Warum gibt es Wein nicht in Mehrwegflaschen? Interview mit Philip Heldt (Verbraucherzentrale NRW)

Philip Heldt (rechts) von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf klärt auf: Wie viel Verpackung brauchen wir eigentlich? Und: Was ist besser – Glas oder Plastik?

Diese Woche übernimmt ZDF Plan B das Ruder vom Insta-Kanal von ZDF-Heute. Plan B ist das Reportagenformat für konstruktiven Journalismus. Das heißt, dass nicht nur einfach über Missstände berichtet wird, sondern direkt auch konstruktive Lösungen geliefert werden. Ich durfte für Plan B als Reporterin losziehen und Plastik-Mythen auf den Grund gehen! Auf den Spuren der Mythen bin ich bei der Verbraucherzentrale NRW gelandet, wo Philip Heldt mir half, die Mythen aufzuklären. Aber natürlich hatte ich noch mehr Fragen! Die beantwortete mir Philip geduldig in diesem ergänzenden Interview!

Die volle Story findet ihr in den Highlights auf @zdfheute (unbezahlte, unbeauftragte Werbung). Weiteres Zusatz-Material wie Behind-the-Scenes-Aufnahmen und tiefere Einblicke gibt es in der ZDF-Mediathek (Link folgt, wenn online).

Shia: So Philip, du hast gerade ja noch so schön zu unserem Mythos „Plastikverpackungen“ erzählt, dass Plastikverpackungen nicht immer sinnvoll sind. Es sei denn sie schützen verderbliche Lebensmittel wie Fleisch. Aber wie siehst du es eigentlich klimamäßig mit Fleisch?

Philip: Also wer die Umwelt schützen will, isst sowieso vegetarisch.

Shia: Wie viel Verpackung brauchen wir überhaupt?

Philip: Wir bräuchten, denke ich mal, höchstens die Hälfte von dem, was wir in den Supermärkten haben. Umverpackungen – der Karton, die Creme – kann alles weg. Reis in zwei Plastikbeuteln und dann noch mal im Karton ist natürlich unnötig. Gerade im Kosmetika-Bereich ist superviel übermäßig verpackt. Aber auch die Discounter, die alles schon vorverpackt anbieten – das ist alles unnötig. Obst und Gemüse einfach lose in den Korb, und fertig ist.

Shia: Woran erkenne ich bei Flaschen denn, dass es eine Einwegflasche und keine Mehrwegflasche ist?

Philip: Dass es eine Einwegflasche ist kann man erst mal fühlen, das ist so ein ganz dünnes Material. Das knittert schön. Das sind z.B. meistens diese großen 1,5-Liter-Flaschen, häufig für Wasser. Also, aus dem Hahn trinken! Aber das machste ja bestimmt eh schon. Woran man die Einweg-Flaschen noch erkennen kann, ist dieses Logo:

Das ist das Einweg-Zwangspfand-Logo, 25 Cent. Das nicht kaufen. Immer die Mehrwegflasche!

Shia: Bei Mehrweg ist doch auch immer ein Zeichen drauf, oder?

Philip: Bei Mehrweg ist nicht immer ein Zeichen drauf. Es gibt keine Pflicht dazu, aber man kann’s an der Pfandhöhe erkennen: 8 oder 15 Cent Pfand. Das ist dann Mehrweg. Und Einweg ist halt immer 25 Cent Pfand auf den Kunststoffflaschen.

Shia: Was ist eigentlich mit Wein?

Philip: Ja, bei Wein ist es so, dass es meistens Einwegflaschen sind. Das ist ökologisch auch ziemlich blöd, weil eine Glasflasche in der Herstellung ziemlich viel Energie braucht. Die Bierflasche hier zum Beispiel, die wird an die 50 Mal wiederbefüllt. Das ist ökologisch dann völlig in Ordnung. Die Weinflasche wird einmal befüllt, dann bringste sie zum Container, sie wird eingeschmolzen – nicht sonderlich gut.

Shia: Warum gibt es Wein nicht in Mehrwegflaschen?

Philip: Weil sich die Winzereien immer noch nicht einigen konnten auf eine einheitliche Mehrwegflasche. Wäre möglich. Vielleicht ist es für den Superweinkenner ganz schlimm, wenn eine Flasche nur gespült wurde und minimalste Reste in den anderen Wein rein diffundieren, wobei der Spülprozess eigentlich so gut ist, dass das kein Problem macht. Bei Bier klappt’s doch auch super. Es gibt wenige Winzergenossenschaften, die tatsächlich Pfandflaschen haben, die sie zurücknehmen. Aber es werden leider immer weniger. Wir können nur hoffen, dass das wieder zunimmt – und dann können wir auch mal wieder Wein trinken, ne?

Shia: Vielen Dank, Philip!

Für die Transparenz

Ich wurde für meinen Einsatz als Reporterin, d.h. für das, was Plan B beim IG-Takeover des ZDF-Heute-Kanals von mir postet, vergütet. Dieser Artikel ist zwar in dem Kontext entstanden, jedoch unabhängig, unbeauftragt und auch unbezahlt.

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Kategorie Artikel, Müll

10 Kommentare

  1. Hallo !
    Unser Winzer an der Nahe bittet darum alle Flaschen zurück zu bringen und vergütet es auch:
    12 leere Flaschen gegen 1 gefüllte.
    Er ist auch auf braune Flaschen umgestiegen, da diese leichter aus Recycle-Glas herzustellen sind als weisse
    Es gibt halt Leute die mitdenken 🙂
    Grüße Jutta

  2. Hallo Shia,
    vielen Dank für deinen tollen Blog und diesen Beitrag. Ich blogge selbst und habe gerade Wein zum abfüllen in Paris gekauft, wo wir leben. Ich bin echt froh, dass ich endlich eine Lösung gefunden habe, damit wir ohne schlechtes Gewissen Wein geniessen können.
    Mach weiter so!
    Herzliche Gruss, Petra.

  3. Hallo Shia,

    hast du Philip Heldt auf der Fair Friends kennengelernt? Er hat dort so wie du einen Vortrag gehalten und ich fand die Bilder, die er gezeigt hat, schockierend. Zum Beispiel jeweils zwei abgepackte Zucchini in einer Plastikschale und dann noch Folie außenrum. Einfach nur unnötig.

    In den Unverpackt Läden in meiner Nähe gibt es Wein in Pfandflaschen, allerdings keinen deutschen. Da kann man sich dann fragen, ob man der Regionalität den Vorzug gibt, schließlich müssen die Flaschen auch zurücktransportiert werden zum Spülen und Wiederbefüllen.

    Ganz viele liebe Grüße

    P.S. Kannst du mal bitte klären, was es mit den Shampoobits und Palmöl auf sich hat? Per Email bekomme ich auf die Frage keine Antwort, aber daraufhin wurde der Hinweis „bewusster Verzicht auf Palmöl“ von der Internetseite entfernt. An anderer Stelle stand vorher auch, dass das Tensid Palmöl enthält, weil es angeblich keins ohne geben würde.

    • Hi Luthien,
      ach, wie witzig, das wusste ich gar nicht, dass er auch auf der Fair Friends einen Vortrag gehalten hatte! Nee, wir haben uns erst beim Dreh für Plan B kennengelernt. Er hat mir im Büro auch eine Box mit Anschauungsverpackungen gezeigt, womit sie immer den Verpackungswahn aufzeigen!
      Und zu den Pfandflaschen: Schwierig, schwierig… Die Sache ist, dass wir hier jetzt leider nur Vermutungen anstellen können, wie weit der Glasmüll bei euch dann transportiert werden muss, um energieaufwendig wieder eingeschmolzen zu werden, und wie weit die Pfandflaschen dann müssen. Müssen sie genau wieder zu der einen Winzerei? Oder sind es Standardflaschen, die auch mit – sagen wir mal – Limo, Bier oder eben von näheren Winzereien mit Wein befüllt werden können? Fakt ist: Es ist nicht ideal! Und es scheitert nicht an der Machbarkeit, sondern wie so oft am Menschen, nämlich daran, dass sie sich nicht einigen können :(…

      Zu den Shampoobits: Ich weiß jetzt nicht, wie es sich genau bei der Marke verhält, aber es ist so, dass viele Tenside und Emulgatoren eben auch Palmöl-Derivate sind, d.h. sie werden aus Palmöl hergestellt. Es fällt aber natürlich auf den ersten Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe nicht auf. Ich hatte mal überlegt, selber Creme herzustellen, statt direkt Öle zu verwenden und hatte eben mal nachgelesen, wie das geht. Und da bin ich nämlich über Emulgatoren auf die Palmöl-Derivate gestoßen :(.. Fast alle Emulgatoren, die ich so für die eigene Herstellung von Kosmetik finden konnte, waren nämlich Palmöl-Derivate. Und ja, viele Tenside sind auch Palmöl-Derivate. Wie da die Auswahl für Hersteller aussieht, also wie gut diese an palmölfreie Alternativen kämen, kann ich natürlich nicht sagen, ich hatte ja nur nach Zutaten, die man für die Herstellung Zuhause kaufen konnte, geschaut.

  4. Hi Shia,
    wie Philip oben anmerkte, gibt es tatsächlich viel zu viele unnötige Verpackung in den Supermärkten. Keine Ahnung, ob das nur mein subjektiver Eindruck ist, aber ich habe das Gefühl, dass der Trend in Richtung „alles alles alles verpacken“ geht.
    Ich bin letztens durch den Supermarkt geschlendert und habe (neben „doppelt verpacktem Reis“) viele dubiose Dinge gefunden. Angefangen bei Eierwaffeln, die neben der Hauptverpackung jeweils einzelnd in Plastikverpackungen eingeschweißt wurden über eingetütete Salatherzen und Blumenkohl zu Joghurt in Plastikbechern mit Pappmantel und weiteren mehrfachverpackten Objekten.

    Jedenfalls hab ich in der Feedbackbox einen Zettel mit dem Hinweis hinterlassen, dass sie es bei einigen Sachen mit den Verpackungen nicht übertreiben sollen. Meine Kritik bezog sich da auf die hauseigenen Marken. Keine Ahnung, ob’s etwas bewirkt.
    Da nicht alle Menschen in einen Unverpackt-Laden gehen bzw. sich dies nicht leisten können, halte ich zumindest ein Umdenken in den Supermärkten für eine gute Idee.

    Ich bin zwar in Puncto Geschmack sehr sensibel, aber kann nicht beurteilen inwieweit sich eine benutzte Weinflasche auf den neuen Weingeschmack auswirkt. Zwar kann ich mir gut vorstellen, dass man die Flaschen ausreichend gereinigt kriegt, aber bin mir da relativ unsicher. Ansich klingt Mehrweg nach einer machbaren Alternative.

    Viele Grüße
    Jaqui

    • Hi Jaqui,
      ja, der Trend geht hin zu noch mehr Verpackungsmüll (Quelle: Norbert Völl vom Grünen Punkt, den ich ebenfalls für Plan B interviewen durfte -> siehe @ZDFHeute Story-Highlights auf Instagram). Schon echt heftig! Es gibt die App „Replace Plastic“ App, mit der du den Code einscannen kannst und die schicken in deinem Namen das Feedback an den jeweiligen Hersteller, es doch bitte mit weniger Plastikverpackung zu verkaufen.
      Ich glaube ganz fest daran, dass solche kleinen, oft im Alltag ja schon fast nebenbei laufenden Sachen sehr wohl etwas bewegen können! Bei großen Ketten dauert das natürlich länger. Aber auch da: Je mehr Menschen wie du es einfach machen, desto eher ändert sich was. So sind übrigens die veganen Produkte in die Läden gekommen! Weil einfach viele Menschen beim Einkaufen einfach mal ihren Mund aufgemacht haben! Und zum Geschmack: „Frisch“ produziertes Glas muss ja auch erst mal gereinigt und von Produktionsrückständen befreit werden. Wenn ich persönlcih die Wahl habe, hab ich lieber minimalste Wein- als industrielle Produktionsrückstände ;).
      Liebe Grüße,
      Shia

  5. Ich wünsche mir auch deutlich mehr Produkte in Pfandflaschen. Bei Ölen müsste das doch eigentlich recht gut gehen, die sind ja häufig eh schon in Glasflaschen.

    Ich versuche im Moment mein Öl selbst abzufüllen, aber häufig geht das nur im Feinkostbereich zu saftigen Preisen. Der Unverpackt Laden bei dem ich manchmal bin, hatte zunächst Öl im Angebot, durfte das aber aufgrund irgendwelcher behördlichen Anordnung leider nicht mehr anbieten.

    • Hi Sekhmet,
      bei Ölen (und auch bei der Wiederbefüllung der Flüssgseifenkaninster wie z.B. in Unverpackt-Läden) wird immer das Argument vorgetragen, dass die Reinigung der Flaschen (bzw. Kanister) zu aufwendig sei und zu viel Wasser verbrauchen würde. Ich denke, dass das wahrscheinlich von der Ökobilanz her immer noch besser ist, als Glas energieaufwendig einzuschmelzen, zumal da wahrscheinlich hauptsächlich fossile Brennstoffe oder Plastikmüll zum Einsatz kommt und das ja auch wieder den Klimawandel antreibt… Aber das ist jetzt nur meine grobe Einschätzung!

      Und zum Öl im Unverpackt-Laden: Ja, da gibt es eine ganz komische Verordnung zu Olivenöl, nach der reines Olivenöl irgendwie nicht abgefüllt werden darf. Sobald das Olivenöl aber z.B. mit Trüffelgeschmack gemischt ist, geht’s… Naja…
      Liebe Grüße,
      Shia

  6. Monika Hoppstädter

    Hallo Shia, in meinem Bioladen gibt es ein großes Sortiment an Wein in Pfandflaschen, die der Laden über die verschiedenen Grosshändler bezieht. Ist eigentlich gar nicht schwierig dranzukommen. Auch Biosupermärkte haben meistens einiges an Pfandflaschen im Sortiment.
    Liebe Grüße
    Monika

    • Hi Monika,
      schön zu hören, dass es in deinem Bioladen diesbezüglich so fortschrittlich zugeht :)! Ich halt mal die Augen offen in Biosupermärkten und schau, wie weit das verbreitet ist. In unserem Interview vergleichen wir das eigentlich mit dem System wie bei Bier, zur Erklärung zu dem, was wir als Standardmaßstab genommen haben.
      Liebe Grüße,
      Shia

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