Nachhaltiger durch Schule und Uni

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

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Die Ferien gehen zu Ende und die Schule geht bald los, in einigen Bundesländern hat sie sogar schon begonnen. Und auch die Unis und Hochschulen starten bald wieder ins neue Semester. Nachhaltig durch Schul- und Uni-Alltag. Das geht. Und wie, das – das kennt weiß Shia Su- unsere Nachhaltigkeitsexpertin.

Shia, was sind die größten Herausforderungen was Nachhaltigkeit bei Schülern und Studierenden angeht?

Nach wie vor natürlich Papier. Also, Hefte, Schreibblöcke, Kopien, Arbeitsblätter und so weiter. In der Regel ist das alles leider nicht immer aus Recycling-Papier. Und bei der Papierproduktion kommen z.B. problematische Chemikalien zum Einsatz und außerdem verschlingt die Produktion neben Bäumen auch viele andere Ressourcen wie Energie und Wasser. Allein in einem A4-Blatt – und das wiegt nur 5 Gramm – stecken 10 Liter Wasser! Das ist ein ganzer Putzeimer voll! Bäume sind zwar eine “erneuerbare Ressource”, aber auch nur, solange wir sie nicht schneller abholzen, als sie nachwachsen können. Und dann gibt s natürlich auch so einiges an Plastik wie zum Beispiel Kulis, Textmarker, Fineliner oder auch Heft- und Buchumschläge…

Wie kann man als Schüler oder Student denn nachhaltiger Notizen machen?

An der Uni bzw. Hochschule kannste ja mit dem Laptop oder Tablet mitschreiben. Die meisten von uns tippen ja auch viel schneller, als sie mit der Hand schreiben können, das ist zum Mitschreiben schon sehr praktisch – und in meinem Fall übrigens auch deutlich leserlicher!
In der Schule darf man das aber meistens nicht und viele merken sich Dinge ja auch besser, wenn sie mit der Hand schreiben.

Also ich hab im Studium meine Mitschriften hauptsächlich auf Fehldrucken gemacht, die ich mir neben dem Kopierer in der Unibibliothek mitgenommen habe. Weißt du, die Blätter, die nur einseitig bedruckt sind? Für die Schule gibt es Hefte aus recyceltem Papier mit dem Blauen Engel als Siegel. Da am besten die Grauen nehmen, die wurden weniger stark chemisch behandelt. Für Druckerpapier komplett aus Recycling-Papier hab ich in der Uni so einmal im Jahr eine große Sammelbestellung für Leute aus meinem Studiengang und Freunde organisiert. Achja, und klar: Doppelseitig beschriften. Ich sehe so viele Leute, die im Block oder Heft immer nur eine Seite pro Blatt bekritzeln…

Was ist mit Stiften und Textmarkern?

Ich mache ja inzwischen fast alle Notizen, wenn schon nicht digital, dann mit einem unlackierten Holz-Bleistift. Dafür habe ich neuerdings sogar einen Bleistiftverlängerer aus Holz. Der Verlängerer sieht aus wie ein Stück vom Stift, und da steckst du den Bleistift rein, sodass er nach hinten hin verlängert ist. So kannst du auch mit einem kurzen Ende noch gut schreiben.

Nachhaltigere Schreibwarenoptionen beim Unverpackt-Laden Tante Olga. Ganz links ist der Bleistiftverlängerer zu sehen.

Dazu gibt’s einen Radiergummi aus Naturkautschuk. Statt Textmarker aus Plastik gibt es auch dicke Textmarker-Buntstifte. Für Klausuren kannst du einen Füller mit wiederbefüllbarer Patrone nehmen. So ein Tintenfass hält auch recht lange, wenn du hauptsächlich mit Bleistift schreibst.

Du hast vorhin schon angesprochen, dass man zumindest in der Uni ja auch Notizen mit dem Laptop oder Tablet machen kann. Ist das aber wirklich nachhaltiger als Papier?

Elektrogeräte sind leider so was von gar nicht nachhaltig. Man kommt nur als Student wohl nicht dran vorbei, so was zu besitzen und zu benutzen. In der Uni musst du Hausarbeiten schreiben, dich online zu Kursen und sogar Prüfungen anmelden. Und wenn du das Gerät sowieso schon hast, kannst du es auch einsetzen, um in der Vorlesung mitzuschreiben. Das verbraucht natürlich Strom, aber die Papierproduktion verbraucht auch viele Energie. Um eine Tonne frisches Papier herzustellen braucht man genauso viel Energie wie für eine Tonne Stahl. Die Papierindustrie ist der weltweit fünftgrößte industrielle Energieverbraucher, und da sind die Transporte von Rohstoffen und des fertigen Produktes noch nicht mal mit einberechnet.

Laut dem Umweltbundesamt müsste der Verbrauch in den westlichen Ländern nahezu halbiert werden, damit eine nachhaltige Papierversorgung gewährleistet werden kann. Also, am Ende ist es dann doch besser, auf dem Laptop mitzuschreiben, statt Papier zu verbrauchen… Da aber am besten ein Notizprogramm statt Textverarbeitungsprogramm nehmen. Die sind nicht so arbeitsspeicherintensiv ist, das spart Strom.

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6 Kommentare

  1. Katahahn

    Welche Notizprogramme kannst du für den Laptop empfehlen? Eigentlich schreibe ich auf alles, was Papier und nicht gebraucht wird (dazu zählen auch die Einzelverpackungen für Tee) für Notizen. Manchmal muss auch die linke Hand herhalten. Sonst benutze ich eine Notiz app auf meinem Smartphone. Für den Laptop benutze ich evernote, finde aber, dass es nicht so praktisch mit dem Programm ist, während einer Sitzung Notizen zu machen.

  2. Zum Thema Tintenfass: Ich habe in der Schule immer mit so einem Aufziehfüller geschrieben. Als mir das zu lästig wurde, ständig Tintenfässchen zu kaufen, haben sie mir im Papiergeschäft eine Literflasche Tinte bestellt – mit der fülle ich noch heute mein Fässchen immer wieder auf 🙂

    • Hi Junke,
      das ist auch eine gute Idee, wenn man viel mit dem Füller schreibt ! Und man kann sich den Liter ja auch mit anderen noch teilen! Unser Tintenfass beglückt uns schon seit über zwei Jahren und ist immer noch ziemlich voll, weil Hanno und ich eigentlich fast ausschließlich mit Bleistift schreiben, die wir seltsamerweise neuerdings andauernd geschenkt bekommen. Davor hatte jeder von uns nur 1 Bleistift und wir hatten uns einen Füller geteilt, den wir nur mal zum Unterschreiben von Dokumenten und zum Signieren meines Buches benutzen. In den letzten zwei Monaten haben wir dann direkt sechs Bleistifte geschenkt bekommen und somit haben wie jetzt die vierfache Anzahl an Bleistiften im Vergleich zu vorher .
      Liebe Grüße,
      Shia

  3. Hallo zusammen,
    ich arbeite als Lehrerin und was ich persönlich als totale Umweltsünde empfinde sind Whiteboardmarker…sie halten sehr kurz, sind komplett aus Plastik und noch dazu nicht ungiftig. Sicher macht ihr Einsatz an manchen Stellen Sinn (Smartboard)….mancherorts frage ich mich aber, ob nicht eine Oldschool-Tafel mit Kreide besser für die Umwelt wäre und ihren Zweck erfüllen würde. Zumindest fällt dabei kaum Plastik an.
    Liebe Grüße 🙂

  4. Anonymous

    Problematisch ist nur, dass ich z.B. Klausuren und Übungszettel weder mit Füller noch mit Bleistift schreiben darf. Ist ja beides nicht dokumentenecht.

  5. Hallo Shia,
    gerade in Schule ist echt der Wahnsinn ausgebrochen. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Grundschulzeit Ender 90iger Jahre. Unsere Klassenlehrerin wurde richtig böse mit den Eltern, wenn diese die weiß gebleichten Hefte und Blöcke, Filzstifte und Plastik- Heft- und Buchumschläge anschafften. Damals wurde sie schon als Ökotante bezeichnet, hatte aber noch die freie Wahl.
    Wenige Jahre später ist an der selben Schule Recyclingpapier verboten, weil es nicht gut aussieht! Ist es zu fassen? Bücher müssen in Plastik eingeschlagen werden, weil Papier zu schnell kaputt gehen würde. Buntstifte müssen jedes Jahr neu gekauft werden, weil „mit angespitzten Stiften malen die Kinder nicht so gut“. Tintenfässer sind verboten, das macht zu viel Sauerei, etc. etc.
    Es müsste wirklich an Schulen selber viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Selbst wenn Eltern und Lehrer bemüht sind, wir ihnen mittlerweile durch Vorgaben der Schule das nachhaltige Leben schwer gemacht. Das ist wirklich traurig.
    LG
    Anni

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