Wie kann ich nachhaltiger umziehen?

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

Hier gibt’s den Talk zum Nachhören
COSMO Livestream

COSMO hier – und wie immer um diese Zeit sprechen wir mit unserer Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su. Und das aus guten Grund: Denn wenn jemand nachhaltig lebt, dann sie. Beispiel gefällig? Hausmüll – viele haben Probleme ihren Müll so im Griff zu haben, dass die Tonne reicht – der Restmüll von ihr passt aber in ein kleines Einmach-Glas. Es gibt aber Momente im Leben, da wird das mit dem Nachhaltig-Leben schwierig. Eine Situation: Umziehen. Kennen wir alle: Ob zum Studium oder für den Job danach – so eine Situation hat auch Shia Su hinter sich. Denn sie ist kürzlich von Bochum nach Köln gezogen. Shia, ein eigenes Auto hast du nicht – auf der Straße beträgt die Distanz knapp 90 Kilometer.

Wie hast du das mit dem Umzug gemacht?

Ich hatte tatsächlich überlegt, ob wir nicht ein Elektroauto dafür mieten könnten. Elektro-Transporter zum Mieten konnte ich leider gar nicht finden und alle E-Autos waren sportliche oder kleine Modelle ohne Anhängerkupplung oder Aussagen, ob das überhaupt ginge.

Am Ende haben meine Schwiegereltern uns unter die Arme gegriffen. Ein paar wenige, aber sperrige Dinge wie die Matratze hatten wir sowieso noch bei ihnen auf dem Dachboden gelagert. Wir sind also zu viert in deren Kleinwagen Matratze und Fahrrad im Anhänger bei ihnen losgefahren. Erst nach Bochum, die eigentlichen Sachen da einladen. Unterwegs nach Köln haben wir dann noch an drei Stationen auf dem Weg gebrauchte Möbel für die neue Wohnung abgeholt, um zusätzliche Fahrten und Emissionen zu vermeiden. Als Minimalisten haben zum Glück sowieso nicht viel, das passte also problemlos rein. So wenig, dass wir nicht mal etwas zum Ausmisten gehabt hätten.

Aber wenn du ausgemistet hättest, hättest du das Zeug aber sicher nicht stumpf auf den Sperrmüll geworfen haben, oder?

Nein, nicht, wenn die Dinge noch brauchbar sind! Grundsätzlich macht es Sinn, vor einem Umzug sich von unnötigem Ballast zu trennen, bevor man das womöglich quer durchs Land zu karrt. Die Sachen einfach wegzuwerfen, wäre aber nicht nachhaltig. Über regionale Facebook-Gruppen oder Ebay-Kleinanzeigen zum Beispiel kannst du die Dinge noch toll unter die Leute bringen, entweder verkaufen oder auch verschenken. Und das ganz lokal. Es gibt ja schon genug Zeugs auf dieser Welt. Statt unsere knapper werdenden Ressourcen darauf zu verwenden, immer mehr Gedöns zu produzieren, macht es einfach mehr Sinn, die Dinge umzuverteilen. Da hab ich mich schon öfters gewundert, was mir nicht noch alles unter den Nägeln weggerissen wurde. Alte Handyladegeräte und angebrochene Lebensmittel zum Beispiel.

Was ist denn mit Spenden? Das fand ich ja bisher immer ganz praktisch.

Ich sag mal Spenden ist zumindest meistens besser als alles direkt in den Müll zu werfen. Allerdings muss man sich klar sein, dass vieles da noch mal aussortiert und entsorgt wird. Oftmals auch einfach, weil es für die Dinge aktuell keinen Bedarf gibt oder der Lagerplatz fehlt. Also bei so was kannst du am besten vorher mal anrufen und nachfragen, was gerade überhaupt benötigt wird.

Wie hast du das denn mit Umzugskartons gemacht?

Wir hatten jetzt gar keine. Als Minimalisten haben wir ja nicht so viel. Hätten wir Umzugskartons gebraucht, würden zehn für meinen Partner und mich zusammen sicherlich locker reichen, aber wir haben alles in zusammengesuchte Kartons verstauen können. Aber auch Umzugskartons muss man nicht bei jedem Umzug für teures Geld kaufen. Lieber mal Freunde, Arbeitskollegen und Bekannte fragen, denn irgendwer hat immer Umzugskartons im Keller, die du dir dann ausleihen kannst. Unsere zusammengesuchten Kartons werden wir nach dem Umzug wahrscheinlich zum Verschenken ins Internet stellen. Eine tolle Sache sind übrigens wiederverwendbare Boxen, die du dir speziell für Umzüge mieten kannst! So fällt nämlich auch kein Altpapier-Müll an – und die Kisten sind auch etwas stabiler als so ein Karton.

Wie ist das denn mit den Möbeln – konntest du da alle bisherigen Möbel mitnehmen oder hast du neue Kaufen müssen?

Ja, wir mussten uns leider ein bisschen was kaufen… Wir waren ja bis vor kurzem ein Jahr im Ausland und haben da schon nur das Allernötigste eingelagert, die besagte Matratze bei den Schwiegereltern.

Das heißt, wir hatten fast keine Möbel mehr jetzt für den Umzug. Zum Glück sind Möbel etwas, was man ja wirklich super gebraucht bekommt, hat ja sogar bei uns mit der Abholung mitten im Umzug geklappt. Aber manchmal wird’s ja schon knifflig. Mein Partner und ich leben als Minimalisten auch lieber auf kleinem Raum. Unsere neue Wohnung ist nur 30 qm groß und da wollten wir unbedingt ein Schrankbett, also ein Bett, das tagsüber in einen Schrank eingeklappt wird. Dann auch noch ein spezielles Maß, weil man das halt nur in die eine Nische stellen kann. Ja, find das mal gebraucht – dann auch noch mit Montageanleitung. Spoileralert: Das hat nicht geklappt.

Das haben wir uns also neu gekauft und liefern lassen. Da kam natürlich auch eine Menge Müll zusammen: Styropor, Schrauben in Plastik abgepackt und riesige Kartons natürlich. Manchmal stößt man halt an die Grenzen, auch, wenn man versucht, so nachhaltig wie möglich zu leben, aber das finde ich in Ordnung. Wir holen uns halt was geht gebraucht und kaufen nur neu, was sich nicht secondhand auftreiben lässt.

Kategorie COSMO, Haushalt, Persönliches, Sonstiges

6 Kommentare

  1. Da komme ich zu diesem Artikel weil ich denke „oh krass, darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht! Sollte ich mal, damit der nächste Umzug nachhaltiger wird“ und dann fällt mir auf, dass wir das schon ganz gut gemacht haben:
    Umzugskartons gebraucht gekauft und dann am neuen Ort wieder verkauft, Möbel in der Familie verschenkt oder bei eBay-Kleinanzeigen verkauft, Bücher und Kleinkram zum Verschenken vor’s Haus gestellt und den Rest in die Givebox (In Ehrenfeld) gebracht, Zerbrechliches in Handtücher und Kleidung statt in Folie eingewickelt und voila! Unser Umzug war doch recht nachhaltig (bis auf den großen LKW, den wir gemietet hatten. Da aber das Umzugsunternehmen nicht geglaubt hatte, dass wir wirklich so viele Dinge haben, wie wir gesagt haben, war der LKW zumindest bis auf den letzten Kubikzentimeter gefüllt 😉

    Liebe Grüße,
    Tine

  2. Liebe Shia, ich lese regelmäßig deinen Blog und mag deine unkomplizierten Tipps 🙂

    Ihr seid in eine 30qm Wohnung gezogen; das ist cool; ich und mein Partner haben direkt mal 3x soviel… komfortabel beim Wohnen aber nicht beim Putzen und sich drum kümmern.
    Was ich aber frage, bei so kleinen Wohnungen und bei tiny houses etc, wie macht ihr das wenn Besuch kommt, der übernachtet? Passt da noch irgendwo eine Matratze hin oder habt ihr eine Schlafcouch?

    LG aus Leipzig

  3. Hey Shia,
    ich finds auch cool dass du jetzt in Köln wohnst, da läuft man sich ja vielleicht mal im Unverpackt-Laden über den Weg 😀 Darf man fragen in welchen Stadtteil es euch verschlagen hat (oder zumindest auf welche Rheinseite ^^)?

    Wir haben bei unserem letzten Umzug hauptsächlich Bananenkisten zum Verstauen genutzt. Einfach mal die Discounter und Supermärkte abklappern und freundlich fragen hat meistens erstaunlich gut funktioniert (außer bei den total hyper-korrekten). Entgegen der Meinung professioneller Umzugsunternehmen kann man die nämlich sehr wohl gut stapeln und jaaa, sie halten was aus *Augen verdreh*. Aber naja, die müssen ja auch irgendwie ihre teuren Pappkartons an den Mann/die Frau bringen…

    • Hey Nadine,
      oh ja, Bananenkisten hatten wir auch früher mal beim Umzug! Hatte ich schon ganz vergessen! Und wir hatten beim gleichen Umzug auch viele extrem stabile Kartons aus Buchhandlungen ergattert! Die Bananenkisten waren super, wir mussten nur aufpassen, da ist ja ein Loch im Boden immer :D. Einfach mit einem weiteren Stück Pappe abdecken und gut ist. Die Bücherkisten waren aber noch besser, die waren ja auf richtig viel Gewicht ausgelegt. Sowohl die Bananenkisten als auch die Bücherkartons erfreuten sich allergrößter Beliebtheit, sodass sie schnell wieder für den nächsten Umzug bei wem anders eingesetzt wurden 🙂
      Und klar kannst du fragen :). Altstadt-Nord, also recht bahnhofs- und domnah. Wenn wir uns über den Weg laufen, sag ruhig hallo :)!
      Liebe Grüße,
      Shia

  4. Cool, dass Ihr nach Köln gezogen seid 🙂 Vielleicht laufen wir uns ja mal über den Weg.
    An Euren Minimalismus kommen wir leider nicht im entferntesten heran. Trotzdem Danke für die Inspiration!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.