Lebensmittel unverpackt einkaufen #ZeroWaste101

Den Löwenanteil an Haushaltsmüll schleppt man beim alltäglichen Lebensmittelkauf in die eigenen vier Wände. Der in Plastik eingewickelte Eisbergsalat, die in ein Plastik-Kondom eingeschweißte Salatgurke, die Champignons in der Plastikschale, die Margarine in der Plastikbox, (Pflanzen-)Milch im Tetrapak, und, und, und…

Ich höre und lese häufig Sachen wie: „Ich würde ja gerne, kann aber leider nicht weniger Müll produzieren, weil es bei uns keinen Unverpackt-Supermarkt gibt.“

Die gute Nachricht: Das, was man am häufigsten braucht, nämlich frisches Obst und Gemüse, Kartoffeln und Brot bekommt man fast überall lose!

Bei den anderen Sachen muss man in der Tat erst mal suchen. Das klingt alles erst mal kompliziert und zeitintensiv. Stellt euch das aber vor wie der Umzug in eine neue Stadt, wo ihr euch gar nicht auskennt. Erst mal muss man sich umsehen. Schnell aber merkt man sich, wo man was bekommt, und irgendwann weiß man es und geht einfach da hin.

Viele denken auch, dass ich den ganzen Tag nur hin und her fahre, um meine Einkäufe zu erledigen :D. In der Tat kaufen wir nur 1 bis 2 Mal die Woche frisches Obst und Gemüse und alle 4 bis 6 Wochen fahren wir mal in die Nachbarstadt nach Essen und füllen unsere Gläser mit Trockenwaren auf. Mehr brauchen wir nicht, auch nicht für Drogerieartikel wie Wasch- und Putzmittel oder Körperpflege-Artikel. Denn da brauchen wir eigentlich nur noch Olivenölseife, Natron, Essigessenz, Roggenmehl und Öle, die wir auch zum Kochen benutzen. Simplify your Life :D! Kein andauerndes Losrennen mehr, weil wieder einer unser 300.000 Produkte gerade alle ist.

Wenn wir dazwischen mal wirklich dringend etwas brauchen sollten, was eigentlich gar nicht mehr vorkommt, dann rennen wir tatsächlich mal gezielt in einen Laden (Tee habe ich vor sieben Monaten mal in einer Extratour gekauft). Die restliche Zeit denken wir nicht mal ans Einkaufen, weder Lebensmittel noch sonst irgendwas. Stattdessen verbringen wir unsere Zeit lieber mit schöneren Dingen ;).

Was kann man wo unverpackt einkaufen?

Obst und Gemüse

Obst und Gemüse bekommt man in fast jedem Supermarkt lose. Mit wenigen Wäschenetzen bewaffnet kommt man in der Regel schon sehr weit. In BIO-Läden, auf dem Wochenmarkt und in kleinen Gemüsemärkten ist dabei deutlich weniger noch mal in Plastik verpackt als in konventionellen Supermärkten, wo vor allem die BIO-Sachen gerne noch einmal eingepackt sind. Weil ansonsten die BIO-Waren an der Kasse als konventionelle Waren abkassiert würden, war die Antwort auf unsere Nachfrage im Rewe.

Trockenwaren

Einige BIO-Läden stellen nach und nach Spender auf, wo Kunden sich ausgewählte Trockenwaren abfüllen können. Auch gibt es viele ethnische Gemüsehändler, die auch Nüsse, getrocknete Früchte und manchmal sogar Hülsenfrüchte lose anbieten.

Silos/ Spender für unverpackte Trockenwaren im Veggihaus in Bochum

Silos/ Spender für unverpackte Trockenwaren im Veggihaus in Bochum, Fotos durfte ich mit freundlicher Genehmigung des Veggihauses machen :).

Man kann Gläser und kleinere Stoffbeutel mit Kordel zum Abfüllen mitbringen. Je nach Geschäft varriert das System. Am besten fragt man vorher an der Kasse nach.

Unverpackt einkaufen - Zero Waste Shopping Haul

Wir haben immer einen wasserlöslichen Folienstift dabei. Wenn ihr in einem Laden seid, der das Gewicht des Glases an der Kasse abziehen kann, dann ist es sehr praktisch, wenn man schnell das Gewicht am Glas notieren kann. Wenn ihr in einem Laden seid, der Messbecher anbietet, weil die Waage an der Kasse leider nicht diese Funktion hat, dann ist es gut, wenn ihr vorher man ausgemessen habt, wie viel Volumen in euer jeweiliges Glas passt. Das macht ihr, indem ihr Wasser einfüllt und es dann in ein Messbecher kippt und ablest, wie viel Milliliter das waren.

Brot und Brötchen

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man Brot und Brötchen von allen Sachen am einfachsten unverpackt bekommt. Egal ob SB-Bäcker, BIO-Bäcker oder Bahnhofsbäcker mit langer Schlange. Man hält einfach gut sichtbar sein Brötchenbeutel bereit und sagt: „… mit der Zange auf die Hand bitte.“ Denn einige wollen die Teilchen manchmal mit einem Papier greifen. Eine Zange hat aber jeder Bäcker. Lieb „Danke!“ sagen nicht vergessen ;).

Beim SB-Bäcker ist das noch einfacher. Einfach direkt in den eigenen Beutel tun, an der Kasse den Beutel aufhalten und einmal sagen, was man drin hat.

Nudeln und Reis

Reis kann man in einigen BIO-Märkten, die Spender aufstellen, lose zum Abfüllen kaufen. Ansonsten kann man sein Glück in Asia-Shops versuchen. Einige Asia-Shops bieten Reis zum Abfüllen aus einem großen 50kg-Sack an.

Man kann in italienischen Restaurants, die ihre Nudeln selber machen, fragen, ob man ihre Nudeln auch für zu Hause kaufen kann. Einige Restaurants bieten sie sogar direkt schon zum Kauf an, wie die BIO-zertifizierte Osnabrücker Cafeteria-Trattoria am Rathaus. Ich habe neuerdings Gefallen daran gefunden, Nudeln selber zu machen, aber das fällt eher unter Hobby ;). Bisher habe ich zumindest hier in der Gegend noch keine Nudeln ganz ohne Verpackung auftreiben können. Es gibt sie höchstens in beschichteten Pappverpackungen (können schlecht recycelt werden bzw. werden aus dem Recycling-Kreislauf aussortiert), aber die sind von Barilla, und von homophoben Firmen kaufe ich persönlich lieber nichts :P.

Fleisch und Käse

Da ich vegan lebe, kann ich dazu leider nicht viel sagen… Meine Recherchen und Nachfragen bei diversen Leuten, die das probiert haben, haben ergeben, dass immer mindestens beim Abwiegen eine Plastikfolie untergelegt werden „muss“. Das sei aber mehr eine Regelung der Supermarktketten, die Angst haben, verklagt zu werden, als die tatsächliche Hygieneverordnung.

Mein Tipp wäre, Ketten zu vermeiden und lieber Wochenmärkte, kleine Käseläden, Metzgereien und ethnische Märkte aufzusuchen. Die sind in der Regel zuvorkommender und wenn man ihnen charmant mit einem Augenzwinkern versichert, dass man sie bestimmt nicht verklagen möchte sondern sich im Gegenteil sehr darüber freuen würde, kommen sie einen auch sehr häufig gerne entgegen :). Im persischen Gemüsemarkt am Bochumer Rathaus bekommt man z.B. Schafskäse an der Oliventheke, und da ich dort die Oliven ins eigene Glas abgefüllt bekomme, bin ich mir sehr sicher, dass das mit Schafskäse auch kein Problem sein wird ;).

Eier

Eier kann man in vielen Supermärkten oder auch auf dem Wochenmarkt lose kaufen. Einfach einen Eierkarton mitbringen.

Mehl

Viele Mühlen verkaufen Mehl zumindest in großen 10kg-Säcken. Eine Freundin von mir hat in einer Mühle in der Nähe von Soest mal nachgefragt, und wenn man den großen Sack wieder mitbringt, kann man ihn wohl auch wieder befüllen lassen. Kleine Mengen allerdings nicht, weil die Maschinen auch nur große Mengen in große Säcke abfüllen.

Wenn man wie wir kein Auto hat, fällt diese Option häufig weg, da die Mühlen alle so weit außerhalb liegen, dass sich kein ÖPNV hin verirrt :D. Auch frage ich mich, ob es für mich ökologisch wäre, für 10kg Mehl im Sack aus der Innenstadt, wo ich wohne, mehrere Kilometer zu einer Mühle hin und zurück zu fahren und nur dafür so viel CO2 in die Luft zu jagen..?

Ich habe auch schon mal in einer Bäckerei mit eigener Backstube gefragt, ob ich mal Mehl und Backpulver dort kaufen kann – in meine mitgebrachten Gläser abgefüllt. Das hat für sehr viel Verwirrung gesorgt, aber die Antwort war: „Ja, warum denn nicht?“ Allerdings habe ich es doch nicht gemacht, da ich versuche, mich an BIO-Lebensmittel zu halten. Aus der besagten Backstube habe ich aber mal ein Glas Sesam gekauft, weil ich nirgendwo sonst plastikfrei Sesam auftreiben konnte.

Essig, Öl und andere Fette

Es gibt tatsächlich Essig in Mehrwegflaschen! Der naturtrübe BIO-Apfelessig von Denree wird in Denn’s BIO-Markt und auch anderen kleinen BIO-Läden verkauft.

Ich habe mir von einer Blogleserin meines anderen Blogs sagen lassen, dass die Kette Vom Fass Weine, Essig und Öle vom Fass zum Selbstabfüllen verkauft. Wir waren allerdings noch in keiner Filiale drin und wissen nicht, wie das Sortiment so ist, ob man die Sachen auch in mitgebrachte Flaschen abfüllen kann/darf, ob sie Sachen in BIO-Qualität haben und wie es sonst so preislich aussieht. Wir haben uns aber schon ausgeguckt, wo die nächste Filiale ist und werden sicherlich mal hinfahren und berichten :).

Neu entdeckt haben wir auch im Essener Hauptbahnhof den schnieke aussehenden Laden Oil & Vinegar. Allerdings hatte er schon zu. Von dem, was wir so durch das Schaufenster erspähen konnten, kann man sich dort auch die Sachen abfüllen lassen. Wir werden auch dort mal hinfahren und testen :).

Butter gibt es meines Wissens nicht ohne dieses beschichtete Papier, das man auch wieder kaum recyceln kann. Ich habe keine Ahnung, wie das in den Unverpackt-Märkten geregelt ist? Bei Margarine ist es noch schlimmer… Es gibt sie eigentlich bis auf die Alsan (die im gleichen blöden beschichtetem Papier steckt wie die Butter) nur in Plastikcontainern – und in fast allen steckt sowieso Palmöl. Es gibt so weit meine Recherchen ergaben nur ganze drei palmölfreie Margarinen auf dem deutschen Markt, und die natürlich sind auch in schön viel Plastik verpackt. Wir wollen Margarine jetzt ganz streichen, denn ich hab keinen Bock mehr. Palmöl, Transfette… Und natürlich noch die ganzen fettlöslichen Phthalate und das BPA, das sich aus dem Plastik löst und das in die Margarine wandert. Nee, danke :P. Keine Ahnung, wofür Margarine eigentlich überhaupt gut sein soll außer für die streichfähige Konsistenz??

Aufs Brot kann man auch Olivenöl tröpfeln, schmeckt sowieso besser. Für Kuchen verwende ich seit Jahren schon Öl statt Margarine und bei Keksen und Pie-Crust ziehe ich gerade nach.

Snacks und Süßigkeiten

Bei Junkfood wird’s schwierig. Da ich so viel backe nehmen wir wahrscheinlich immer noch mehr Zucker zu uns als gesund wäre ;), aber ansonsten sind wir sehr froh, dass wir endlich chipsfrei leben. Wir sind bei Knabbereien auf Nüsse und frisches Obst umgestiegen, das ich seit diesem Jahr endlich vertrage. Vegane Weingummi kaufen wir im Veganz in Essen, allerdings essen wir sie kaum noch, auch wenn sie im Küchenschrank stehen.

Schokolade bekommt man generell nicht ohne Alufolie oder Plastik. Statt Schokolade zu essen mache ich mir wenn ich wirklich Schokihunger habe (was inzwischen auch eigentlich kaum noch passiert) einen Bananen-Schoko-Shake. Ansonsten gibt es noch die Option, Schokolade selbst zu machen. Es gibt auch Pralinengeschäfte mit Pralinentheken, wo man sich die Schokolade mit einer Zange anreichen kann, um sie in seine eigene Tupperdose zu tun. Funktioniert wunderbar :).

Kaffee und Tee

Kaffee kann man in Kaffeeröstereien oder auch einfach in Tchibo-Filialen (dann aber nicht in BIO und Fairtrade) in eigene Dosen abfüllen und auch vorher mahlen lassen. Mit einer French-Press-Kanne braucht man auch keinen Kaffeefilter mehr.

Tee kann man vor allem in kleinere Teeläden in mitgebrachte Teedosen oder auch einfach Rotkohlgläser 😉 abfüllen lassen. Bei Ketten bestimmt auch, wenn man freundlich und lieb fragt :). Auch für Tee verwenden wir keine Einweg-Filter mehr, sondern eine weitere French-Press-Kanne.

Andere Getränke und Alkohol

Wir trinken zu Hause eigentlich nur Leitungswasser und Tee. Aber das ist natürlich nicht jedermanns Sache ;). Säfte und auch Softdrinks bekommt man bekanntermaßen in Supermärkten und auch Getränkemärkten in Mehrwegflaschen aus Glas. Wir sparen uns die Säfte und machen uns lieber Smoothies aus frischem Obst #SmoothieLove ❤️!

Bier bekommt man statt Kronkorken auch mit Plopp-Verschluss. Guckt am besten nach einem lokalen Bier. Oder noch besser: Trinkt das lokale Bier in einer Kneipe frisch gezapft vom Fass. Da fallen nicht mal die Etiketten plus Kleber als Müll an.

Wein trinken wir nicht. Man scheint aber Weine sowie Spirituosen bei der Ladenkette Vom Fass zum Selberabfüllen zu bekommen (siehe Punkt „Essig und Öl“).

Kuhmilch kann man meines Wissens in Mehrwegflaschen bekommen, in welchen Supermärkten genau kann ich leider nicht sagen… (Bin doch vegan ;)) Pflanzenmilch machen wir selber in genau der Menge, die wir gerade brauchen.

Teile diesen Beitrag #sharingiscaring

Kategorie Artikel, Einkaufen, Einstiegs-Guide

39 Kommentare

  1. Hallo Shia,

    habe wastelandrebel in einem Heft beim Bahnfahren entdeckt. Spannend zu lesen!
    Zum Thema Butter und Verpackung wollte ich ergänzen: Auf dem Markt oder stellenweise in Hofläden nekommt man leckerste Baiernbutter eingepackt in immerhun nur Butterbrotpapier.

    Liebe Grüße

    Manfred

Schreibe einen Kommentar zu Rabea Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.