Sind Kassenzettel giftig?

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Es sind nur wenige Quadratzentimeter Papier. Diese Fetzen fallen aber jeden Tag an. In der Summe ist es dann doch ziemlich viel und oft komplett überflüssig. Die Rede ist vom Kassenbon. Ist das nachhaltig? Nein, sagt Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin.

Shia, was ist so schlecht für Umwelt und Menschen am Kassenbon?

Kassenzettel werden ja auf speziellem Papier gedruckt, ist ja nicht so ’n Papier, worauf man sonst schreibt. Das Papier nennt sich Thermopapier. Darauf ist eine Beschichtung, die sich durch Hitze verfärbt. So braucht man zum Drucken keine Tinte. Das Blöde ist halt, dass die Beschichtung leider alles andere als unbedenklich ist. Die besteht nämlich aus einem Stoff, der als „besonders besorgniserregend” eingestuft wird.

Was für ein Gift ist da drin?

In bzw. genauer gesagt eigentlich auf dem Kassenzetteln und anderem Thermopapier ist Bisphenol A, kurz BPA genannt. BPA ist ein hormonell wirksamer Stoff den unser Körper mit dem weiblichen Sexualhormon Östrogen leicht verwechselt. Und BPA steht eben auch im Verdacht, krebserregend zu sein, eine vorzeitige Pubertät auszulösen, zu Unfruchtbarkeit bei Jungen und Männern zu führen und auch mit Übergewicht und Typ 2 Diabetes wird BPA in Verbindung gebracht. Und als ob das nicht genug wäre, kann und wird der Stoff auch über Hautkontakt aufgenommen, was natürlich besonders für Leute schlecht ist, die an der Kasse oder auch in der Gastro arbeiten.

Wenn Kassenbons so belastet sind, darf ich sie dann überhaupt über den Altpapier entsorgen?

Dürfen schon, verboten ist es in den meisten Kommunen zumindest nicht. Noch nicht. Aber machen solltest du es auf keinen Fall! Denn im Altpapier kontaminiert das BPA nicht nur die Produkte, die hinterher daraus hergestellt werden, sondern auch das Grundwasser, weil im Recyclingprozess natürlich Wasser zum Einsatz kommt. Und BPA ist halt nicht nur beim Menschen hormonell wirksam, sondern auch bei anderen Lebewesen. Studien zufolge schädigt BPA nämlich auch bei Fischen und Amphibien die Fortpflanzung und Entwicklung. Und deshalb gehören Kassenbons in den Restmüll.

Aber was kann man da machen? Ich meine, ich kann an der Kasse sagen, dass ich den Zettel nicht möchte. Aber der Kassenbon wird ja trotzdem jedes Mal gedruckt, ob ich den nun mitnehme oder nicht! Und die armen Kassiererinnen und Kassierer müssen die schädlichen Fetzen ja trotzdem den ganzen Tag anfassen.

Ab 2020 ist BPA zum Glück als Beschichtung in Kassenzetteln verboten, wobei die Ersatzstoffe auch nicht komplett unbedenklich sind. Zurück zu den alten Kassenzetteln, die halt noch mit Tinte auf z.T. grauem Umweltpapier gedruckt haben, will leider auch kein Hersteller. Da konnte man auch Logos drauf drucken und die verblassten auch nicht.

Ich mach halt immer meinen Mund auf. Viele kleine Geschäfte, denen ich das erzählt habe, sind inzwischen auf bisphenol-freie Kassenbons umgestiegen oder haben ihr Kassensystem so einstellen lassen, dass es auch die Option gibt, den Zettel gar nicht erst zu drucken. Im Internet gibt es Petitionen, die die großen Ketten unter Druck setzen, ihre Kassenzettel ebenfalls umzustellen. In Nordamerika ist es z.B. üblich, sich den Bon auch ganz ohne Kundenkarte per E-Mail schicken zu lassen. Hier in Deutschland will ein Bremer Unternehmer den digitalen Bon per App einführen.

Kategorie COSMO, Einkaufen, Gesundheit & Körperhygiene

9 Kommentare

  1. Wir benutzen in unseren Foto- und Buchhandlungen die BPA-freien Kassenbonrollen von ÖKÖBON, die man in normalen Thermodruckern benutzen kann. Die haben auch noch andere Vorteile. Die sind nämlich nicht nach ein paar Wochen wieder weiß und sollen daher die 10-Jahres-Aufbewahrungsfrist für’s Finanzamt lesbar überstehen.
    Aber das wichtigste ist halt Müllvermeidung. Deshalb bekommt bei uns nur der einen Kassenbon, der ihn haben will.

    • Was sind denn eure Foto- und Buchhandlungen?
      Andere Namen werden hier ja auch genannt, befriedige meine Neugierde, zumal es ja ein positives Beispiel ist und genannt werden sollte!

  2. dorothea.claus@web.de

    In unserem Rewe kann man tatsächlich sagen dass man keinen Kassenbon will und dann wird auch keiner gedruckt. Das habe ich eher zufällig heraus gefunden, da eine Kundin vor mir den abgelehnt hat. Da wäre doch mal ein großes Schild für alle Kunden toll! 🙂

  3. Ich versuche bei privaten Käufen, immer auf den Bon zu verzichten. Leider habe ich eine kleine Pension. Dafür muss ich Aufschnitt usw. fürs Frühstück kaufen. Für meine Buchhaltung geht eben nichts ohne Beleg. Also muss ich sie nehmen.
    Ich bin wirklich gespannt, ob es diese Bons ab 2020 nicht mehr gibt.

  4. Bei uns in Augsburg bieten es schon ein paar kleinere Läden an, den Kassenbon per Email zuzuschicken. Oder ihn gar nicht zu bekommen. Andere Optionen gibt es gar nicht. Das finde ich super!
    Bei der Post ist mir letztens auch aufgefallen, dass die Kassenbons tatsächlich nicht mehr ausgedruckt werden, wenn man sagt, dass man keinen braucht. Finde ich super, dass da so ein großes Unternehmen auch endlich mitzieht 🙂

    • Das höre ich gerne <3!! Bei der Post wäre mir neu, finde ich aber super! Ich kaufe Briefmarken schon immer am Automaten, weil es da die Option gibt, den Bon nicht ausdrucken zu lassen. Am Schalter hatte man mir immer gesagt, dass es anders nicht ginge. Das nächste Mal gehe ich wieder zum Schalter, wobei ich ja fast nie etwas verschicke :D.

  5. DM HATTEN diesen digitalen Bon per Email schon.
    HATTEN, denn im Rahmen der neuen Datenschutzverordnung haben sie ihn leider abgeschafft.
    Blöd, oder? Das wäre doch sicher mit einer neuen Zustimmung des Kunden zum E-Bon auch weiterhin möglich gewesen!

    Liebe Grüße
    Kaddi

    • Hi Kaddi,
      ich weiß, dass DM die hatten, allerdings eben nur für Payback-Kunden, was ja leider in der Regel wieder mehr Müll durch Zuschicken von Werbung bedeutet :(. Ich denke, es sollte einfach ein System geben, wo der Kunde die eMail nennt/eingibt (wie in Nordamerika manchmal) und die Adresse wird angeblich dann auch nicht gespeichert und ist auch mit keinem Namen o.Ä. verknüpft. Ich denke aber auch, dass eine Zustimmung zum eBon sicherlich machbar gewesen wäre. Ist datenschutzmäßig sicherlich nicht bedenklicher, als eine Kundenmitgliedschaft als Payback-Kunde, wo ja auch einsehbar ist, was man wo wie oft kauft.
      Liebe Grüße,
      Shia

      • Huhu, bei DM ist an der Kasse so ein kleiner Monitor wo man die Payback Karte und die dm App scannen kann und ganz unten kann man anklicken dass man keinen Bon möchte. Die Kassiererin ist immer ganz erstaunt wenn bei mir keiner kommt, anscheinend wird das dort auch nicht groß kommuniziert 🙁
        LG
        Carolin

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