Was ist eigentlich das Problem mit Palmöl?

📷 mit freundlicher Genehmigung von der Stiftung ©paneco ❤️

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

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Palmöl… Wenn ich so meine Eltern/Großeltern jetzt fragen würde, ob die das benutzen, würden die wahrscheinlich sagen: “Nee, das hab ich ja noch nie gekauft!” Und das ist so eines der Probleme mit Palmöl. Die meisten von uns kaufen das unwissentlich. Denn das Zeugs ist überall! Was noch blöd an Palmöl ist, darüber sprechen wir jetzt mit Shia Su, unserer COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin.

Shia, erklär mal kurz, was ist denn das Problem mit Palmöl?

Palmöl ist das billigste Fett auf dem Weltmarkt und lässt sich außerdem besonders gut industriell verarbeiten. Das heißt, dass die Nachfrage nach Palmöl immens groß ist. Um der großen Nachfrage nachzukommen, benötigt man also immer mehr Anbauflächen. Und die werden geschaffen, indem man Regenwald rodet, häufig sogar illegal abbrennt. Weil die Ölpalme tropisches Klima zum wachsen braucht. Das ist zum einen natürlich katastrophal für die Biodiversität und bedroht tausende Tierarten, unter anderem den Orang-Utan. Zum anderen sind Wälder riesengroße CO2-Speicher. Wenn die gerodet werden, wird das CO2 freigesetzt – und das ist natürlich auch schlecht für das Klima.

Was ist denn mit Bio-Palmöl? Ist das nachhaltig?

Bio-Palmöl ist eine komplexe Geschichte. Der Anbau an sich ist natürlich umweltschonender, weil keine synthetischen Dünger und Pestizide eingesetzt werden. Die Frage ist aber: Auf was für Flächen stehen die Plantagen? Wenn die Bio-Produzenten auf Flächen, wo mal Regenwald stand, anbauen, dann ist der Schaden ja trotzdem schon vorher entstanden. Mal sehr vereinfacht gesagt: Es gibt da auf verschiedenen Ebenen natürlich Regelungen, aber in der Praxis ist das nicht immer sehr transparent und oftmals können de facto Rodungen nicht ausgeschlossen werden. Aber die gute Nachricht ist, dass es da große Bemühungen gibt, das wirklich auch ordentlich zu machen.

Wo steckt denn überall Palmöl drin?

Palmöl ist so wie Mais irgendwie ein Alleskönner. Es steckt natürlich in Lebensmitteln, also in industriell verarbeiteten Lebensmitteln. In Nuss-Nougat-Creme, Margarine, Tütensuppe, Soßen, Fertiggerichten, Keksen und so weiter. Palmöl steckt aber auch in Reinigungsmitteln, Kosmetik und sogar in Kraftstoff. Also in deinem Waschmittel, in Schminke und im Tank vom Auto. Außerdem steckt Palmöl in Futtermitteln. Also indirekt auch in deiner Wurst.

Wie kann ich denn beim Einkaufen herausfinden, worin Palmöl steckt?

Inzwischen muss Palmöl zumindest in Lebensmitteln deklariert werden. Davor stand nur “pflanzliches Fett” in der Zutatenliste. In Kosmetik und Reinigern ist es aber schwierig. Da ist es ja generell schwierig zu verstehen, was das alles für Inhaltsstoffe sein sollen. Ich habe eine Bekannte, die promovierte Biochemikerin ist und mir mal gesagt hat, dass selbst für sie die Listen der Inhaltsstoffe schwer zu entziffern sind. Dazu kommt, dass Palmöl häufig in sogenannten Derivaten steckt, also für die Herstellung von Tensiden oder Emulgatoren verwendet wird.

Da soll mal einer noch den Durchblick behalten… Gibt es dafür nicht eine coole App oder so?

Jaaa, gibt es! Die App CodeCheck nämlich. Damit scannst du einfach beim Einkaufen den Barcode. Die App zeigt dir sogar an, als wie nachhaltig Greenpeace oder WWF das Palmöl einschätzt, nennt sich “Palmöl-Scorecard„.

OK, sagen wir mal, ich steh jetzt im Supermarkt und hab ‘ne Nuss-Nugat-Creme oder auch ein Shampoo in der Hand, worin Palmöl steckt, vielleicht sogar Bio-Palmöl. Kaufen oder boykottieren?

Du, da scheiden sich auch die Nachhaltigkeits-Geister, weil ein einfacher Austausch von Palmöl durch andere Öle zu einem größeren Flächenverbrauch führen würde. Ich sag mal so: Weniger ist mehr. Palmöl steckt vor allem in industriell verarbeiteten Produkten und da mit Sicherheit auch häufig mehr als nötig. Bei Lebensmittel sind das also meistens sowieso die ungesunden Dinge, da tut das Reduzieren auch der Gesundheit gut. Ich kaufe einfach unverarbeitete Lebensmittel und setze auf Hausmittel bei Putzen oder der Körperpflege. Wenn du das machst lebst du schon fast komplett palmölfrei. Und klar, wenn Palmöl, dann Bio-Palmöl.

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Kategorie COSMO, Dossier, Food, Haushalt, Küche

2 Kommentare

  1. Nachdem ich ein Praktikum auf einer RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) zertifizierten Palmölplantage in Indonesien absolviert habe, habe ich mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Man sollte Palmöl nicht komplett verteufeln, da es den größten Ölertrag je Hektar hat und so ein kompletter Ersatz weitaus größere ökologische Schäden hätte. Zudem wird es von den Einheimischen traditionell zum Kochen verwendet. Wir in Deutschland/Europa sollten jedoch unseren Verbrauch an Palmöl so weit wie möglich reduzieren und ansonsten Biopalmöl oder zumindest RSPO zertifiziertes Öl kaufen. Gleichzeitig sollten EU-Richtlinien mit einem Mindestanteil an Biokraftstoff abgeschafft werden, da dieser oft aus Palmöl gewonnen wird und der Anbau von Ölpalmen nach Einführung der Richtlinie extrem anstieg.
    Meiner Meinung nach sollten die bisher vorhanden Flächen möglichst ökologisch nachhaltig und gleichzeitig effizient genutzt und Rückzugsflächen mit natürlicher Vegetation angelegt werden. Eine erneute Umwandlung in Regenwald wird in den meisten Fällen nur sehr schwer möglich sein und die Menschen vor Ort hätten dafür kaum Verständnis, da sie ihren Lebensunterhalt auf und mit der Plantage verdienen.
    Es muss ein Umdenkprozess in Richtung ökologischer Anbauweisen stattfinden und es dürfen keine weitere Flächen ge(-brand-)rodet werden.

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