Kann man Häuser aus Abfällen bauen?

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das weltoffene Radioprogramm vom WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg (RBB).

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Wie sieht eure Traumwohnung aus? Ein schöner Altbau mit Stuck und hohen Decken? Oder lieber ein ganz moderner Neubau? Da wird in den letzten Jahren immer mehr auf Energieeffizienz geachtet – also dichte Fenster und gute Isolierung…. Das ist gut. Trotzdem ist bauen an sich selten richtig nachhaltig. Wieso, das möchten wir von unserer COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su wissen.

Shia, warum ist bauen oft nicht nachhaltig?

Wir bauen halt oft auch, wenn es gar nicht nötig wäre. Kennen bestimmt viele: Der Traum vom Häuschen im Grünen. Mit dem viel diskutierten Demographischen Wandel in Deutschland wäre ja gerade auf dem Land mehr als genug Wohnraum vorhanden, den man nutzen oder nachverdichten könnte. Trotzdem werden laufend neue Flächen für Neubau-Wohnsiedlungen ausgewiesen. Dabei versiegeln wir unnötigerweise Flächen. Ironischerweise schaden wir also der Natur, um ihr nah zu sein. Dann kommt das “Wie” beim Bauen dazu. Der Bausektor gehört nämlich zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren. Und wenn ein Haus abgerissen und dann ein Neues gebaut wird – dann fällt viel Abfall an. Das wissen sicher nicht viele, aber tatsächlich kommt mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland aus dem Baubereich!

Es gibt ja aber auch Positivbeispiele. Wie geht’s denn besser?

Wie so häufig ist auch beim Bauen weniger neues Zeug gleich mehr Umweltschutz. Also lieber erst mal bereits bestehende Bausubstanz nutzen und auf den neuesten Stand bringen, statt woanders neu anzufangen und noch mehr Flächen zu versiegeln. Sprich: Statt des Neubaus im Grünen lieber in ein bereits bestehendes Häuschen ziehen – die gibt’s übrigens auch im Grünen! Und wenn doch gebaut werden soll, dann bei der Planung das Ganze schon auf eine lange Nutzungsdauer und Energieeffizienz anlegen. Es gibt auch schon Pioniere, die beim Baumaterial Ressourcen schonen und das so gestalten, dass das Material am Ende wieder auseinander genommen und wiederverwendet werden kann. Sprich, sich schon vor dem Bauen Gedanken über die Verwertung – oder besser Wiederverwertung – machen.

Was heißt das genau?

In Hannover wird z.B. ein Haus aus recycelten Materialien gebaut. So weit wie’s jedenfalls geht zumindest. Es ist eine Holzkonstruktion aus Holzabfällen. Leim kommt dabei nicht zum Einsatz, sondern es wird geschraubt! So kann das Holz am Ende der Lebensdauer des Hauses wieder als reines Holz entnommen und wiederverwendet werden. Bei anderen Sachen – wie z.B. Fenstern – haben sie sich bemüht, Gebrauchte zu besorgen. Da die aber nicht den aktuellen Standards entsprechen, mussten sie aufgearbeitet werden. Das ist aber nicht mal das interessanteste Bau-Projekt.

Klingt aber sehr realistisch und machbar. Aber – sag mal – welches ist für dich noch so interessant?

Die Universität Brighton hat ebenfalls ein Haus aus Abfällen, das “Waste House” gebaut. Das ist aber wirklich sehr anders. Darin verbaut sind sehr ungewöhnliche Dinge, wie alte Musik- und Videokassetten, alte DVDs, fast 20.000 Zahnbürsten 1,8 Tonnen alte Jeans und 500 Fahrradschläuche als Dämm-Material. Ziemlich abgedreht, sieht aber verdammt cool aus! Insgesamt besteht das Haus – das übrigens als Unterrichtsgebäude genutzt wird – aus 85% Haushalts- und Bauabfällen. Würde ich sofort auch als Wohnhaus nehmen!

Kategorie COSMO, Dossier

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