„Fehlstunden verkraften wir, aber nicht den Klimawandel!“ #FridaysForFuture

Der Klimawandel ist ja schon lange bekannt und wir hatten lange genug Zeit, ihn aufzuhalten. Haben wir aber nicht. Dieser Zug ist leider schon abgefahren. Bitter, ich weiß. Jetzt geht’s darum, den Klimawandel auf 2 Grad – besser noch 1,5 Grad zu begrenzen – um zumindest die katastrophalsten Folgen aufzuhalten. Und genau dafür gehen jeden Freitag junge Leute statt in die Schule oder Uni auf die Straße. Unter dem Hashtag #FridaysForFuture versammeln sie sich, damit die gesetzten Klimaziele überhaupt eingehalten werden.

Am 15. März 2019, fand der globale #FridaysForFuture Klimastreik statt. Eine schöne Fotostrecke zu den Streiks weltweit hat die Tagesschau zusammengestellt. Wir sind natürlich auch dabei gewesen. Allerdings nicht unter den 10.000 Demonstranten in Köln, sondern den 300 in Ludwigsburg.Denn wir sind diese Woche in Ludwigsburg bei Stuttgart, weil wir in einem extrem kleinen Tiny House mit nur 7,3 qm Wohnfläche probewohnen. Ja, total spannend, allerdings erzähle ich euch das mal in einem anderen Artikel 😉.

Wir hatten ursprünglich vor, zur großen Demo nach Stuttgart zu fahren, entschieden uns aber dagegen, weil wir der Ansicht sind, dass man eben nicht in einer Großstadt leben muss, um Gehör zu finden und etwas zu bewegen 💪💚! Außerdem kehren wir seit jeher am liebsten vor der eigenen Haustür, also dort, wo wir gerade sind. Und diese Woche sind wir in Ludwigsburg 😊.

Das Wetter war schlecht, dafür war aber die Stimmung gut! Mit dabei waren hauptsächlich Schüler*innen, aber auch so einige Eltern, Studierende, so weder-noch Menschen wie wir und natürlich die demo-erfahrenen Ökos vom alten Schlag sind alle zur Unterstützung angetreten.

#FridaysForFuture ist nämlich nicht mehr nur eine Schüler*innen-Aktion. Macht ja auch Sinn, denn Klimawandel geht uns allen etwas an! Es gibt inzwischen auch schon #TeachersForFuture, #ParentsForFuture und sogar schon #GrandparentsForFuture! Eine der aber wahrscheinlich politisch wichtigsten neuesten Bewegungen wird wohl #ScientistsForFuture sein.

Wie zu erwarten nahmen die Machtinhaber die Schüler*innen nämlich genauso wenig ernst wie schmelzende Gletscher oder den steigenden Meeresspiegel. Politiker wie der Christian Lindner (FDP) kritsierten, dass Schüler etwa nicht protestieren sollten, weil sie die komplexen Zusammenhänge vom Klimawandel und der Wirtschaft gar nicht verstünden. Klimawandel sollten sie mal schön den Profis überlassen.

Bitteschön, Herr Lindner, hier melden sich Ihre „Profis“ nun zu Wort: Ganze 23.000 (!) Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellen sich nun mit einer Stellungnahme als #ScientistsForFuture hinter die streikenden Kids 💪💚! Denn die haben im Gegensatz zu den Regierenden ihre Hausaufgaben gemacht und stützen sich auf harte Fakten – während die politische Spitze versucht, vom Thema abzulenken, indem sie eine Debatte über das Schuleschwänzen anzetteln. Schwach, sehr schwach 👎.

Leider machen wir sehr oft die Erfahrung, dass gerade Schüler*innen da sehr gut aufgeklärt sind, während den meisten Erwachsenen  die volle Tragweite des Klimawandels gar nicht bewusst ist. Ich glaube, die meisten Erwachsenen denken insgeheim – wenn sie denn überhaupt darüber nachdenken –, dass sich zwar viel durch den Klimawandel ändern wird, aber das Leben nur anders und nicht unbedingt schlechter wird.

Erwachsene mit mehr Weitsicht!! 👍

Es fehlt auch einfach die Vorstellungskraft für so was Großes wie den Klimawandel. Dass so etwas Alltägliches wie die Autofahrt zur Arbeit oder was wir essen wirklich so krasse Folgen wie die Gefährdung unserer Lebensgrundlagen haben kann sprengt die Fantasie. Dazu kommt, dass in den Köpfen oft „Klima“ mit „Wetter“ verwechselt wird – und „Wetter“ ist nun mal etwas, das passiert und womit wir uns abfinden müssen. Und schwupps, werden selbst die Warnungen von wissenschaftlicher Seite – also von Lindners hochgeschätzten Profis – ignoriert und man wendet sich den drängenderen kurz- bis mittelfristigen wirtschaftlichen Fragen zu.

Übrigens bekomme ich häufiger Nachrichten von jungen Menschen, also Schüler*innen und Studierenden, die mir erzählen, dass sie einfach nur richtig Schiss wegen der Zukunft haben. Denn sie kennen die ganzen harten Klimafakten, von denen die meisten Erwachsenen leider meistens ja gar nix wissen oder wissen wollen. Zum Beispiel, dass das Klimaziel von 2 Grad eigentlich nicht ausreicht, weil 2 Grad verheerender sind als ursprünglich angenommen. Und selbst die Maßnahmen für das gesteckte 2-Grad-Ziel verfehlen wir laufend. Oder dass der Golfstrom durch die Erwärmung und den Anstieg des Meereswassers potentiell sogar zum Erliegen kommen kann. Dann hätten wir eine neue Eiszeit.

Eigentlich schreiben sie meistens, um mich zu fragen, wie sie trotz der Faktenlage positiv bleiben können. So einige erzählen mir von Panik-Attaken, Depression und zum Glück auch davon, dass sie in Therapie sind. a blutet echt jedes Mal mein Herz. Weil klar wird, dass jung sein heute bedeutet, dass du es definitiv NICHT besser als deine Eltern haben wirst. Weil du deren Suppe auslöffeln musst, ob du willst oder nicht.

Elf Jahre ist das Zeitfenster, das uns bleibt, um den Klimawandel auf 1,5 Grad zu begrenzen, also bis 2030. Und nur damit das klar ist: 1,5 Grad sind immer noch verdammt schlecht! Wenn wir so weiter machen wie bisher, landen wir bei 3-4 Grad! Katastrophal also – im wahrsten Sinne des Wortes! Schon 2015 wurde gewarnt, dass dann z.B. Hamburg im Meer verschwinden würde! Und trotzdem sträuben sich die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger*innen gegen Maßnahmen im großen Stile. Uns geht aber die Zeit aus!

Ich finde #FridaysForFuture einfach nur klasse! Die Stimmung ist immer gut, alles verläuft friedlich und vor allem ist es keine einmalige Sache, sondern wiederholt sich jeden Freitag. Hartnäckigkeit ist in dieser Sache nämlich definitv gefragt. Dass das Thema Klimawandel gerne ignoriert wird, zeigt schließlich die Vergangenheit nur zu deutlich. Ich bewundere auch vor allem Greta sehr! Sie ist, wie die meisten Streikenden, schließlich noch minderjährig, d.h. politisch noch nicht mündig in dem Sinne, dass sie nicht wählen darf. Das heißt, du darfst deine Stimme nicht abgeben, obwohl es vor allem deine Zukunft sein wird, die gerade vor deinen Augen verhandelt wird.

Das Zeitfenster schließt sich aber schon 2030. 2030 ist Greta und viele der jetzt Streikenden sind dann aber noch nicht mal 30 Jahre alt! Die Politiker*innen, die jetzt den Kohleausstieg in die Länge ziehen, sind dann aber schon Rentner und denken höchstens daran, wie sie sich ihren Lebensabend noch bequem machen können. Ab 2050 müssten wir übrigens klimaneutral leben, also rechnerisch GAR KEINE EMISSIONEN mehr ausstoßen. Die Entscheidungsträger*innen heute sind dann wahrscheinlich schon unter der Erde. Kein Wunder, dass sie dem keine Priorität einräumen!

Wir haben 5 vor 12! Es führt also kein Weg daran vorbei, denen, die heute das Sagen haben, kräftig gegen’s Schienbein zu treten, damit sie endlich was tun. Und genau das macht #FridaysForFuture! Wenn man als junger Mensch schon nicht wählen darf, dann muss man sich eben anders Gehör verschaffen!

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Kategorie #FoodForThoughtFriday, Artikel, Dossier

2 Kommentare

  1. In meiner Heimatstadt fand auch eine Demo statt. Nach der Demo konnte man dann sehen wie viel Müll die Schüler auf der Wegstrecke hinterlassen haben. Dosen, Plastikflaschen, Verpackungen von Essen usw. Ich finde es gut und wichtig dass sich Schüler und Jugendliche engagieren. Allerdings wäre es noch schöner wenn bei einer Klima-Demo nicht bergeweise Müll anfallen würde. Damit erweist man diesem wichtigen Thema keinen guten Dienst.
    LG, Verena

  2. Hallo, das ist ja im Moment ein Thema das für viel aufregung sorgt. Zu meinem Erstaunen scheinen die Schulen aber leider nicht zu erkennen das da jetzt eine, meiner Meinung nach, recht große Chance besteht auch ganz andere Probleme an den Schulen zu bekämpfen. Ich denke man sollte jetzt mit Schülern über ihr eigenes Verhalten reden und Ihnen klar machen das sie selbst mit ihrem Konsum ein großes Problem sind. Sehe es deutlich bei den Kindern in unserer Familie und dem Freundeskreis(12-18 Jahre). Wenigstens 1x im Jahr wollen sie ein neues Handy, möglichst ein neues cooles Fahrrad, ständig die gerade angesagten Markenklamotten und Schuhe, bestimmte, nicht nachhaltige Kosmetik, Essen von zuhause mitnehmen ist voll uncool, das muss ordentlich Verpackt unterwegs gekauft werden…..
    Die Kids die das nicht alles haben und ihr Essen von daheim mitbringen werden gehänselt und ausgegrenzt. Unserer macht sich auch Gedanken und meint es müsste sich was ändern. Er begrüßt Zuhause meine Bemühungen, hat auch Spaß daran im Garten Gemüse anzubauen. Sobald es aber an seinen Konsum geht ( Kleidung, Schuhe, Handy) oder an das Essen und Trinken für die Schule ist es vorbei, da kommt dann das er nicht alleine ohne da stehen will… einer Freundinn die auch versucht den Alltag in richtung Zero Waste umzustellen geht es mit ihren Kindern genauso. Zuhause ist Seife zum Duschen und Haare waschen ok, beim Sport müssen es Duschgel und Shampooflaschen sein.
    Jetzt wo die Kids sich Gedanken machen müssten die Schulen da gezielt ansetzen und drüber reden. Denke ein umdenken von vielen Schülern würde den Schulalltag für etliche Schüler leichter machen und sehr viel für den Klimaschutz bringen.

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