Dinge, die du wegwirfst, die aber noch essbar wären #LoveFoodHateWaste

„Food waste is the world’s dumbest problem.“ Wer das genau gesagt haben soll,  konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Fakt ist, dass 18 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich in Deutschland im Müll landen! Das sind 2,6 Millionen Hektar Land, das unnötigerweise bewirtschaftet wird. 48 Millionen Treibhausgase, die hätten vermieden werden können. Klug sieht anders aus.

Die Zahlen sind erschreckend. Pro Jahr landen statistisch gesehen bei jedem von uns gut 80kg Lebensmittel im Müll. Der überwiegende Teil davon wäre noch essbar gewesen.

Ganz häufig bekomme ich zu hören, dass Bio-Lebensmittel zu teuer seien. Ich persönlich denke, dass wir als Gesellschaft hinterfragen sollten, warum konventionelle Lebensmittel so billig angeboten werden können und wer oder was eigentlich die wahren Kosten trägt. Aber klar, diese Überlegung hilft natürlich nicht, wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist.

Mein Tipp Nr. 1 ist: Lerne, keine Lebensmittel zu verschwenden! Jede Person wirft statistisch gesehen pro Jahr 235€ an noch genießbaren Lebensmitteln weg. Eine vierköpfige Familie kommt so im Jahr auf ganze 940€. Bei Hanno und mir wären es rechnerisch 470€ im Jahr. Das sind neun bis zehn Wocheneinkäufe für uns, denn wir geben jede Woche zwischen 40 und 50€ für frische Bio-Lebensmittel aus. (Dazu kommen einmal alle vier bis acht Wochen 80 bis 100€, die wir im Unverpackt-Laden für Trockenwaren ausgeben.)

Typische Gründe für Lebensmittelverschwendung sind
  1. Falsches Einkaufsverhalten und zu großer Kühlschrank. Ein voller Kühlschrank und gut gefüllte Küchenschränke sind Standard geworden. „Stauraum schaffen“ ist heute das A und O der Einrichtung. Und wenn wir Stauraum haben, tendieren wir dazu, ihn auch gut zu befüllen. Dass wir nie und nimmer diese Menge an Lebensmitteln aufbrauchen können, bevor sie schlecht werden, verlieren wir dabei schnell aus den Augen.
  2. Das Mindesthaltbarkeitsdatum. Das MHD ist wortwörtlich ein Mindesthaltbarkeitsdatum, d.h. die Lebensmittel sind mindestens bis zum angegebenen Datum haltbar. Danach verlieren sie zwar and Qualität (z.B. sind Cornflakes dann weniger knusprig), sind aber in der Regel noch eine Weile bedenkenlos genießbar. Achtung: Ausnahmen sind Fleisch-, Fisch- und Milchprodukte. Da ist es kein Mindesthaltbarkeits-, sondern ein Verbrauchsdatum. Gut, dass ich vegan lebe und mir darum keine Gedanken machen muss. 😉
  3. Mangelndes Wissen, wie man Lebensmittel am besten lagert. Wir kaufen auf einem Erzeugermarkt direkt vom Bauern ein, d.h. das Obst und Gemüse ist erntefrisch und hat keinen langen, anstrengenden Transportweg hinter sich, d.h. sie sind auch Zuhause noch länger haltbar. Es macht also Sinn, regional und saisonal einzukaufen. 😉
    • Salatköpfe und Sachen wie Mangold oder Grünkohl bleiben z.B. länger knackig, wenn man sie in ein feuchtes Geschirrtuch wickelt. Karrotten, Beete, Rüben, Spargel usw. kann man ebenfalls in ein feuchtes Tuch einschlagen.
    • Äpfel, Kartoffeln und Zwiebeln dunkel lagern, z.B. im Keller oder in einem angefeuchten Tontopf.
    • Brot in Stoffbeuteln oder Tüchern eingeschlagen in einem Brotkorb oder einfach einer großen Keksdose.
    •  Die Luft im oberste Fach im Kühlschrank ist häufig ziemlich trocken. Da lagern wir Pilze oder Chilli-Schoten auf flachen Tellern. So trocknen sie langsam aus, statt zu verfaulen. Und ausgetrocknet kann man sie immer noch essen.
    • Bananen gehören nicht in den Kühlschrank, Zitrusfrüche oder Tomaten nur, wenn sie sonst schlecht werden und man keine Zeit hat, sie direkt zu verarbeiten.
    • Einfrieren statt schlecht werden lassen: Wer z.B. das Brot nicht mehr schafft, kann den Rest in Scheiben geschnitten einfrieren. Beeren, Bananen, Nüsse und ganze Gerichte lassen sich so lange haltbar machen. Unter Umständen leidet die Qualität darunter (z.B. bei Brot), aber lieber so als wegwerfen, oder?
    • Öle und andere Dinge in dunklen Flaschen im Schrank lagern, wo wenig bis kein Licht dran kommt.
  4. Mangelndes Wissen, wie man angebrochene Lebensmittel nicht verunreinigt. Beim Frühstück mit dem benutzten Messer in die Marmelade, direkt aus der (großen) Flasche trinken oder Sachen anbeißen – all das beeinträchtigt die Haltbarkeit. Also lieber einen sauberen Löffel nur zum Entnehmen der Marmelade benutzen, sich das Getränk in ein Glas gießen und ein Stück abschneiden, statt abzubeißen und nicht aufzuessen.
  5. Mangelndes Wissen, was essbar ist. An diesem Punkt setzt das Video oben an. Ich weiß noch, wie schockiert ich war, als ich das erste Mal gesehen hatte, wie jemand den Strunk vom Brokkoli abmachte und in den Biomüll warf. Dunkel erinnerte ich mich auch, dass meine Mutter mir mal beim Kochen beigebracht hatte, die Stiele von Pilzen zu entfernen, wenn ich später für Gäste kochen sollte. Weil viele Leute denken, dass man sie nicht essen kann und die Gäste sollen sich ja wohlfühlen.
    Übrigens schälen wir Kartoffeln, Obst und Rübengemüse auch nicht mehr, seitdem wir nur noch Bio-Lebensmittel kaufen. Natürlich entfernen wir aber ungenießbare Stellen 😉.
    Im Video zeigen Jollia von Karma Bitez und ich, wie ihr aus vermeitlich ungenießbaren Gemüseteilen ein leckeres und einfaches Gericht zaubert.
  6. Verschwenderische Normalität. Ich kenne viele Leute, die ihren Teller aus Gewohnheit oder manchmal sogar aus Prinzip nicht aufessen. Die Reste werden dann direkt vom Teller in den Müll geschoben. Das ist heutzutage so normal, dass es kaum noch auffällt
    Wir versuchen, uns nur so viel aufzugeben, wie wir Hunger haben. Da auch lieber etwas weniger, denn nachnehmen kann man sich ja immer noch. Wenn doch etwas übrig bleiben sollte, kommt das in den Kühlschrank und wird bei der nächsten Mahlzeit als Vorspeise gegessen.
    Essensreste, die noch nicht mal auf dem Teller waren, heben wir selbstverständlich auch auf. Wenn wir die nächsten Tage weg sind, kommt das ins Tiefkühlfach und wir freuen uns, nach der Ankunft direkt schon fertiges Essen zu haben.
    Auch da habe ich schon häufiger leider mitbekommen, wie zubereitetes Essen direkt vom Topf oder der Salatschüssel in den Biomüll wanderte. Manchmal sogar unzubereitete Lebensmittel! Oftmals, weil keiner Lust haben werde, das noch zu essen oder man etwas anderes schon für die nächsten Tage zum Kochen geplant habe.
    Im Restauran nehmen wir Reste einfach mit nach Hause, das freut auch das Personal im Restaurant. Denn auch wenn sie es tagtäglich sehen – gerne werfen sie das Essen, in das sie so viel Arbeit gesteckt haben, nicht weg. Wir werden häufig gelobt, weil wir aufessen oder die Reste mitnehmen. 🙂

Zuhause keine Lebensmittel zu verschwenden hilft nicht nur dem Geldbeutel, sondern auch der Umwelt. Vielleicht ist es bei einem kleinen Budget dadurch immer noch nicht möglich, komplett auf Bio-Lebensmittel umzusteigen, aber zumindest kommt man dem Ziel etwas näher.

Ein kleiner Tipp am Rande: Das größte Einsparpotential liegt darin, den Konsum generell auf ein für sich und der Umwelt gesundes Maß zurückzuschrauben – ohne zu verzichten. Minimalismus ist das Stichwort. Sich auf das Wesentliche besinnen und den Rest, der gar keine Lebensqualität bringt, zu streichen. Für etwas mehr Leichtigkeit im Leben – und Bio-Lebensmittel im Kühlschrank 😉.

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Kategorie Food, Küche, Video

7 Kommentare

  1. Hallo Shia,
    hier auch ein Tip von mir, zum Thema altes Brot:
    nicht nur Weißbrot kann man toasten . Normales Brot, bei dem die Kruste nicht mehr so toll ist oder das Brot insgesamt schon trocken ist, kann man im Toaster nochmals aufwerten. So leicht angeröstet schmeckt es richtig lecker.
    Liebe Grüße
    Karin

  2. Was vergessen:
    Kartoffelschalen enthalten viel.Solanin, daher sollte man diese nicht täglich mitessen bzw bei kleinen Kindern abmachen.
    Essbar ist zB auch Radieschengrün. Zwiebelschalen und so ziemlich alle sonstigen Gemusereste kann man super zu einer Gemüsebrühe verarbeiten.

    LG

  3. Hallo Shia,

    Milchprodukte haben ein MHD, ausgenommen Frischmilch. Vielleicht kannst du den Eintrag entsprechend anpassen denn so liest es sich als müsste man Joghurt ab Datum wegwerfen 😉

    Was wir heute gelernt haben: Möhrengrün ist nicht nur essbar sondern ein super Suppengewürz!

    Gegen Verschwendung hilft uns seit Jahren ein Wochenplan, nach dem wir einkaufen. So stellen wir sicher dass Reste direkt verwendet werden können und können vieles vorkochen und sparen eine Menge Energie…dabei achten wir darauf dass zum Ende der Woche nur Gerichte auf dem Plan stehen für die die Zutaten nicht schnell verderben. So ist es auch nicht schlimm wenn wir spontan umplanen müssen.

    Danke für diesen wirklich sinnvollen Beitrag!

    LG
    Verena

    • Die Anmerkung zum MHD bei Milchprodukten wollte ich auch machen 😉 Auch hier gilt doch immer noch: Anschauen, Reinschnuppern und vorsichtig probieren.

  4. Hallo,

    kannst du vielleicht mal einen Blogbeitrag machen, in dem Du Tipps gibst, wie man eigebtliche „Abfälle“ verarbeiten kann? Eine koreanische Freundin hat mir gezeigt, wie man aus WassermelonenSCHALEN super leckeres Kimchi macht, angeblich kann man Bananenschalen essen (weiß nur nicht, wie?) usw? Das wäre suuper!

  5. Hallo Shia, auch bei Milchprodukten gucke ich nur mit einem Auge nach dem Datum. Bei fermentierten Produkten wie Joghurt, Quark oder Käse ist es oft überhaupt kein Problem, sie weit jenseits des angegebenen Datums zu verbrauchen. Ich beobachte genau, ob Schimmelbildung sichtbar wird. Erst dann würde ich das Lebensmittel entsorgen (was aber in der Regel nicht passiert). Ich kaufe regelmäßig Produkte, deren Haltbarkeitsdatum identisch ist mit dem Kaufdatum. Dafür bekomme ich dann 50% Rabatt. Das lohnt sich dann für alle. Herzliche Grüße

  6. Danke mal wieder, liebe Shia!

    Ich habe mich bisher nicht getraut, Möhren nicht zu schälen. Selbst bei Bio denke ich immer: wer weiß, was da dran ist/war.

    Kleiner Hinweis: das Satzende bei Punkt 5 ist irgendwo verloren gegangen (falls du es nicht schon gesehen hast und nicht ändern kannst).

    Liebe Grüße
    Anna aka knusperflock

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