Geplante Obsoleszenz: Wird Elektronik so produziert, dass sie nach einer bestimmten Zeit kaputt geht?

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Könnt ihr euch ein Leben ohne euer Smartphone vorstellen? Also ich nicht. Dabei gibt es Smartphones erst seit zehn Jahren! Diese rasanten technologischen Entwicklungen sind schon echt cool, das Ganze hat aber auch Schattenseiten. Eine davon ist die Umweltbelastung. Das kritisiert Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin.

Wieso ist das eine Umweltbelastung?

In Elektrogeräten stecken sehr viele, häufig seltene Rohstoffe, die unter schrecklichen Bedingungen abgebaut werden. Und wir gieren regelrecht danach! Wir haben immer mehr Produkte pro Nase. Früher gab es ein Telefon pro Familie, heute hat ja jeder ein eigenes Handy, oder auch mehr, z.B. ein Diensthandy. Dazu kommen Tablets, Laptops oder Konsolen.
Und gleichzeitig tauschen wir die Geräte immer schneller aus, weil sie schnell kaputt gehen, es laufend bessere, neuere Modelle gibt oder unser älteres, sonst aber noch vollkommen intaktes Modell nicht mehr mit der aktuellen Software klarkommt. So kommt eine ganze Menge Elektromüll zusammen, der oft alles andere als verantwortungsvoll entsorgt wird!

Shia, machen die Hersteller das eigentlich absichtlich, um uns mehr zu verkaufen? Das wird ja immer wieder behauptet.

Für ein gezieltes “Unbrauchbarmachen” von Produkten nach einer gewissen Zeit gibt es sogar einen Begriff: Geplante Obsoleszenz. Obsolet bedeutet, dass etwas “hinfällig” oder “veraltet” ist.
Dass die Hersteller die Sachen aber gezielt so produzieren, dass sie nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen oder sogar direkt schon eingebaute Mängel haben, kann nicht nachgewiesen werden.

Was allerdings die Hersteller sogar gerne offen zugeben, ist, dass sie ihre Produkte auf eine bestimmte Lebensdauer anlegen. Dass die Dinger danach oft kaputt gehen, naja, das ist ja nicht gezielt eingebaut, stört aber die Hersteller natürlich nicht… Denn dann muss man losziehen und sich ein neues Produkt kaufen. Übrigens wird diese angelegte Lebensdauer kürzer und kürzer.

Woher weiß ich denn, auf was für eine Lebensdauer ein Gerät, das ich kaufen will, angelegt ist?

Tja – gar nicht! Das Umweltbundesamt schlägt z.B. vor, über eine EU-Richtlinie genau das transparent zu machen und noch dazu Mindeststandards für die Qualität sowie Produktlebensdauer festzulegen. Akkus sollen z.B. wieder austauschbar werden. Außerdem sollen Geräte wieder “reparierbarer“ gemacht werden.

Was heißt denn reparierbarer? So, dass ich selbst meinen Fernseher reparieren könnte?

Im Idealfall so, dass du oder auch ich einfache Reparaturen machen könnten. Oder eben jeder X-beliebige Elektroshop. Oder wir das zusammen in einem Repair-Café machen könnten. Repair-Cafés gibt es in den meisten Städten. Von Bürgern für Bürger. Da kannst du mit defekten Geräten hin und ein Mit-Mensch hilft dir bei der Reparatur. Nur leider wollen die meisten Hersteller das nicht. Apple z.B. erfindet andauernd neue Gewinde für Schrauben, die man ohne spezielle Schraubendreher gar nicht mehr aufschrauben kann. Die Akkus sowie andere Teile sind fest verklebt, Baupläne werden streng geheim gehalten und es wird alles dafür getan, damit keine Ersatzteile in den Umlauf kommen. Was du und ich machen können, ist, auf wenige, dafür langlebige Produkte zu setzen, die Lebensdauer durch pflegliche Nutzung oder Reparaturen verlängern – so weit möglich halt – und sie wirklich so lange zu benutzen, bis sie es wirklich nicht mehr tun. Und natürlich unsere Forderungen laut aussprechen, damit sich auch etwas ändert, uns z.B. der “Right to Repair”-Movement anschließen.

Kategorie COSMO, Elektronik, Schule, Büro & Arbeitsplatz

1 Kommentare

  1. Hallo Shia,
    das ist ein ganz wichtiges Thema. Ich lese gerade ein Buch darüber. Fazit des Buches ist, wenn wir die geplante Obsoleszenz wieder abschaffen wollen, müßte sich das komplette Wirtschaftssystem ändern und zwar in Richtung Postwachstumsökonomie. Das ginge nur, wenn viele Leute bereit sind, ihre Konsumgewohnheiten zu verändern. Ich habe allerdings das Gefühl, dass genau das gerade passiert 🙂
    Neulich war ich in einem Repaircafe, mein Gerät konnte nicht repariert werden, weil die Elektrik nicht mehr sicher war (Espressokocher, genau 2 Jahre nach dem Kauf), hat man bei Aufschrauben festgestellt. Aber viele andere Gerätekonnten repariert werden, es gab großen Andrang. Ich habe die Hoffnung, dass sich alles langsam zum Positiven wendet.
    Liebe Grüße, mach weite so

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