17 Kommentare

  1. Ich glaube auch, dass im medizinischen Bereich Müll oft nicht vermeidbar ist, aber es gibt offensichtlich schon noch einiges an Einsparpotential. Worüber ich mich auch immer wieder wundere sind die Verfallsdaten z.B. bei Pflastern. Was soll denn an einem stinknormalen Pflaster verderben?
    Nun ja, „zum Glück“ besitze ich auch einen sehr ausgeprägten Hang zur Tollpatschigkeit, so dass ich meine Pflaster immer verbrauche, bevor sie ihr Verfallsdatum erreichen. Im Moment bin ich aber komplett pflasterfrei. Wenn ich mir meine Beine so ansehe, können wir allerdings froh sein, dass blaue Flecken keinen Müll produzieren, hihihi. Wo bin ich da eigentlich schon wieder überall gegengelaufen???

    • Juliane

      Das Haltbarkeitsdatum auf Pflastern ist vorallem für die Sterilität (Materialien sind ja durchlässig…).

    • Ah, das wusste ich auch noch nicht! Wobei ich mir sowieso die Pflasterstreifen zum Zuschneiden in einer Pappschachtel und nicht die einzeln eingepackten Pflaster kaufe. Die sind sowieso nicht steril :D. War aber auch noch nie ein Problem 😉

  2. Bei Krücken fällt mir ein ich hatte ne Leihkrücke vom Arzt nach meiner Knieop.
    Und bei meinem Sohn hatten wir die vorhandenen Krücken mit ins Krankenhaus genommen damit keine neuen verordnet werden.

    • Ich habe auch mal Krücken gebraucht, die ich mir zum Glück privat von jemandem ausleihen konnte, wo es auch mit der Größe gepasst hat. Super, dass dein Arzt Leihkrücken anbietet, aber natürlich doof, dass sowohl du als auch dein Sohn welche gebraucht haben!

  3. Ohja Krank sein macht schon richtig Müll , ich habe gerade eine richtig fette Wundrose .
    Bon in der 3. Woche krank geschrieben und hoffe das ich am Freitag die Freigabe bekomme das ich wieder arbeiten darf .
    Aber Sparen kann man auch , ich hatte z.b meine Wunde nur selbstverbunden solange sie feucht war .
    Genauso habe ich mir keine Thrombosespritze gesetzt , da ich mich selbst nicht spritzen , statt dessen habe ich mich jeden Tag bewegt und den Saft von einer Zitrone getrunken.

    Was auf jedenfall anfällt wenn man krank geschrieben ist , ist der Müll von der Krankmeldung wovon man einen Teil noch an Arbeitgeber und Krankenkasse schicken muss.

      • Zitronensaft + Bewegung .
        Und wie gesagt ich kann mich nicht selbst spritzen , was willst du machen wenn du niemand in der nähe hast der dir die Thrombosespritze geben kann/will?

  4. Das Essen in Krankenhäusern dürfte ein weiterer Punkt sein. Ich hab mal in irgendeiner Fernsehdoku über eine große (Uni-?) Klinik gesehen, dass dort sämtliche warmen Gerichte in Plastikschalen mit Deckeln, die sehr nach Einweg aussahen (ähnlich wie Fertiggerichte im Supermarkt) gereicht wurden. Das sollte wohl komfortabler für die Patienten sein, damit unabhängig von festen Zeiten warmes Essen aufgewärmt zur Verfügung stehen kann oder so ähnlich. Hat natürlich nur die Krankenhausverwaltung Einfluss drauf.

    • ohja, das essen 🙁
      war jetzt schon mehrfach länger auf station und da gab es meist diese kleinen plastikverpackten portiönchen margarine, marmelade, honig etc. oder einzeln in plastikverpackte kekse.
      irgendwann hab ich auch auf das glutenfreie brot verzichtet, wel da immer ein paar scheiben auf einem teller kamen, der dann hübsch mit viel folie abgedeckt war. …statt dass die einfach einen dieser üblichen plastikdeckel obendrauftun. überhaupt, wieviel folie da ver(sch)wendet wurde – furchtbar.
      beim letzten mal habe ich wenigstens beim tischdecken eingeführt, dass nicht jede*r eine eigene papierserviette bekommt, die dann am ende kategorisch weggeworfen wird, sondern einfach ein stapel in die tischmitte kommt.
      definitiv ne menge luft nach oben!
      jenachdem wofür so ein verband benutzt wird, lässt auch der sich waschen und wiederverwenden.
      pflaster brauch ich zum glück kaum noch, da ich wundheilende tinkturen habe (spitzwegerich und beinwell)

  5. Michelle

    Eine Freundin von mir ist Krankenschwester und erzählte mir, dass sie verpflichtet sind bei jedem PatientInnenwechsel alle Artikel die im Zimmer auf Vorrat für den Gebrauch gelagert werden also Verbände etc. weg zuwerfen, obwohl diese ja noch alle hygienisch verpackt sind. Da scheinen jedenfalls einige Mengen an Müll zusammen zukommen an eigentlich völlig unbenutzten Materialien… Sie meinte, sie bietet den Menschen, die das Zimmer verlassen, jetzt öfter an diese mitzunehmen, denn sie können ja noch gut zu hause gebraucht werden.

    • Oh je, das habe ich bisher nur aus den USA gehört…! Das ist ja vollkommener Schwachsinn! Stell dir vor, was man mit dem Geld, das man so einsparen könnte, alles an Gesundheitsleistungen bezahlen könnte…

      • Da haben wir gerade erst vor Kurzem im Freundinnenkreis drüber gesprochen: Auch nach der Geburt werden die bereitgestellten Windeln und Pflegeprodukte, die von den frischgebackenen Eltern nicht aufgebraucht wurden, weggeworfen. Deshalb: Wickelkommode im Krankenhaus leer räumen bevor man geht 😉 Eine Freundin wurde auch von der Krankenschwester dazu aufgefordert.

        • Oh Mann! Das zu hören tut mir echt schon weh … Dann lieber leer räumen und zur Not verschenken! Danke für die Info, Vanessa <3!

  6. Felizitas

    Da stimme ich voll zu.
    Mit meiner Hausgeburt letzten Herbst, habe ich im Vergleich zu einer Krankenhausgeburt schon relativ umweltschonend geboren.
    Im Nachhinein habe ich mich aber über die Einwegfolien und Tüten geärgert.
    Natürlich brauchte meine Hebamme Einweghandschuhe und Nahtmaterial. Aber ich hätte genug Laken und Handtücher zu Hause gehabt, um während der Geburt alles aufzufangen. Auch im Wochenbett hätte ich statt der Vorlagen die Stoffwindeln nutzen können, die ich eh zu Hause habe.
    Eine Wäsche mit Essig oder eine Kochwäsche hätte alles hygienisch gereinigt.

    • Hi Felizitas,
      ja, hinterher ist man meistens schlauer, weswegen ich es echt toll finde, dass du hier deine Erfahrungen teilst <3!! Ich wünsche dir eine ganz schöne und müllarme Zeit mit Kind :)!
      Liebe Grüße,
      Shia

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