Nachhaltig leben, auch mit kleinem Geldbeutel!

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

Hier gibt’s den Talk zum Nachhören
COSMO Livestream

Wie haltet ihr es denn so mit der Nachhaltigkeit? Also lieber Bio kaufen zum Beispiel? Fair gehandelten Kaffee? Klamotten – ist ja auch immer so ein Ding. Dass man nicht unbedingt da kauft, wo garantiert in einer Billig-Fabrik in Bangladesh produziert wurde. Ja, ich glaube, viele von uns haben das Ziel im innern, nachhaltiger zu sein in ihrem Konsum, aber scheitern schlicht und ergreifend daran, dass das auch deutlich teurer ist. Kann sich vielleicht auch nicht jeder leisten, die Sache mit der Nachhaltigkeit, wäre jetzt so meine steile These. Shia, unsere Expertin auf dem Gebiet vertritt da eine ganz andere Einstellung.

Shia, wie siehst du das? Nehmen wir mal das Beispiel gesundes Bio-Essen – geht das überhaupt mit wenig Geld, wie beispielsweise Hartz-IV?

Gehen schon, aber das setzt halt voraus, dass man gleichzeitig an vielen Schrauben dreht und budgetiert. Einfach das, was man an Lebensmitteln kauft gegen die Bio-Versionen auszutauschen funktioniert da nicht. Genau das Gleiche mit Klamotten, Putzmitteln, Kosmetik und allem. Aber man kann es hinbekommen, auf Hartz-IV-Niveau nur Bio-Lebensmittel zu kaufen. Ich hab ja ein Blick auf unser Ausgaben, einfach, weil wir unser Geld schon immer aktiv managen. Mein Mann Hanno und ich geben durchschnittlich ungefähr so viel aus, wie man bei Hartz IV zur Verfügung hat. Das sind seit 2018 z.B. 374€ pro Nase bei Paaren. Das hat sich durch unseren müllfreien Lebensstil irgendwann von allein darauf eingependelt. Der große Unterschied ist halt, dass das bei uns der Durchschnittswert ist. Sprich: Wir können halt auch problemlos mal einen Monat drüber kommen oder mal ein teurere, aber langlebigere Anschaffung machen, die sich vielleicht erst nach einem Jahr rechnet. Das ist auf Hartz IV halt schwierig, da hat man keinen Puffer.

Echt jetzt? So wenig gebt ihr aus und lebt trotzdem gesund und nachhaltig?

Ja, also, wir sind halt Minimalisten. Zu viel materieller Besitz ist für uns eher belastend.

Shia, wie geht das denn?? Bio-Lebensmittel sind doch nun wirklich deutlich teurer! Da kann mir keiner sagen, dass das günstiger ist als sich alles vom Discounter zu holen!

Das ist richtig. Wir geben auch durchschnittlich etwas mehr für Lebensmittel aus als vorher, als wir so wie die meisten also Nicht-Bio und z.B. beim Discounter hatten. Ich sage nur “etwas” mehr, weil wir inzwischen generell auf die günstigeren Lebensmittel wie Kartoffeln oder Kohl setzen. Wenn man natürlich Zucchini, Gurken oder Tomaten im Winter – also außerhalb der Saison – kauft oder unbedingt weit angereiste Tropenfrüche will, dann hat das halt seinen Preis. Sowohl für den eigenen Geldbeutel als auch für die Umwelt.

Wir kaufen auch keine Limonaden oder sonstiges Zuckerwasser und auch keine industriell verarbeiteten Lebensmittel mehr. Die sind nicht nur oft ungesund, und in Plastik verpackt, sondern meistens viel teurer. Puddingpulver zum Beispiel. Das ist nur portioniert abgepackte Stärke mit Aromen. Da nehm ich doch lieber Bio-Stärke und selbstgemachten Vanillezucker aus echter Vanille. Schmeckt viel besser und ist trotz echter Vanille und bio günstiger als Puddingpulver vom Discounter!

Ach echt? Sprich: Es kommt darauf an, zu den richtigen Bio-Lebensmitteln zu greifen?

Ja, genau, 1:1 ersetzen funktioniert da nicht. Ich muss aber auch sagen, dass wir natürlich auch sparen, weil wir keine Lebensmittel verschwenden. Wusstest du, dass wir in Deutschland pro Kopf im Jahr essbare Lebensmittel im Wert von 235€ in die Tonne kloppen? In unserem 2-Personen-Haushalt sparen wir da also im Jahr schon mal 470€. Das sind bei uns fast 10 Wocheneinkäufe, also Lebensmittel für gut zwei Monate! Man kann die Kosten übrigens noch mal deutlich drücken, wenn man z.B. über Foodsharing gerettete Lebensmittel isst. Das ist dann nicht immer Bio, aber sehr umweltfreundlich, weil man Lebensmittelverschwendung bekämpft und kosten tut es rein gar nix.

Gut, wenn ich so überlege, gehören ja auch Strom- und Wassersparen zu einem nachhaltigen Leben. Das spart ja auch Geld.

Genau! Es sind so einige Sachen, die Geld sparen. Wir denken ja so häufig, dass die Lösung immer ist, sich einfach die nachhaltigere Version zu kaufen. Aber ein nachhaltiges Leben hat im Gegenteil eigentlich weniger mit “kaufen” und mehr mit “nicht kaufen” zu tun. Wir besitzen zum Beispiel nur noch Dinge, die wir wirklich brauchen. Wir kaufen nur, um mal etwas zu ersetzen und nicht, um um noch mehr Dinge anzuhäufen, die wir dann doch nicht brauchen. Das nimmt zu Hause nicht nur Platz weg, sondern ist alles Geld, das man im Grunde aus dem Fenster geworfen hat. Und wenn wir dann mal was brauchen, dann kaufen wir es gebraucht. Fairtrade-Bio-Klamotten sind cool und auch nicht teurer als Markenkleidung, aber es ist genauso umweltfreundlich sich Secondhand-Kleidung zu kaufen oder sich welche zu ertauschen. Ich geh alle Schaltjahre mal zu Klamottentauschparties, da kann man ganz ohne Geld mitnehmen, was einem gefällt und wenn man keine Klamotten zum Mitbringen hat, ist das auch gar kein Problem! Würde wahrscheinlich nicht mal irgendwem auffallen.

Was ist aber mit langlebigen Dingen, die vielleicht erst mittelfristig Geld sparen? Die sind ja meistens teurer in der Anschaffung.

Das ist leider wahr. Und das ist das Schwierige auf Hartz IV oder einem kleinen Studentenbudget: Das Geld für die Anschaffung muss man erst mal zusammenkratzen. Auch da hilft es natürlich, zu versuchen, die Sachen gebraucht günstiger aufzutreiben. Je nachdem, wie groß die Anschaffung ist, ist aber auch das zu teuer. Ein oder zwei Monate Konsumfasten kann da wirklich helfen. Also mal die Vorratsschränke leerfuttern und in der Zeit wirklich nur das kaufen, was wirklich lebensnotwendig ist. Viele Einwegartikel kann man zu Hause auch einfach wegkürzen. Die Küchenrolle, diese Hygieneputztücher zum Putzen oder der Spülschwamm Beispiel. Ein Lappen tut’s in allen Fällen genauso. Statt Wattepads kann man sich auch mit Seife und einem Waschlappen abschminken oder man näht sich Pads aus einem alten Shirt. Und was man nicht unterschätzen sollte: die Power einer Community. Lokale Verschenke- und Tauschgruppen auf Facebook, oder ganz oldschool einfach allen Leuten erzählen, dass man auf der Suche nach z.B. einer energieeffizienten Waschmaschine oder LED-Beleuchtung ist.

Kategorie COSMO, Dossier, Haushalt, Lifestyle, Minimalismus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.