Wieso Lebensmittelverschwendung den Welthunger verschlimmert

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Wir produzieren und verschwenden einfach zu viele Lebensmittel, sagt Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin! Ungefähr ein Drittel der weltweit angebauten Lebensmittel sehen landen auf dem Müll – was für ein Irrsinn! Heute ist nämlich Welthungertag. Ein Problem, das wir immer noch nicht gelöst haben, obwohl wir es geschafft haben, jederzeit fix mal ein Bild unseres Avocado-Toasts mit der Welt zu teilen, nur um festzustellen, dass es niemanden interessiert. #FirstWorldProblems

Shia – schauen wir erst mal auf den Hunger in der Welt. Wie groß ist da das Problem?

Leider immer noch riesig… Nach Zahlen der Welthungerhilfe gibt’s auf unserem Planeten 800 Millionen Menschen, die hungern und 2 Millarden Menschen leiden an Mangelernährung. Das Ironische dabei ist, dass es auf der Welt eigentlich genug Nahrung, Wissen und Mittel für alle gäbe. Aber stattdessen landet ungefähr ein Drittel aller angebauten Lebensmittel auf dem Müll – und nicht im Magen.

Und diese Überproduktion sorgt sogar noch dafür, dass die Nachfrage nach Rohstoffen wie beispielsweise Getreide – also Grundnahrungsmittel – immer mehr steigt. Steigende Nachfrage bedeutet steigende Preise. Und wer ist natürlich besonders davon betroffen? Benachteiligte Länder, wo sowieso die Versorgung mit Nahrungsmitteln bereits problematisch ist! Und im gleichen Moment werfen wir in Deutschland duzende Kilo Lebensmittel aufn den Müll – das passt nicht zusammen.

Shia, klar, bei der Produktion und später auch im Supermarkt und so werden viele Lebensmittel weggeworfen. Aber sag mal, wie viele Lebensmittel verschwenden wir denn so Zuhause?

Ziemlich viel finde ich. Statistisch werfen wir pro Nase 55kg Lebensmittel im Jahr weg, die noch vollkommen in Ordnung gewesen wären. 55kg, so viel wiege ich ungefähr! In Money, Money, Money ausgedrückt sind es 235€ im Jahr pro Person. Bei einer vierköpfigen Familie oder einer 4-er WG sind’s schon fast 1000€ im Jahr, die wir vollkommen unnötigerweise in die Tonne kloppen. Na, da verschwende ich doch lieber einfach keine Lebensmittel und kaufe mir von dem Geld die Sachen in Bio! Macht doch viel mehr Sinn!

Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass kaum einer für Lebensmittelverschwendung ist. Warum verschwenden wir trotzdem so viel?

Lebensmittel sind inzwischen einfach ständig verfügbar und zu einem extrem niedrigen Preis erhältlich, sodass die Wertschätzung auf der Strecke geblieben ist. Billig gekauft bedeutet gefühlt halt wenig wert. Und das bedeutet, dass wir auch verschwenderischer damit umgehen. Ich früher ja auch. Bei mir hat sich das schlagartig geändert, als ich mal Freiwilligenarbeit auf einer Bio-Farm gemacht habe. Wenn man mal am eigenen Körper miterlebt, was für eine Knochenarbeit ist, bringt man es einfach nicht mehr übers Herz, leichtfertig ein Lebensmittel wegzuwerfen.

Und was können wir konkret machen, um auch ohne zu Bauern zu werden diese Wertschätzung zu erlernen?

Versuch doch mal, dir von der Menge her nur so zwei Drittel von dem zu kaufen, was du sonst kaufen würdest, dafür aber in Bio. Jaaa, das ist teurer. Und tut wahrscheinlich ein bisschen weh. Dir wird es Zuhause also automatisch schwerer fallen, die Sachen einfach in die Tonne zu kloppen oder verderben zu lassen. Und sowieso ist weniger, dafür aber bedarfsgerecht einkaufen ein großes Stichwort. Ich gehe z.B. nicht mehr spontan auf dem Nachhauseweg einkaufen, sondern gezielt, und das auch nur einmal die Woche. So kann ich vorher gucken, was ich überhaupt alles Zuhause habe und mir eine Einkaufsliste machen. So kaufe so auch nichts doppelt und werde beim Durchgucken daran erinnert, was aufgebraucht werden sollte.

Ganz einfache Schritte sind das eigentlich, aber das ist ja oft so im Leben, dass so kleine Gewohnheiten echt eine große Wirkung haben!

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Kategorie COSMO, Food, Küche

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