Zero Waste Reisen?

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 nun umbenannt in COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Urlaub ist schon was Feines. Aber leider in den meisten Fällen eine ganz schöne Umweltsünde. Schon alleine der Flug ist pures Gift für die Umwelt. Da haben wir uns doch gefragt: Wie macht es eigentlich unsere müllfrei- und Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su? Die fährt doch sicher auch mal weg, oder?

Shia, machst du nur noch Urlaub in der Nähe und das mit dem Fahrrad oder wie?

Ich muss zugeben, dass ich noch nie einen richtigen Fahrradurlaub gemacht habe. Voll schade eigentlich. Irgendwie wollte das nie jemand mit mir machen und alleine war mir das auch zu doof. Ich habe momentan nicht mal mehr ein Fahrrad, weil es mir geklaut wurde. Aber zum Glück gibt es auch andere Möglichkeiten. Innerhalb Europas verreise ich nur noch mit dem Zug. Das ist tatsächlich komfortabler, als man sich das so vorstellt. Und ich finde es auch toll, mir die Landschaften anzuschauen. Letztes Jahr bin ich so nach London gefahren, habe mir den Tunnel von innen angeguckt und bin vollkommen tiefenentspannt angekommen. Man hat schön viel Platz im Zug, kann so viel Gepäck mitnehmen, wie man möchte, kommt direkt in der City an und kann loslegen.

Das stimmt, Shia. Aber manchmal muss man ja auch fliegen. Nach Asien, Afrika oder in die USA. Wie machst du das?

Ich versuche, das Fliegen zu vermeiden – obwohl ich am liebsten immer ganz weit weg verreisen würde. Weniger ist mehr lautet meine Devise. Es reicht aus, nur alle paar Jahre weiter weg zu reisen. Dann aber auch ausgiebig. 2013 war ich in Taiwan, meine Familie besuchen. Ich bin dort dreieinhalb Wochen geblieben. Und jetzt im März geht es für mich im Flieger für ein Jahr nach Kanada. Das sind schon eine ganze Menge Emissionen. Pro Reise müsste ich fünf-sechs autofreie Jahre einlegen, um diese zu kompensieren. Gut, dass ich mein Auto 2009 verkauft habe. Außerdem gleiche ich die CO2-Emissionen meiner Flüge bei arktik.de aus. Aber klar, umwelt-„freundlich“ ist was anderes.

Und wenn Du dann vor Ort bist, zum Beispiel in London. Wie bewegst Du Dich da?

Also, als erstes gucke ich natürlich nach geilen Urlaubsorten und möglichen Routen, die ich umweltfreundlich erreiche: Mit dem Zug, dem Fernbus oder sogar mit dem Fahrrad. Vor Ort möchte man sich natürlich auch fortbewegen. Ich checke also immer auch die öffentlichen Verkehrsmittel vor Ort und gucke nach günstigen Tarifen und wo ich die Tickets kaufen kann. Häufig sind nämlich die Touristentarife nicht unbedingt günstiger als die für die Einheimischen, das war z.B. in London der Fall. Und in England konnte ich auch für den Zug nicht das Handyticket nutzen, weil ich kein englisches Konto habe. Also gab’s die Tickets halt in Papierform vom Automaten. Nicht ganz müllfrei, aber ok.

Und bei der Unterkunft? Diese riesigen Hotelkomplexe verbrauchen ja irre viele Ressourcen!

Bei der Unterkunft buche ich gerne das, was früher etwas verschämt Fremdenzimmer genannt wurde und heute mit Airbnb und Couchsurfing Trend geworden ist: Menschen teilen ihren überschüssigen Wohnraum, wenn sie selbst weg sind oder ein Zimmer über haben. Das ist viel nachhaltiger, als in einer Hotelanlage zu wohnen – vor allem bekommt man so die richtig guten Insider-Tipps, die man nicht in Reiseführern findet. In Cambridge war ich zum Beispiel bei einer Familie und habe so ein tolles Jazzkonzert in einem total charmanten Café mitbekommen. In London wohnte ich in einer Künstler-WG, wo das ganze Hinterhaus eine einzige Ausstellung war! Da wollte ich auf Empfehlung vom Host auch noch zu einem Konzert, das erst nachts um 2 Uhr in einem Pub losging – nur bin ich nicht mehr reingekommen, weil der Laden brechend voll war.

Erzählst du denen denn, dass du Zero Waste lebst?

Ja, ich schreibe das tatsächlich immer schon im Vorfeld, damit sie auch wissen, worauf sie sich einlassen. So vermittle ich natürlich auch, dass ich ganz bestimmt keinen ungewollten Müll hinterlassen werde. Anfangs können sie sich nicht so wirklich etwas darunter vorstellen. Dann wird häufig angemerkt, dass ich ihnen unbedingt mehr darüber erzählen muss, wenn ich dann da bin.

Und wie reagieren die drauf?

In England wurde ich voller Begeisterung und Stolz mit Tipps versorgt: Für Bioläden, Wochenmärkte und Coops, also Genossenschaftsläden, Secondhand-Shops und vegane Restaurants und alle meckerten über das übermäßig verpackte Obst & Gemüse. Zero Waste macht offenbar allgemein ziemlich neugierig. Meine Edelstahlbrotdose und die Baumwollbeutelchen, die ich auch als Kulturbeutel benutze, meine Baumbuszahnbürste und all das werden dann immer ganz genau unter die Lupe genommen.

Also hast du schon Menschen vor Ort zu Zero Waste missioniert?

Missioniert vielleicht nicht, vielleicht aber auf Ideen gebracht. Wenn ich zum Beispiel vor Ort mein Brot in den Jutebeutel gepackt habe, oder den Coffee-to-go im eigenen Thermobecher kaufe und mir da in den Läden mal einen Snack in meine Dose legen lasse. Da ist es nicht ausgeblieben, dass meine Hosts das dann auch ausprobiert haben oder sich überlegt haben, dass sie statt Flaschenbier sich doch häufiger mal ein Gezapftes bestellen und mit dem Nachtbus statt dem Taxi zurück fahren.

2 Kommentare

  1. Ich bin auch seit vielen Jahren ein totaler Fan von Airbnb, Homestays & Couchsurfing. Manchmal gehe ich auch in große Hotels, aber achte dann darauf, dass es Bio-Hotels sind oder sogar energieautarke, zumindest nachhaltige.. Das gibt es inzwischen immer öfter : )
    Aber gerade in Städten ist das eher kein Trend und da ist es am günstigsten und schönsten bei anderen Menschen zu wohnen, die einen auch mit Tipps versorgen.
    Ich mache auch nur alle 2 Jahre eine Fernreise mit dem Flugzeug, weil die Emissionen eben so heftig sind… Jetzt war ich gerade 3 Wochen in Sri Lanka. Für eine Woche würde ich nicht so weit fliegen wollen. Wie du sagst, da kann man jahrelang Auto fahren im Vergleich 🙁
    Liebe Grüße,
    Ela

    • Hi Ela,
      da kann ich dir nur zustimmen, ich finde es auch am schönsten, bei netten Menschen zu wohnen :). Ja, mit den Flugemissionen, seufz. Bei uns geht es zwar gleich ein ganzes Jahr nach Kanada, aber am liebsten würde ich wirklich mit dem Containerschiff fahren, aber 16.000€ hin und zurück für 2 Personen sprengt beim besten Willen unser Budget, schnüff. Davon abgesehen würde der Arbeitgeber von Hanno ihm wahrscheinlich den Vogel zeigen, wenn er dafür versuchen würde, 80 Tage Urlaub zu beantragen XD.
      Vielleicht können wir ja eines Tages mal ein Segelabenteuer umsetzen. Bock drauf hätte ich, aber leider werde ich auch schon auf Fähren Seekrank (und in Autos und Bussen wird mir leider auch schlecht). Aber bestimmt kann man sich das abtrainieren!
      Liebe Grüße,
      Shia

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