Virtuelle Tour durch einen Unverpackt-Laden Nr. 12 – Füllbar in Witten

Viele von euch wissen, dass ich ja momentan außer Lande bin. Wir sind im März 2017 nach Vancouver gegangen und werden pünktlich ein Jahr später, nämlich März 2018 wieder nach Deutschland, genauer gesagt wieder in den schönen Ruhrpott, zurückkehren. In der Zwischenzeit hat sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz unglaublich viel getan. Es haben mindestens ein Dutzend Unverpackt-Läden neu eröffnet.

Einer davon ist die Füllbar in Witten, so gut wie vor unserer Bochumer Haustür! Damit ihr aber nicht noch warten müsst, bis wir wieder im Pott ankommen, einziehen und unsere Sachen geregelt haben, stellt euch heute die liebe Laura von Zero Waste Your Life den Laden vor. ❤Vergesst nicht, ihren Blog zu abonnieren und ihr auf Instagram und Facebook zu folgen! 😉

Als ich zum ersten Mal in der Füllbar in Witten einkaufen möchte, laufe ich vor lauter Vorfreude und in Gedanken beinahe daran vorbei. Wittens erster Unverpackt-Laden liegt etwas versteckt in einem Hinterhof, gleich neben einem Yogastudio. Schon von draußen leuchtet es hell und einladend. Als ich den Laden betrete, begrüßt mich Silvia van Loosen herzlich. Sie ist eine von knapp zwei Dutzend ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des Teams. Auf den ersten Blick ist die Füllbar ein weiterer liebevoll gestalteter Unverpackt-Laden. Während ich mich genauer umsehe und mit Silvia ins Gespräch komme, erfahre ich, dass deutlich mehr dahintersteckt.

Die Idee zur Füllbar seit 2015 aus einer studentischen Initiative heraus entstanden, erzählt Silvia. Eine Handvoll Studierender der Uni Witten-Herdecke wünschte sich einen Unverpacktladen in Witten. Es gab noch keinen. Also schrieben sie ein Konzept, warben um Fördergelder und eröffneten den Laden. Was einfach klingt, war ein zweijähriger Prozess von der Idee bis zur Eröffnung des Ladens am 20. Mai 2017.

Gleich ins Auge stechen die außergewöhnlichen Bulk-Bins. Die gesamte Inneneinrichtung ist von Produktdesignstudentin Vivi als Teil ihrer Bachelorarbeit entworfen und gebaut geworden. Anstatt aus Standard-Bins füllt man sich in der Füllbar den Großteil seiner Trockenware aus großen Glaszylindern zum Kippen ab, die in einem Holzgestell hängen. „Das braucht ein bisschen mehr Übung, aber sieht immerhin echt schick aus“, erklärt Silvia.

Die übrigen Lebensmittel lagern in großen Edelstahlwannen und können mit kleinen Schippen abgefüllt werden.

Besonders schick finde ich die runden Glasfelder über jeder Wanne, in der ein Sample der Ware zu sehen ist. So können Erwachsene lesen, was sich unter dem Deckel verbirgt und auch Kinder es auf den ersten Blick erkennen.

Die Füllbar ist zur Eröffnung mit einem eher kleinen Sortiment gestartet und wird bis heute ausschließlich von Ehrenamtlichen betrieben. Silvia sagt: „Wir wollten, dass sich der Laden erstmal trägt.“ So gab es von Anfang an verschiedene Getreidesorten, Linsen, Müsli-Mixe und Gewürze.

Auf einer Wunschliste am Tresen kann jeder notieren, was er*sie sich sonst noch fürs Sortiment wünscht. Erhält ein Produktwunsch genügend Das-will-ich-auch-Striche, macht sich das Kernteam aus Silvia und fünf weiteren Personen an die Arbeit, das Produkt in Großgebinden zu besorgen.

So haben es beispielsweise recht schnell Kaffeebohnen ins Sortiment geschafft. Sie stammen von Kaffee Peter, eine Rösterei aus Essen, die die Bohnen direkt von Kaffeebauern in Nicaragua bezieht.

Die Sticker kann jede*r gratis in der Füllbar mitnehmen und sie bei sich im Laden, Café oder Restaurant anbringen. So weiß jeder Bescheid, dass es dort gratis Trinkwasser zum Auffüllen in die eigene Flasche gibt. Einsehen kann man alle Refill-Stationen in Deutschland online.

Fast die komplette Ware stammt von Bio-Lieferanten. Die Füllbar versucht, Synergieeffekte zu nutzen und möglichst regional einzukaufen.

Seit Herbst 2017 gibt es Gemüse vom Demerter- Hof Sackern in Wetter.

Honig und Bienenwachskernen produziert eine Schülergenossenschaft, die zusammen mit dem örtlichen Imkerverein in Herbede, einem Wittener Stadtteil.

Besonders stolz ist das Team auf den Quinoa aus dem Münstlerland. Sonst legt das Getreide oft lange Wege aus Südamerika zurück.

Während ich mir weiter das Sortiment anschaue, betreten die ersten Kunden den Laden. Eine Mutter mit ihrer Tochter, die fleißig beim Wiegen der Gläser hilft, einzelne Studierende, ein Rentner. Dass die Kundschaft ist bunt gemischt ist und alle Altersgruppen abdeckt, freut das Team.

Die meisten von ihnen seien Stammkunden, so Silvia. Anfangs sei der Eine und die Andere nur zum Gucken gekommen, mittlerweile machten viele regelmäßig ihren Großeinkauf in der Füllbar.

Nach und nach wird das Sortiment erweitert. „Das Kernteam ist dabei der Protokunde“, so Silvia. Sie backe beispielsweise gerne und habe sich deshalb für Kokosraspeln und Natron eingesetzt.

Außer einer großen Auswahl an Standardgewürzen halten die hübschen Bügelgläser im Regal außerdem immer mal wieder was Besonderes, Kakaonibs fürs Müsli und Lebkuchengewürz in der Vorweihnachtszeit zum Beispiel.

Bei den Gewürzen, im hinteren Teil des Ladens, ist das Angebot des Ladens seit der Eröffnung rasch gewachsen.

Es gibt mehrere Sorten Sonett-Reiniger zum Abfüllen.

Außerdem ist das Angebot an Hygiene-Produkten recht umfangreich. Bambus-Zahnbürsten gehören ja mittlerweile zum Standardrepertoire eines Unverpacktladens.

Darüber hinaus gibt es Zahnputztabletten und kompostierbare Wattestäbchen aus Bambusfaser.

Auch Seifen aus einer Manufaktur in Hohenlimburg gibt es sowie verschiedene Sorten Deo zum Abfüllen.

Ins Auge springen mir im Hygiene-Regal außerdem die bunten Bienenwachs-Tücher, mit denen man in der Küche Folien aus Plastik oder Aluminium und für unterwegs auch mal eine Brotdose ersetzen kann.

Silvia gesellt sich wieder zu mir und stellt mir die Windelinge vor. Die Stoffwindeln, Slip- und Stilleinlagen werden in Osnabrück hergestellt und sonst nur online verkauft. Da es jedes Design nur in limitierter Auflage gibt, sei ein regelrechter Hype um die Windelinge entstanden.

Regelmäßig finden in den Füllbar Tageskurse mit Sabine von Wickeln in Witten statt. Sie führt werdende Mamas und Papas sowie Kita-Mitarbeiter*innen ein in die Welt des Wickelns, Tragens und abfallreduzierten Babypflege. Die Workshops sind immer ratzfatz ausgebucht. Angekündigt werden sie auf der Facebook-Seite der Füllbar und an der Infotafel am Ladeneingang.

Rechts und links der Infotafel an der Eingangstür befinden sich übrigens meine zwei Lieblingsecken der Füllbar. Links, gleich neben der Waage: Die Getreidemühle. Hier kann sich jede*r die vorher abgezapften Körner selbst mahlen.

Gleich darunter steht eine große Kiste mit gespültem Altglas für den Fall, dass der Einkauf doch umfangreicher wird als gedacht, was bei all den Leckereien gut möglich ist.

Außer den obligatorischen süßen und sauren veganen Gummibärchen – die übrigens neben Zahnbürsten und Seifen einer der Bestseller sind, wie mir Silvia verrät – steht es nämlich, rechts der Eingangstür: Das Schokoregal. Darin stehen gleich mehrere große Gläser voll mit hauptsächlich veganer Bruchschokolade. Ein Paradies für alle Schleckermäuler. Wer es gesünder und trotzdem klebrig mag, hat die Wahl zwischen zwei verschiedenen Sorten Datteln.

Wer danach immer noch Gelüste auf Süßes hat, kann sich seit Dezember 2017 am Tresen bedienen. In der Vorweihnachtszeit wurden hier handgefertigte Pralinen verkauft, seit Januar gibt es frische Cookies aus einer Wittener Küche.

Bei meinem Besuch in der Füllbar ist nicht zu übersehen, dass die Füllbar für ihre Helfer*innen und Kund*innen mehr ist, als nur ein weiterer Einkaufsladen. Das bestätigt auch Silvia: „Wir sind alle mit großem Herzblut dabei“, sagt sie und ergänzt stolz: „Die Füllbar ist mittlerweile eine feste Einkaufsgröße in Witten. Auch, weil sich hier Menschen begegnen können.“ Beim Einkauf komme man ganz automatisch ins Gespräch, tausche Neuigkeiten aus dem Viertel, Rezepte, Tipps und Tricks aus.

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