Wie können unsere Städte fahrradfreundlicher werden?

Jeden Sonntag gibt es gegen 12:30 bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das weltoffene Radioprogramm vom WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg (RBB).

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Obwohl schon seit etwa 50 Jahren bekannt ist, dass es sowas wie Klimawandel gibt, und es auch schon lange klar ist, dass Autoverkehr nicht mehr wirklich zeitgemäß ist und eine ziemlich Umweltsauerei, haben wir’s immer noch nicht hingekriegt eine Verkehrswende zu wuppen. Fahrradfahren – ist total gesund und großartig für’s Klima. Aber wie machen wir Fahrradfahren attraktiv und – folgerichtig – natürlich auch sicher? Shia Su – unsere Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin – die fährt auch gerne Rad und ärgert sich dann oft, weil das in vielen Städten ein ziemlich gefährliches Unterfangen ist. Also – Radfahrer haben’s nicht immer gut…

Shia, was läuft denn da nicht?

Ich lebe ja in Köln und da ist z.B. die Verkehrsführung für Radfahrer… abenteuerlich. Die Radwege hören oft plötzlich auf und ZACK bin ich im meist dichten Autoverkehr wieder, wo ich schon mehrmals in parkende Autos gedrängt wurde und ich muss richtig auf mich aufmerksam machen…. Ich klopf dann auch schon mal an die Scheibe des neben mir fahrenden Autos – ja, so nah sind sie an mir dran! Wenn überhaupt Radwege da sind, sind sie meistens zu eng oder führen ganz dicht an parkenden Wagen vorbei, wo jederzeit eine Autotür aufgehen kann und – denk das mal weiter, wenn man da so mit Schmackes in eine offene Tür fährt und über’s Lenkrad absteigt… AUTSCH! Aber nicht nur in Köln muss man schon etwas lebensmüde sein, um aufs Rad zu steigen. Und das ist kein Wunder! Unsere gesamte Mobilitäts-Infrastruktur ist weitgehend auf das Auto als Hauptverkehrsmittel ausgerichtet – und das, obwohl wir ja seit knapp 50 Jahren über den Klimawandel Bescheid wissen. Also eigentlich ja Zeit genug, um was geändert zu haben.

Was müssten Städte tun, um Radfahren sicherer zu machen?

Erst mal müssen sie ernsthaft was tun wollen. Das bedeutet zum Einen, mehr Geld dafür locker zu machen, und zum Anderen für das Gemeinwohl auch Entscheidungen zu treffen, die im ersten Moment unbeliebt sind, wie z.B. Parkplätze wegzunehmen und stattdessen Radwege und breitere, barrierefreie Gehwege zu bauen. Wenn man mal darüber nachdenkt ist es eigentlich total verrückt, dass wir öffentliche Flächen dafür zur Verfügung stellen, dass Menschen ihre privaten, wirklich auch beachtlichen Raum einnehmenden Fahrzeuge da abstellen. Es ist doch viel klüger, die Flächen so zu nutzen, dass wir alle etwas davon haben, z.B. indem der Verkehr dank einer besseren Radfahr-Infrastruktur besser fließen kann oder auch Menschen mit Rollatoren, Rollifahrer oder auch Eltern mit Kinderwagen gut auf den Gehwegen vorankommen.

Das klingt auf jeden Fall nicht nach einem beliebten Vorschlag. Meinst du, das ist politisch realistisch?

Ja, auf jeden Fall! Guck mal, wir haben laut dem Weltklimarat gerade mal 11 Jahre Zeit, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch zu verhindern. Langsam ist es keine Frage mehr von wollen oder nicht wollen, sondern von müssen – vorausgesetzt natürlich wir wollen als Spezies überleben. Und außerdem gibt es ja auch schon Städte, die das schon erfolgreich umgesetzt haben! Kopenhagen ist da ein Paradebeispiel!

Breite Fahrradwege, eine autofreie Innenstadt und die grüne Welle bei der Ampelschaltung ist sogar auf Radfahrer ausgelegt! Und ja – das ging auf Kosten der Parkplätze. Im Tausch gab es mehr Lebensqualität und Gesundheit für alle! Heute ist das Fahrrad in Kopenhagen das Hauptverkehrsmittel, einfach, weil es so praktisch ist. Und auch Autofahren ist stressfreier, weil der Verkehr fließt.

Bis Köln in Sachen Radfreundlichkeit zu Kopenhagen wird, das wird wohl noch dauern. Was können wir Radfahrerinnen und Radfahrer denn in der Zwischenzeit machen?

Erst mal kann ich nur jeder und jedem ans Herz legen, aktiv zu werden. In den meisten deutschen Städten gibt es die Critical Mass. Das ist ein meistens monatliches Radfahrertreffen, wo man gemeinsam durch die Stadt radelt, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir Radler gleichberechtigte Verkehrsteilnehmerinnen sind. Das macht auch richtig Spaß! Hier in Köln sind es mehrere Hundert bis über Tausend Teilnehmer. Einige Städte haben übrigens auch Fahrradbeauftragte bzw. Radverkehrsbeauftragte. Denen kann man nicht nur schreiben, man kann sie auch ganz persönlich mal anrufen. Ich wurde sogar schon mal im Gespräch gebeten, mal eine Liste zu machen, wo überall in der Stadt die Radführung schlecht sei, damit sie es auf ihre Liste nehmen können.

Übrigens gibt es auch sexy grellgelbe Schutzvesten, wo “1,5m Sicherheitsabstand” drauf steht. Ich habe meine Schutzveste bei der Polizei bekommen und seitdem werde ich viel seltener von Autos abgedrängt.

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Kategorie COSMO, Unterwegs

1 Kommentare

  1. Hallo Shia,

    ich stimme dir vollkommen zu. Zusätzlich wünsche ich mir viel mehr Politessen und Polizisten, sodass Parkverbote auch durchgesetzt werden. Ständig stehen Autos auf den Fahrradwegen. Selbst wenn man die Personen darauf anspricht, fahren sie nicht weg, sondern regen sich noch auf oder reagieren gar nicht. Wenn sich der Fahrradweg auf dem Gehweg befindet, laufen dort immer Fußgänger, sodass das Vorankommen ebenfalls mühsam ist. Bei Rückstau werden Fahrradüberwege an Ampeln nicht frei gehalten, sondern blockiert. Wenn ich dann grün habe, komme ich nicht durch. Ich werde an den engsten Stellen mit minimalem Abstand überholt und von der Straße gedrängt. Im Winter werden die Straßen geräumt, aber nicht die Fahrradwege. Bei den wenigen Fahrradstraßen, die es in meiner Stadt gibt, steht leider immer unter dem Schild, dass Kraftfahrzeuge frei sind. Deshalb erwarten trotzdem alle Autofahrer, dass man ihnen Platz macht und sie Vorfahrt haben. An vielen Stellen ist die Fahrradampel rot, obwohl sich mein Weg überhaupt nicht mit den anderen kreuzt. Niemand hat die Geduld, mich in Ruhe abbiegen zu lassen. Stattdessen wird gedrängelt und hinter mir finden die beklopptesten Spurwechsel- und Überholmaneuver statt, natürlich ohne zu blinken. Ich habe in der Fahrschule gelernt, dass man partnerschaftlich fahren soll, aber die Erfahrung zeigt, dass das weit von der Realität entfernt ist und viele da wohl geschlafen haben.

    Ganz viele liebe Grüße

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