Wie nachhaltig sind E-Scooter zum Ausleihen?

Jeden Sonntag gibt es gegen 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das weltoffene Radioprogramm vom WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg (RBB).

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Brandenburg auf 96,3 MHz.

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Wie Pilze schießen diese Dinger gerade in deutschen Städten aus dem Boden, stehen oft unübersehbar mitten auf dem Gehweg und sind ultrabeliebt. Die Rede ist von E-Scootern zum Ausleihen per App! Der Spaßfaktor ist groß – über Nachhhaltigkeit der kleinen schnellen Teilchen müssen wir jetzt reden. Und – dafür haben wir unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su ins Rollen gebracht….

Aber kann man da überhaupt schon was absehen? Es gibt sie ja erst seit gut drei Wochen.

Bei uns in Deutschland ist das jetzt natürlich alles noch ganz frisch. Aber in anderen Ländern wie in den USA oder bei uns in Europa – zum Beispiel in Spanien – da gibt es sie schon seit dem letztem Jahr! Und – einer der großen US-amerikanischen eScooter-Anbieter mischt bei uns – und auch in Spanien – kräftig mit. Heißt: wir können definitiv davon ausgehen, dass das Konzept jetzt nicht plötzlich ganz anders sein wird.

Was zeigen die Erfahrungen in den USA denn bisher?

Nach investigativen Recherchen und Berechnungen des US-amerikanischen Nachrichtenkanals Quartz liegt die durchschnittliche Lebensdauer eines E-Scooters bei gerade mal 28.8 Tagen! Das ist natürlich alles andere als nachhaltig!

Was?? Das ist aber ein echt extrem kurzes Rollerleben… Wie kommt das denn?

Dafür werden verschiedene Gründe genannt: Zum Einen natürlich Vandalismus. Sehr viel Vandalismus… In Marseille zum Beispiel werden sie oft nach der Nutzung einfach am Hafen ins Wasser geworfen. Zum anderen, dass die E-Scooter-Modelle bisher gar nicht auf diese Art der kommerziellen Nutzung ausgelegt sind. Das Modell eines Anbieters war z.B. nur für Erwachsene bis zu 100kg gemacht – und ich sehe andauernd Leute zu zweit auf den Dingern, auch wenn die Anbieter das natürlich ausdrücklich untersagen. Dann werden die E-Scooter bei allen möglichen Wetter- und Straßenbedingungen gefahren – klar! – und nicht nur bei gutem Wetter auf flachen Straßen, wie es nach Herstellerangaben gedacht war. Die Anbieter sind aber schon an neuen, auch für das Miet-System entwickelten Modellen dran.

Und wie sieht es sonst so in Sachen Nachhaltigkeit aus?

Die E-Scooter müssen natürlich aufgeladen werden, d.h. irgendwer muss sie einsammeln und aufladen. Das passiert natürlich mit dem Auto – so viel zu “Elektro“-Mobilität. Die Leute, die das als Nebenjob machen heißen “Juicer” – und du musst als Juicer schnell sein, denn sonst fährst du irgendwo hin, um einen E-Scooter aufzusammeln, nur um festzustellen, dass ein anderer Juicer dir den Scooter weggeschnappt hat. Solche Leerfahrten mit dem Auto machen das Ganze ebenfalls nicht nachhaltiger. Ob die Juicer Zuhause Ökostrom beziehen – tja, das ist nicht nachzuvollziehen.

Meinst du, die Leute benutzen E-Scooter statt den Bus zu nehmen, aufs Rad zu steigen oder zu laufen?

Noch gibt es keine Studien dazu, aber vieles legt nah, dass E-Scooter wahrscheinlich Leute vom öffentlichen Nahverkehr abziehen, was natürlich nicht so cool wäre. Dafür spricht, dass die E-Scooter nur in Innenstädten ausgeliehen und wieder abgestellt werden – also dort, wo das öffentliche Nahverkehrsnetz sogar am besten ist. Bei Carsharing weiß man schon, dass ungefähr die Hälfte der zurückgelegten Strecken Bequemlichkeitsfahren innerhalb der Innenstadt sind. Laut repräsentativer Studien hätten 76% der Carsharing-Kunden stattdessen sonst die Öffis genommen, wären mit dem Rad gefahren oder einfach gelaufen. Aber ob das bei E-Scootern tatsächlich auch so sein wird, wird sich zeigen. Ich fahre auf jeden Fall auch weiterhin lieber mit meinem Drahtesel, das ist nämlich zu 100% nachhaltiger!

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Kategorie COSMO, Dossier

4 Kommentare

  1. Christoph

    durch Zufall habe ich einmal den Anbieter „Lime“ ausprobiert und war von dem Konzept (welches bei vielen Anbietern gleich ist) voll überzeugt.

    Die Tatsache mit der kurzen Lebensdauer der Scooter schockiert mich doch sehr!

  2. Nachdem ich letztens über die Juicer gelesen habe, dachte ich mir schon, dass das nicht besonders nachhaltig sein kann.
    Abgesehen davon werden die Teile oft auf dem Radweg stehen gelassen und behindern dann die Radfahrer…ziemlich nervig.

    Danke, dass Cosmo und du das Thema so schnell aufgegriffen habt!

    • Hi Anna,
      ja, Nachhaltigkeit ist definitiv nicht das Ziel der Betreiber. Und ich kann auch nur zustimmen, dass die E-Scooter oft extrem ungünstig abgestellt werden, was ich nicht in Ordnung finde. Dabei wird nicht nur Radverkehr oft beeinträchtigt, sondern auch Rollifahrer, Kinderwagen und Menschen, die Rollatoren brauchen, weil der Gehweg verengt wird.
      Liebe Grüße,
      Shia

      • Das gleiche gilt auch für die elektrischen Mofas. Die stehen auch viel zu oft auf Gehwegen und sind noch schwieriger zu entfernen als E-Scooter. Auch diese tausend Leihfahrräder nerven mittlerweile, wenn sie umgeschmissen irgendwo herum liegen. Und da ich auch denke, dass eher wenig Menschen diese Verkehrsmittel nutzen, anstatt ihr Auto zu nehmen, ist es mit der Nachhaltigkeit wirklich nicht so richtig…

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