Wie kann ich mich für mehr Nachhaltigkeit engagieren?

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das weltoffene Radioprogramm vom WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg (RBB).

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Brandenburg auf 96,3 MHz.

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Heute sind Europawahlen, Leute! Bis 18 Uhr könnt ihr noch die Partei aussuchen und wählen, die in Sachen Nachhaltigkeit am besten zu euren Vorstellungen passt. Ich war ja schon an der Urne. Klooaaar! Shia Su, unsere Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin, hat ihre Stimme auch schon abgegeben. Wichtig, wichtig! Aber auch darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, aktiv zu werden, denn nicht jeder, der in Europa lebt, darf hier auch wählen.

Shia, wie erlebst Du das? Wollen sich mehr Menschen tatsächlich für mehr Nachhaltigkeit engagieren?

Auf jeden Fall! Boah, da hat sich in den letzten 5 Jahren richtig viel getan! Ich weiß noch, als ich 2014 recherchiert hatte, um nach Möglichkeiten zu suchen, diesem Müll-Wahnsinn zu entkommen, bin ich auf genau einen Unverpackt-Laden in ganz Deutschland gestoßen. Das war der Einzige! Ein weiterer war in Planung, hatte aber noch nicht eröffnet. Heute gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen genommen schon über 100! Wahnsinn! Das würde nicht gehen, wenn die Nachfrage in der Gesellschaft nicht da wäre.

Zivilgesellschaftlich ist es – klar – mit Fridays for Future ebenfalls deutlich lauter geworden. Es sind außerdem viele neue Bürgerinitiativen entstanden, die Nachhaltigkeitsthemen in ihren Kommunen stark pushen. Dieses Engagement ist toll und irre wichtig, weil wir laut der letzten Studie von den Vereinten Nationen nur noch 11 Jahre Zeit haben, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Die Uhr tickt also!

Oh ja, die Uhr tickt! Also schieß schnell los, was ist dein Tipp Nummer eins?

Mund aufmachen! Es ist echt total krass, was man alles ändern kann, wenn man einfach im Alltag öfters mal den Mund aufmacht. Als ich damals mit dem Müllvermeiden anfing, bin ich in Bioläden gegangen und hab einfach erzählt, dass ich gerne weniger Müll machen möchte und gefragt, was sie da für Möglichkeiten haben. Ein Bioladen hatte sich dann weiter informiert und daraufhin eine Unverpackt-Ecke aufgemacht. Einige Cafés, mit denen ich viel gesprochen habe, haben irgendwann ihre Einweg-Strohhalme durch wiederwendbare ausgetauscht oder geben Servietten nur noch auf Nachfrage raus. Ich habe sogar schon eine total spannende private Führung durch unsere örtliche Abfallaufbereitungsanlage bekommen, weil ich einfach als Bürgerin bei der Stadt angerufen habe, um nachzufragen, was eigentlich mit unserem Müll passiert. Probiert’s mal! Aber immer schön freundlich bleiben ;).

Stimmt, wenn man denen unfreundlich kommt, hören die bestimmt nicht gerne zu. Was ist dein Tipp Nummer zwei?

Werdet im weitesten Sinne politisch aktiv. Viele wissen das nicht, aber jeder kann Abgeordnete, Parteien und Fraktionen anschreiben oder auch einfach im jeweiligen Büro anrufen oder sogar vorbei schauen. Das sind auch nur Menschen wie du und ich und außerdem das gehört zu deren Job, sich um solche Anliegen zu kümmern oder zumindest irgendwie darauf zu reagieren. Ich selbst habe mich immer in meiner unmittelbaren Umgebung engagiert. Bei mir war das erst die Uni, wo ich hochschulpolitisch aktiv war und dann habe ich in der Kommunalpolitik als Referentin gearbeitet. Bis heute bin ich der Meinung, dass gerade diese unteren Ebenen stark unterschätzt werden. Gerade da kann man viel bewegen. Schließt euch Protesten wie Fridays for Future an, tretet bei Verbänden oder Initiativen an, die eurer Meinung nach für die richtigen Themen kämpfen oder schreibt einfach mal Hersteller an, um sie zur Verantwortung zu ziehen.

Und Tipp Nummer 3?

Denn eigenen Alltag klimafreundlicher gestalten. Mit jeder Konsumentscheidung unterstützen wir nämlich entweder Menschen, die es besser machen wollen – z.B. indem wir Sachen kaufen, die ethisch vertretbar produziert wurden oder zu regionalen Bio-Lebensmitteln greifen. ODER wir unterstützen weiter ausbeuterische Praktiken, in dem wir die Herstellern im wahrsten Sinne des Wortes mit unserem Geld dafür entlohnen. Es gibt zum Glück unzählige Möglichkeiten, den eigenen CO2-Abdruck zu verkleinern – und das Schöne ist: Die können wir ganz direkt umsetzen. Während wir bei den anderen Formen des Engagements die Entscheidungen ja eher indirekt beeinflussen, indem wir wählen gehen oder Druck machen, haben wir unser Konsumverhalten selbst in der Hand. Klar, keiner von uns kann alles auf einmal machen, aber jeder kann etwas machen. Wir sind dem Ganzen nicht einfach machtlos ausgeliefert.

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Kategorie COSMO, Dossier

6 Kommentare

  1. Hallo Shia,

    das ist zwar etwas Offtopic, aber ich bin bei zwei Dingen ratlos bzgl. deren Entsorgung.
    Bei mir haben sich mittlerweile ziemlich viele kleinere Kartons angesammelt (durch Bestellen bei Fair Fashion Online-Shops), für die ich keine Verwendung habe. Ich möchte sie aber auch nicht einfach so in die Wertstofftonne werfen. Weißt du, wo man sie abgeben könnte, wo sie weiter benutzt werden?
    Dann habe mir noch vor Jahren eine Kunstlederjacke gebraucht gekauft, bei der sich das Kunstleder mittlerweile überall ablöst… sie ist also auf keinen Fall mehr tragbar. Gibt es hierfür eine Entsorgungmöglichkeit, bei der die Jacke oder zumindest Teile davon (sind ja auch Metallteile dran, Futter aus Polyester) recycelt werden?
    Vielen Dank schon mal!

    Liebe Grüße,
    Lisa

    • Dorohtea

      Ich würde die kleinen Kartons einfach mal bei Kleinanzeigen als zu verschenken einstellen, ich habe das schon öfter gemacht und ich habe immer Abnehmer gefunden. Ansonsten vielleicht mal bei Kindergärten und Schulen nachfragen, vielleicht können die das als Bastelmaterial gebrauchen. Bei mir hat mal eine Dame einen ganzen Haufen Kartons, Papiertüten und vier rosa Plastikeisschalen abgeholt um damit mit Kindern zu basteln. Für die Jacke habe ich keine Idee. 🙁
      Liebe Grüße!

      • Hallo Dorothea,

        vielen Dank für deine Antwort. 🙂
        An ebay kleinanzeigen habe ich auch schon gedacht, ich habe sie jetzt mal dort eingestellt.
        Das mit dem Kindergarten ist auch eine gute Idee, da hätten wir sogar einen in der Nähe.
        Bei der Kunstlederjacke dachte ich daran, sie so weit wie möglich auseinanderzunehmen, um es möglichst getrennt entsorgen zu können, in der Hoffnung, dass vielleicht doch noch was davon recycelt wird.

        Liebe Grüße

  2. Vielen Dank Chia,
    das ist genau das was wir brauchen. Engagement des Einzelnen. Sehe ich auch so. Mein Partner und ich versuchen auch (u.a.)mehr und mehr auf Verpackungen zu verzichten. Gut Ding will weile haben.. offt erzählen wir unsere kleinen und großen Erfolge beiläufig im Freundeskreis und viele lassen sich von der Freude des Erfolgs anstecken und fangen auch an! Positives Framing ist hier das Stichwort. Plötzlich ist es nicht nervig an den Beutel beim Brot kaufen zu denken, sondern befriedigend ohne Müll heim zu kehren. So wird aus Verzicht ganz einfach Gewinn. Mit deinem motivierenden und positiven Blog trägst du viel dazu bei. Vielen Dank.
    Sandra

  3. Ich versuche so viel wie möglich selber herzustellen, am effektivsten für die Umwelt ist es wahrscheinlich bei Waschmittel und Reinigungsmittel. Es gibt so viele gute Hausmittel die besser oder genauso wirken, wie die ganzen Chemie Bomben es zu kaufen gibt. Außerdem spart man beim Selbermachen unheimlich viel Verpackungsmüll . Auch in Kosmetik und Reinigungsmittel sind in den meisten Produkten Schadstoffe die die Umwelt und auch die Haut Schalen einiges kann man innerhalb von wenigen Minuten selber machen. Es macht auch unheimlich viel Spaß. Im Internet findet man ganz viele kostenlose Rezepte. Gut ist auch auf Produkte zu verzichten, die Mikroplastik enthalten. Und statt der üblichen Reiniger mal auf gut biologisch abbaubare zurückzugreifen, wenn keine Zeit zum Selbermachen da ist.
    Ich habe auch kein Auto und fahre viel mit dem Fahrrad oder laufe es ist einfach nur eine Umstellungssache. Warum für jede Kleinigkeit das Auto nehmen? Ist auch gesünder für die Figur

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