Welchen Umweltschutz-Siegeln kann man vertrauen?

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Der blaue Engel ist 40 Jahre alt geworden, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Blauer Engel – das ist jetzt nicht der angetrunkene Weihnachtsengel, dass ist ein Umweltsiegel. Blauer Kreis und in der Mitte eine Figur, die die Arme ausstreckt. Kennt ihr vielleicht von den Schulheften früher oder auf dem Klopapier ist das heute oft zu finden. COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Shia, für was steht denn der blaue Engel?

Der Blaue Engel soll zeigen, dass ein Produkt oder auch eine Dienstleistung umweltschonender als andere ist. Manchmal steht auch konkret dabei, warum ein Produkt das Zeichen bekommen hat, z.B. “weil Mehrweg”, “weil 100% Altpapier” oder “weil emissionsarm”. Der Blaue Engel ist ein staatliches Umweltsiegel und soll Verbrauchern helfen, bessere Kaufentscheidungen zu treffen. Allerdings ist es so, dass es kein Zeichen ist, dass ein Produkt eben vollkommen unbedenklich ist. Elektronik ist z.B. im Grunde durch die Bank weg sehr umweltbelastend produziert. Ein Elektrogerät mit dem Blauen Engel ist also nur weniger umweltschädlich, aber nicht unbedingt umweltfreundlich.

Shia, welche Siegel sind denn aus Deiner Sicht die Wichigsten?

Über den Blauen Engel hatten wir ja vorhin gesprochen. Den findet man auf vielen Produkten wie Klopapier und anderen Nicht-Lebensmitteln. Bei Klamotten gucke ich vor allem auf das GOTS-Zertifikat. Mehr zum Thema Fair Fashion könnt ihr hier nachlesen.

Was Lebensmittel angeht, gibt es das EU-Bio-Siegel, das zeigt, dass ein Lebensmittel die Mindeststandards für bio erfüllt. Also keine chemischen Pflanzenschutzmittel und Dünger im Anbau oder dass in verarbeiteten Lebensmittel höchstens 49 Zusatzstoffe erlaubt sind.

Das Siegel ist so ein grünes Rechteck mit einem Blatt, das von Sternen gesäumt wird, das soll an die EU-Flagge erinnern. Es gibt auch das sechseckige Deutsche Biosiegel, das eigentlich schon vom EU-Bio-Siegel abgelöst wurde, aber aus Bekanntheitsgründen oft immer noch mit drauf kommt. Das EU- und das Deutsche Bio-Siegel sind staatliche Siegel und garantieren nämlich, dass die Standards gesetzlich geschützt sind.

Neben staatlichen Umweltsiegeln gibt’s auch noch private – welche findest Du davon persönlich gut?

Gerade bei Bio-Lebensmitteln muss man sich merken, dass das EU-Siegel wirklich nur die gesetzlichen Mindeststandards festhält. Ich gucke also auch nach anderen, zusätzlichen Bio-Siegeln. Die sind von Anbauverbänden und noch mal deutlich strenger. Demeter, Bioland, Naturland oder Biopark haste bestimmt schon mal gesehen. Ecovin für Wein, falls du Weintrinker bist. Und diese sind noch strenger und damit besser für die Umwelt und Verbraucher.

Siegel gibt’s auch bei Fairtradeprodukten – die sollen auch für die Hersteller gute Bedingungen garantieren. Sind die alle gut?

Das den meisten bekannte Fairtrade-Siegel, schwarzer Hintergrund und darauf zwei Halbkreise in blau und grün, ist zwar vertrauenswürdig, aber ist auch schon in die Kritik geraten, weil die Zertifizierungskosten so hoch sind, dass sie oftmals die wirtschaftlichen Vorteile wieder zunichte machen. Ist aber trotzdem ein vertrauenswürdiges Siegel.

Ich persönlich mag Naturland Fair und „Hand in Hand” von Rapunzel, weil sie als sehr vertrauenswürdig gelten und bio sind. GEPA fair ist streng genommen kein Siegel, aber trotzdem super und 3/4 der Produkte sind auch bio.

Und jetzt sprechen wir mal über die schwarzen Schafe? Welche Siegel gehen für dich eher in die Richtung Betrug?

Es gibt schon so einige, die sehr lasch sind und wo ich mich frage, ob das nicht in erster Linie nur Nachhaltigkeit suggerieret werden soll. Beispiel: Rainforest Alliance und das UTZ-Siegel sind z.B. nicht sehr anspruchsvoll. Aber gut, auch da ist ein Siegel zumindest besser als gar keins. Dann hat z.B. Starbucks ein eigenes fair-trade-Label C.A.F.É Practices ins Leben gerufen, wo der Kaffee-Riese selbst die Kriterien festlegt. Wenn man das genau anschaut, finde ich auch: Das ist eher Marketing und ein bisschen nachhaltig – aber nicht wirklich ernst gemeint aus meiner Sicht.

Kategorie COSMO, Dossier, Einkaufen

3 Kommentare

  1. Ich stimme Kaddi zu, dass das EU Bio Siegel nicht zu den vertrauenswürdigen Siegeln zählt. Man darf sich das Siegel ja auch schon kaufen, bevor der Hof komplett umgestellt ist, anschließend wird festgelegt bis wann der Hof dann „wirklich“ den EU- Standards entsprechen soll. Außerdem sind die Regeln sehr lasch aufgestellt. Hühner sollen „wenn möglich“ „artgerecht“ etc. gehalten werden und „wenn möglich“ genfreies Futter erhalten…. Dann kann der Hof eben fix sagen „Ja, sorry, ist hier nicht drin. Wir haben es (nicht mal) versucht, aber das ist aus Gründen xyz nicht machbar“.
    Zwischendrin drin wird diese Entwicklung auf dem Hof kaum bis gar nicht kontrolliert.
    Außerdem ist es immer noch so, dass das EU Bio Siegel und die Richtlinien zum Ackerbau in Deutschland sich bisher kaum unterschieden haben.
    Unterm Strich ist das EU Bio Siegel, meinem Eindruck nach, mehr Betrug als alles andere.
    Die Anderen Siegel Demeter, Bioland, Naturland etc sind wesentlich vertrauenswürdiger, dank ihren strengeren Richtlinien, wie schon im Beitrag erwähnt.

    Danke für den Beitrag und die weiterführenden Links, ich finde die sehr interessant 🙂

    • *ersetze Ackerbau durch Landwirtschaft 😀
      Außerdem wollte ich nicht aussagen, dass man jetzt alles in den Wind schießen und wieder konventionelle Produkte holen sollte, schließlich wollen wir eine nachhaltigere Wirtschaft. Ich persönlich habe bei einem Produkt, dass nur das EU Bio Siegel trägt eben trotzdem Bauchschmerzen, denn selbst wenn weniger Zusatzstoffe etc erlaubt sind ist es für mich irgendwie immer noch… Naja Augenwischerei. Wahrscheinlich ist es auch einfach schwierig Richtlinien durchzusetzen die dann Europaweit gelten, dafür kenne ich mich mit dem Standard in den anderen Ländern allerdings zu wenig aus um da jetzt eine qualitative Aussage treffen zu können.

  2. Ja, beim EU-Biosiegel dürfen keine künstlichen Dünger eingesetzt werden.
    Aber der Mist zum Düngen darf auch aus der konventionellen Landwirtschaft beschafft werden.
    Dann hab ich aber eben doch wieder die Medikamenten-Rückstände aus der Massentierhaltung auf meinem Gemüse, toll!
    Bei den Demeter/Bioland/Naturland Siegeln ist das strenger reglementiert.

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