Körperpflege ohne Mikroplastik

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Plastik ist überall. Auch in den Weltmeeren. Dieser Stoff hat unser Leben komplett durchdrungen. Und das Ganze hat dramatische Folgen. Denn wenn wir so weitermachen, wird es in gut 30 Jahren mehr Plastik als Fische im Meer geben. Das ist schon eine unglaubliche Vorstellung. Ein ganz großes Problem ist dabei das sogenannte Mikroplastik, kritisiert Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin.

Shia, was genau ist denn Mikroplastik und was ist so schlimm dran?

Mikroplastik sind klitzekleine Plastikteilchen, zum Teil sogar schon richtig pulverisiert. Zum Teil ist das Plastikmüll, der im Meer durch den Wellengang und die konstante Sonneneinstrahlung zerfällt. Denn Plastik baut sich nämlich biologisch nicht ab, sondern zerfällt nur in immer kleinere Teilchen. Diese Teilchen sind wie kleine Schwämme, die Umweltgifte aufnehmen, indem sie sie an sich binden. Fische und andere Meeresbewohner nehmen dann das mit Schadstoffen vollgesogene Mikroplastik auf, weil sie das für Futter halten – essen wir solche Fische, nehmen wir auch diese Giftstoffe mit auf.

Das heißt, dieser Plastikmüll landet bei uns auf dem Essteller, wenn wir Fisch essen?

Nicht nur im Fisch, den wir essen, auch im Meersalz und sogar im Trinkwasser. Und das Verrückteste: Mikroplastik wird sogar gezielt produziert und in Dingen verarbeitet, die wir tagtäglich benutzen. Die stecken dann beispielsweise in Produkten wie Duschgel, Shampoo oder Zahnpasta – also Sachen, die darauf angelegt sind, im Abfluss zu landen! Von dort treten sie dann ihre Reise ins Meer an, denn Kläranlangen kriegen sie nicht rausgefiltert, weil sie einfach zu klein sind…

Warum ist den dieses Mikroplastik in so vielen Produkten, die wir für Körperpflege benutzen?

In der Kosmetikindustrie beispielsweise wird dieses Mikroplastik oft als Füllstoff und “Konsistenzgeber” zum Strecken benutzt, zum Beispiel in Cremes. Finde ich sowieso so was von dreist. Auf die Idee muss man erst mal kommen: Billigmaterial Plastik einfach zu pulverisieren als Füllstoff und “Konsistenzgeber” zum Strecken nehmen. Und das schmieren wir uns auf die Haut oder verschlucken’s mit der Zahnpasta.

Der B.U.N.D. hat einen Einkaufsratgeber herausgegeben und darin steht, welche Produkte welches Mikroplastik enthalten. Das kann man quasi als Schwarze Liste benutzen und solche Dinge nicht mehr kaufen. Es gibt auch die App Beat the Microbead. Damit scannst du den Barcode eines Produktes ein und kannst sehen, ob Mikroplastik drin ist. Wer keinen Bock hat, jedes Produkt im Laden zu scannen, der kann direkt zu zertifizierte Naturkosmetik greifen.

Du benutzt also nur noch Naturkosmetik?

Ich mache es noch einfacher. Ich benutze einfach ein Stück Seife. Da muss nämlich kein “Konsistenzgeber” mit rein. Am liebsten dusche ich mich mit sogenannter Alepposeife, das ist eine ganz traditionelle Olivenölseife ohne Zusätze, die ist nämlich super für die Haut. Die kauf ich einfach im Bioladen. Damit kann man sich übrigens auch die Haare waschen, funktioniert aber nicht bei jedem Haartyp und muss ausprobiert werden. Aber auch Shampoo und Conditioner gibt es in fester Form!

Wie sieht das denn aus? Festes Shampoo oder wie?

Ja, genau! Das sieht aus wie ein Stück Seife, hat aber die Inhaltsstoffe wie Shampoo bzw. eben Conditioner, nur halt ohne den Wasseranteil. Kaufen kannst du das in Unverpackt-Läden oder Naturkosmetikgeschäften.

Wie ist das bei Pflegeprodukten wie Cremes für die Haut – was kann ich da alternativ kaufen ohne Mikroplastik drin?

Lebensmittel, die wir sonst zum Kochen verwenden – die kann man auch super dafür verwenden. Aber ich schmier mir einfach die Bio-Öle, mit denen wir in der Küche kochen, ins Gesicht! Lebensmittel unterliegen nämlich auch strengeren Standards. Ganz toll für die Haut sind Raps-, Oliven-, Kokos-, Agarn- oder Mandelöl. Einfach zwischen den Händen verreiben und dann auf der Haut verteilen.

Mein absoluter Beauty-Tipp ist aber Kaffeesatz als Peeling. Das, was nämlich in gekauften Peelings als Schrubbelhilfe drin steckt ist nämlich – genau, Mikroplastik! Und statt eines Plastikschwamms kannst du auch einen Luffa-Schwamm mal ausprobieren, das sind Fasern vom Schwammkürbis, also komplett natürlich und danach sogar kompostierbar.

Kategorie Bad, COSMO, Haarpflege, Körperpflege, Zahnpflege

19 Kommentare

  1. Hey Shia,
    bin mir nicht ganz sicher ob das hier der richtige Ort für mein Anliegen ist (könnte auch was länger werden ^^), aber du hattest ja darum gebeten Inhaltliches bei einem passenden Beitrag hier direkt auf dem Blog und eher nicht per Mail anzusprechen.
    Aaalso, meine Frage wäre:
    wie sieht deine tägliche/wöchentliche Körper-/Haarpflegeroutine aus? Vor allem bei der Geschichte mit dem Roggenmehlshampoo und der anschließenden Rinse bin ich mir unsicher ob es sich gut in meinen Alltag integrieren lässt (hab hier ein Kleinkind rumwuseln was mich an ausgiebigem Duschen hindert :D). Bisher nehm ich täglich eine winzige Menge normales NK-Shampoo und wasch das nach dem Einshampoonieren direkt wieder aus. So komm ich mit einer Flasche ewig aus, aber es ist halt doch ne Plastikflasche und ne Menge Zusatzstoffe, deshalb liebäugel ich mit der Roggenmehlgeschichte. Joa und da du ja wie ich ein bekennendes Faultier bist (ich nenn mich lieber „effizient“ anstatt „faul“ ^^), dachte ich frag ich einfach mal nach.
    Machst du dein Roggenmehlshampoo auf Vorrat für ein paar Tage/Anwendungen oder rührst du es immer frisch an? Cremst du dich täglich mit Ölen ein oder nur nach Bedarf bei trockener Haut? (Wie) stylst du deine Haare? Wie lange bist du morgens so im Bad unterwegs?
    Würd mich wahnsinnig über eine Antwort oder sogar einen eigenen Beitrag zu deiner persönlichen Pflegeroutine freuen. Würdest mir damit sehr helfen und eine große Freude machen 🙂
    Viele liebe Grüße nach Köln!

    • Hi Nadine,
      Roggenmehl-Shampoo kann man nicht auf Vorrat machen, das wird zu Sauerteigansatz ;). Probier doch mal Haarseife oder festes Shampoo. Haarseife ist eine echte Seife, also verseifte Öle, und festes Shampoo ist im Grunde Shampoo (Tenside + anderes Zeugs) ohne Wasser in fester Form. Beides gibt es normalerweise in Unverpackt-Läden. Lush hat auch festes Shampoo, wobei ich mir da ehrlich gesagt bei dem ganzen Glitter und Zeugs drin nicht sicher bin, ob sie wirklich mikroplastikfrei sind.
      Ich dusche mich abends und creme mich ausschließlich mit Ölen auf feuchter Haut ein. Gesicht morgens und abends, Hände und Lippen nach Bedarf, Körper (inzwischen eigentlich nur noch die Beine, der Rest hat gelernt, sich selbst zu regulieren, aber Beine waren schon immer neben Gesicht auch die schlimmsten Neurodermitis-Stellen bei mir) direkt nach dem Duschen.
      Ich habe hier auch ein Artikel zu selbstgemachtem Haarspray, aber jetzt wo meine Haare ziemlich lang geworden sind benutze ich es gar nicht mehr, weil ich meine Haare viel zusammenbinde. Morgens im Bad bin ich schnell! Bin kein Morgenmensch und schlaf lieber länger ;). Da ich abends dusche fällt das weg. Zähne putzen, Gesicht mit Wasser nur waschen, Gesicht eincremen, Haare zusammen binden oder kämmen und raus bin ich. Schminken schenke ich mir inzwischen auch fast komplett. Das hab ich letztes Jahr angefangen (seltener Schminken versuch ich aber schon seit Jahren, meist so mäßig erfolgreich) und meiner Haut ging es deutlich besser, deswegen bleib ich dabei. Inzwischen mag ich mein makeupfreies Gesicht auch und finde, dass man auch ruhig sehen darf, wenn ich müde bin. Ist ja auch so und da ist nix Schlimmes dabei.
      Liebe Grüße,
      Shia

  2. Heinrich

    … habe noch eine Frage. Ich wollte mir Waschsoda bei Rossmann – wie im Buch beschrieben – kaufen. Allerdings war die in Plastik eingepackt! In dem Rossmann gab es die auch nur in Plastik. Gibt es das sonst auch in Karton?

    • Hi Heinrich,
      im Buch müsste Müller und nicht Rossmann stehen ;). Deswegen kaufe ich das Waschsoda auch nur einmal im Jahr, wenn ich Freunde in Osnabrück besuche, wo es einen Müller gibt. Gäbe es das bei Rossmann, würde ich das sicherlich anders regeln ;). Einen Tipp noch: Eine Großbestellung mit Freunden oder in einer lokalen Facebook-Gruppe organisieren. Es gibt 25kg Papiergebinde im Internet zu kaufen.
      Liebe Grüße,
      Shia

      • Andrea ^^

        Hi Shia,

        ich habe bei REWE ein Waschsoda von Holste gefunden, das es in einer Öko-Verpackung gibt. Sieht eher nach Papier als nach Plastik aus. Da ich mich mit diesen Verpackungen nicht sehr gut auskenne… wäre das eine Alternative?

        Lieben Gruß
        Andrea

  3. Heinrich

    Hallo,

    ich habe mir eine Olivenölseife gekauft. Zum Duschen nehme ich die auch. Allerdings brennt die ziemlich in den Augen. Was kann ich für’s Gesicht alternativ nehmen?

    LG Andrea

    • Hallo Andrea/Heinrich (?),
      ob’s brennt oder nicht, Seife und andere Mittelchen, mit denen man sich das Gesicht wäscht sollten nicht ins Auge kommen o_O! Also die Augen aussparen! Da gehört das nicht dran! Zum Abschminken Oliven- oder Rapsöl auf ein waschbares Baumwollpad geben.
      LG, Shia

  4. Hallo Chris, Dankeschön für Deine Antwort Vielleicht probiere ich es doch auch mal ausmal sehen Derzeit benutze ich tatsächlich eine grüne Zahnpasta (mit Neuseeland-Honig drin), ist jetzt auch erst mal ein Versuch von mir, um zu sehen, wie die so wirkt, nehme sie aber vorerst nur einmal am Tag im Wechsel mit einer herkömmlichen Zahnpasta.

  5. … und Haare waschen geht auch mit Roggenmehl. Klingt erstmal verrückt, aber funktioniert echt gut – bei mir zumindest. Infos dazu findet man ganz einfach im Internet.

    • Ich wasche mir meine Haare seit 2015 schon mit Roggenmehl, eine ausführliche Anleitung findet sich hier auf meinem Blog oder auch in meinem Buch ;).

  6. Hallo Shia,
    Auch wenn ich jetzt keine Produkte mit Mikroplastik nehr kaufe, habe ich dennoch noch einige Duschgels von früher noch mit Mikroplastik. Was mache ich dann mit diesen? Soll ich sie an Freunde weiterverschenken, die dann dafür keine neuen Duschgels nachkaufen weil sie die von mir bekommen, oder wegschmeißen, weil das Mikroplastik dann nicht in den Wasserkreislauf gelangt, oder ist das genauso schlecht?
    Liebe Grüße
    Leni

    • Ich bin zwar nicht shia, aber ich halte es immer so dass ich alte Bestände an unbelehrbare Leute verschenke die das sowieso kaufen würden. Schließlich ist die sache produziert und bevor die Ressourcen ungenutzt im Müll landen ist es mir lieber sie werden aufgebraucht.

    • Hi Leni, hi Dorothea,

      generell stimme ich Dorothea zu, aber bei Mikroplastik würde ich wahrscheinlich den Inhalt im Restmüll und die Flasche/Tube im Gelben Sack entsorgen, damit das Mikroplastik nicht in den Wasserkreislauf gelangt, denn einmal drin bekommt man es nie wieder raus. Unbelehrbare Leute gibt es natürlich immer, aber gerade bei Mikroplastik habe ich das Gefühl, dass, sobald die Leute davon erfahren, sie auf andere Produkte umschwenken wollen.

      Liebe Grüße,
      Shia

  7. Öle nutze ich auch super gern, am liebsten Olivenöl für den Körper und Kokosöl fürs Gesicht. Es ist ja nicht nur der Verzicht auf Mikroplastik und sonstige Bestandteile, sondern letztendlich ist ein gutes Öl insgesamt deutlich günstiger als eine Lotion oder Creme, weil ich damit sehr viel länger auskomme….

    • Sehe ich genau so :)! Hier habe ich mal aufgelistet, welches Öl welche Eigenschaften hat. Mein Favorit fürs Gesicht und Hände (ich habe extrem trockene Haut an den Händen) ist momentan Rapsöl übrigens. LG, Shia

  8. … und Seife ist außerdem soviel preiswerter! Ich finde es es pervers, was uns für ein Dreck als Kosmetik verkauft wird und verkauft werden darf. Und dass so viele Menschen das freiwillig mitmachen und dafür ihr Geld ausgeben. Danke Shia, dass du so gute Anregungen gibst!

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