Sand – die Ressource, über die keiner spricht

Jeden Sonntag gibt es gegen 15:30 Uhr seit dem 11.08.2019 nun gegen 12:30 bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das weltoffene Radioprogramm vom WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg (RBB).

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Brandenburg auf 96,3 MHz.

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Cosmo am Sonntag hier! Wie jeden Sonntag um diese Zeit geht es auch heute hier um das Thema Nachhaltigkeit. Wir wenden uns jetzt mal einer natürlichen Ressource zu, die immer knapper wird. Ihr denkt da jetzt wahrscheinlich an Erdöl, aber nein! Es geht um eine natürliche Ressource, über die kaum einer spricht! Sand! Und dass der knapp wird, hat nicht nur Folgen für Sandstrände in der Karibik oder den Kinderspielplatz nebenan, meint unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Wozu brauchen wir denn den überhaupt Sand, Shia?

Vor allem wird Sand als Baustoff gebraucht, für Beton bzw. Zement und Glas zum Beispiel. Und wir brauchen Unmengen davon! Global herrscht nämlich ein ganz schöner Bau-Boom. So als Größenordnung: In einem Einfamilienhaus werden allein 200 Tonnen Sand verbaut. Aber Sand steckt nicht nur in den Wänden des Studios hier oder in den Ritzen unserer Badekleidung, sondern hat auch inzwischen alle Ritzen unseres Alltags erobert! Wir brauchen Sand nämlich auch für die Herstellung von Siliziumoxid. Und Siliziumoxid brauchen wir, um ganz alltäglichen Produkte wie Waschmittel, Putzmittel, Haarspray, Zahnpasta, Kosmetik, aber auch Papier oder getrocknete Lebensmittel herzustellen! Außerdem brauchen wir Sand – oder genauer gesagt viele Minerale, die in Sand enthalten sind – für Laptops, Handys und andere elektronische Gadgets, an denen wir heute halt so hängen. Kein Wunder also, dass nach Volumen Sand nach Wasser weltweit die zweitgrößte geförderte und gehandelte Ressource ist!

Wie knapp ist es denn schon mit dem Sand?

Nach neuesten Schätzungen der Vereinten Nationen nimmt die Nachfrage jährlich um mehr als fünf Prozent zu. Nun ist Sand allerdings wie Erdöl keine nachwachsende, sondern eine endliche Ressource. Um es kurz zu fassen: es wird mehr Sand abgebaut als in der kurzen Zeit entstehen kann. Es wird auch bei uns so viel gebaut, dass wir rechnerisch auf einen jährlichen Verbrauch von 4 – 8 Tonnen Sand pro Kopf kommen. Wüstensand taugt dabei leider nicht als Baustoff, weil die Körner durch den Wind zu rund abgeschliffen werden und der Sand deshalb zu schlecht bindet. Es muss also Sand aus Küsten und Flüssen her. Die UN nennt dies “eine der größten Nachhaltigkeit-Herausforderungen dieses Jahrhunderts.“

Das klingt nicht gut. Was für Folgen hat das denn?

Kleine Inselstaaten wie die Maldiven sind besonders betroffen, wo sogar ganze Inseln absinken und Einwohner umgesiedelt werden müssen. Ohne Regulierungen, die sich auf wissenschaftliche Ergebnisse stützen, wird einfach zu viel abgebaut. Das kann zu Erosionen, Überschwemmungen, dem Absinken des Grundwasserspiegels und sogar einer Änderung des Flussbettes führen. Außerdem leidet darunter natürlich die Artenvielfalt, weil die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten. Sogar der PH-Wert von Gewässern kann sich ändern, wenn wir Sand aus dem Flußbett klauen.

Hat das auch Auswirkungen auf das Klima?

Da wird natürlich ganz schön viel Masse rund um den Globus transportiert, weil wir Sand direkt in großen Mengen verbrauchen. Da kommen natürlich ganz schön viele Transport-Emissionen zusammen. Die Vereinten Nationen bemängelten in einer früheren Untersuchung von 2014 aber nicht nur das, sondern auch die Emissionen bei der Produktion von Zement. Die Zementproduktion sei dem nach mit 1.65 Milliarden Tonnen CO2 für knapp 5% der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich! Deshalb: Umdenken. Neu Bauen ist nicht für alles die Lösung, auch wenn das hierzulande politisch so gerne als Lösung vorgeschlagen wird.

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Kategorie COSMO, Dossier

4 Kommentare

  1. Katharina

    Hallo Shia,

    ich bin vor ca. 1 Woche eher aus Zufall auf deinen Blog aufmerksam geworden und lese mir jetzt nach und nach alle deine Artikel durch bzw. schreibe mir auf an welcher Stelle ich mit ganz einfachen Mittel meinen Abfall reduzieren kann. So habe ich seit einer Woche immer ein kleines Handtuch in meiner Tasche dabei. Ich habe mal ungefähr überschlagen das ich am Tag auf der Arbeit ca. 10 Papierfalthandtücher benutze, auf die ganze Woche betrachtet ist das ganz schön viel. Außerdem habe ich meine Eltern gefragt ob sie meine alten Stofftaschentücher noch haben. (Die schönen mit Maulwurf und co . drauf) Durch dich bin ich auf den Unverpacktladen Tara in Osnabrück aufmerksam gemacht worden. Ich plane da bald mal hinzufahren, leider sind das für mich ca. 30 km.
    Meine Milch/ Eier kaufe ich nur noch beim Bauern direkt ein und ich war gestern zum ersten Mal überhaupt in einem Bioladen.
    Ich finde man muss nicht von heute auf morgen komplett Zero Waste sein, geht ja auch gar nicht, aber es hilft schon wenn man darüber nach denkt was man eigentlich so tut den ganzen Tag über.
    Sprich Wasser trinke ich schon seit einem Jahr nur noch aus dem Kran, das Kisten schleppen hat mich so was von genervt und dann sehen die Pfandflaschen auch noch im Weg rum.
    Ich versuche jetzt nach und nach die „schlechten“ Sachen aufzubrauchen und durch bessere/nachhaltigere Dinge zu ersetzen.

    Liebe Grüße Katharina

    • Hi Katharina,

      ach cool du lebst in der Nähe von Osnabrück! Da habe ich studiert und 11 Jahre gelebt <3!

      Mein Tipp, wenn kein Unverpackt-Laden in der Nähe ist: Hamsterkäufe, wenn man mal sowieso in der Gegend ist! Das hatten wir auch gemacht, als der nächste Unverpackt-Laden von uns 2 Std. mit dem Öffentlichen entfernt war. Frisches Obst und Gemüse gibt es ja noch am besten unverpackt, d.h. meistens geht es ja um Trockenwaren – und die halten sich. Wir hatten also unsere Vorräte immer so alle 4-8 Wochen aufgefüllt.

      Heute leben wir in Köln, wo es ganze FÜNF Unverpackt-Läden gibt – und die bekommen uns auch nur alle 4-8 Wochen zu Gesicht, weil wir halt faul sind und unsere Zeit nicht gerne mit Einkaufen verbringen. 😉 Dann lieber einmal gezielt und dann gleich richtig. Ohne Verpackungen drum rum ist der Einkauf auch deutlich kompakter und wir bekommen ihn immer gut zu zweit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf dem Rad nach Hause.

      Finde auf jeden Fall total cool, wie viel du schon machst! Und wenn du mich fragst, von heute auf morgen ist einfach nur masochistisch ;). Das wäre, als ob ich morgen einen Marathon laufen würde – würde nicht gutgehen, denn ich bin definitiv nicht fit genug dafür! Das braucht einfach Zeit!

      Liebe Grüße,
      Shia

  2. Hey Shia!

    Danke für den Beitrag. Tatsächlich dachte ich auch nie daran, dass Sand eine Ressource ist, die wir in einem großen Maßstab nutzen.
    Wenn ich den Beitrag lese, ist das vollkommen logisch. So ein Fall á la „Mann, da hätte ich aber auch von selbst drauf kommen können“. Kam ich aber nicht, daher danke!

    Liebe Grüße
    Marina

    • Hi Marina 🙂
      haha ja, solche Momente habe ich ANDAUERND XD! Macht nix, ist normal (glaube ich zumindest ;)). Und ja, ist schon krass mit dem Sand, und keiner weiß davon! Irre, oder?
      Liebe Grüße,
      Shia

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