Überraschende Alternativen zu Plastik-Produkten

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

Hier gibt’s den Talk zum Nachhören
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Noch mehr Plastik im Meer kann ja wirklich auch keiner wollen. Aber wie geht „weniger Plastik“? Plastik ist ja wirklich überall! Wenn ich mich allein bei mir zu Hause umgucke, dann sehe ich ganz viel aus Plastik und ohne wird’s ja bei einigen Dingen wie z.B. der Zahnbürste, echt schwer. Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin lebt nicht nur Zero Waste, also fast komplett müllfrei, sondern auch ganz plastikarm.

Shia, wie machst du das denn? Viele Dinge gibt es ja nur in Plastik, wie meine Zahnbürste zum Beispiel. O.K. – ich könnte natürlich jetzt einfach aufhören meine Zähne zu putzen – klingt aber nicht, wie ’ne Superlösung…

Nee, die Zähne putze ich mir auch noch. Jeden Tag, ich schwör 😉! Es gibt so ganz viele alltägliche Dinge, wo es plastikfreie und/oder umweltfreundlichere Optionen gibt – aber die kennt kaum einer! Einfach, weil sie häufig nicht in den Läden verkauft werden, wo man sich gängigerweise so aufhält: Supermarkt, Discounter, Drogerie…

Ich zum Beispiel putze mir meine Zähne mit einer Bambuszahnbürste aus dem Bioladen! Der Griff ist komplett aus Bambus und das ist ziemlich cool, weil Bambus im Gegensatz zu Plastik nämlich natürlicherweise antibakteriell ist. Die Borsten sind allerdings bei den meisten Marken immer noch aus Nylon, also auch aus Plastik, aber immerhin in der schadstofffreien Variante. Meine Zahnpasta kommt übrigens auch nicht aus der Plastiktube. Ich benutze entweder Zahnputztabs aus dem Unverpackt-Laden oder rühr mir meine eigene antibakterielle Zahnpasta an. Kokosöl, Natron, Xylitol Teebaum- und Minzöl. Manchmal kommt noch fluoridiertes Salz rein. Das spart auch viel Plastikmüll ein.

Shia, wie sieht’s denn aus mit Shampoo und Duschgel? Die kenne ich auch nur in Plastikflaschen…

Ja, ich glaub nicht, dass man in Drogerien irgendwie Shampoo oder Duschgel anders bekommt. Es gibt aber auch hier coolere Optionen, aber ja, hat auch ‘ne Weile gedauert, bis ich drauf gestoßen bin. Gut, Duschgel war einfach. Ich hab Neurodermitis, d.h. ich hab mich früher schon häufiger mal auf Empfehlung meines Hautarztes mit Seifenstücken geduscht.

Olivenölseife gibt es traditionell nicht nur aus Aleppo in Syrien, sondern auch aus anderen arabischen Ländern, dem Iran, der Türkei, Griechenland und Frankreich, wobei die aus Frankreich leider im Gegensatz zu den anderen Palmöl enthält! Heutzutage kommt Aleppo-Seife allerdings oftmals nicht mehr aus Aleppo, weil die Seifenmacher geflohen sind. Aber trotz Flucht machen sie weiter Seife, um sich eine Lebensgrundlage im neuen Zuhause aufzubauen.

Am besten finde ich Aleppo-Seife, das ist eine ganz traditionelle und vor allem super reine Olivenölseife, die nur aus verseiftem Oliven- und Lorbeeröl besteht. Also keine komischen Zusatzstoffe, keine reizenden Parfümstoffe.

Wo gibt’s die denn zu kaufen? Drogerien scheinen da ja nicht so die guten Anlaufstellen zu sein?

In ganz vielen Bioläden gehört Aleppo-Seife inzwischen schon zum Standard und verkauft wird sie nur mit einer Papierbanderole.

Und was ist mit Shampoo?

Ja, das ist etwas, wo ich lange auf dem Schlauch stand! Es gibt Haarseifen und festes Shampoo.

Haarseifen (eckig) und festes Shampoo (rund) im Unverpackt-Laden Tante Olga in Köln.

Haarseifen sind echte Seifen, also verseiftes Öl, die auf die Bedürfnisse von Haaren abgestimmt sind. Festes Shampoo ist im Grunde Shampoo nur ohne Wasser. Beide sehen aus wie Seifenstücke. Kaufen kann man die Dinger in einigen Bioläden, in Naturkosmetik-Geschäften, in Unverpacktläden und halt online. Ich hab das aber echt lange nicht gewusst und deshalb angefangen, mir stattdessen die Haare mit Roggenmehl zu waschen

Mit Roggenmehl? Ganz normales Roggenmehl?!

Ja genau, mit einer flüssigen Paste, die ich mir aus Roggenmehl und Wasser einfach anmische. Das massage ich in die Kopfhaut ein, verteil den Rest in den Haaren, lasse das ’n Minütchen einwirken und spül’s dann aus. Fertig!

Roggenmehl-Haar-Wäsche

Angerührtes Roggenmehl

Und Roggenmehl gibt’s ja in der Papierpackung. Im Nachhinein bin ich aber echt froh, dass ich nicht wusste, dass es Haarseifen und festes Shampoo gibt, denn mit Roggenmehl habe ich endlich mein Schuppenproblem wegbekommen. Und wenn ich dann Haarseifen oder Shampoo nehme kommt’s zurück. Also – meine Haare sind immer mit Roggenmehl gewaschen!

Ach irre, was es nicht alles gibt! Was sind denn noch Dinge, von denen ich wissen sollte, Shia?

Benutz was du sowieso hast! Wir zweckentfremden einfach unsere Wäschenetze (links) und andere Stoffbeutel (rechts). Der Stoffbeutel hier war z.B. von einem Schlüsselanhänger!

Obst und Gemüse legen ja schon ganz viele aufs Band. Ein Tipp, den ich noch hätte wären wiederverwendbare Obst-und-Gemüse-Netze. Gibt’s auch zu kaufen, ich nehme dazu aber einfach die Wäschenetze, weißte, die für Socken und BHs?

Menstruationstasse 🙂

Und eine Sache, die leider viel zu unbekannt ist, aber hoffentlich bald zur Allgemeinbildung gehört sind Menstruationstassen! Gut, Tampons machen zwar nicht in erster Linie Plastikmüll, aber Müll allgemein. Und ja, der Name Menstruationstasse klingt echt unsexy. Diese Dinger aber trotzdem tausendmal besser als Tampons! Das sind so kleine Siliconcups, die das Blut auffangen statt aufsaugen. Davon kann man kein Toxisches Schock Syndrom bekommen. Außerdem sind Tampons ganz schön schadstoffbelastet, wegen der konventionellen Baumwolle drin. Und äh, ja, das an diesen empfindlichen Stellen… Muss ja nicht sein. Aber das Beste: Man muss nicht mehr alle vier Stunden aufs Klo rennen zum Tamponwechseln oder nachts befürchten, dass man ausläuft. Die Tasse kann nämlich bis zu 12 Stunden drin bleiben, d.h. man hat wirklich ein großes Zeitfenster, wo man sich darum kümmern kann, wenn es dann auch gut passt. Kann man bis zu 10 Jahre wiederverwenden, ist also auch viel umweltverträglicher und spart natürlich Geld.

Also – es gibt keine Ausreden mehr – aber doch einige Alternativen zu Plastik – und dem Müll, den das Zeug macht. Vielen Dank Shia! Das mit dem Rog

6 Kommentare

  1. Hallo Shia,

    die Idee sich die Haare mit Roggenmehl zu waschen finde ich klasse. Ich habe es schon einmal mit Lavaerde versucht, war aber zum einen nicht zufrieden und zum anderen ist die unglaublich teuer!
    Verwendest du vollkorn oder normales Mehl?

    Viele Grüße
    Angela

    • Hi Angela,
      ups, da hatte ich wohl den Link zum Artikel vergessen. Den habe ich gerade aber hinzugefügt. Dort findest du alle Infos :)!
      Liebe Grüße,
      Shia

      • Hallo!
        Warum eigentlich kein Vollkornroggenmehl? Ich hatte es vor einer Weile benutzt und es war ok.
        Ich finde den Link nicht, den du angesprochen hast.
        Gruß, Magda

  2. Wohlfühl

    Hi – finde deinen Blog sehr fein. habe eine Frage zur Zahnpasta:

    rühr mir meine eigene antibakterielle Zahnpasta an. Kokosöl, Natron, Xylitol Teebaum- und Minzöl. Manchmal kommt noch fluoridiertes Salz rein.
    aber bitte : in welchem Verhältnis zueinander?
    viele Grüße Markus

  3. Liebe Shia,
    Seit längerer Zeit verfolge ich deinen wirklich bemerkenswerten Weg durch die vegane und zero Waste Welt und bin beeindruckt, mit welcher Konsequenz und gleichzeitig mit wieviel positiver Energie du dein Leben so gestaltest, wie es deinen Idealen entspricht!
    Das wollte ich dir einfach mal schreiben!

    Zum Thema Menstruationstassen bin ich leider noch nicht da angekommen, wo ich hin möchte. Ich besitze zwei verschiedene (Lunette und Meluna), jeweils in der kleinen Ausführung. Leider komme ich nach zwei Tagen gar nicht mehr damit klar, weil ich eine Blasenentzündung davon bekomme. (Wie leider häufig auch nach dem Sex, habe da schon mit verschiedenen Ärzten recht viel unternommen) Hast Du damit eventuell Erfahrungen oder Tipps, wie ich endlich die Tasse verwenden kann, ohne dass meine Blase dagegen protestiert?

    Viele Grüße und ich freue mich auf den nächsten Artikel von Dir!
    Deborah

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