Neues staatliches Textilsiegel für mehr Fair Fashion – was taugt der Grüne Knopf?

Jeden Sonntag gibt es gegen 15:30 Uhr seit dem 11.08.2019 nun gegen 12:30 bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das weltoffene Radioprogramm vom WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg (RBB).

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Wir leben in einer verkehrten Welt – zumindest was die Produktion unserer Klamotten angeht! In Zeiten von Fast Fashion und Kleidung als Wegwerfware, ist die ökologisch- und sozialverträgliche Klamotte in unseren Einkaufszentren so rar wie eine vom aussterben bedrohte Tierart. Das soll sich ändern – zumindest nach unserem Entwicklungsminister Gerd Müller. Nach fünf Jahren tüfteln – Anlass war der Einsturz der Fast-Fashion-Produktionsstätte Rana Plaza in Bangladesch mit mehr als Tausend Toten – schickt er nämlich morgen den Grünen Knopf ins Feld – ein globales Siegel mit staatlicher Überwachung für die Textilindustrie, das zeigen soll, dass gewisse Mindeststandards eingehalten wurden. Shia Su, unsere Cosmo-Nachhaltigkeitsexpertin hat das Siegel für uns mal unter die Lupe genommen.

Shia, was hältst du davon? Taugt das Siegel etwas oder eher nur gut von „gut gemeint“?

Generell finde ich es gut, dass es ein staatliches Siegel gibt, das unabhängige Prüfstellen einsetzt. Es gibt nämlich leider oft genug den Fall, dass Firmen eigene Siegel machen, um sich so selber eine nachhaltige Produktion zu bescheinigen. Das wäre so, als ob ich mir mein eigenes Zeugnis schreiben würde!

Leider ist allerdings dieses staatliche Siegel erst einmal ziemlich lasch. Der Grüne Knopf startet nämlich mit einer Einführungsphase – noch bis 2021. In dieser Zeit sollen auch Erkenntnisse gesammelt und evaluiert werden, um dann die Anforderungen immer weiter auszudehnen. Aber in dieser Einführungsphase schaut der Grüne Knopf nur auf zwei Produktionsstufen der sehr sehr langen Lieferkette. Nämlich: “Zuschneiden und Nähen” und “Bleichen und Färben” – das reicht meiner Meinung nach nicht aus.

Sag mal, ist das Siegel denn verpflichtend, so wie die Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen?

Das dachte ich erst auch – denn das wäre ja aus meiner Sicht mal ein längst überfälliger, sinnvoller Schritt, der viel bewirken würde! Das würde nämlich bedeuten, dass es endlich nötig wäre, gesetzliche Mindeststandards für eine faire und nachhaltige Produktion überhaupt einmal im Vorfeld festzulegen – ähnlich wie bei dem deutschen staatlichen Bio-Siegel bei Bio-Lebensmitteln. Leider ist das nicht der Fall. Außerdem ist die Teilnahme freiwillig, d.h. „Fast Fashion“-Riesen können sich weiterhin einfach aus der Verantwortung ziehen – wozu die Produktionsbedingungen kontrollieren lassen, wenn sie nicht müssen?

Firmen, die das staatliche Siegel „grüner Knopf“ haben wollen, können einige Standards für faire und ökologische Produktion auch mit privaten Siegeln nachweisen. Das wirkt jetzt wieder nicht sooo vertrauenserweckend. Kann das funktionieren?

Der Grüne Knopf stützt sich da schon auf einige gute private Siegel und es ist auch ganz klar, dass das aus pragmatischen Gründen so beschlossen wurde – um nämlich den eigenen Prüfungsaufwand gering zu halten. Aber aus meiner Sicht kann das keine Dauerlösung sein, denn der Vorteil bei einem staatlichen Siegel ist ja gerade, dass eine industriell unabhängige Instanz die Prüfung übernimmt. Sonst ist das Siegel ja im Grunde überflüssig.

Wenn jetzt der „Grüne Knopf“ zumindest jetzt noch nicht das Wahre ist… auf welche Siegel kann ich mich denn irgendwie verlassen?

Es gibt schon gute und strenge Siegel. Auf die – aber auch auf andere, weniger strenge – stützt sich der Grüne Knopf. Einer meiner Favoriten ist das GOTS-Siegel, an dem gibt es wenig – nicht gar nichts, aber wenig – zu meckern. Noch ein kleines bisschen strenger ist das IVN-Qualitätszeichen vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft. Was man außerdem häufig sieht ist das Zeichen der Fair Wear Foundation. Das ist generell nicht schlecht, aber ich finde es trotzdem leider etwas irreführend. Ein Kleidungsstück mit dem Zeichen darauf ist nämlich trotzdem nicht unbedingt sozialverträglich produziert, denn es zeigt nur an, dass die Marke sich verpflichtet, auf faire Produktionsbedingungen hinzuarbeiten – und es kann sein, dass sie noch weit davon entfernt ist. Im schlechtesten Fall ist es also nicht mehr als ein „Versprechen“ des Unternehmens, es eines Tages mal besser machen zu wollen.

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Kategorie COSMO, Fashion

4 Kommentare

  1. Pingback: Zero Waste: Kleidung – PhantasieKonfetti

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