Wie kann ich fairer konsumieren?

Fairtrade Produkte sind leider häufig nicht ganz so Zero Waste, aber immer häufiger gibt es sie auch unverpackt. Kaffee z.B. beim Kaffeeröster, Tee im Teeladen, Rohrzucker, Kakaopulver, Schokolade, usw. im Unverpackt-Laden.

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Fairer Konsum – das ist ja unser Input-Thema diese Woche bei COSMO. Aber bewusster zu leben – fair zu konsumieren ohne Ausbeutung und Umweltverschmutzung – das ist auch gar nicht so einfach! Ich hab ja mal geguckt, und im Grunde werden alle meine Lieblingssachen irgendwie ausbeuterisch produziert: Meine Lieblingsjeans von meiner Lieblingsmarke, mein Lieblingsschokoriegel, sogar der Kaffee, den ich mir ja zumindest in meinen eigenen wiederverwendbaren To-Go-Becher geben lasse. Manchmal denke ich ja, dass es uns als Konsumenten ja auch wirklich schwer gemacht wird, „fair“ zu konsumieren. Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin, die macht es aber trotzdem.

Shia, wie soll das denn gehen, wenn alles, was so um uns ist irgendwie nicht nachhaltig ist?

Ja, es ist leider schon so, dass erschreckenderweise Ausbeutung leider die Norm und nicht die Ausnahme ist. Krass eigentlich, ne? So als Konsument ist es ja so, dass du und ich mit jedem Kauf eine Nachfrage generieren. Wenn wir also viel Fast Fashion kaufen, sagen wir dem Produzenten: Hey, guck mal, das ist ‘ne lukrative Sache! Und der produziert dann mehr davon, unter den gleichen oder noch schlimmeren, aber profitableren Bedingungen, denn offenbar waren die Produktionsbedingungen für uns kein „Deal Breaker”. Sprich, offenbar stört uns Ausbeutung nicht so sehr, dass wir uns davon vom Kauf abhalten lassen.

Wie kann ich das aber ändern, wenn das so das Normale ist, was angeboten wird? Ich meine, es ist ja eher schwer, von vielen Dingen Fairtrade-Bio-Alternativen überhaupt aufzutreiben?

Du hast da absolut recht, es ist leider momentan noch meistens so, dass man einen extra Aufwand fahren muss, wenn man z.B. Fair Fashion statt Fast Fashion kaufen möchte. Und meiner Meinung nach muss sich das ändern. Die nachhaltigere Option müsste der Standard werden, und es müsste schwieriger und unpraktischer sein, die ausbeuterischen Dinge zu kaufen.

Und da kommt wieder die Nachfrage rein. Also, wo man sein Geld lässt und Nachfrage generiert. Denn statt ausbeuterische Firmen kannst du so natürlich die sozialen Unternehmen unterstützen, die es besser machen. Ich kaufe z.B. lieber weniger, und wenn, dann mache ich mir die Mühe, auch mal zu recherchieren, welche Marken auch bei der Produktion auf Mensch und Umwelt Rücksicht nehmen. Und weil nicht nur ich das mache, sondern auch viele andere Menschen, haben sich einige Sachen inzwischen etabliert. So bei Kaffee, Schokolade und Bananen zum Beispiel. Von diesen Dingen gibt es es die Fairtrade-Bio-Versionen ja inzwischen fast überall zu kaufen. Und wenn weiterhin immer mehr Menschen das machen und auch bei den nicht so nachhaltigen Firmen nachfragen und Druck machen, wie z.B. jetzt mit der Kampagne Fashion Revolution Week gerade, dann wird es hoffentlich bald auch leichter sein, an fair produzierte Dinge ranzukommen.

Ja, jeder von uns kann dazu beitragen, dies zu ändern, indem wir unser Geld nicht den Firmen geben, die damit Schmu betreiben, sondern wir lieber weniger, aber dafür FAIRER einkaufen. Shia, wenn ich das jetzt machen möchte. Wie gehe ich vor? Wie finde ich denn heraus, ob etwas auch ohne Ausbeutung and Mensch und Umwelt produziert wurde?

Eine Orientierungshilfe bieten natürlich Siegel. Das bekannteste Siegel ist ja das Fairtrade-Siegel. Es gibt aber noch viele andere mehr, und jedes Siegel hat seine eigenen Kriterien, die auch viel diskutiert werden. Sprich, einige Siegel haben strengere Mindestanforderungen als andere, da kann man sich schnell drin verlieren. Ich persönlich denke, dass es auch handhabbar bleiben muss. Am einfachsten ist es, wenn du nachforschst, wo es bei dir in der Nähe ein Geschäft gibt, dass solche Dinge anbietet. Dort kannst du dann hingehen und einfach nachfragen. Für Lebensmittel sind das natürlich die Bioläden. Für Kleidung gibt es Klamottenläden, die sich auf faire Kleidung spezialisiert haben. Es gibt auch viele Onlineshops, die sich auf ein ökologisches Sortiment spezialisiert haben und wo man sich durchklicken kann, um zu gucken, was für Hersteller es überhaupt gibt. Und natürlich gibt es Facebook-Gruppen und Foren, wo man auch nachfragen kann.

Aber es gibt ja nicht von allen Dingen eine Bio-Fairtrade-Alternative. Meinen Lieblingsschokoriegel gibt es z.B. nur von der einen Marke. Was machst Du dann?

Umdenken ;). Ich frage mich immer, wenn ich so was dann doch kaufen möchte: Ist dieser schnelle Genuss es wirklich wert, dass z.B. Kinder auf Plantagen unter schrecklichen Bedingungen, die sogar als moderne Sklaverei gelten, arbeiten mussten? Und meistens komme ich zum Ergebnis: Nee, ist es mir nicht wert. Und dann lege ich’s zurück und sage mir, dass ich das gesparte Geld später für etwas Cooleres ausgeben werde. Aber hey, ganz ehrlich, auch ich kaufe mal was, was nicht Bio-Fairtrade und was nicht alles ist. Das ist dann aber die Ausnahme, und nicht die Norm und nicht umgekehrt mehr.

Ich glaube, ich probier mal ein paar mehr Sorten Bio-Schokolade durch. Wer weiß, vielleicht schmeckt mir davon ja eine sogar besser als mein oller Schokoriegel! Und sowieso: weniger ist mehr! Lieber weniger kaufen, dafür aber dann ohne Ausbeutung an Mensch und Umwelt!

Kategorie COSMO, Einkaufen

2 Kommentare

  1. Hallo Shia,
    ich bin da ganz bei dir: wir Konsumenten bestimmen die Nachfrage und können damit Einfluss auf die Produktionsbedingungen nehmen.
    Was ich allerdings schade finde, ist, dass bisher die ganze Verantwortung alleine auf die Verbraucher abgewälzt wird. Weder die Politik noch die Industrie/Konzerne… sind in Deutschland bereit konsequent den Umweltschutz über den finanziellen Gewinn zu setzen. Das muss sich dringend ändern. Solange werde ich aber weiterhin mit gutem Beispiel voran gehen 🙂

    • Hi Farah,
      ja, dieses Wer-ist-Schuld-Ping-Pong finde ich auch äußerst nervig. Leider stehen da die Verbraucher den Konzernen um nichts nach. Soll doch einfach jeder selbst bei sich anfangen 😉
      Find ich gut und richtig also, dass du mit gutem Besipiel voran gehst!
      Liebe Grüße,
      Shia

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