Kastanien als Waschmittel – unser Fazit nach vier Jahren

Update: Der Frage, ob Fische sterben, wenn wir mit Kastanien Wäsche waschen, bin ich hier auf den Grund gegangen.

🎶Alle Jahre wieder – fallen die Kastanieeeeen! 🤪🎶 Ja, Leute, es ist wieder so weit! Zeit, kostenloses Waschmittel sammeln zu gehen! Das ist jetzt kein Witz. Mit Kastanien – also den nicht essbaren Rosskastanien – kann man Wäsche waschen! Denn Kastanien enthalten sogenannte Saponine, die wie Seife wirken.

Was wir nach vier Jahren Wäsche waschen mit Kastanien gelernt haben

Auf dieses regionale und umweltfreundliche Waschmittel hatte uns vor vier Jahren die Vany gebracht, die auch für meinen Blog damals eine Anleitung schrieb, wie man das konkret macht.

Wenn ihr gerade das erste Mal hört, dass man mit Kastanien waschen kann, ist es hilfreich, euch erst einmal die Anleitung von Vany und gerne auch dieses FAQ durchzulesen. Sonst ist dieser Artikel wahrscheinlich etwas verwirrend für euch 😉. Denn in diesem Artikel wird es um die Sachen gehen, die wir in der Zwischenzeit dazu gelernt haben!

1. Kastanien richtig haltbar machen (ohne dass etwas schief geht)

Es gibt verschiedene Methoden, um die Kastanien haltbar zu machen. Schließlich fallen sie nur einmal im Jahr vom Baum 🌳🌰 – aber ich gehe jetzt mal davon aus, dass ihr etwas häufiger als nur einmal im Jahr waschen wollt 😉.

Zuallererst müsst ihr die Kastanien waschen und abtrocknen. Dann müsst ihr sie irgendwie zerkleinern.

WICHTIG: Verarbeitet die Kastanien, solange sie noch frisch sind! Wenn ihr zu lange wartet, fangen sie entweder bei zu viel Feuchtigkeit an zu schimmeln oder werden durch das Austrocknen steinhart!

Dazu kann man sie mit einem Messer vierteln oder noch kleiner schneiden, was allerdings sehr arbeitsintensiv ist. Schließlich sammeln wir zu zweit z.B. sieben bis acht Kilo Kastanien, um genug für ein ganzes Jahr zu haben. Die alle mit der Hand kleinzuschneiden, dauert!

Eine andere Methode ist, sie in ein Tuch gewickelt mit einem Hammer kleinzuhauen. Brutal, funktioniert aber. Ist nur nichts für so grobmotorische Menschen wie mich. Ich hatte trotz Brett zwischen Boden und Kastanien irre Angst, unseren Boden zu zermacken oder meine Fingerchen zu treffen.

Nach wie vor unsere Lieblingsmethode ist das Schreddern der Kastanien. Wir sind halt faul 😉.

ACHTUNG: Bitte nur einen SEHR guten Standmixer wie einen Hochleistungsmixer oder einer Küchenmaschine verwenden und immer nur kleine Mengen auf einmal schreddern!! Ein schwacher Mixer kann davon kaputt gehen!!

Wenn ihr Zuhause kein solches Monster-Gerät habt, könnt ihr euch mit etwas Glück eins von jemanden ausleihen. Eine Küchenmaschine lässt sich meistens irgendwo auftreiben.

Das Granulat, das so entsteht, trocknen wir entweder in der letzten Herbstsonne, neben der Heizung oder in der Restwärme vom Ofen nach dem Backen.

ACHTET DARAUF, dass das Granulat bzw. die Kastanienstücke wirklich knochentrocken sind, bevor ihr es z.B. in Gläsern oder Keksdosen einlagert. Wenn die Kastanien nicht komplett trocken sind kann es schimmeln!!

2. Aus Granulat lösen sich mehr Saponine (= mehr „Waschkraft“)

Wir bekommen immer mal von Leuten die Rückmeldung, dass nach ihrem Empfinden Kastanien nicht aggressiv genug wären, um ihre Wäsche sauber zu bekommen. Lange haben wir uns gewundert, warum das bei uns funktioniert, bei einigen anderen aber nicht.

Ein Aufguss aus Granulat, wie er bei uns standardmäßig aussieht

Der Groschen fiel, als vermehrt Instagram-Posts dazu in meinem Feed auftauchten und uns auffiel, wie viel klarer der Sud auf den Fotos oft aussah. Da natürlich nicht jeder einen Hochleistungsmixer oder eine starke Küchenmaschine besitzt, ist oft das Küchenmesser die naheliegendste Lösung.

Ein Aufguss aus mit dem Hammer zerkleinerten Kastanien.

Unsere Aufgüsse aus Granulat sind immer sehr milchig, während Aufgüsse aus der gleichen Menge kleingeschnittener Kastanien immer recht klar in der Farbe bleiben, wie man auf diesen Bildern auch gut sieht.

Bei gleicher Menge bekommen wir also aus unserem Kastaniengranulat mehr Saponine raus.

Das heißt jetzt nicht, dass ihr euch alle jetzt so ein Teufelsgerät anschaffen oder ausleihen müsst. Oft tut es eine größere Menge Kastanien, heißeres Wasser oder euren Aufguss etwas länger stehen lassen.

Außerdem gießen wir die Kastanien meistens zwei Mal hintereinander mit heißem Wasser auf. Es ist wirklich wichtig, dass ihr kein kochendes Wasser nehmt, denn das dickt den Sud ein und dann wäscht es auch nicht mehr so gut.

3. Weißwäsche mit extra Bleichmittel waschen

Weißwäsche soll man gängigerweise mit Vollwaschmittel waschen und Buntwäsche nicht. Der Grund ist einfach: Vollwaschmittel enthält Bleichmittel. Das ist gut, damit Weißwäsche keinen Grauschleier bekommt, aber schlecht für die Farben der Buntwäsche – denn die bleichen mit der Zeit dadurch aus.

Wir hatten lange nur ein einsames weißes Bettlaken, das sowieso schon lange einen Grauschleier hatte, weil wir ja auch vorher kein Vollwaschmittel besaßen. Für ein einziges weißes Wäschestück hatte sich einfach nie Vollwaschmittel gelohnt – und so störte es uns auch nicht, dass Kastanien ebenfalls keine Bleichmittel enthielten.

Nachdem unsere – zugegeben qualitativ nie besonders hochwertige – Bettwäsche aber langsam löchriger und löchriger wurde, weil nach ungefähr 15 Jahren Dauergebrauch der Stoff dünn wurde, war es an der Zeit für neue Bettwäsche. Naja, „neu“ für uns – ebay-Kleinanzeigen sei Dank!

Aus unserer alten Bettwäsche habe ich einen ziemlich schiefen Matratzenschoner genäht und unser Bett erstrahlt nun in einem vorher unbekannten Weiß – was uns mehr gefiel als wir dachten! Das wollten wir so beibehalten! Es musste also Bleichmittel her!

Wir wussten, dass es im Unverpackt-Laden Waschmittel gab und hatten auch grob in Erinnerung, dass es das Waschmittel dort in den einzelnen Komponenten zu kaufen gab. Das nennt sich „Baukastensystem“. So kann nämlich das Waschmittel an das Wasser vor Ort sowie den Verschmutzungsgrad angepasst werden, sodass die Umwelt nicht mehr belastet wird als nötig. Eine der Komponenten ist das Bleichmittel.

Das kaufen wir also im Unverpackt-Laden und geben es bei Weißwäsche einfach nach der Dosierungsanleitung des Bleichmittels dazu.

4. Flecken vorbehandeln

Flecken sollten eigentlich vorbehandelt werden, bevor das Kleidungsstück in der Waschmaschine landet. Ein einfaches Vorgehen, das aber in Zeiten von busy, busy, busy wohl in Vergessenheit geraten ist.

Stattdessen verwenden wir einfach aggressiveres Waschmittel und belasten die Umwelt damit.

Wir machen es, wie es Hannos Omas auch noch machen. Bei uns werden Flecken meistens direkt nach dem Einsauen schon schnell mit Seife und Wasser ausgewaschen. Unsere Seife des Vertrauens ist Olivenölseife, auch Aleppo-Seife genannt, die wir entweder im Bioladen oder bei arabischen Gemüsehändlern kaufen.

Für die Hautpflege nehmen wir Aleppo-Seife mit Lorbeerölanteil, für Haushaltszwecke Aleppo-Seife aus 100% Olivenöl.

Olivenölseife soll angeblich die älteste Seife der Welt sein und wird heute noch genauso hergestellt wie damals, nämlich aus verseiftem Olivenöl und ggf. etwas Lorbeeröl – und das war’s. Hat sich also echt bewährt, würde ich sagen! Übrigens enthält sie keine Zusatzstoffe und kein Palmöl, was leider bei festen Seifen heutzutage leider schon eine Seltenheit ist.

Flecken vorzubehandeln ist denkbar einfach! Wenn möglich direkt nach dem Einsauen die Stelle nass machen, Seife darüber reiben, rubbeln und ausspülen. Meistens sind die Flecken dann schon weg. Wenn der Fleck aber schon eingetrocknet war oder hartnäckiger ist, behandeln wir den Fleck wie gerade beschrieben – und dann noch mal kurz bevor die Wäsche angeschmissen wird. Dazu einfach den Fleck wieder nass machen, Seife drüber reiben, die Stelle rubbeln – und ohne Ausspülen ab in die Wäsche mit dem guten Stück.

5. Hin und wieder mal eine Wäsche bei 60ºC zur „Tiefenreinigung“

Wir sind nach wie vor mit der „Waschkraft“ der Kastanien sehr zufrieden, vor allem bei der Verwendung von Kastanien-Granulat. Allerdings haben wir jetzt auch eigentlich nie stark verschmutzte Wäsche und wie gesagt behandeln wir Flecken auch vor.

Kastanien sind am Ende nicht so aggressiv wie konventionelles Waschmittel, das es laut dem Umweltbundesamt nicht in umweltverträglich gibt: „Wer wäscht, nimmt also in jedem Fall eine gewisse Umweltbelastung in Kauf.“ (Quelle)

Wenn wir mal stark verschmutzte Wäsche haben oder es sowieso wieder an der Zeit ist, die Waschmaschine heiß laufen zu lassen (das soll man aus hygienischen Gründen regelmäßig machen, sonst kann die Waschmaschine anfangen zu müffeln) stellen wir mal eine Wäsche bei 60ºC an.

Natürlich verbraucht eine Wäsche bei 60ºC mehr Energie – dafür ist allerdings weniger Waschmittel nötig, um die gleiche Sauberkeit zu erzielen bzw. die Wäsche wird bei der gleichen Menge Waschmittel sauberer, wobei irgendwann sauberer ja nicht mehr geht 😉. Wenn ihr Ökostrom habt (bzw. euer Wasser z.B. durch Biogas aus unbedenklichen Quellen aufgeheizt wird), ist eine heiße Wäsche ab und an – wenn es sowieso für die Maschine nötig ist – in Kombination mit schonenderem, umweltfreundlicherem Waschmittel das ganze Jahr über unterm Strich auf jeden Fall umweltschonender als immer mit aggresivem Waschmittel auf 30ºC oder 40ºC zu waschen.

Meistens machen wir das bei unserer weißen Bettwäsche oder einer Wäsche mit Handtüchern, Geschirrtüchern und Stofftaschentüchern. Aber hin und wieder machen wir so eine „Tiefenreinigung“ eben auch mal bei unseren normalen Klamotten, die allerdings in unserem Fall fast ausschließlich aus Baumwolle ohne Kunst- und Mischfasern besteht (Kunstfasern können in der Regel nicht so heiß gewaschen werden).

Wenn ihr aber öfters mal stark verschmutze Wäsche habt, z.B. weil ihr viel im Garten arbeitet oder Kinder habt und findet, dass trotz der ganzen Tipps in diesem Artikel euch das Kastanien-Waschmittel nicht aggressiv genug für eure Zwecke ist, dann kann ich euch dieses selbstgemachte Waschmittel aus Waschsoda, Natron und Olivenölseife empfehlen.

6. Geruchslose Wäsche? Gar nicht mehr komisch!

Wer mit Kastanien wäscht, sollte wissen, dass die Wäsche danach nicht mehr nach frischem Morgen, Ozeanbriese oder Aromatherapie riecht. Sie riecht einfach nach nichts.

Das ist auch für uns am Anfang ziemlich ungewohnt gewesen, denn auch wir assoziierten frisiche Wäsche mit diesen typischen (industriellen) Gerüchen. Wir haben uns aber erstaunlich schnell daran gewöhnt und so scheint es zumindest von dem, was uns so erzählt wird, den meisten zu gehen. Gebt dem also eine Chance!

Umweltverträglicher, super einfacher und schnell gemachter Weichspüler

10-20g Citronensäure auf eine Tasse Wasser (ca. 300-250ml), vermischen, fertig. Ungefähr 4EL pro Waschgang benutzen. Bei Bedarf können noch 5-10 Tropfen ätherisches Öl pro Waschgang mit ins Weichspülerfach gegeben werden. Bei hartem Wasser eher 20g Citronensäure verwenden, bei weichem Wasser reichen 10g.

Wenn euch die geruchslose (aber saubere) Wäsche auch nach ein paar Wochen nicht gefällt, dann könnt ihr immer noch ein paar Tropfen ätherisches Öl eurer Wahl (gibt’s in jedem Bioladen oder Reformhaus) zu eurem natürlich ebenfalls umweltfreundlichen, selbstgemachten Weichspüler geben, Rezept in der Box oben!

Und, wollen wir weiter mit Kastanien waschen?

Ja, auf jeden Fall! Wir haben uns diese Woche sogar direkt genug Kastanien für zwei Jahre gesammelt! Jaja, wäre nicht nötig, aber wir sind halt faul! Und so reduzieren wir die Arbeit des Sammelns und Kastanien haltbar machen von einmal im Jahr auf nur noch einmal alle zwei Jahre!

Alles in allem dauert bei uns das Sammeln der Kastanien plus waschen, schreddern und auf Backblechen ausbreiten immer rund drei bis vier Stunden, je nachdem, wie weit wir laufen, um die Kastanien zu sammeln.

Falls ihr auch schon mit Kastanien wäscht, wie macht ihr das denn? Und was sind eure Erfahrungen? Wenn ihr zur Efeu-statt-Kastanien-Fraktion gehört: Habt ihr beides schon mal vergleichen? (Bei uns hat es mit Efeu z.B. nur sehr schlecht funktioniert, aber das kann einfach an dem Efeu bei uns gelegen haben, als Naturprodukt kann die Zusammensetzung natürlich schwanken)

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Kategorie Artikel, Haushalt, Zero-Waste-Alternativen

24 Kommentare

  1. Was mich sehr irritiert ist die Tatsache, dass ihr laut diesem Post nicht regelmäßig bei 60 Grad eure Wäsche wascht, habe ich das richtig verstanden? Hat das, wenn ja, einen bestimmten Grund? 🙂 Bei uns ist es Routine – vor allem aus hygienischen Gründen – dass Bettwäsche, Handtücher und Unterwäsche bei mindestens 60 Grad gewaschen wird.
    Werde versuchen, langsam auf Kastanien umzusteigen. Da ich sehr geruchsempfindlich bin, stört mich die unnötige Parfümierung bei herkömmlichen Waschmitteln doch sehr und ich finde kaum eines, was nicht parfümiert ist :/

  2. Fabienne Franz

    Hallo,
    wir haben dieses Jahr erstmals mit Kastanien gewaschen und sind mit dem Waschergebnis sehr zufrieden. Allerdings ist das Waschmittel nach wenigen Tagen geschimmelt. Eine Flasche im Vorhinein herzustellen fällt somit weg und spontan oder habt ihr da einen Trick parat?

  3. Hallo Shia,
    wir sammeln die Kastanien und legen sie einlagig in luftdurchlässige Stapelkisten ohne sie vorher zu waschen. Der Sand fällt nach dem trocknen von selbst ab.
    Diese Kisten stehen dann ca. 1 Woche an der frischen Luft, damit sie abtrocknen und nicht schimmeln.
    Dann nehmen wir 8-9 Kastanien pro Waschgang und zerquetschen sie in einer selbst gebauten Hydraulik-Presse. Zerkleinern diese dann abends nebenbei auf dem Sofa mit einer Zange. 4-8 Stunden in einem großen Schraubglas einweichen – zwischendurch mal durchschütteln- und dann durch ein Sieb in die Waschmaschine plus 5 Tropfen Waschlavendelöl.
    Vielen Dank für Deine wertvolle Arbeit : )

  4. Mit Kastanien zu waschen klappt für mich prima. Ich shreddere sie in der Küchenmaschine und breite sie dann auf Tabletts oder in einem flachen Pappkarton aus und stelle sie im beheizten Wohnzimmer auf. Ist der Ofen nach dem Brotbacken noch warm kommen sie da rein und nutzen die Restwärme zum Trocknen. Wenn sie ganz trocken sind kommen sie in Papiertüten und in den Vorratsschrank. Durch Tüte statt Dose können sie notfalls minimale Restfeuchte noch ausschwitzen – da schimmelt nichts. Ach ja, ich wasche sie nicht vor dem Kleinhäckseln. Beim Sammeln sind sie in der Regel so frisch und sauber, da reicht es beim Sammeln mit der Hand drüberzuwischen, wenn doch mal was dran haftet 😉
    Liebe Grüße
    Aefing

    • Hi Sabs,

      Das ganze Glas. Für jede Wäsche mache ich einen neuen Sud (praktischerweise wächst Efeu ja das ganze Jahr an jeder Ecke)

      Viel Erfolg!
      Jochen

  5. Ich gehöre zur „Efeu-statt-Kastanien-Fraktion“, habe aber aus diesem Grund keinen Vergleich zu Kastanien.

    Mein Rezept: ca. 15 Efeublätter mit der Schere etwas kleinschnippeln (möglichst die alten, dunklen), in einem Marmeladenglas mit kochendem Wasser übergießen (also „Efeutee“ aufbrühen), zuschrauben und über Nacht ziehen lassen. Nach kurzer Zeit schäumt es beim kräftigen Schütteln schon deutlich.

    Am nächsten Tag dann durch ein kleines Sieb in die Waschmittelschublade gießen während das Wasser einläuft.

  6. Hallo Shia, Danke für die vielen Hinweise. Eine Frage: was heisst denn genau „heisses“ Wasser? Ist damit heisses Wasser aus der Leitung gemeint?
    Lieben Dank und Grüße,
    Ana

    • Hi Ana,
      wir halten da jetzt kein Thermometer rein ;). Aber ja, heißes Wasser aus der Leitung, an dem man sich nicht verbrennt.
      LG, Shia

  7. Hi,
    ich wasche auch mit Kastanien, allerdings zerteile ich meine „nur“ mit dem Messer, das Waschergebnis ist völlig o.k. Ich setze die Kastanien bis zu 3x auf, und sortiere die Wäsche ein bischen nach Verschmutzung und Temperatur, beim 3. mal wasche ich dann die am wenigstens verschmutzte Wäsche. Das die Wäsche nach nichts riecht finde ich angenehm, ich mag diese ganzen Wäschedüfte eh nicht und reagiere teilweise allergisch drauf.
    Zum Fischesterben: ich denke der Sud ist ja verdünnt mit viel Wasser, und das was da im Abwasser in die Kläranlage kommt ist eh ein ziemlicher Chemiecocktail aus aggressiven Reinigungsmitteln (Chlorbleiche aus WC-Reinigern ist bestimmt für Fische und Bakterien auch nicht verträglich) und anderen Dingen wie z.b. Oberflächenwasser aus der Straßenentwässerung. Da werden die Saponine aus den Kastanien vermutlich noch das kleinste Übel sein….
    Ich bin gerade wieder am Sammeln und werde auch weiterhin Kastanien verwenden, auch deswegen weil sie keinen weiteren Müll (Verpackung die dann auch irgendwann mal im Meer landet) erzeugen. Die gebrauchten Kastanien kommen bei mir übrigens auf den Kompost….bislang konnte ich nicht beobachten das das irgendwie den Lebewesen da drin geschadet hat.

    • Hi Mela,
      unsere „benutzten“ Kasteanien landen auch in unserer Wurmkiste – und unseren Würmern geht es ebenfalls hervorragend :). Aber gut, nur weil etwas giftig für Fische ist heißt es ja noch nicht, dass es giftig für die Lebewesen in der Erde oder uns Menschen sind. Und wie immer gilt: Die Dosis macht das Gift.
      Ich habe übrigens gerade einen Artikel Vergiften wir Fische, wenn wir mit Kastanien Wäsche waschen? geschrieben, falls dich das interessiert :).
      Liebe Grüße,
      Shia

  8. Kastanien, Efeu, Waschnüsse und Seifenkraut enthalten in großen Mengen waschaktive Substanzen, sogenannte Saponine. Saponine sind leider schon in kleinen Mengen tödlich für Fische und andere Wasserlebewesen. Aus diesem Grund wurden Saponine lange Zeit in der heute verbotenen Giftfischerei eingesetzt. Wo nur wenige Menschen Saponine nutzen und die Verdünnung im Abwasser hoch genug ist, wie in Großstädten, kann es sein, dass sich das nicht so auswirkt. Angesichts der Klimakrise wollen jedoch immer mehr Menschen auch „ökologisch“ waschen. Immer mehr greifen daher auf Saponine zurück. Dadurch steigt die Konzentration im Abwasser. Im ländlichen Raum, wo sich die Abwässer in nur einer Kläranlage konzentrieren, werden die Folgen eher spürbar. Ganz besonders für Hausbesitzer mit eigenem Wasseraufbereitungssystem können Saponine ein echtes Thema werden.

    Außerdem wirken Saponine antimykotisch und antibakteriell. Gut beim Waschen, weil sie auf diese Weise Bakterien und Pilze abtöten. In Kläranlagen erweist sich diese Wirkung als Bärendienst. Denn Kläranlagen benutzen zur Aufbereitung der Abwässer Bakterien und andere Mikroorganismen. Diese Bakterien zersetzen organische Verschmutzungen wie z.B. Kot und Urin. Gelangen Saponine über das Abwasser in Kläranlagen, töten sie auch dort Bakterien ab: Und zwar die, die für die Reinigung der Abwässer nötig sind. Die Kläranlagen können also nicht richtig arbeiten, das immer noch verschmutzte Abwasser gelangt zurück in den Wasserkreislauf, also ins Trinkwasser.

    Dazu kommt, dass sich Saponine sehr viel langsamer abbauen als andere waschaktive Substanzen. Die Forschungslage scheint diesbezüglich schwach zu sein. Die meisten Quellen gingen von 22 Tagen aus. Unsere Kläranlagen sind darauf nicht ausgelegt. Abwässer verbleiben im Schnitt wohl nur 6 Tage in der Anlage. D.h., auch die Saponine gelangen wieder in den Trinkwasserkreislauf.

      • Hallo, ich war auch schockiert. Dachte, ich tue was Gutes für die Umwelt.
        Der Text ist von Anja Sommer .
        Sie bezieht sich auf Veggiesearch und u.a. das Lehrbuch der Pharmakognosie. Auf phytochemischer Grundlage. Springer Verlag 2013, Seite 195 f.

    • Das Gerücht, dass Kastanienwaschmittel das Abwasser vergiften würde, hält sich hartnäckig, ist aber falsch. Zwar enthält der konzentrierte Kastaniensud reichlich Saponine und könnte unverdünnt für Fische und Wasserlebewesen giftig sein. Allerdings wird das Waschmittel bereits in der Waschmaschine stark verdünnt und im Abwasserkanal mit weiteren Abwässern vermischt, sodass die Konzentration am Ende völlig harmlos ist. Eine Gefährdung durch Kastanienwaschmittel in haushaltsüblichen Mengen ist so nicht gegeben. Im Vergleich zu herkömmlichen Waschmitteln ist der Kastaniensud außerdem viel weniger aggressiv. Das veranschaulicht auch ein Vergleich mit der Natur: Entlang vieler Bäche und See-Ufer wachsen Kastanienbäume, deren Früchte im Herbst auch ins Wasser fallen, wodurch Saponine ganz natürlich ins Wasser gelangen. Aber auch an solchen Gewässern kommt es nicht zu einem massenhaften Fischsterben. Ein weiterer Aspekt ist, dass Kastanien natürlicherweise einmal im Jahr in großen Mengen anfallen und ihre Saponine mit dem Regen ins Wasser gespült werden. Dadurch kann die Belastung punktuell sehr hoch sein. Wenn die Früchte über das Jahr hinweg als Waschmittel verwendet werden, ist die Belastung viel geringer.

      Quelle: https://www.smarticular.net/kastanien-waschmittel-fragen-antworten-trocknen-aufbewahren-waschen/
      Copyright © smarticular.net

  9. Véro de Bavière

    Waschen mit Rosskastanien klappt ganz gut. Und für alle die keine Kastanien Bäume in der Nähe haben oder keine Zeit haben, diese vorzubereiten oder keinen Hochleistungsmixer haben: es gibt eine kleine Firma, die Wash-Pads aus Rosskastanien in Deutschland herstellt und diese Plastikfrei verpackt und versendet: belflora => http://www.belflora.de. Ich habe es probiert und bin begeistert. Es gibt auch Washpads mit Lavendel für alle, die lieber Wäsche mit Geruch haben (habe nicht probiert)!

    • Hi!
      Danke für den Tipp, wobei so Pads – auch plastikfrei – ja nicht so ganz im Zero-Waste-Sinne ist. 😉 Denn am Ende ist diese individuelle Verpackung ja unnötiger Müll… Dann lieber mal das bisschen Zeit investieren und selber sammeln und mal schnippeln oder sich eine Küchenmaschine ausleihen…
      Liebe Grüße,
      Shia

  10. Susanna Allahwerde

    Hallo Shia,

    ich habe mich gerade gewundert, wie ihr so große Mengen (Vorrat für 2 Jahre = 16 Kg ??!) trocknet.
    Vor zwei Wochen habe ich 2 Kg Kastanien gesammelt und im Hochleistungsmixer geschreddert. Dann hatte ich 4 Blackbleche voll (ca 1 cm hoch) und habe diese stundenlang im Backofen 3-4 trocknen müssen (ca 50 Grad) , weil es einfach echt gedauert hat…

    • Hi Susanna,
      das haben wir dieses Mal nicht auf einmal gemacht wie sonst, weil wir nicht mehr so viele Bleche wie früher haben (und auch weniger Platz so mit unseren 30m2). Einen Teil haben wir ausnahmsweise sogar im Ofen getrocknet, drei Bleche im Ofen, dünn drauf, 1 Std. bei ungefähr 60-70 Grad Umluft. Ansonsten neben der Heizung mit Geduld.
      Liebe Grüße,
      Shia

  11. Wie lange dauert bei euch dann noch der Trockenprozess? Meine erste Fuhre Kastanien ist natürlich stinkig geworden, weil ich zu ungeduldig war mit dem Wegpacken. Ich hab auch gar nicht so viel Blech usw um die ganze Menge mit einmal ausbreiten zu können. Ich hatte die zu trocknende Schicht bestimmt auch immer zu dick ausgebreitet. Diesmal wollte ich einfach immer nur kleine Mengen schreddern, dünn im Ofen trocknen usw usw. Aber auch umständlich irgendwie…. Grüße Mel

    • Hi Mel,
      das ist ganz unterschiedlich. In der Herbstsonne kann das ganz fix gehen – innerhalb weniger Stunden schon! Neben der Heizung (je nachdem, wie heiß sie wird) kann das ein bis mehrere Tage dauern und im Ofen bei der Restwärme kann das auch sehr schnell schon gehen, so eine Stunde Restwärme und gut ist. Wenn du sie ganz im Ofen trocknen möchtest und mehrere Bleche auf einmal mit Umluft machst (dünne Schichten aufs Blech!), dann sollten sie bei 60-70Grad in einer Stunde auch schon trocken sein.
      Wichtig: Nie warm wegpacken!! Denn oft dampfen sie noch unbemerkt nach. Immer schön auf Zimmertemperatur kommen lassen und mit den Händen prüfen, ob sie auch wirklich knochentrocken sind! Wenn deine Hände sich nach dem Reingreifen leicht feucht noch anfühlen, sind die Kastanien noch nicht ganz trocken, sondern enthalten noch Feuchtigkeit.
      Liebe Grüße,
      Shia

  12. Sag mal Shia, im Internet hat jemand geschrieben, dass diese Methode zu waschen für Fische tödlich sei. Also ich kann mir vorstellen, falls das so sein sollte, wäre schon lange ein Aufschrei der Tier/Naturschützer losgegangen- oder?
    Liebe Grüße aus der Schweiz, Frau Zauberding* Barbara.

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