Plastikfreie, vegane und kompostierbare Zahnseide?

Über schicke Alternativen zur Plastikzahnbürste hatte ich ja bereits ausführlich berichtet. Meine Erfahrungen mit Zahnpulver und selbstgemachter Zahnpasta sowie mein Rezept für eine antibakterielle Mundspülung habe ich ebenfalls schon hier mit euch geteilt.

Nun kommen wir also zum letzten Teil der Mundhygiene-Serie – der Frage nach einer umweltfreundlichen Zahnseide.

Handelsübliche Zahnseide besteht aus Nylon, gewachst und aufgerollt in einer festen Plastikschachtel, meistens noch mal in einer Kombination von Plastik und Pappe eingepackt. Nylon wird wie auch Plastik aus Erdöl gemacht, zersetzt sich aber doch schneller als Plastik. Während eine dünne Plastiktüte (z.B. so eine für Obst und Gemüse) ca. 450 Jahre braucht und einige Plastiksachen nie zerfallen werden, baut sich Nylon zumindest in unter 100 Jahren ab.

Beim Thema Zahnseide gibt es für mich einfach keine zufriedenstellende Lösung. Es gibt entweder eine kompostierbare und komplett plastikfreie Lösung, die aber nicht vegan ist, oder eine vegane Lösung ohne Plastikverpackung, die allerdings weiterhin aus normalem Nylon besteht.

Hier die Optionen.

Zahnseide aus Naturseide mit Bienenwachs von Vömel

Zahnseide Vömel

Die Firma Vömel vertreibt Zahnseide aus echter Seide mit Bienenwachsbezug in einem wunderschönen Flakon. Normalerweise wird die Zahnseide in einer Plastikverpackung verkauft. Bei monomeer.de gibt es sie aber auch plastikfrei, weil sie Vömel statt der Plastikverpackung Papiertütchen zur Verfügung stellen. Vegan ist sie natürlich nicht 😕. Update: Ich habe gerade gesehen, dass es diese Zahnseide (ebenfalls plastikfrei verkauft) auch im neu eröffeneten Onlineshop Zero Waste Laden gibt. Diesen Onlineshop haben Olga und Gregor vom Blog Zero Waste Lifestyle ins Leben gerufen und wer in der Nähe von Köln wohnt hat auch die Option, die Sachen direkt bei ihnen abzuholen 👍.

Ganz günstig ist sie auch nicht. 10 m im Flakon kosten 3,95 €, ein Nachfüllpack mit 2 x 10 m kostet 4,90 €, was einem Preis von 2,45 € pro 10 m entspricht.

Zahnseide aus Naturseide von Radius

Zahnseide Radius

Eine weitere Marke, die Zahnseide aus echter Seide vertreibt ist die amerikanische Marke Radius. Diese Zahnseide sieht man häufiger bei Amazon. Ich hatte sie in Großbritannien in der Hand und festgestellt, dass die Zahnseide wie auch reguläre Zahnseide in einer Plastikschachtel aufgerollt ist. Es gibt sich auch ohne Plastikschachtel, dafür aber in kurzen Streifen einzeln in Beutelchen abgepackt, was auch wiederum unnötiger Müll ist.

Bei Amazon bekommt man sie ziemlich günstig, wenn man direkt 6 davon nimmt (31,73 €). Umgerechnet kommt man da bei 1,76 € pro 10 m raus.

Radius hat auch vegane Zahnseide, die aber natürlich regulär aus Nylon besteht und in einer Plastikschachtel aufgerollt ist. Da kann man sich eigentlich auch fast jedes X-beliebige andere Zahnseide kaufen…

Ein Stück Seidenstoff aufribbeln

Béa Johnson ribbelt ein Stück Seidenstoff auf, zwirbelt die Fäden zusammen und benutzt diese als Zahnseide.

Vegane Zahnseide aus Nylon ohne Plastikschachtel von Ecodent

Ecodent hatte ich vor einigen Monaten angeschrieben, weil ich keine Angaben zum Material und zur biologischen Abbaubarkeit der Zahnseide an sich auf ihrer Seite finden konnte und mir auch ihr Live-Service-Kunden-Chat da nicht weiterhelfen konnte. Die Antwort war ernüchternd… Sie hätten „im Internet“ und die Info gefunden, dass Zahnseide sich in 1-5 Jahren zersetzen könnte. Ich habe also mal „how long does it take for dental floss to decompose“ gegoogelt. Und das mit den 1-5 Jahren ploppt an erster Stelle in der Vorschau auf. Dabei handelt es sich um ein Handout für ein Science Camp, und ich vermute mal ganz stark, dass es kein Abenteuer-Camp für Erwachsene war. Das Handout behauptet übrigens auch, dass eine Plastiktüte sich in 20 bis 40 Jahren zersetzen würde und nicht erst in so, ähm, hunderten von Jahren wie andere Quellen das behaupten…

Also, wenn man sogar öko (auf Englisch abgekürzt „eco“) im Namen trägt, sollte man wie ich finde zumindest mal ein bisschen Gedanken zu den möglichen ökologischen Folgen des eigenen Produkte gemacht haben 😅…

Naja, davon abgesehen soll es aber eine gute Zahnseide sein, bei der man zumindest an Verpackung spart. Es gibt keine Plastik-Box, aber stattdessen wohl eine Plastikfolie innen und Plastiksticker außen. Außerdem bekommt man gleich 90 m zu einem relativ günstigen Preis von 8,40 €, was 0,93 € pro 10 m kostet (zum Vergleich: Der günstigere Nachfüllpack bei Vömel kostet 2,45 € pro 10 m und Radius kam bei 1,76 € pro 10 m raus). Ich meinte, ich hätte sie mal im Veganz gesehen, bin mir aber nicht sicher. Bestellen kann man sie online bei beechange.com.

Was macht man also, wenn man vegan und Zero Waste leben will?

Es tut mir sehr leid, aber ich habe leider, leider keine richtige Antwort darauf. Man hat nämlich in der Tat nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder man nimmt hin, dass Seidenraupen lebendig ins kochende Wasser kommen, oder man verursacht Müll, der vorher sogar auf Mineralölbasis produziert werden musste. Beides nicht so rosig.

Eigentlich dürfte es doch kein Problem sein, Zahnseide aus Nylon4, das sich in nur 18 Monaten biologisch abbauen kann und sogar auf den heimischen Komposthaufen darf, zu machen. Funktioniert doch auch bei den Borsten der Bambuszahnbürsten!

Glaubt es mir, ich habe mir wirklich den Kopf darüber zerbrochen. Ich habe auch Baumwollfäden ausprobiert, aber die reißen super schnell, selbst, wenn man mehrere Fäden zusammen verzwirbelt.

Letztes Jahr bin ich u.a. über dieses Bild gestolpert, das bei mir hängen geblieben ist. Denn Nylon ist wie auch Plastik reißfest, was ein großes Problem für die Tierwelt ist.

(Mehr traurige Bilder hier 😢)

Daraufhin habe ich dann die Zahnseide aus Naturseide von Vömel bestellt, obwohl sie nicht vegan ist. Ich dachte mir, dass ich da wenigstens weiß, wo die Zahnseide landet – nämlich in unserer Wurmkiste, wo sie mit unseren Küchenabfällen direkt vor Ort kompostiert wird. Denn so viele Jahre, wie Nylon braucht, um zu zerfallen, können sich sehr viele Tiere darin verfangen.

Ich bestellte gleich genug für zwei Jahre, eingebettet in eine Sammelbestellung, damit man die Umwelt so wenig wie möglich mit Verpackung und Versand belastet.

Erst später erfuhr ich, dass der nicht recyclebarer Müll in Deutschland in der Regel verbrannt wird. Wenn man also seine Zahnseide nicht irgendwo in die Gegend wirft, wird sich auch kein Tier darin verfangen können.

Was ich also nächstes Jahr machen werde, wenn meine Zahnseide aufgebraucht ist? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich hoffe immer noch, das ich auf wundersame Art und Weise doch auf eine tierleidfreie, biologisch abbaubare Zahnseide ohne Plastikbehälter stoße.

Übrigens bin ich erst vor wenigen Tagen im Internet darauf gestoßen, dass einige Leute ihre eigenen Haare als Zahnseide benutzen, und dass man früher, ganz, ganz früher in prähistorischen Zeiten wohl auch Pferdehaare dafür verwendet haben soll. Ich habe das jetzt noch nicht ausprobiert. Aber abwegiger als Fasern, die eine Raupe gesponnen hat mit fettigen Absonderungen von Bienen zu beziehen und zu benutzen ist das eigentlich auch nicht, wenn man mal darüber nachdenkt…?

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Kategorie Artikel, Bad, Zahnpflege, Zero-Waste-Alternativen

55 Kommentare

  1. Hi Shia,
    tausend Dank für deine so unglaublich motivierende und inspiriende Arbeit! Ich habe auch stark zurückweichends Zahnfleisch und achte deshalb sehr auf meine Mundhygiene.

    Bei Instagram habe ich gelesen, dass du im Februar noch keine Rückmeldungen von Herstellern von veganen, angeblich kompostierbaren Zahnseiden bekommen hast, wie diese tatsächlich abbaubar sind. Hat sich das inzwischen geändert und hast du dazu neue Infos?

    Welche Interdentalbürsten benutzt du im Moment? Die von Swak? Ich finde es gar nicht so einfach, eine gute und plastikfreie Mundhygiene umzusetzen.
    Meine Zähne putze ich mit einer Einbüschelbürste aus Plastik (damit putzt man jeden Zahn einzeln, bei mir ist das deutlich effektiver als mit einer „normal-großen“ Zahnbürste). Zwar gibt es da auch die Swak Bürste (habe ich auch seit ca 3 Jahren), aber ich finde es viel schwerer damit zu putzen, weil die irgendwie so steif ist und der Kopf irgendwie auch größer. Und Einbüschelbürsten aus Bambus habe ich leider noch nicht gefunden…

    • Hi Noa,

      nein, leider hat mir auch seitdem keiner auf meine Fragen geantwortet, auch Bambusliebe nicht. Die hatte ich sowohl auf Instagram mal im Kommentar gefragt (ausweichende Antwort und auf genauere Nachfrage gar keine Antwort) als auch in einer langen eMail über ihr Kontaktformular (gar keine Antwort). Ich habe von einer Bekannten, der die Zahnseide nicht gefällt (reißt leichter) ihre Reste bekommen und jetzt schauen wir mal, ob sie sich in meiner Wurmkiste auflösen. In ein paar Monaten kann ich dir mehr sagen XD.
      Ich benutze noch Interdentalbürsten aus der Drogerie in so einer „Großpackung“ von ich meinte 32 Bürstchen. Swak hatte ich angeschrieben und später angerufen und in Erfahrung gebracht, dass ich sie a) nicht in Köln oder Umgebung bekomme, weil ihre Händler sie nicht führen (wusste ich aber schon, weil ich nachgefragt und auch da schon rumtelefoniert hatte) und b) die Bürsten in einer Verpackung mit Plastikfenster stecken und c) sie ungefähr gut einen Monat halten (dünnere Bürstchen kürzer, die dickeren etwas länger, wegen der Drahtstärke), zumindest bei dem Herrn von Swak, mit dem ich telefoniert hatte. Da bei mir die Drogerie-Bürstchen auch ungefähr so lange halten, konnte ich mich also noch nicht dazu durchringen, die von Swak mir online zu kaufen und extra zuschicken zu lassen. Das ist ja dann auch wieder eine Menge unnötiger (wenn auch fast plastikfreie) Verpackung und Transportemissionen :(…
      Ich putze mit einer Bambuszahnbürste und gehe danach mit einem Miswak-Zweig aus dem Unverpackt-Laden noch mal über die Stellen, die sonst schwer erreichbar sind. Das funktioniert bei mir auch besser als mit der Swak. Mit meiner Prophylaxe-Dame hatte ich auch gesprochen. Sie meinte, eine elektrische Zahnbürste ist im Grunde fehlerunanfälliger, am Ende aber kein Muss, wenn man eben mit der Handzahnbürste auf die richtige Technik achtet und sich auch die Zeit nimmt, gründlich alle Beläge zu entfernen.
      So weit mein Stand zur Zahnpflege. Noch nicht ganz zufriedenstellend, aber vielleicht gibt es ja bald bessere Optionen!
      Liebe Grüße,
      Shia

      • Liebe Shia,
        vielen Dank für deine ausführliche Antwort und die Infos zu deiner Zahnroutine.
        Ich habe hier tatsächlich auch einen Miswak-Zweig liegen und probiere mal mich wieder mehr mit dem anzufreunden.
        Dann warte ich mal gespannt auf deine Ergebnisse des Bambus-Zahnseide-in-der-Wurmkiste-Experiments und lebe weiter in Widersprüchen 😉

        Liebe Grüße,
        noa

  2. Es gibt ja mittlerweile zum Glück doch ein paar vegane und plastikfreie Produkte. Zum Beispiel von bambusliebe oder SNOWW WHITE. Vl wäre es mal Zeit für einen Nachtrag

  3. Ich hoffe, Bienenwachs kann den natürlichen Schutz für den Zahn sichern. Die Zahnseide brauche ich meist nach der Mahlzeit und Ostern steht noch bevor. Vielen Dank für den praktischen Tipp zum Alltag!

  4. Hallo Shia,
    als Alternative zu Zahnseide kann ich Dir eine Munddusche/ Water Flosser empfehlen.
    Sie entfernt Essensreste ganz einfach und zuverlässig mit einem Wasserstrahl und massiert zugleich noch das Zahnfleisch.
    Es gibt sie inzwischen sogar zusammensteckbar und ganz klein zum Verreisen.
    Man verbraucht natürlich Strom und Wasser …
    Aber es ist viel einfacher sich damit die Zahnzwischenräume zu putzen als mit Zahnseide !

    • Hi Heike,
      laut meiner Prophylaxe-Dame (das ist die, die die Zahnreinigung durchführt) entfernen diese Water Flosser (zumindest zum momentanen Stand noch) Plaque nur sehr schlecht und sind weder als Ersatz für Zahnseide noch für das Zähneputzen geeignet. Zahnseide könne auch nicht ersetzt werden, weil es das Einzige ist, was dort hinkommt, wo sich die Zähne berühren. Sie empfiehlt außerdem Interdentalbürsten als ZUSATZ (also auch kein Ersatz), weil sie Plaque besser entfernen als Zahnseide, aber eben nur in den Zwischenräumen und wieder nicht da, wo die Zähne sich berühren.
      Das klingt für mich ganz schlüssig und ich vertraue auch da den Experten :).
      Liebe Grüße,
      Shia

  5. Hallo Shia,
    ich habe vor kurzem vegane Zahnseide von bambusliebe gefunden. Allerdings konnte ich noch nichts zur Abbau Geschwindigkeit des Produktes finden. Der Beschreibung nach könnte es, aber in die Wurmkiste denke ich.
    Liebe Grüße

  6. Sorry,ich schüttel hier bei einigen Vorschlägen nur mit dem Kopf. Zahnseide benutzen bringt nix.? Na dann kann man sich laut Link auch gleich komplett Zähneputzen sparen. Bitte glaubt nicht so ein Mist! Und bitte, bitte kein Nähgarn, es sei denn , die Fädensind in bioqualität, ohne jegliche chemische Ausrüstung und Färbung. Die Mundkrebsrate ist bei Schneider/ innen und Näher/innen immens höher als im durchschnitt. Weil der Faden gerne mit Speichel leicht befeuchtet wird, um einfacher einzufädeln. Und giftige Stoffenüber die Mundschleimhaut besonders gut absorbiert werden können .
    Achtet auf euch, l g
    Katharina

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