Die ökologischen Kosten einer Hochzeit

Jeden Sonntag gibt es um 15:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das weltoffene Radioprogramm vom WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg (RBB).

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Brandenburg auf 96,3 MHz.

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Im Frühjahr gehen die Hochzeiten wieder los. Vielleicht plant ihr schon mit eurem Liebsten oder eurer Liebsten den schönsten und hoffentlich nicht stressigsten Tag eures Lebens. Aber Achtung: Dieser Tag kostet nicht nur eine Menge Moneten, sondern ist oft alles andere als nachhaltig. Verheiratet ist auch übrigens unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin, Shia Su.

Shia, deine Hochzeit war bestimmt mega nachhaltig!

Ja, früher waren mein Partner Hanno und ich noch nicht so krass nachhaltig drauf wie heute. Unsere Hochzeit war eher zufällig fast zero waste und super minimalistisch. Das lag einfach daran, dass wir wussten, dass wir keinen Bock auf einen stressigen Tag hatten. Wir wollten nix, was uns von dem ablenkt, was uns wirklich wichtig war: Das waren nämlich Familie, Freunde und Spaß! Wir hatten uns also entschieden, Blumen – bis auf den Brautstrauß – und Deko-Gedöns ganz sein zu lassen. Auf so was stehen wir nämlich sowieso mal so gar nicht. Wir haben einfach unser damaliges Lieblingscafé gebucht und ein ganz schlichtes Büffet mit nur einer Hauptspeise und ein paar wenigen Beilagen gemacht. Sonst gibt’s danach immer so viel Lebensmittel, die weggeworfen werden. Teile meines Outfits für den Tag hatte ich mir sogar von einer Freundin geliehen, ja! Vollkommen unbewusst haben wir so fast alle großen Umweltsünden umschifft! Leider aber nur fast.

Welche Umweltsünde habt ihr denn nicht umschifft? Was sind so die Fallstricke?

Fallstrick Nummer eins – die Ringe! Da wünschte ich mir im Nachhinein, dass ich damals da schon besser aufgeklärt war. Es ist nämlich ganz schön heftig: Ein Ehering produziert 20 Tonnen Giftmüll. 20 Tonnen!! Goldförderung ist ein verdammt dreckiges und blutiges Geschäft – Diamanten auch… Also lieber mal gucken, ob man Vintage-Ringe bekommen kann. Man kann übrigens auch Schmuck umarbeiten lassen. Also alten Schmuck kaufen und den beim Goldschmied zu Ringen machen lassen.

Was ist die zweite große Umweltsünde?

Nummer zwei sind meiner Meinung nach die Blumen! Ja, auch wieder für uns eigentlich schöne Dinge, die aber oft einen dreckigen und unsozialen Hintergrund beim Anbau haben können. Viele Blumen sind so krass gespritzt, dass es schon gesundheitsgefährdend ist! Außerdem sind Blumen oft importiert, was bedeutet, dass sie gekühlt eingeflogen sind. Schließlich sollen sie ja schön frisch sein. Aber das könnt ihr ganz easy lösen, indem ihr nach regionalen und saisonalen Blumen fragt. Und muss ja auch nicht alles in Blumen ersticken. Etwas weniger sieht auch toll aus und der Geldbeutel kann sich auch daran erfreuen.

Worauf sollte man noch achten?

Je nach Länge der Gästeliste ist das Essen der Fallstrick Nr. 3. Bei Hochzeiten wird oft viel Essen verschwendet. Vielleicht kennt ihr ja Foodsharing? Die gibt es eigentlich überall in Deutschland und es gibt dazu auch örtliche Facebook-Gruppen. Ihr könnt dort einfach einen Post machen, von wegen: “Wir feiern unsere Hochzeit. Die Reste vom Festessen können dann-und-dann (also z.B. am nächsten Morgen) dort-und-dort abgeholt werden. Bitte bringt eure eigenen Dosen mit!“

Was ist mit den Hochzeitsklamotten?

Gerade Brautkleider kosten ja ein Vermögen und werden auch nur ein einziges Mal getragen. Die kann man auch mieten oder gebraucht kaufen. Ich hatte mir mein unkonventionelles lila Mini-Kleid im 60er-Jahre-Stil selber genäht – zugegeben mehr schlecht als recht, aber gut. Und Hanno, mein Mann, hatte einen schlichten schwarzen Anzug, den er für alle möglichen anderen Gelegenheiten wieder tragen konnte.

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Kategorie COSMO, Feiern & Schenken

9 Kommentare

  1. Die Blumenkinder haben Wiesenblumen gestreut, die Tischdeko haben wir komplett wiederverwenden können, die Blumen waren alle noch am Leben (kleine Orchideentöpfe) und jeder konnte sich eine mitnehmen. Der Rest steht jetzt bei meinen Eltern im Fenster. Sieht wunderschön aus!
    Die Deko in der Kirche konnte am nächsten Tag für eine Konfirmation noch mal genutzt werden, das Essen haben wir am nächsten Tag an Helfer und Familie verteilt und teilweise eingefroren (vor allem Kuchen!), vieles unserer Deko haben wir verkauft und vieles einfach in unserer Wohnung als Erinnerung stehen, das Kleid habe ich noch mal für ein shooting angezogen und werde ich auch weiterhin zu Hause immer mal anziehen. Ist ja auch sexy. 😉

    Einfach alles wiederverwenden oder verkaufen statt wegwerfen, dann ist auch ne Hochzeit nachhaltig..

  2. Liebe Shia,
    ich bin definitiv noch nicht im Alter zum Heiraten, aber deine Tipps werde ich mir merken. Außer bei dem Hochzeitskleid muss ich passen – das ist einfach ein kleiner Traum von mir!
    rahellyelli

  3. Moin moin,
    neulich bin ich an einem Schaufenster stehen geblieben, in dem ein altes Brautkleid und viele alte Hochzeitsfotos ausgestellt waren. Es war mit so viel Liebe dekoriert. Also bin ich rein gegangen und habe mich informiert: die Aktion bot, in unterschiedlichen Größen die unterschiedlichsten Brautkleider, die von Privatleuten aufgekauft waren. Die Kleider waren gereinigt (bestimmt auch ausgebessert) und nach Größe sortiert.
    Ich kann mir vorstellen (nachgegangen bin ich dem nicht, da ich schon verheiratet bin), dass es so etwas im Internet oder in größeren Städten öfter gibt.

    An alle Zero-Waste-Bräute:
    Lasst euch nicht unterkriegen und vor Allem nicht reinreden:
    Das wird euer Tag!

    Liebe Grüße Angela

  4. Schöner Bericht! Über die Ökologie unserer Hochzeit haben wir gar nicht wirklich nachgedacht, aber im Großen und Ganzen haben wir es wohl gut hinbekommen.
    Die Ringe sind aus Edelstahl, das Menü vegetarisch, die Cupcakes vegan und mein Brautkleid zwar nicht Second Hand (auch wenn ich sehr lange nach einem gesucht habe), aber zweiteilig und rot, so dass ich das Oberteil mit einer schicken Hose auch zu anderen festlichen Anlässen tragen kann. Blumen gab’s nur für mich (ein schmaler Strauß simplerer Rosen) und ein bisschen Deko auf dem Tisch.
    Und jetzt bin ich auch nicht mehr so enttäuscht davon, dass mein Mann in seinem alten „Ziehe ich immer bei Bewerbungsgesprächen an“-Anzug geheiratet hat ^^;

  5. Ich habe Anfang August geheiratet und mein Brautstrauß und die Tischdeko wurden aus Wiesenblumen gebunden. Da ich kein Farbkonzept hatte ging das ganz wunderbar und ich hatte dann einen wunderschönen bunten Sommerstrauß. Mein Mann hat sich auch keinen neuen Anzug gekauft, sondern den getragen den er sowieso im Schrank hatte.
    LG Verena

  6. Traditionelle Hochzeiten sind echt krass – bei uns haben wir eher zufällig einiges vermieden. Wir haben Kleidung, die wir für schickere Sachen immer wieder tragen können, keine traditionellen Ringe (es gab leider kein Altgold in der Familie) und unser Mitternachtssnack waren die wieder aufbereiteten Buffetspeisen, die die Küche wieder auftischen mochte. Wasser gab es in Karaffen auf den Tischen, Kerzen in Weck-Gläsern, die ich sowieso brauchte, und mein Brautstrauß haben wir auf den JGA gebastelt und er enthält liebe Wünsche meiner Freundinnen, die ich den ganzen Hochzeitstag bei mir hatte und der jetzt als netter Strauß bei uns in der Wohnung steht. Einiges kann man echt leicht vermeiden und dadurch ganz besondere Erinnerungen erschaffen. Eine Freundin von uns heiratet dieses Jahr und die konnte sich das Kleid tatsächlich leihen – Fragen kann sich immer lohnen 🙂

  7. Hey 🙂
    Habe letztes Jahr geheiratet und hatte den Plan ein Hochzeitskleid zu leihen. Leider machen das kaum noch Geschäfte. Der Grund liegt beim Material der Kleider. Früher war es ein fester Stoff, den man gut und sehr öft ändern konnte. Heute sind ja viele Kleider luftig und leicht und mit vielen Tüllschichten und Spitze. Das macht die Kleider nicht mehr so anpassungsfähig. Daher wird ein Kleid leihen extrem schwer oder extrem teuer. Es war für mich einfacher und günstiger ein eigenes zu kaufen.

    Lg Jenny

  8. Wir heiraten in drei Wochen und veranstalten eine etwas größere Feier. Es ist echt schon echt schwierig alles -und vor allem die Verwandtschaft – generell im Rahmen zu halten. Wir sind nämlich beide die ältesten Kinder und unsere Eltern, Omas und Tanten rasten völlig aus. Es ist wahnsinn, was sich zu Hause schon alles so angesammelt hat. Einiges an Deko haben wir selbst gebastelt (Teelichthalter aus Aufstrichgläsern, die sowieso angefallen sind und Filmstreifen vom Flohmarkt), aber auch ein paar Sachen über Kleinanzeigen erstanden, zb zwei hübsche große Weidenkörbe. Für den „Sektempfang“ haben wir von einem Eventausstatter Trinkbecher gemietet (wie auf Festivals), die von der Firma wieder gespült und weiter vermietet werden, zum Kaffee gibt es selbstgebackenen Kuchen von der Verwandtschaft und das Abendessen wird hauptsächlich aus saisonalen (und relativ regionalen) Gerichten bestehen -schmeckt uns eh am besten. 😉
    Das mit den Ringen finde ich tatsächlich auch ziemlich gruselig und wünschte, wir hätten da eine andere Lösung finden können, vermutlich haben wir einfach nicht intensiv genug recherchiert.
    Bei der Kleidung hat sich mein zukünftiger auch für einen gutsitzenden schwarzen Anzug entschieden und ich habe (für Kirche und Feier) ein Brautkleid -leider nichts faires (außer, dass ich mit dem Kauf eine Unternehmerin in einer strukturschwachen gegend unterstützt habe…), aber wenn wir irgendwann mal Kinder haben sollten, nähe ich daraus ein Taufkleid (aber vielleicht verkaufe ich es auch einfach, wobei das sicher nicht ganz einfach wird, da ich recht klein bin).

    Und vom Junggesellenabschied wollen wir gar nicht erst anfangen. Während meiner einfach nur ein entspannter Kneipenabend mit meinen Freunden, ohne peinliches und überflüssiges Gedöns war, haben seine Jungs unsere gesamte Wohnung mit Konfetti und Luftschlangen und sowas zugemüllt.

    Aber ich hoffe, das wars jetzt mit ökologischen Fallstricken…

    Lg Juliane

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