So grillst du nachhaltiger

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Ich weiß ja nicht, wie ihr es handhabt, aber bei mir ist ja die Grillsaison schon im vollen Gange. Es waren ja schon ein paar sommerliche Tage dabei, wo z.T. man im Park vor lauter Rauch von all den Einweg-Grills kaum seine Leute ausmachen kann. Da hab ich in den blauen Himmel geguckt und dann doch gedacht: Ganz so gut ist das für die Umwelt und das Klima wahrscheinlich nicht. Kohle als Brennstoff, vermüllte Parks und so. Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin ist auch so eine Sonnenanbeterin und von der holen wir uns mal ein paar Tipps.

Shia, äh, ja, grillst du überhaupt gerne? Du bist doch Veganerin, wenn ich mich recht erinnere?

Ja, ich bin Veganerin, und ja, man kann auch vegan, also ohne Fleisch wunderbar grillen! Ich kann dir sagen: Veggie-Würstchen, Gemüsespieße, Gemüsetaschen und Bratlinge machen sich wunderbar auf dem Grill. Freunde von mir hatten sogar mal so ein Blech gehabt, womit sie auf dem Grill geröstetes Gemüse gemacht haben. Soll mit einer Eisenpfanne noch besser schmecken. Das war aber auch schon mit dem Blech die Gourmet-Version eines Grillabends.

Und aus meinem Auslandssemester damals in Japan – damals hab ich noch Fleisch gegessen – da hab ich gegrillten Süßkartoffeln kennengelernt und bin da regelrecht süchtig danach geworden! Und dann noch leckere Salate, selbstgemachter Hummus und andere Dips, boah, da könnt ich mich reinlegen!

Und das alles schmeckt nicht nur lecker, sondern ist viel besser für den Planeten. Es gibt eine Zahl, die das total gut verdeutlicht: Fast 95 Prozent der Treibhausgase, die beim Grillen entstehen, kommen durch das Grillgut selbst, also durch die Herstellung, den Transport und den Verkauft von Fleisch und Grillwürsten. Deshalb ist fleischlos grillen, also vegetarisch viel besser für den Planeten.

Wieso ist Fleisch denn so schlecht für die Nachhaltigkeit?

Tierische Produkte, allen voran Fleisch, haben einen enormen CO2-Abdruck im Vergleich zu pflanzlichen Lebensmitteln. Bis das Stück Steak oder die Bratwurst bei uns aufm Grill ankommt, wurde enorm viel CO2 produziert.

Oder schauen wir auf einen anderen Aspekt: Mehr als die Hälfte unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche werden als Weide oder zum Abbau von Viehfutter genutzt, sagt das Umweltministerium.

Viel besser wäre es, Tiere in der Nahrungskette zu überspringen. Also nicht erst extra Soja anzubauen, dass wir zu Tierfutter verarbeiten, damit wir später wiederrum ein Tier füttern und schlachten können.

Hier mal ein Vergleich zum Verdeutlichen: 1kg Soja zum Beispiel ergibt nur 300g Schweinefleisch. Aus der gleichen Menge Soja kann man aber gleich 2 Kilo Tofu machen.

Und Tofu kann man ja direkt zu Würstchen weiterverarbeiten, die ich direkt auf den Grill packen kann! Aber nicht auf so einen Einweggrill. Diese Dinger gehen gar nicht nicht finde ich!

Bin da voll bei Dir. Einmal benutzt und dann ab auf denn Müll – das ist echt unglaublich kurz gedacht. Alleine diese Alu-Schale verbraucht für die Herstellung so unglaublich viel Energie und wir nutzen das, um mal bequem ne Wurst im Park zu grillen – na, kommt, Leute, das kriegen wir doch auch besser hin!

Schauen wir auf die bisher üblichen Varianten – und da stellt sich die Frage: Wie ist Grillen besser für die Umwelt: Mit Kohle, Gas oder Elektro?

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich selbst gar keinen Grill besitze. Grillen tue ich also meistens als Gast und da schreibe ich niemanden vor, was für ein Grill er sich zulegen soll. Und welcher Grill da aus geschmacksgründen besser ist, ist ja schon fast eine Glaubensfrage.

Vom Umwelt-Aspekt her ist aber klar: Am umwelt- und nachbarfreundlichsten ist natürlich ein Elektrogrill, der mit Ökostrom betrieben wird. Dazu braucht man aber natürlich auch eine Steckdose in der Nähe und einen Ökostromanbieter, wobei das letztere in Deutschland ja kein Problem sein sollte. Ist auch gesünder. Kennt man ja, da tropft Fett – oder Bier – in die Glut und Rauch steigt auf. Ist nicht so prall, dabei entstehen krebserregende Stoffe. Der Rauch beim Anzünden ist auch nicht gesund, wegen Feinstaub und Ruß. Und ein weiterer Vorteil von Elektrogrills: Die Temperatur lässt sich besser regeln und du musst danach keine Asche zu entsorgen.

OK, wenn eine Steckdose in der Nähe ist also am besten einen Elektrogrill. Wenn ich aber mit Kumpels im Garten oder Park grillen will und es da keinen Strom gibt und ich auf Kohle zurückgreifen muss?

Wenn es trotzdem ein Kohlegrill sein soll, dann Holzkohle mit sogenannter FSC-Zertifizierung kaufen, denn nur das garantiert, dass es kein illegales Tropenholz ist. Denn die Abholzung von Tropenwald setzt ebenfalls massig CO2 frei, denn Wälder sind gigantische CO2-Speicher. Und dann natürlich gucken, dass man kein Einwegzeugs benutzt. Statt Grillschalen kann man wiederverwendbare Bleche nehmen und es kann mir auch keiner sagen, dass auch nur irgendein Essen besser mit Plastikbesteck vom Pappteller schmeckt. So schwer ist es wirklich nicht, von echten Tellern zu futtern und aus echten Gläsern zu trinken. Die EU überlegt ja gerade, Plastikbesteck und Geschirr zu verbieten – finde ich einen längt überfälligen Schritt, nebenbei bemerkt.

Kategorie COSMO, Feiern & Schenken, Unterwegs

5 Kommentare

  1. Wir haben vor ein paar Jahren unseren Elektrogrill verkauft. Da bei uns auch im Freundeskreis und in der Familie extrem wenig gegrillt wird, muss ich sagen, dass ich es seitdem auch nicht vermisst habe. Zu Hause essen wir ohnehin eher wenig Fleisch- ich bin da der Hummusverfechter. Bei uns gibt es gegrillte Paprika aus dem Backofen. 🙂

  2. Wohlfühl

    Ich bin seit langem Gas-Griller und kann mit überhaupt nicht vorstellen, dass Elektro-Grillen besser sein soll. Ich habe eine 5-kg. Flasche, grille nicht zu viel also eher normal für 2 Personen und kann mit dieser Flasche 1,5 Grill-Saisons tolle Grill-Ergebnisse erzielen – aus meiner Sicht besser als beim Elektro-Grill.
    Für kleine Elektro-Grillen gibt es Anschlüsse für CampingGas, welches dann auch im Wald und beim Camping umweltschonend eingesetzt werden kann. Auch mit 1 Dose CampingGas habe ich 14 Tage tägliches Urlaubsgrillen gemacht und es war noch Gas übrig.

    So richtig verstehe ich daher nicht, warum Du GasGrillen nicht richtig erwähnst und ElektroGrillen so nach vorne stellst. Das leuchtet mir nicht ein. Auch von den Betriebskosten her kann es alle erwähnten Möglichkeiten überbieten!

    liebe Grüße und ich grille weiter mit Gas 😉

  3. Björn

    Ich bin Kohle-Griller und habe mich gerade gestern mit dem Thema nachhaltiger Kohle befasst. Viele Tipps sind auch bei Utopia zu finden: https://utopia.de/ratgeber/grillen-tipps-nachhaltig-vegetarisch/. Ich werde jetzt mal Briketts aus Olivenkernen versuchen. Eigentlich ein Abfallprodukt und immerhin „nur“ aus Griechenland, nicht aus Afrika oder Südamerika. Euch allen ein fröhliches Grillvergnügen :).

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