Mal Klartext: Warum „Kauf dich öko“ Murks ist und „grüner Konsum“ Quatsch

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das weltoffene Radioprogramm vom WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg (RBB).

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Elf Jahre haben wir ja angeblich nur noch, um klimatisch das Ruder noch rumzureißen, so sagt es ein UN-Studie. Das ist gar nicht mehr so lang hin! Ein bisschen was tut sich ja auch schon. Es gibt z.B. immer mehr Bio-Produkte auch beim Discounter, in Drogerien gibt es immer öfter angeblich grünere Produkte – und statt Einweg-Styropor-Verapackungen für Essen-to-go gibt es häufiger auch mal was in so ’ner beschichteten Pappschachtel. Die Message ist ja oft: Kauf die Öko-Version und alles ist gut. Ist das wirklich so einfach? Wir sprechen darüber mit unserer COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Öko statt einfach Massenware aus dem Supermarkt. Müsstest du doch eigentlich ganz gut finden oder?

Ja, hm, es ist besser als gar nix. Ich mein, ja, ein Coffee-to-go-Becher aus beschichtetem Papier ist zumindest weniger umweltschädlich als ein Wegwerfbecher aus Styropor. Aber “umweltfreundlich” ist der Sch…rott deshalb noch lange nicht. Ich hab erst die Tage auf Instagram etwas wirklich Passendes gelesen: Wenn deine Badewanne überläuft, dann holst du ja nicht als erstes den Mop, sondern drehst erst mal das Wasser ab. Also, wir können Recyceln wie die Weltmeister, und noch soviel Bio-Zeug kaufen – unsere Klima-Badewanne wird trotzdem weiter überlaufen, weil der Kern unseres Umweltproblems ist der übermäßige Konsum – d.h. da müssen wir den Hahn zudrehen. Und deshalb kräuseln sich beim Begriff “grüner Konsum” auch immer meine Zehennägel gen Himmel. So.. Arghhh!

Shia, warum funktioniert denn “kauf dich öko” nicht?

Weil wir da auch wieder „kaufen“ und der maßlose Konsum hat uns erst in das Schlamassel reingeritten. Wir sind ja alle auch so gewohnt zu konsumieren. Ich ja auch! Und ich erwische mich auch immer noch oft dabei, dass ich denke: Hm, da gibt es ein Problem. Zum Beispiel, dass Coffee-to-go in so doofen Einwegbechern verkauft wird. Also renn ich los und kaufe mir einen Mehrweg-Becher, die gibt es ja inzwischen auch in total öko aus Bioplastik und schlag mich tot zu kaufen.

Und was ist daran schlecht, ist doch erstmal besser als Wegwerf-Becher!

Ja! ABER – Das Ding hat trotzdem auch in der Produktion und beim Transport Ressourcen verschlungen, davon eben auch nicht regenrierbare Ressourcen wie Erdöl oder Kohle. Wenn das nicht nur ich mache, sondern 85 Millionen andere Menschen, summiert sich das. Klar ist es auf Dauer besser, als jedes Mal einen Wegwerfbecher zu benutzen. Aber ganz im Ernst, ein Marmeladenglas tut’s auch. Ich hab meinen Coffee-to-go-Becher nach 7 Jahren Benutzung einem Bekannten verschenkt, der sich selber keinen gekauft hätte und benutze seitdem selber nur noch ein Marmeladenglas, das ich sowieso zu Hause hab.

Was ist dann die wirklich nachhaltige Lösung?

Bei Nachhaltigkeit geht es nicht ums Kaufen. Das wird ja oft weisgemacht: Statt konventionellen Wattepads zum Wegwerfen soll man einfach Bio-Wattepads – immer noch zum Wegwerfen– kaufen, statt konventionelles Spüli gibt’s Öko-Spüli. Alles natürlich doppelt so teuer und sofort denkt man, Mensch, das kann ich mir ja nicht leisten. Eigentlich ist es ja voll das Gegenteil! Nachhaltigkeit hat weniger mit kaufen und mehr mit mal NIX KAUFEN zu tun! Minimalismus, Baby! Lieber insgesamt weniger konsumieren, dafür bewusster – und das ist oft auch schöner! Dann kann man sich nämlich auch die guten Sachen leisten. Ich kaufe z.B. nur noch Bio-Lebensmittel. Kann ich mir jetzt locker leisten, weil ich einfach keinen überflüssigen Krimskrams kaufe, der am Ende sowieso nur die Wohnung zumüllt.

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Kategorie COSMO, Dossier, Einkaufen

6 Kommentare

  1. Wunderbarer Beitrag!
    Nachhaltiges Leben beginnt nicht da, wo ich mir bei Manufaktum einen Emaille-Eimer kaufe.
    Ich schrieb kürzlich in einem Blog, dass meine Wattepads Waschlappen heißen und ich keinen plastikfreien Wasserkocher brauche, wenn ich einen sowieso plastkfreien Wasserkessel, einen Holzofen und eine Induktionsplatte habe. Da die Damen, woe ich dann feststellte, aber auch einen Shop haben, auf dem sie mundgeblasene Abschminkpads verkaufen und einen Link zu einem schicken Wasserkocher für tausend Mark bei amazon gesetzt hatten, wurde der Beitrag logischerweise nicht aufgenommen. Und nein, es war keine narzisstische Kränkung nur ein großes Kopfschütteln.
    Ich habe übrigens auch keinen Coffee-to-go-Becher. Ich kann im Gehen nämlich so schlecht trinken. Getränke landen bei mir in einer ausgedienten Passataflasche mit wärmender Umhüllung.
    LG
    Emilia

    • Hi Emilia,
      ja, ganz häufig ist es leider der gleiche Konsum-Murks in grün . Sehr schade, dass sie deinen Artikel nicht aufgenommen hat, da sieht man wieder, dass es am Ende doch um Konsum geht… Wenn du Lust hast, würde ich mich ja freuen, deinen konsumkritischen Artikel hier Platz zu geben :)!
      Liebe Grüße,
      Shia

      • In den Weiten des www verschwunden. Ich kopiere ja nicht alles, was ich an Unnützem und Nützem verzapfe.
        Ich bin aber eine fleißige Leserin Deines Blogs und freue mich immer über neue Beiträge.

        LG
        Emilia

  2. GENAU DAS!!! Shia, du sprichst mir mal wieder aus dem Herzen! Ich kann das „oh, ich kauf das in öko“ auch echt nicht mehr hören. Es geht ums Nachdenken. Ums Einsparen. Ums Reduzieren. Das ist doch gerade das Spannende. Und geht netterweise auch noch mit dem Leichtigkeitsgefühl des Minimalismus einher. DANKE!!

    • Ja, ja, und ganz genau :D!!! Heute bin ich durch die Innenstadt gelaufen, um Fotos zu machen und weil ich gerade den Artikel hier veröffentlicht hatte, hat’s mich in die Fußgängerzone verschlagen, wo ich heute mal nicht einfach nur durchgelaufen bin, um von A nach B zu kommen, sondern wirklich mal bewusst hingeschaut habe und auch mal in einige Geschäfte reingegangen bin, um das auf mich wirken zu lassen. (Das mache ich ja gar nicht mehr, es sei denn ich suche Unterschlupf vorm Regen XD.) Ich fand es ziemlich unangenehm, es war mir einfach zu viel, eine regelrechte Reizüberflutung! Und ich habe mich ja sehr darüber gewundert, was für überflüssiges Zeugs es gibt! Und dass das eigentlich auf fast alles in den Geschäften zutraf… Dann kam mir noch der Gedanke, als ich durch den Karstadt lief: Und NICHTS davon, rein GAR NICHTS ist auch nur annähernd ausbeutungsfrei… Ich war ehrlich gesagt ziemlich froh, als ich wieder Zuhause ankam, in unserer kleinen heilen, nicht so zugemüllten Welt 🙂

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