Was ist weniger umweltschädlich: Metall, Plastik, Bioplastik oder Papier?

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 heißt der Sender aber COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Letzte Woche hatte sich eine COSMO-Hörerin nach meinem Nachhaltigkeitstalk mit Feedback an COSMO gewandt. Ich fand ihre Frage echt spannend und hab kurzerhand die neue Sparte Leser*innenbriefe bei mir auf dem Blog eingerichtet 😁  (hier geht es zu meinem Antwortbrief)! Aber natürlich wollten wir das auch noch mal an Ort und Stelle, nämlich im Radio, aufgreifen und direkt ausweiten: Was ist außerdem mit Papiertüten? Und was ist das beste, das man als umweltwusster Kunde machen kann?

Am vergangenen Wochenende hat unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su einen Satz gesagt, der für eine ungläubige Reaktion gesorgt hat: Shia hat empfohlen im Bioladen Zahnpastatuben aus Metall zu kaufen, dann ist nur der Deckel aus Plastik. Ist Metall denn tatsächlich umweltfreundlicher und nachhaltiger als Plastik?!

Shia, was hast du angerichtet?

Die Hörerin hat natürlich Recht, wenn sie sagt, dass Metall sowohl in der Herstellung als auch im Recyclingprozess sehr energieintensiv ist. Und es gibt inzwischen auch Bioplastik aus anderen Materialien. Die beste Lösung ist natürlich, Verpackungsmüll ganz zu streichen, sowohl Plastik als auch Metall. Deswegen lebe ich ja auch „Zero Waste“, also ohne Müll zu erzeugen.

Sind Metalltuben nicht besser als Plastiktuben?

Ich bleibe dabei: Metalltuben sind im Vergleich zu den Plastiktuben zumindest die bessere, wenn auch nicht die optimale Lösung. Auch wenn es inzwischen Bioplastik aus nachwachsenden Rohstoffen gibt, gängige Zahnpastatuben bestehen leider nicht daraus, sondern aus regulärem Plastik, das aus Erdöl gewonnen wird. Erdölgewinnung ist ziemlich destruktiv, die Plastikproduktion ist erstaunlilch unreguliert und Plastikmüll ist einfach eine riesige Umweltbelastung. Außerdem kann Plastik nur einmal “recycelt” werden, danach ist es endgültig Müll. Metall kann immer und immer wieder recycelt werden und das passiert in Deutschland häufig sogar, wenn das Metall im Restmüll landet.

Werfen wir einmal einen Blick auf Plastik. Shia, was ist besser: die Papier- oder die Plastiktüte?

Ehrlich gesagt sind beide nicht so gut. Eine Papiertüte braucht in der Gewinnung und Produktion erst mal mehr Ressourcen und Energie als die Plastiktüte. Die Plastiktüte richtet aber viel mehr Schaden an, wenn sie nicht den Weg in die Müllaufbereitung findet. Ich kann nur sagen, dass beides umweltschädlich ist und vermieden werden sollte.

Gilt das auch für Bioplastik? Plastik kann man doch mittlerweile auch aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen?

Ja, das klingt immer so gut. Aber in vielen dieser Tüten stecken trotzdem noch 50% oder sogar mehr Erdöl. Der Rest besteht meistens aus gentechnisch manipuliertem Mais, der unter großzügigem Einsatz von Pestiziden angebaut wird, was natürlich die Umwelt auch belastet. Außerdem treibt das den Weltmarktpreis für Mais hoch, was gerade in Entwicklungsländern, in denen Mais ein Grundnahrungsmittel ist, ein großes Problem ist, weil die Menschen sich da ihr Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten können.

Stimmt es, das Bioplastik-Tüten sich auch nicht gut biologisch abbauen lassen?

Ja, leider. So richtig zersetzen können sich die angeblich kompostierbaren Tüten meistens nur unter industriellen Bedingungen. Also Bedingungen, die in der Natur nicht gegeben sind. Andere Sorten sind theoretisch recycelbar. Allerdings können die Müllsortierungsanlagen, die heutzutage im Einsatz sind, Bioplastik gar nicht erkennen. So können sie auch nicht aussortiert und entsprechend recycelt werden. Bisher ist der Bioplastik-Anteil im Müll auch noch so gering, dass es sich für die Anlagen nicht lohnt, da aufzurüsten.

Was heißt das für den umweltbewussten Kunden? Wie kann man umweltfreundlicher handeln?

Am Ende ist der wiederverwendbare Beutel oder der Einkaufskorb, den man sowieso schon hat, am umweltfreundlichsten. Als Faustregel kann man sich für den Alltag merken: Einweg-Zeugs belastet immer die Umwelt. Das gilt auch für vorgesehene Mehrweg-Sachen wie den Jutebeutel, den man aber dann stattdessen kauft aber de facto später kaum benutzt, weil man zu Hause schon ein Dutzend davon hat.

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Kategorie COSMO, Dossier

9 Kommentare

  1. Nein. Zur Aluherstellung wird der Regenwald abgeholzt (das größte Bauxitvorkommen ist in Brasilien) und Kunststoffe können auch öfter recycelt werden, wenn nicht sogar unendlich. Sie werden zu Flakes in einer Mühle zerkleinert, gewaschen, und das Granulat wird dann weiter verwendet. Papier kann ca.6 Mal recycelt werden. Glas 30 Mal. Es gibt nicht die perfekte Lösung. Plastik wurde vor 100Jahren in Belgien erfunden und hat uns sehr gute Dienste geleistet und jetzt wird es nur schlecht geredet. In der Medizin z.B. bei der Hygiene. Die Menge macht das Gift! Egal welcher Stoff.

  2. Hallo Shia,
    erstmal vielen Dank für die vielen nützlichen Informationen und auch die kritische Auseinandersetzung mit „Alternativen“.
    Ich suche aktuell eine Brotdose für meine Kinder für die Schule und habe mich dabei gefragt, ob Edelstahl denn nun wirklich die bessere/beste Alternative zur Plastikdose ist…???
    Hast Du hier einen Rat oder vielleicht einen Link zu einem guten Artikel?
    Dafür wäre ich Dir sehr dankbar!
    Viele Grüße
    Kiri (totaler zero/less waste Anfaänger – aber motoviert :-))

    • Hey Shia,
      ich habe nun schon selbst Deinen Artikel hierzu gefunden… 😉
      Sorry für erst schreiben und dann suchen…

      Aber mal was anderes: Ich habe einen ganzen Schrank voll Tupperdosen. Die können ja auch teilweise ein Leben lang halten… Sollte ich denn überhaupt jemals andere Dosen kaufen? Das wäre doch in jedem Fall schlechter für den Planeten, als wenn ich meine alten verwende bis sie nicht mehr zu gebrauchen sind…?! (auch wenn ich dann natürlich nicht so öko-schick aussehe mit meiner Plastikdoes, als mit einer Edelstahldose…)
      Diese Frage stelle ich mir übrigens gerade für sooo viele Dinge in meinem Haus (zB. Nudelsieb aus Plastik oder diese riesigen Plastikmehrwegtaschen aus dem Supermarkt, die ich immer und immer wieder verwende und dutzende im Keller habe…)

      Danke und liebe Grüße
      Kiri

  3. Hallo, diese Sache mit der Recycelbarkeit: Du schreibst dass Plastik nur einmal recycelbar ist. Irgendwo habe ich mal von „drei mal“ gelesen und dann noch mal dass es noch häufiger recycelbar ist. Hast du da irgendwelche seriösen Quellen? Finde die Info schon wichtig wenn man mit Plastik-Fans diskutiert…Aber wenn überall was anderes steht sind meine Argumente gegen Plastik immer sehr anfechtbar 😉
    Liebste Grüsse
    Heike

    • Hi Lisa,
      danke für die Tipps! Ja, mit den pflanzlichen Borsten ist da so eine Sache bei den Bambuszahnbürsten… Alles etwas komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint, aber das kannst du gerne hier nachlesen. Wenn dich Zahnpasta- und Zahnpulver-Rezepte interessieren, habe ich hier auch eine Sammlung. Mein Lieblingsrezept findest du allerdings in meinem Buch ;).
      Liebe Grüße,
      Shia

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