Gibt es bald Weihnachtsbraten mit Fleisch aus dem Labor?

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Frohe Weihnachten! Die Vorbereitungen fürs Festmahl laufen also überall schon auf Hochtouren. Was wird es denn bei euch so Leckeres heute Abend geben? Für die meisten von uns darf ja Fleisch nicht fehlen, schon gar nicht bei einem Festmahl! Aber Fleisch ist schlecht fürs Klima, sagt Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin.

Shia, warum ist Fleisch denn ein Klimakiller?

Weil die Produktion von Fleisch sehr viele Ressourcen verschlingt. Die Tiere müssen ja gefüttert und die Anlagen betrieben werden. Am Ende haben wir also bei Fleisch bei gleichem Ressourcen-Einsatz deutlich weniger auf dem Teller. So von der Größenordnung her verbrauchen Tierische Produkte nämlich zehn mal so viel Wasser und Energie wie pflanzliche Kost.

Und von den pupsenden Kühen haste wahrscheinlich auch schon gehört. Eine Kuh furzt und rülpst nämlich täglich 191 Liter Methan, ein sehr potentes Treibhausgas. Wusstest du, dass tierische Produkte mehr Treibhausgase verursachen, als alle Autos, LKW, Schiffe und Flugzeuge dieser Welt zusammen, das sagt die UN.

Wann wird es das erste Fleisch aus dem Labor für uns geben?

Vielleicht schon früher als erwartet. Ein Produzent aus San Francisco plant, bereits Ende des Jahres – also in wenigen Tagen nur noch – Chicken Nuggets mit Hühnchenfleisch aus dem Labor auf den Markt bringen.

Das ist ja nicht mal mehr ferne Zukunftsmusik! Ich meine, wie funktioniert das überhaupt, Fleisch im Labor zu machen?

Dazu muss angeblich kein Tier sterben. Bei den Chicken Nuggets ist es sogar so, dass sie Zellen aus den Federn nehmen, daraus Stammzellen isolieren und diese in Nährlösungen vermehren. In nur zwei Tagen sind die schon so weit, dass man daraus Chicken Nuggets machen kann. Bisher ist die Konsistenz, die wächst, allerdings eher so wie Gehacktes, deswegen kommen als erstes auch Chicken Nuggets raus und als nächstes soll es Burger-Patties geben. Aber ein Labor in Tel Aviv in Israel arbeitet gerade an Steak, also an zusammenhängendem Fleisch.

Du hast vorhin erklärt, dass Fleisch ein richtiger Klima-Killer ist. Ist Fleisch aus dem Labor nachhaltiger?

Nach einer Studie der Oxford University könnte Fleisch aus dem Labor bis zu 96% weniger Emissionen verursachen und auch Energie und Wasser einsparen. Die Studie ist allerdings schon ein bisschen älter, nämlich von 2011 und basiert natürlich auf bestimmten Voraussetzungen wie z.B. welche Methode und welche Nährlösung genommen wird.

Also, wenn du mich fragst – und dazu sollte ich wahrscheinlich auch sagen, dass ich vegan lebe – ist das ganz schön viel Aufwand für etwas, wofür es seit Jahrhunderten bereits eine Lösung gab. Nämlich einfach mal weniger Fleisch essen. Das bekämpft das Problem sogar an der Ursache und wir könnten stattdessen an wichtigeren Dingen forschen.

Dass wir heute so viel Fleisch essen – ganze 60kg pro Jahr pro Person! – ist nämlich eine ziemlich neue Entwicklung und auch gar nicht mehr im gesunden Bereich. Aber ja, ich weiß, gesellschaftliches Umdenken dauert wahrscheinlich länger, als wir im Kampf gegen den Klimawandel Zeit haben. Also ja, her mit dem Laborfleisch… Ich muss es ja zum Glück nicht essen.

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Kategorie COSMO, Food, Küche

2 Kommentare

  1. Josefine Sell

    Hallo Shia!
    Mich würde mal interessieren, worin die Stammzellen für das „Laborfleisch“ kultiviert werden. Bei den meisten Nährmedien, die ich aus dem Labor kenne, wird für das Wachstum immer noch Serum zugesetzt, welches aus Kälbern, Pferden und anderen Tieren gewonnen wird. Also wäre es nicht ganz so, dass dieses Fleisch ohne den Tod von Tieren auskommt. Auch werden ja viele Einweg-Kulturschalen/-flaschen, Pipetten und anderes steriles Material verwendet, die einen großen Berg an Plastikmüll hinterlassen. Die 96% weniger Emissionen halte ich daher für unglaubwürdig.
    Ich bin definitiv deiner Meinung, dass eine wirklich umweltbewusste Alternative nur das Einschränken (oder besser kompletter Verzicht) auf Fleisch darstellt. Zum Glück kann man auch ganz ohne Tierleid ein festliches Weihnachtsmenü kochen ( und natürlich auch an allen anderen Tagen des Jahres).
    Schöne Weihnachten und liebe Grüße, Josefine

  2. Frohe Weihnachten!
    Also bei uns gibt’s zwar Fleisch, aber bon Jäger geschossen und nicht extra gezüchtet. Gleich geht’s los, Ick freu mir!

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