Ist pflanzliche Milch wirklich nachhaltiger als Kuh-Milch?

Jeden Sonntag gibt es gegen 15:30 Uhr seit dem 11.08.2019 nun gegen 12:30 bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das weltoffene Radioprogramm vom WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg (RBB).

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Brandenburg auf 96,3 MHz.

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Wer denkt, dass Milch von der Kuh oder einer Ziege kommen muss, täuscht sich! Heutzutage werden neben Tieren nicht nur Sojabohnen, sondern auch Hafer, Dinkel, Mandeln und andere Nüsse „gemolken“. Diese pflanzlichen Milchdrinks sind stark im Kommen! Unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su hat für uns einen kritischen Blick drauf geworfen.

Und, Shia? Sind pflanzliche Milchalternativen auch wirklich nachhaltiger?

Normalerweise sitze ich ja hier und vermiese euch allen immer den Tag mit düsteren Ökobilanzen von vermeintlich nachhaltigen Dingen – aber nicht heute!
Es ist nämlich wahr – pflanzliche Milch ist rundum klimafreundlicher! Kuhmilch belegt bei wirklich allen Umwelt-Aspekten den letzten Platz. Sie verursacht die meisten Treibhausgase und verbraucht am meisten Land und Wasser.

Auch besser als Soja- oder Mandelmilch? Soja und Mandeln sollen ja im Anbau ziemlich problematisch sein…?

Das kommt drauf an. Aus Brasilien importiertes Soja verdrängt den gerade sowieso so zugesetzten Amazonas und belastet Grundwasser und Böden. Das wird aber hauptsächlich für Tierfutter importiert, z.B. für die Milchkühe! Sojamilch, die wir hier kaufen, wird aber meistens aus Soja aus Europa gemacht. Bei Mandeln geht es vor allem um den hohen Wasserverbrauch. 80% der Mandeln weltweit kommen aus Kalifornien, wo es sehr trocken ist. Außerdem gilt der Mandelanbau dort durch die Pestizide und Art der Bestäubung als Mitverursacher für das Bienensterben. Einige der großen europäischen Hersteller beziehen nach eigenen Angaben ihre Mandeln jedoch aus Europa, wo der Wasserverbrauch zumindest niedriger ist.

Was ist denn die umweltfreundlichste tierfreie Milch? Und – wichtig! – schmeckt sie auch am besten?

Unter den gängigen Milchsorten – also Kuhmilch, Sojamilch, Mandel- und Hafermilch – ist die Hafermilch die Gesamtgewinnerin! Sie hat auch einfach den Heimvorteil, denn Hafer wird hier einfach viel angebaut. Die allernachhaltigste und meiner Meinung nach auch die absolut leckerste Milch ist allerdings selbstgemachte Haselnussmilch mit im Herbst selber gesammelten Haselnüssen!

Wie, diese Milchsorten kann man auch selber machen? Zuhause?

Ja, voll easy! Das mache ich schon seit Jahren! Meistens mache ich Hafermilch. Einfach 10g Haferflocken auf 100ml Wasser und ab in den Standmixer damit. Du kannst auch Ein paar Eiswürfel dazu, damit das Ganze nicht schleimig wird und dann auf höchster Stufe 30-60 Sekunden mixen und durch ein Tuch oder feines Sieb absieben. Die Haselnussmilch machste genauso. Nur röstest du die Haselnüsse vorher. Wenn dein Mixer etwas schwacher auf der Brust ist oder du nur einen Pürierstab hast, ist es besser, wenn du die Nüsse vorher für ein paar Stunden in Wasser einweichst. Das Abgestiebte kannste übrigens in dein Müsli oder deinen nächsten Kuchen hauen – saugeil! Ich siebe übrigens nur ab, wenn wir Gäste haben, ist mir sonst zu aufwendig…

Kann man Hafer- bzw. Haselnussmilch auch in Kaffee schütten? Oder schmeckt das einfach nur schrecklich – so im Vergleich…?

Selbstgemachte Hafermilch würde ich jetzt nicht unbedingt für den Kaffee oder Tee empfehlen, weil Hafer bei Hitze ja schleimig wird. Nicht ganz so geil. Bei gekaufter geht es aber, die ist ja auch hochverarbeitet. Was die meisten Leute aber echt absolut begeistert sind die Haselnuss- und Mandelmilch im Kaffee! Gerade wenn du sie selber aus gerösteten Nüssen machst schmeckt die viel nussiger als Gekaufte! Und im Kaffee oder Kakao schmeckt das Gradios! Ah! Zum Reinlegen!

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Kategorie COSMO, Dossier, Food, Küche, Vegan

6 Kommentare

  1. Perlmuttfalter

    Hallo Shia,

    ich finde selbstgemachte Pflanzenmilch hat auch noch den Vorteil, dass ich immer nur so viel machen kann wie ich gerade brauche. Und das sind bei mir, da ich sie meist zum Kochen/Backen verwende, meist nur so 100-300 ml.
    Eine Frage zu den gerösteten Haselnüssen: wie genau machst du das? Einfach in der Pfanne kurz anrösten? Zerhackst du die dann vorher noch klein?
    Ich bin übrigens auch zu faul zum Absieben 😀

    • Hi Perlmuttfalter,

      da kann ich mich nur anschließen! Ich fand es auch immer nervig, immer gleich einen ganzen Liter aufbrauchen zu müssen! So machen wir auch meistens nur bis zu 300 ml :).
      Und genau, die Haselnüsse (sowie andere Nüsse, Kerne und auch Getreide) rösten wir in der Pfanne, meistens ganz.

      Liebe Grüße,
      Shia

  2. Also ich habe sowohl gekaufte als auch selbstgemachte pflanzliche Milchalternativen probiert.
    Und bin sehr verwirrt, was das soll.
    Es schmeckt nicht wie Milch
    und es hat nicht die guten Inhaltsstoffe von Kuhmilch (Calcium).
    Was daran ist also Milch?
    Ist das einfach so ein Sich-selbst-verarschen wie das Soja das zum Steak geformt wird?

    • Hi Tina,

      es spricht – wie ich oben ja auch sage und du ja sicherlich gelesen hast, bevor du kommentiert hast 😉 – sehr viel für pflanzliche Milch, z.B. die Tatsache, dass Kuhmilch unserem sowieso schon gebeuteltem Klima schadet (und Spoiler: wir haben nur einen Planeten) und die von mir oben nicht erwähnten Tierschutzaspekte, zu denen du z.B. hier oder hier mehr erfahren kannst.

      Dass mich nur gute Inhaltsstoffe enthält ist in Zeiten der Massentierhaltung ebenfalls schon lange fraglich. „Kritiker warnen auch vor Medikamentenrückständen in der Milch. Denn wenn „Berufskrankheiten“ wie Euterentzündungen behandelt werden, können auch Antibiotika zum Einsatz kommen.“ (WDR Planet Wissen, oben verlinkt)

      Wenn es dir um Calcium geht, dann hoffe ich, dass du auch viel Brokkoli oder Grünkohl isst, denn Milch ist nun bei weitem nicht das einzige Lebensmittel, das Calcium enthält . Mehr zu calciumhaltigen Lebensmitteln kannst du z.B. hier lesen. Es gibt auch gekaufte Pflanzenmilch, die Calciumzusätze enthalten.

      Und nun zum Geschmack. Meiner Meinung nach ist es generell Quatsch überhaupt ein Lebensmittel komplett imitieren zu wollen. Ich schätze die verschiedenen Milchsorten genau wegen ihrer eigenen und glücklicherweise unterschiedlichen Geschmackeigenschaften! Ich finde es ganz genial, wie nussig Nussmilch wie Haselnussmilch schmeckt! Mit Kakao drin ein absoluter Traum!

      Ich kann aber andererseits auch verstehen, warum viele Produzenten z.B. Kuhmilch „imitieren“, denn auch das hat seinen Sinn. Das hilft nämlich vielen Menschen beim Einstieg. Sie wollen gerne weiter den Fleisch- oder Milchgeschmack haben, aber wissen um die schlimmen Folgen des Konsums für Tier und Umwelt (und am Ende natürlich auch für uns Menschen, denn wenn wir die Umwelt zerstören, gehen wir auch drauf). Da können pflanzliche Alternativen helfen, nachhaltiger zu leben.

      Ich weiß jetzt nicht, welche Sorten du bisher probiert hast, aber ich kann dir sagen, dass jede Marke ihre eigene Rezeptur hat. Am nächsten an Kuhmilch soll die Oatly Hafermilch kommen. Die mag ich persönlich aber gar nicht, denn die hinterlässt auch so einen Fettfilm im Mund wie ich Kuhmilch in Erinnerung hatte und liegt mir einfach zu schwer iim Magen. Es gibt wohl noch einige Marken, die sich bemühen, Kuhmilch zu imitieren, die mir gerade namentlich nicht einfallen, weil sie mir gerade deshalb nicht schmecken.

      Liebe Grüße,
      Shia

    • Hallo Tina,

      vielleicht ist deine Herangehensweise etwas ungünstig: Ich habe keinen „Ersatz“ für Milch gesucht, der genauso ist, wie Milch, sondern den ich für die gleichen Zwecke einsetzen kann.

      Z.B. Trinke ich Kaffee prinzipiell schwarz, weil er mir zu „sättigend“ ist, wenn ich da Milch rein mache. Wenn ich aber doch mal Lust auf cremigen Kaffee habe, dann verwende ich jetzt Mandelmilch –> Schmeckt natürlich nicht „wie Milch“, macht den Kaffee aber cremig und schmeckt geil nussig!
      Müsli: Da verwende ich Hafermilch und mache meist eine Mischung aus „Overnight Oats“, manchmal Porridge und frischem Müsli. Da könnte ich auch einfach nur Wasser nehmen, schmeckt ja nachher eh alles nach den Haferflocken und dem Obst. Mit der Hafermilch wird es aber etwas gehaltvoller.

      Wenn man total auf den Milchgeschmack steht, dann kann man den natürlich nur schlecht durch eine Alternative nachmachen/ersetzen. Aber das ist ja auch ok! Dann kann man natürlich weiter Milch verwenden und an anderen Stellen gucken, dass man seinen individuellen Beitrag leistet… Dass man sich grundsätzlich damit auseinander setzt und für sich selbst die beste Lösung findet ist doch das Wichtigste!

      Die Soja-Schnitzel verstehe ich übrigens auch nicht so recht und brauche sowas auch nicht.

      Grüße, V.

    • Warum regen sich Mischköstler immer darüber auf, dass Veganer und Vegetarier Fleisch imitieren und die Alternative dann auch noch so heißt? Ist es so schwer zu verstehen, dass Menschen tierische Produkte aus ethischen, moralischen, gesundheitlichen und ökologischen Gründen ablehnen, aber den Geschmack von Fleisch und Milchprodukten trotzdem mögen? Das hat nichts mit sich selbst verarschen zu tun, sondern damit, dass man endlich aufhört zu verdrängen und zu ignorieren, dass andere für unseren Konsum und unseren Lebensstandard leiden und Tiere auch intelligente, fühlende Wesen sind.
      Und dann wird einem ständig erzählt, welche Nährstoffe man angeblich alle nicht bekommt, obwohl Vitamin D-Mangel auch bei Omnivoren verbreitet ist und Vitamin B12 nur deshalb im Fleisch vorhanden ist, weil es dem Futter der Tiere künstlich zugesetzt wird. Dann hätte ich lieber einen Calcium-Mangel, bevor ich die Massentierhaltung weiter unterstütze und Eiter, Antibiotika, Wachstumshormone, Chlor, Quecksilber, etc. zu mir nehme. Aber das ist gar nicht nötig, denn neben Nüssen, Samen, Kernen, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst enthält selbst Vollkornbrot und Mineralwasser Calcium.
      Wenn etwas zum Beispiel „Burger“ heißt, kann sich jeder etwas darunter vorstellen. Brötchen, Soße, Tomate, Salatblatt, irgendwas in der Mitte. Nirgends ist definiert, dass das Fleisch sein muss.

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