Was machen, wenn es auf öffentlichen WCs nur Papierhandtücher gibt?

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

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Vorhin musste ich noch schnell aufs Klo, und da wasche ich mir natürlich die Hände. Klar doch! Zum Abtrocknen gab es dann Papierhandtücher. Fühlt sich immer nach viel Verschwendung an, wenn ich da so 2 -3 Tücher brauche, um meine Hände trocken zu kriegen. Und die sind ja eigentlich nicht mal richtig dreckig, sondern nur nass, meine Hände sind ja frisch gewaschen. Das kann Shia Su, unserer Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin, natürlich nicht gut finden! Und natürlich hat sie auch sofort nach geguckt, wie viel Papiertücher alleine in Köln – wo sie wohnt – benutzt werden…

Also Shia: Was ist los in deiner Stadt? Wie viele Papiertücher werden da pro Jahr verballert?

Viele! In Köln sind 2017 nur in den Gebäuden der Stadt Köln – also Cafés, Restaurants, die Messe, Firmen usw. alle ausgeschlossen – 105 Millionen Papiertaschentücher verbraucht worden! 200 000 EUR kostet das die Stadt Köln im Jahr. Steuergelder wohl gemerkt. Ökologisch schneiden die Dinger ebenfalls schlecht ab. Das Umweltbundesamt hat das mal untersucht und dabei Ressourcenverbrauch, Produktion, Betrieb und Entsorgung berücksichtigt. Aber – da lassen sich die Verantwortlich der Stadt Köln nicht beirren: Sie setzen auch in Zukunft auf Papierhandtücher!

Das ist nicht nur eine ganz schöne Geldsumme, sondern sind ja auch Ressourcen, die wir für drei Sekunden Hände abtrocknen in den Müll kloppen… Werden Papierhandtücher denn wenigstens wiederverwertet oder so?

Leider passiert das nicht, dazu müssten sie zuallererst getrennt gesammelt werden. Das passiert aber nicht. Der Inhalt der Mülleimer, die in den öffentlichen Toiletten stehen landet im Restmüll. Aber selbst wenn man sie extra getrennt sammeln würde, wäre da nicht so viel rauszuholen. Papierhandtücher bestehen nämlich aus kurzen Papierfasern, und die sind für so Drucker- oder Zeitungspapier zu kurz. Was machbar wäre, wäre, sie über den Biomüll zu entsorgen, wo sie dann kompostiert werden oder in einer Biogas-Anlage landen würden. Macht aber leider keiner.

Was hälst du denn alternativ von diesen super starken Kaltgebläsen, wo man die Hände von oben so reinsteckt, und die es immer häufiger gibt?

Die Dinger heißen wohl Hochgeschwindigkeitstrockner oder Jetstreams wie ich neuerdings gelernt habe. Laut Umweltbundesamt schneiden sie ökologisch gesehen ja besser ab als Papierhandtücher. Mir hat jemand aber mal gesagt, dass die angeblich nicht hygienisch seien, das verneint aber das Umweltbundesamt, denn nach einer Hygiene-Studie gibt es bei keinen der Trocknungssystemen da Bedenken. Vom Gefühl her sind mir persönlich aber die Baumwoll-Stoffhandtuch-Spender am liebsten, wo eine lange Baumwollstoffbahn aufgerollt ist und du ziehst dir ein sauberes Stück Stoff raus, das ist dann nicht so laut. Leider scheint es da keine Studie zu geben, die vergleicht, ob nun Stoffhandtuchspender oder Jetstreams ökologisch besser abschneiden.

Wie machst du das denn, wenn du auf ein öffentliches Klo gehst und es gibt nur Papierhandtücher?

Ich habe meistens ein kleines Handtuch dabei, solche, die nicht viel größer als ein Taschentuch sind. Ich trockne das sogar häufig, wenn ich z.B. im Café sitze, indem ich es auf meinem Rucksack ausbreite. 😉 Wenn ich es aber vergessen habe, und das passiert mir ehrlich gesagt häufiger, ja, dann schüttel ich meine Hände aus und nutze die noch feuchten Hände, um meine Haare zu richten, da stiezt nämlich gerne etwas ab. Aber das muss ich immer seltener! Ich sehe immer häufiger, wie Restaurants oder Cafés neben dem Waschbecken kleine Stoffhandtücher anbieten! Oft hängt eins da. Wenn man das aber nicht benutzen möchte kann man sich ein Sauberes nehmen.

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Kategorie Bad, COSMO, Unterwegs

11 Kommentare

  1. Ich habe bei uns auf der Arbeit jetzt so Frotteewaschlappen und Gästehandtücher eingeführt. Die meisten Mitarbeiter nutzen sie ( jeder ein eigenes) . Abends werden die auf so einen kleinen Ding mit Wäscheklammern zum trocknen aufgehängt und kommen am nächsten Tag in eine Tasche für Dreckwäsche. Eine Mitarbeiterin wird fürs Waschen pro Maschine bezahlt. Schätze das wird den Betrieb auf Dauer viel günstiger kommen. Und die Mitarbeiterinnen finden es viel angenehmer! Bloß gegen die in Plastik verpackte Flüssigseife komm ich nicht an. Ausser mir hat niemand eine kleine Seifendose mit fester Naturseife in der Hosentasche.

  2. Hallo Shia,
    an diesem Punkt geht für mich auch eindeutig die Hygiene vor, und da sind Papierhandtücher am sichersten. Natürlich lieber Recyclingtücher, wobei manche davon echt stinken und sich das auf die Hände überträgt.
    Die Stoffbahnen aus dem Spende sollen ja gut sein, ich persönlich mag sie aber nicht. Ich finde den „frischen“ Bereich zu klein und die Stoffbahn durch die Aufhängung zu fest und unflexibel um damit die Hände wirklich gründlich abzutrocknen.

    Das hier mehrfach erwähnte Abwischen an der Hose, am Besten noch hinten, mag sinnvoll erscheinen. Aber überlegt mal, wo eure Hose im Laufe des Tages so überall drauf sitzt, Bus-/Bahnsitze, öffentliche Bänke, Stühle im Lokal etc.. Da sammelt sich so einiges an, was ich nicht an frisch gewaschenen Händen haben möchte.

    Gruß,
    Carsten

  3. Bei aller Nachhaltigkeit geht bei öffentlichen Toiletten meiner Meinung nach die Hygiene vor. Man denkt natürlich selbst von sich, man wüsche sich die Hände super sauber – aber ganz ehrlich, ich habe noch nie erlebt, dass jemand anderes die empfohlenen 20-30 Sek. einseift (während ich da stehe und gedanklich zähle waschen in der gleichen Zeit 4 weitere Damen sich die Hände…manchmal mit Seife, manchmal auch ohne. Das ist weit ab von den 20 Sek. Einseif-Empfehlung), sodass an den meisten Händen eine ganze Menge Keime sind, die für andere Menschen nicht ungefährlich sind. Ich traue daher keinen Stoffhandtüchern, wer sagt mir denn, dass diese 1. bei 90° (was im öffentlichen Raum und nicht innerhalb der Familie notwendig ist) gewaschen werden und 2. sofort gewechselt werden und nicht einen ganzen Tag (oder länger) lang da rumhängen? Tut mir Leid, aber bevor ich mir pathogene Keime einfange, verwende ich lieber die Papiertücher. So viel Hygiene muss sein. Ein extra Handtuch kann nicht jeder mitschleppen.
    Und auch das Nutzen von nur 1 Papiertuch oder das Abstreifen an der Hose ist nicht unbedenklich, da auf noch leicht feuchten Händen sich die zuvor eingefangenen Keime weit besser verbreiten können (und man sie so fröhlich weiterverteilt). Gerade in infektionsstarken Zeiten (Grippewelle etc) oder exponierten Bereichen (Bahnhofsklo) sollte man hier mal die Nachhaltigkeit außen vor lassen und die Gesundheit an erste Stelle setzen.
    Viel wichtiger wäre daher im öffentlichen Raum wenigstens Recyclingpapier einzusetzen. Das schont die Umwelt und ist ein Plus an Hygiene.
    VG

    • Ich denke, viele Varianten sind ja auch nicht daraus entstanden, Papierhandtücher zu sparen, sondern die so oft ganz fehlenden (oder den gruseligen Händefön) zu ersetzen.
      Mit Stoffhandtüchern sind wohl auch diese Endlosdinger gemeint, bei denen man immer ein sauberes Stück rauszieht. Die werden ja im Großen industriell gewaschen.

      • Ich denke nicht. Auch ich kenne Restaurants, in denen stinknormale kleine Gästehandtücher angeboten werden. Nicht jedes inhabergeführte Bistro lässt industriell waschen, zumal diese Designhandtücher oft bunt und somit nicht immer kochfest sind. Sofern es sich um diese Abrollbahnen handelt, die Shia oben auch erwähnt, sehe ich kein Problem. Auch viele Kommentare verstehe ich so, dass auch bei vorhandenen Einmaltüchern lieber die eigene Hose genutzt wird. Darüber sollte man vielleicht noch einmal aus hygienischer Sicht nachdenken 😉

  4. Ich habe leider zu wenig Haare um sie zu richten. 😉 Ansonsten benutze ich auch gerne meinen Allerwertesten zum Abwischen, es sei denn ich bin so schlau und friemele noch beim Klogang ein Stofftaschentuch aus meiner Handtasche.

  5. Ich richte mit den feuchten Haaren auch meine Frisur und trockne den Rest an meinen Hosenbeinen unter dem langen Oberteil ab 🙂
    Den Heißluftdingern trau ich überhaupt nicht – lt. diversen Tests sollen die doch richtige Bakterienschleudern sein. Und wenn nicht das, so hab ich aus sicherer Schulkind-Quelle gehört (nein!! Meiner war nicht dabei!!!), dass es wohl schon ein „Späßchen“ in Jungsklos war, da reinzupinkeln – und der nächste Nutzer hat dann die goldene Fontaine abbekommen…!

  6. Ich trockne mir die Hände auch einfach an der Hose ab. Ist doch viel einfacher als an ein Handtuch denken zu müssen! 😉

  7. Hallo Shia, das mit den Stoffhandtüchern im Restaurant ist super! Hier gibt es leider nur ein mir bekanntes, das welche hat.
    Ich trockene die Hände einfach an der Hose ab 🙂
    Bei der Arbeit habe ich ein Handtuch dabei, die meisten anderen nehmen Papiertücher (im Krankenhaus, Büro). Wir haben ein neues Büro mit angrenzenden Bad. So schnell konnte ich gar nicht gucken, wie ein Papierhandtuchspender angedübelt wurde… schade. Immerhin hab ich eine Abwaschbürste aus Holz in die Küche mitgenommen.
    Mach weiter so und liebe Grüße 🙂

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