Zero Waste Verhütung???

Wie gut kennst du dich mit Verhütung aus?

Über Sex 👉👌, Verhütung 🚫👶 und Menstruation 👹🍓🍅 wird nach wie vor eher hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Wieso eigentlich? Die Hälfte der Menschheit menstruiert, wir alle haben Sex und trotzdem sind wir übrigens nur recht oberflächlich über Verhütung informiert!

Woran man das merkt? Daran, dass nach wie vor die Pille und Kondome als Verhütungsmittel die Statistik mit Abstand anführen (Statistik von 2011 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Kondome machen ja noch Sinn, schließlich sind Kondome das Einzige, was auch gegen STI (sexuell übertragbaren Infektionen) hilft, wobei Kondome meiner Ansicht nach als Schutz vor Schwangerschaft eher als unzureichend einzustufen sind. Und die Pille ist wiederum, was hormonelle Verhütung angeht, meiner Meinung nach wirklich die schlechteste Option – vom ganzen Müll, der durch die individuelle Verpackung zusammen kommt, ganz abgesehen.

Warum Verhütung an sich schon eine „grüne Sache“ ist

Jeder Mensch verbraucht eine Menge Ressourcen. Das ist einfach so und gar nicht böse gemeint. Die Möglichkeit, Schwangerschaften zu planen anstatt sie – uuuups – passieren zu lassen, wirkt tatsächlich einem globalen Bevölkerungswachstum entgegen. Das wollte ich mal als provokanten Denkansatz in den Raum werfen und das Fass einfach mal für einen Meinungsaustausch aufmachen 😉. Teilt mir doch einen Kommentar unten mit, was ihr davon haltet!


Kondome und Pille – die beliebtesten, aber nicht die effektivsten Methoden, um Schwangerschaften zu verhindern

53% der Frauen verhüten nach Zahlen von 2011 mit der Pille, Kondome kommen bei 37% der sexuell aktiven Männer und Frauen zwischen 18 und 49 zum Einsatz. Beide Verhütungsmittel sind leider nicht die sichersten, wenn es um die Schwangerschaftsverhinderung geht. Dies wird im sogenannten Pearl Index statistisch gemessen, der besagt, wie viele von 100 Frauen bei einer einjährigen Verwendung der Verhütungsmethode schwanger werden.

Ich würde übrigens jedem empfehlen, Kondome NICHT als einziges Empfängisverhütungsmittel zu verwenden, sondern als definitiv wichtige, aber ZUSÄTZLICHE Maßnahme zur Verhinderung von STI!

Kondome kommen auf einen Pearl Index von 2 bis 14, während die Pille bei korrekter Anwendung auf 0,1 bis 0,9 kommt. Bei typischer Anwendung beträgt der Wert allerdings schon 1-12, denn leider ist die Pille nicht sonderlich anwenderfreundlich. Wer einen unregelmäßigen Tagesablauf hat (z.B. durch Schichtdienst) hat schlechtere Chancen, weil dies die innere Uhr durcheinander bringt und die Pille aus gutem Grund immer täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden soll. Was ebenfalls einen direkten Einfluss haben kann ist Party machen am Wochenende, Krankheiten und natürlich so was wie Durchfall. Oh, und einmal die Pille vergessen und der Verhütungsschutz ist für den Rest des Zyklus hin.

Außerdem wird die Thrombosegefahr der Pille unterschätzt. Thrombose sind Blutgerinsel, die sich in Blutgefäßen bilden. Wenn diese Blutgerinsel wandern und Gefäße verstopfen und somit die Blutzufuhr z.B. zu Organen abklemmen, spricht man von einer Embolie. Die Thrombosegefahr ist sogar noch höher, wenn man entweder raucht oder über 35 Jahre alt ist. Wenn beides zusammen kommt, sollte man definitiv zu einer anderen Verhütungsmethode greifen.

Das klingt jetzt so abstrakt, aber es passiert wirklich. Eine sehr sportliche Freundin von mir hatte sich ihren Fuß verletzt, sodass er für einige Woche nicht belastet werden durfte. Eigentlich kein großes Problem, denn sie hat dennoch auf genug fußschonende Bewegung geachtet. Nur dass sich diese besagten Blutgerinsel gebildet hatten, die mit der Zeit bis in ihre Lungengefäße gespült wurden, sodass ihre Lunge nicht mehr ausreichend versorgt werden konnte. Sie hatte viele Ärzte wegen Atemnot abgeklappert, aber keiner kam bei einer topfitten 28-jähren Nichtraucherin ohne derartige Veranlagung darauf, dass es eine sogenannte Lungenembolie sein könnte. Eines morgens bekam sie gar keine Luft mehr und wurde nach mehreren Minuten endlich wiederbelebt. Heute, über 8 Jahre später, ist und wird sie auch körperlich und geistig schwerbehindert bleiben. Verhütet hatte sie natürlich mit der Pille. Das ist keine dieser „die beste Freundin meines Onkels dritten Grades hat eine Arbeitskollegin, die kennt jemanden, der…“ Geschichten. Ich war damals als letzte Person in der Nacht zuvor bei ihr und habe seitdem auch mehrere Male schon ihre Erwachsenenwindeln gewechselt.

Naja, weitere Risiken sind Schlaganfälle, Herzinfarkte, hoher Blutdruck und ein erhöhtes Brustkrebsrisiko, vor allem, wenn frau über 35 Jahre alt ist.

Das alles plus die Tatsache, dass es inzwischen so viele viel bessere Alternativen zur Verhütung mit der Pille gibt, sollten Grund genug sein, nicht zur Pille zu greifen. Dass die Pille auch noch am meisten Müll verursacht, macht sie irgendwie auch nicht mehr besser.

Gibt es eine Zero Waste Alternative zu Kondomen?

Es tut mir leid, aber nein. Kondome sind einfach das einzige, das die Übertragung von STI verhindert. Man sollte auf keinen Fall auf Kondome verzichten bei

  • einem One-Night-Stand
  • wechselnden Partnern
  • in einer (frischen) Beziehung, wo beide sich noch nicht haben testen lassen
Liebesleben Kampagne

Kampagne „Liebesleben“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Lasst euch einfach beim Hausarzt testen, bevor ihr das Kondom weglasst! Glaubt’s mir, das ist echt keine große Sache. Mein damals Freund (jetzt Mann) und ich haben es auch getan, bevor wir auf Kondome verzichteten. Wir waren jung (20 und 21) und dachten, dass wir vielleicht beim Arzt komisch angeguckt werden würden. Ganz im Gegenteil: Mein Hausarzt war geradezu begeistert, als wir da zu zweit aufschlugen 😄. Ich bin mir sicher, dass die meisten Ärzte sich darüber freuen. Es gibt wirklich gar keinen Grund, sich für so was zu schämen!

Es wird wahrscheinlich niemals eine Zero Waste Alternative zu Kondomen geben, aber nur, weil es Situationen gibt, in denen man auf jeden Fall Kondome benutzen sollte, heißt es ja nicht, dass man nicht zu einer nachhaltigeren Option greifen kann!

Einhorn-Kondome zum Beispiel sind vegan, fair und nachhaltig produziert und sie verwenden keine chemischen Zusatzstoffe.

Ist „Coitus Interruptus“ nicht eine Verhütungsmethode, die Zero Waste ist?

Äh, ja, wenn es nach mir ginge würde man den „Coitus Interruptus“ gar nicht erst zu den Verhütungsmethoden zählen…! Der Pear Index liegt übrigens bei 4-18.

Gibt es denn umweltfreundlichere und vielleicht sogar weniger körperbelastende Alternativen zur Pille?

Ja, sehr viele sogar. Keine der hormonellen Verhütungsmethoden wird komplett ohne Müll auskommen, aber keine verursacht so viel Müll und belastet den Körper so sehr wie die Pille. Meines Erachtens bleibt es bei der heutigen Auswahl von Verhütungsmethoden wirklich nur ein Argument für die Pille, nämlich zur Bekämpfung von Akne. Davon abgesehen ist die Pille weder anwender- noch körper- noch umweltfreundlich.

Warnung

Bitte bedenke, dass auch andere hormonelle Verhütungsmethoden, die wie die Pille Östrogen und Gestagen kombinieren, auch ähnliche Risiken haben. Bei Verhütungsmitteln nur mit Gestagen bleibt das erhöhte Brustkrebsrisiko übrigens bestehen, auch wenn andere Risiken wegfallen.

Sowieso sollte man sich bei der Frauenärztin/*/dem Frauenarzt des Vertrauens ausgiebig informieren. Wenn die Ärztin/*/der Arzt sich nicht die Zeit nimmt, alles geduldig zu erklären, sollte man, wie ich finde, den Arzt wechseln… 

Der Verhütungsring/ Vaginalring – Östrogen + Gestagen, Schutz für jeweils 1 Monat, Pearl Index 0,25 – 1,18

Der Verhütungsring ist ein Kunststoffring, der in die Vagina eingeführt wird, wo er 21 Tage lang bleibt. In der anschließenden 7-tägigen Pause setzt durch das Ausbleiben der Hormone die Menstruationsblutung ein. Er enthält wie die Pille Östrogen und Gestagen und unterdrückt so den Eisprung. Im Gegensatz zur Pille sind Anwederfehler aber stark reduziert. Der Verhütungsring hat einen Pearl Index von 0,25-1,18.

Würde ich den Ring benutzen? Hm, nein, da er hormonell gesehen sich kaum zur Pille nimmt. Die Hormone werden zwar nicht durch den Verdauungstrackt, sondern über die Vaginalschleimhaut aufgenommen, aber gehen doch durch den Blutkreislauf auf den ganzen Körper über.

Alles in allem denke ich, dass der Verhütungsring zumindest eine Verbesserung im Vergleich zur Pille darstellt, wobei es trotzdem auch noch bessere hormonelle Alternativen gibt.

Müll-Aspekt

Ich bin mir nicht sicher, ob der Ring weniger Müll als die Pille verursacht, da es einige Jahre her ist, dass ich die Verpackung gesehen habe. Ich vermute es.

Die Dreimonatsspritze – nur Gestagen, 3 monatiger Verhütungsschutz, Pearl Index 0,3 – 0,8

Die Dreimonatsspritze enthält nur Gestagen, unterdrückt aber wie die Pille und der Verhütungsring den Eisprung. Kein Östrogen bedeutet meistens, dass es kein erhöhtes Risiko für Thrombose, Schlaganfälle oder Herzinfarkte gibt. Allerdings scheint nach dieser Studie die Dreimonatsspritze die Ausnahme zu sein…

Andere Nebenwirkungen können migräneartige Kopfschmerzen, ein erhöhtes Risiko für Osteoporose, unregelmäßige und geringere Menstruationsblutungen und das komplette Ausbleiben der Menstruation nach einem Jahr sein, was meistens eher als angenehm empfunden wird. Auch das erhöhte Brustkrebsrisiko bleibt wie bei allen hormonellen Verhütungsmittel bestehen.

Die Spritze wird in der Regel zwischen dem ersten und fünften Tag des Zyklus gesetzt und wirkt dann sofort. An anderen Tagen des Zyklus kann es bis zu einer Woche dauern, bis der Verhütungsschutz einsetzt. Auch dies ist meiner Meinung nach eine bessere Verhütungsmethode im Vergleich zur Pille, da sie Anwenderfehler komplett ausschließt.

Müll-Aspekt

Jedes Mal, wenn die Spritze gesetzt wird, wird der Arzt oder der Arzthelfer höchstwahrscheinlich aus hygienischen Gründen Einweghandschuhe tragen. Außerdem fallen die Spritze und das Fläschchen an. Fällt weniger an als bei der Pille? Hm, ja, wahrscheinlich, aber nicht so viel weniger.

Verhütungsstäbchen – nur Gestagen, 3 Jahre Verhütungsschutz, Pearl Index 0,1

So, jetzt kommen wir nun endlich zu den Langzeitverhütungsmitteln. Langzeitverhütungsmittel sind durch die Bank weg sicherer und generieren sehr wenig Müll, weil sie nur einmal alle 3 bis 12 Jahre eingesetzt/entfernt werden müssen.

Das Verhütungsstäbchen ist ein biegsames Kunststoffstäbchen so groß wie ein Streichholz, das unter die Haut am Oberarm gesetzt wird. Nebenwirkungen sind unregelmäßige Menstruations-, Zwischen- und Schmierblutungen und häufig das Ausbleiben der Menstruationsblutung nach einiger Zeit. Es kann außerdem einen Einfluss auf andere Medikamente haben, zur Gewichtszunahme führen oder verrutschen.

Obwohl es nicht mit einem erhöhten Risiko für Thrombose in Zusammenhang gebracht wird, empfehlen die Hersteller dennoch, dass Frauen mit einer Vorgeschichte oder Veranlagung zur Thrombose das Verhütungsstäbchen nicht verwenden sollten.

Müll-Aspekt

Ich kenne die Verpackung nicht, aber da das Stäbchen ganze drei Jahre lang im Einsatz bleibt wird es dennoch nicht sehr viel Müll produzieren. Das Stäbchen kann und sollte nur von einer Ärztin/*/einem Arzt eingesetzt werden, d.h. da werden auf jeden Fall Einweghandschuhe anfallen.

Man benötigt in der Regel kaum noch Artikel für die Monatshygiene, was wiederum viel Müll spart.

Hormonspirale – nur Gestagen, 3 oder 5 Jahre Verhütungsschutz, Pear Index 0,1 – 0,7

So, das ist jetzt das, was ich seit inzwischen 12 Jahren habe. Japp, ich bin inzwischen schon bei meiner dritten Hormonspirale. Nicht, dass ich auf Hormone stehen würde, das Gegenteil ist der Fall! Die Hormonspirale war nur damals die Verhütungsmethode, die am sinnvollsten für mich war. Vor 12 Jahren war es schon revolutionär, dass auch Frauen, die noch keine Schwangerschaft hinter sich hatten, Spiralen eingesetzt werden konnten.

Nach 10 Jahren Hormonspirale (und einigen Jahren Pille vorher) saßen wir bei meinem Frauenarzt und mussten uns erklären lassen, dass nach so langer Zeit der hormonellen Verhütung der Wechsel auf die Kupferspirale oder Kupferkette ein ganz schöner Schock für das System sein kann.

Die Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingesetzt und kann da entweder drei oder fünf Jahre bleiben. Die 3-jährige Hormonspirale wird vor allem Teenagers als Alternative zur Pille empfohlen, weil

  • Anwenderfehler komplett ausgeschlossen werden.
  • Unregelmäßige Tagesabläufe und auch Party machen die Wirkung nicht beeinträchtigen.
  • Bei der Hormonspirale am wenigsten Hormone in den Blutkreislauf und somit auf den gesamten Körper gehen, was natürlich gerade bei Mädchen im Wachstum natürlich wichtig ist.

Das waren übrigens auch die Gründe, weswegen ich sie mir damals vor 12 Jahren hab einsetzen lassen. Da ich mir sicher war, in den kommenden fünf Jahren auf gar keinen Fall schwanger werden zu wollen, hatte ich mich direkt für die fünfjährige Hormonspirale (Mirena) entschieden, denn jeder Einsatz/jede Entfernung ist auch eine schmerzhafte Sache.

Ich hatte die ersten zwei Wochen nach dem ersten Einsetzen ganz schlimme Krämpfe, was aber wohl ein Sonderfall war. Die Krämpfe kommen davon, dass die Gebärmutter den Fremdkörper abstoßen will. Ich kenne andere Mädels mit Hormonspiralen, bei denen die Schmerzen nur wenige Tage andauerten, was auch mein Frauenarzt damals als Normalfall beschrieben hatte. Bei den weiteren zwei Hormonspiralen gab außer dem Schmerz beim Wechsel an sich dann gar keine Probleme, weil mein Körper sich ja schon dran gewöhnt hatte.

Wie komme ich also damit klar? Eigentlich ganz gut. Ich habe meinen Tagen keine einzige Träne nachgeweint. Da man im Gegensatz zur Pille aber noch einen echten Zyklus hat*, hab ich aber manchmal doch noch die typischen Symptome – Pickel, ganz leichte Krämpfe (eher ein stärkeres Ziehen als Krämpfe), empfindliche und geschwollene Brüste und ganz selten leichte Schmierblutungen.

*Die Pille gaukelt dem Körper vor, schwanger zu sein, weswegen der Eisprung unterdrückt wird. Der Körper wird auf einen künstlichen Zyklus inklusive Blutung gesetzt. Bei der Hormonspirale ist es umgekehrt. Der Körper hat noch seinen natürlichen Zyklus, aber die Blutung bleibt aus oder ist ganz stark vermindert, weil die Hormone verhindern, dass sich die Gebärmutterschleimhaut aufbaut. Die muss dann dementsprechend auch nicht mit Blut abgespült werden, weswegen die Blutung trotz Zyklus ausbleibt.

Der Einsatz und auch das Wechseln der Spirale ist eine kurze (vielleicht 1-2 Minuten), aber sehr schmerzhafte Angelegenheit. Man kann das unter Vollnarkose machen, aber eine Vollnarkose birgt so ihre nicht zu unterschätzenden Risiken und sollte wirklich nur zum Einsatz kommen, wenn sie sich nicht vermeiden lässt.

Müll-Aspekt

Meine Hormonspirale kam in einer lächerlich großen Box, vor allem, wenn man bedenkt, wie winzig das Ding ist! Naja, am Ende ist es eine Menge, die wir wahrscheinlich trotzdem in unser Müllglas noch reingestopft bekämen. Beim Einsatz trägt die Ärztin/*/der Arzt natürlich Einweghandschuhe, und damit hat es sich schon mit dem ganzen Müll.

Es fallen auch alle anderen für die Monatshygiene nötigen Artikel weg, was nicht nur Geld, sondern ebenfalls eine ganze Menge Müll spart. Ich habe noch 2 Slipeinlagen aus Stoff in Benutzung, die ich aber vielleicht nur alle 3-4 Monate einmal herauskramen muss.

OK, aber was ist nun, wenn ich keinen Bock (mehr) auf diese blöden Hormone habe??

Es gibt auch Verhütungsmethoden ohne Hormone, allerdings haben sie leider dafür andere Nachteile… Japp, man kommt vom Regen in die Traufe…

Die Pille oder Spritze für den Mann??

An dieser Stelle möchte ich euch gerne auf diesen Artikel von Deutschlandradio Kultur hinweisen: „Warum die Pille für den Mann nicht kommt“ – obwohl es bereits machbar und ziemlich sicher wäre. Denn sie würde nicht auf eine so große gesellschaftliche Akzeptanz stoßen, wegen der Nebenwirkung und der sensiblen Psyche der Männer, die dann Angst vor einer Spritze als Darreichungsform oder der Impotenz hätten. Und wozu auch, wo Frauen doch bereits aus Ermangelung an Alternativen ihre Körper dafür aufopfern? So stellt die männerdominierte Pharmaindustrie natürlich die Forschung ein.

Kupferspirale (Pearl Index 0,9 – 3) oder Kupferkette (Pearl Index 0,1 – 0,5) – hormonfrei, Verhütungsschutz bis zu 5 Jahre

Früher war die Kupferspirale nur eine Option für Frauen, die bereits eine Schwangerschaft hinter sich hatten. Das ist heute nicht mehr so. Zusätzlich gibt es nun die Kupferkette (GyneFix), die gerade auch jungen Frauen als Alternative empfohlen wird.

Das genaue Wirkprinzip – tja, das weiß man leider nicht so genau. Außerdem können mit der Kupferspirale heftigere Monatsblutungen auftreten und damit verbunden auch schmerzhaftere Regelschmerzen. Ich sagte ja, man kommt von der Regen in die Traufe, wenn man auf Hormone verzichten möchte.

Müll-Aspekt

Ähnlich wie bei der Hormonspirale kann die Kupferspirale nur von einer Ärztin/*/einem Arzt eingesetzt werden. Es fallen einmalig die Verpackung der Spirale und Einweghandschuhe an.

Sterilisation – hormonfrei, Verhütungsschutz für das restliche Leben

Wer sich sicher ist, keine Kinder (mehr) haben zu wollen, kann sich überlegen, sich sterilisieren zu lassen.

Vasektomie, die männliche Sterilisation, bei der die Samenleiter durchtrennt werden, ist ein sehr einfacher Eingriff mit lokaler Betäubung, die nach 30 Minuten schon abgehakt und in wenigen Tagen komplett abgeheilt ist. Kosten: um die 340 €.

Die Sterilisation der Frau hingegen ist eine größere Operation unter Vollnarkose, da man, um an die beiden Eierleiter dran zu kommen, durch die Bauchdecke muss. Die Wundheilung dauert 2 Wochen und das Ganze kostet in der Regel zwischen 1000 und 1500 €.

Dies ist ein Ausschnitt aus der amerikanischen Sendung The Doctors, die die Unterschiede sehr gut erklärt (auf Englisch allerdings).

Die Vasektomie ist die einzige männliche Verhütungsmethode. Wenn die Entscheidung fällt, dass keine Kinder (mehr) gewollt sind, finde ich, dass in dem Fall dann der Mann den Beitrag leisten sollte, einfach, weil die Sterilisation der Frau ein ernsthafter Eingriff ist, während die des Mannes vollkommen unproblematisch ist. Wenn man dann noch überlegt, dass wahrscheinlich die ganzen Jahre vorher die Frau ihren Körper der Verhütung wegen belasten musste, dann finde ich ist es das Mindeste, was man(n) dann als Zeichen der Wertschätzung machen kann.

Müll-Aspekt

Die Sterilisation ist ein einmaliger Eingriff. Was dabei an Müll entsteht, kann ich leider nicht beurteilen. Aber dieser Müll fällt natürlich nur einmalig an.

Natürliche Familienplanung/natürliche Empfängnisregelung – hormonfrei, Pearl Index zwischen 0,26 und 40

Es gibt mehrere natürliche Methoden mit sehr sehr unterschiedlicher Effektivität. Die Idee der Natürlichen Familienplanung (NFP) ist, dass der weibliche Zyklus sich in zwei Phasen einteilen lässt: Vor und nach dem Eisprung. Anhand von Körpersymptomen kann man erkennen, in welcher Phase des Zyklus der Körper sich gerade befindet. Das kann die Körpertemperatur sein, die Öffnung, Konsistenz und Stellung des Gebärmuttermundes und auch die Konsistenz des Zervixschleimes (= des Schleimes am Gebärmuttermund). Mit Hilfe dieser Daten kann man dann die fruchtbaren Tage auswerten und an diesen Tagen dann entweder Abstinenz praktizieren oder mit Barrieremethoden wie Kondomen, Diaphragma u.Ä. verhüten.

NFP ist eine „symptothermale Methode“ und gilt als eine sichere Verhütungsmethode, da sie mehrere Symptome kombiniert (Zervixschleim, Körpertemperatur und manchmal zusätzlich den Gebärmuttermund). Nachteile sind allerdings:

  1. Dass viel Disziplin erforderlich ist, weil man täglich die Daten sammeln und eintragen muss.
  2. Man sollte einen eher regelmäßigen Zyklus haben!! Update 28.08.16: Soll auch so gehen
  3. Man sollte einen regelmäßigen Tagesablauf haben, d.h. diese Methode ist nichts für z.B. Menschen im Schichtdienst, frischgebackene Eltern mit unberechenbaren Schlafzeiten oder Studenten, die viel Party machen. Update 28.08.16: Ist von der jeweiligen Person abhängig, kann also klappen, wäre also zumindest einen Versuch wert 😊
  4. Krankheiten, Alkoholkonsum oder andere Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf können die Ergebnisse beeinträchtigen. Update 28.08.16: Mit mehr Erfahrung lernt man, wie sich so was auf den eigenen Körper auswirkt und wie man das zu interpretieren hat.
  5. Man muss erst einige Monate Daten sammeln und auswerten (lernen), bevor man sich darauf verlassen kann.

Und das waren die Gründe, warum das leider für mich nicht in Frage kam (ich habe es fairerweise knapp 3 Monate versucht):

  1. Disziplin ist nicht meine große Stärke. Ich habe früher andauernd die Pille vergessen und vergesse auch heute noch andauernd mein Vitamin B12, obwohl ich mir natürlich immer anders vornehme (ja, ich gehöre auch zu den Menschen, die häufiger ihren Schlüssel, Geldbeutel und Handy vergessen) 🙈
  2. Es ist nicht absehbar, wie der Zyklus nach dem Absetzen der Hormone nach 12 Jahren reagiert, nach meinem Frauenarzt kann das auch ein Jahr lang komplettes Chaos sein, fruchtbar wäre ich dann aber trotzdem in der Zeit. Barrieremethoden kommen für uns gerade nicht in Frage, weil wir uns sehr sicher sind, jetzt in diesem Lebensabschnitt keine Kinder zu wollen.
  3. Ich habe alles andere als einen regelmäßigen Tagesablauf. Update 28.08.16: Ich arbeite daran und es wir besser!
  4. Ich trinke wohl auch gerne mal ’n Bierchen. Update 28.08.16: Erfahrene NFP’lerinnen wissen, wie sie das in der Auswertung berücksichtigen.
  5. Wenn nach dem Absetzen der Hormone ein Jahr lang körperliches Chaos bei mir herrscht, kann ich ja danach erst mit dem Datensammeln richtig anfangen, d.h. bis ich tatsächlich dann damit einigermaßen verlässlich meine fruchtbaren Tage ablesen kann, könnten im schlimmsten Fall sogar zwei Jahre vergehen…

Punkt 1, 2 und 5 waren für mich die ausschlaggebenden Faktoren. Und ja, zwei davon kommen von der jahrelangen Verhütung mit den unsäglichen Hormonen. Ich fühlte mich auch sehr sabotiert, als die Entscheidung anstand. Ohne die Hormone hätte ich wahrscheinlich die Methode mit einem Zykluscomputer gewählt, die weniger Disziplin erfordert, aber wo man natürlich nicht alles so gut in der Hand hat wie wenn man selber alles auswertet.

Generell finde ich, dass Natürliche Familienplanung ist eine tolle Sache ist. Vor allem, weil sie sowohl zur Verhinderung als auch zur Schwangerschaftsplanung eingesetzt werden kann.

Müll-Aspekt

Dies sind wahrscheinlich die einzigen Methoden, die man wirklich Zero Waste machen kann. Man braucht als Equipment eigentlich nur ein am besten analoges Fieberthermometer und eine entsprechende App auf dem Handy. Es gibt aber auch Druckvorlagen und sogenannte Verhütungscomputer, die einem dabei helfen. 

Fazit

Die Langzeit-Verhütungsmethoden (Verhütungsstäbchen, Hormon- und Kupferspiralen und Sterilisation) sind durch die Bank weg sicherer und weniger körperbelastend im Vergleich zur Pille. Sie verursachen auch alle natürlich viel weniger Müll.

Wenn es aber um den Schutz vor sexuell übertragbarer Infektionen geht, gibt es keine Alternative zu Kondomen, was aber nicht bedeutet, dass man nicht zumindest zu den nachhaltig produzierten (vegan, Fairtrade, schadstoff- und zusatzstofffrei) greifen kann.

Nur mal so: Wer sollte denn für die Verhütung bezahlen?

Vor 12 Jahren hab ich mir meine erste Hormonspirale einsetzen lassen. Mein damals ganz frischer Freund, der heute mein Mann ist, bestand drauf, für das Ding finanziell aufzukommen, obwohl ich vorschlug, uns die Kosten einfach halbe-halbe zu teilen.

Wir waren damals Studenten mit jeweils unter 600€/Monat zur Verfügung – für alles, Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Studiengebühren und Semesterbeitrag! Die Hormonspirale allein kostete schon 300€ (und kostete übrigens vor 2 Jahren, als ich mir wieder eine einsetzen ließ, immer noch das Gleiche…). Ich weiß noch, wie ich ihn damals fragte, wie wir das denn machen sollten, wenn wir uns vor Ablauf der 5 Jahre Verhütungsschutz trennen sollten. Soll ich ihn dann“ auszahlen“? Er fand meinen Einwand eher witzig, fügte aber etwas ernster hinzu: „Du belastest deinen Körper mit Hormonen und lebst mit den blöden Nebeneffekten, da ist das Mindeste, was ich tun kann, doch für das Ding zu bezahlen, egal, ob wir uns dann trennen.“

Und wisst ihr was? Recht hatte er! Es geht dabei gar nicht um das Geld, sondern darum, dass die 50:50-Aufteilung eigentlich nicht wirklich wertschätzt, was Frauen körperlich auf sich nehmen müssen, nur um zu verhüten. Bis heute wird Verhütung als Frauensache wahrgenommen – obwohl natürlich zwei dazu gehören, um dieses Problem überhaupt entstehen zu lassen!

44 Kommentare

  1. Hallo Shia,

    als ich vor drei Jahren eine Kupferspirale bekommen habe, habe ich erst danach gemerkt, wie sehr mich der ganze Blister-Einzel-Verpackungs-Kram genervt hat. Ich hatte aber hauptsächlich wegen der Hormone gewechselt, die in dem Maße wie sie in der Pille vorkommen, zum großen Teil ja auch wieder ausgeschieden werden und dann in die Umwelt gelangen. Das fand ich wirklich gruselig.
    Vor 1,5 Jahren bin ich dann noch auf die Menstruationstasse umgestiegen. Damit komme ich super klar und bin wirklich total zufrieden, ich möchte sie nicht mehr missen. Nur mit der Kupferspirale hatte ich etwas Probleme, weil sie recht groß ist und ich deshalb wegen der Tage starke Krämpfe hatte. Deshalb wollte ich noch darauf hinweisen, dass es dort sogar noch eine weitere Alternativen gibt, nämlich den Kupfer(perlen)ball. Der muss nicht in der Gebärmutter verankert werden wie die Kette, ist aber auch für junge Frauen geeignet. Er ist noch relativ neu, ich habe ihn jetzt jedoch und seit dem keine Krämpfe mehr. Das ist also definitiv eine Alternative zu der Pille, nicht nur der Müllvermeidung wegen!

    Zum Aids-Test wollte ich noch sagen, dass man den auch gut beim Gesundheitsamt machen lassen kann. Dort ist es meistens komplett kostenlos und zusätzlich anonym, sodass ein positives Ergebnis nicht direkt in die Krankenakte eingetragen wird, was sonst Auswirkungen auf andere Lebensbereiche haben könnte. Es gibt also gar keinen Grund so einen Test nicht zu machen!

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  6. Liebe Shia,
    du schreibst, dass wenn keine Blutung stattfindet, frau eine Menge Müll spart, weil keine Binden oder Tampons. Wenn Cups oder Stoffbinden benutzt werden, gibt es keinen Müll!

    Du schreibst öfter, dass du nicht die Disziplin hast für NFP. Das glaube ich nicht wirklich. Es ist nur zu Anfang eine Frage von Disziplin und ich würde mal sagen, weniger Aufmerksamkeit fordernd als es zu Beginn bedeutet, wenn man plötzlich überall Plastik und Müll vermeiden will.
    Ich denke es ist dir noch nicht so wichtig, auf Hormone zu verzichten. An Diziplin kann es dir einfach nicht mangeln:).
    Ich habe aber früher genauso gedacht wie du, außer, dass ich mich nie für Hormone, sondern für die Kupferspirale entschieden habe.
    Seit ich viele mit NFP verhütende Frauen kenne, erlebe ich unter ihnen keine einzige, die nach einiger Gewöhnungszeit Problem mit der Diziplin hat. Ich glaube, dass liegt auch daran, dass sie so überzeugt gegen künstliche Hormone sind, wie du gegen Müll und Plastik.
    Die Überzeugung macht es!

    • Ich kann Petra nur zustimmen, bei mir sind es gerade mal 4 Wochen mit NFP und es ist schon keine Disziplin mehr nötig 🙂

      Liebe Grüße
      Sophia

  7. Hallo Shia,
    auch ich habe die Mirena – inzwischen seit fünf Jahren – und bin sehr zufrieden.
    Zuvor habe ich 20 Jahre lang – unglaublich! – verschiedne Antibabypillen geschluckt.
    Irgendwann war ich so pillenmüde, dass ich sie abgesetzt habe und auf NFP umgestiegen bin – dank sehr regelmäßigen Zyklus‘ ging das gut, war uns aber dann doch auf Dauer zu unsicher. Außerdem ist es genauso aufwendig/ erfordert ebensoviel Disziplin wie das regelmäßige Schlucken der Pille.
    Mit der Mirena bin ich sehr zufrieden: Keine pillentypischen Nebenwirkungen, keine Menstruation, dafür ein regelmäßiger Zyklus und eine sehr sichere Verhütungsmethode, an die ich nur alle fünf Jahre denken muss.
    Schade, dass all meine früheren Frauenärzte die Verschreibung der Pille als das Nonplusultra angesehen hatten. Hätte ich eine umfassende, professionelle Aufklärung zum Thema Verhütungsmethoden erhalten, hätte ich die Wahl gehabt. Doch Alternativen wurden nie diskutiert (O-TON: „Sie kommen ja mit der Pille zurecht – dann passt das doch.“). Wie dratsisch die Nebenwirkungen sind bzw. waren, merkt man allerdings erst nach Absetzen der Pille.
    Hinzu kommt, dass auch Hausärzte die Pille nicht in Frage gestellt hatten – trotz pillentypischer Nebenwirkungen.
    Frau ist also noch immer auf sich selbst und ihre eigene Recherche gestellt.
    Traurig. Und sehr patriarchalisch.
    Erst mit meiner aktuellen Ärztin kam die Wende.
    Viele Grüße,
    Julischka

  8. Hallo Shia,

    tolle Seite! Bei den müllvermeidenden Verhütungsmitteln vermisse ich das Diaphragma. Ist (leider) nicht mehr so bekannt. Ich habe seit der Geburt meines ersten Kindes vor 20 Jahren nur gute Erfahrungen mit dem Lea Contraceptivum gemacht. Leider wird dieses seit 2014 nicht mehr hergestellt, aber es gibt als Alternative das Caya Diaphragma. Wäre toll, wenn du dazu auch mal was schreiben könntest.
    Liebe Grüße und mach weiter so!
    Annette

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