Wie zum Teufel kommt eigentlich dieses ganze Plastik ins Meer?

©WDC

Im Pazifik schwimmt eine Ansammlung an Plastik mit einer Fläche so groß wie Europa. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es 2050 von der Masse her mehr Plastik als Fische im Meer geben. Wenn man sich überlegt, dass jede Minute eine Tonne Plastik im Meer landet, ist das auch schon gar nicht mehr so verwunderlich.

©WDC

©WDC

Warum ist Plastik im Meer ein Problem?

Letzte Woche Freitag war ich in München bei einem Blogger-Workshop zum Thema Plastik im Meer (#WenigerPlastikIstMeer), veranstaltet von der NPO (Non Profit Organisation) Whale & Dolphin Conservation.

Dieser Animationsfilm bringt die Problematik sehr gut auf den Punkt:

Viele Zahlen und Berichte kannte ich natürlich, aber ich muss sagen, dass es mich noch mal tief beeindruckt hat, vieles aus marinebiologischer Sicht zu erfahren. Von Geisternetzen, die im Meer herumtreiben und worin sich auch Wale und Delfine verheddern, wusste ich schon. Auch, dass viele Meerestiere an den Folgen der Verletzungen wie z.B. Entzündungen sterben und eben dass sie daran verhungern. Dass das aber Monate dauern kann, weil Wale und Delfine ein gutes Fettpolster haben, und dass sie als hochintelligente Tiere sich ihrer misslichen Lage bewusst sind, das war mir wirklich nicht klar 😢💔.

_Blogger-Workshop-1

@WDC – Alexa Brosius (Slowly Veggie), Inka Chall (blickgewinkelt), meine Wenigkeit 😜, Kathrin Tetzlaff (ein bisschen vegan), Theresa Kellner (the waitress), Petra Schmatz (greenLIFESTYLE), Steffen Kraft (Kraft & Adel), Nele Prinz (No Plastic Challenge), Benedikt Tröster (Vaude), Katrin Schüler (Plastikfreie Zone), Franziska Gruber (WDC), David Pfender (WDC) und Madeleine Alizadeh (dariadaria)

Der Workshop hat mir wirklich gut gefallen, weil die Plastik-Problematik aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wurde. Bewusst wurden wir so zusammengewürfelt, dass wir – obwohl wir natürlich alle was mit Nachhaltigkeit zu tun haben – alle aus unterschiedlichen Bereichen kamen: Tierschutz, Food, Zero Waste, Reisen, Lifestyle, Beauty, Fashion und natürlich Business. Es war sehr inspirierend und von mir aus hätten wir noch einen Tag dran hängen können 💚!

Ja, aber das hat doch eigentlich mit mir nichts zu tun. Ich lade ja nicht meinen Hausmüll im Ozean ab!

Auch wieder so was. Ich wusste ja vorher schon, dass vor allem leichter Müll, der achtlos auf der Straße landet, durch den Wind in Flüsse getrieben wird, wo am Ende alles im Meer landet und durch Meeresströmungen eben zu diesem „great plastic patch“ getrieben wird. Hier eine tolle Mockumentary:

Es ist schon schockierend. Wenn wir nicht gerade an der Küste leben, denken wir, dass wir nichts damit zu tun haben. Schließlich ist das Meer weit, weit weg. Leider ist das wie die Mockumentary sehr schön gezeigt hat nicht der Fall. 80% des Plastiks im Meer kommt nämlich vom Land!

_Plastik-Meer-WDC_640

©WDC

Und ich dachte, dass man schon viel vorbeugt, wenn man den Müll nicht einfach auf die Straße wirft, sondern zusieht, dass er in der vorgesehenen Tonne landet und Mikroplastik-Produkte vermeidet. Aber ich hatte einige Sachen einfach nicht auf dem Schirm. Kleinstfasern, also ebenfalls Mikroplastik, die durch das Waschen von Kunst- und Mischfasern in Flüsse und somit Meere gelangen. Und heutzutage bestehen fast alle Kleidungsstücke aus Kunst- und Mischfasern!

Was ich ebenfalls nie bedacht hatte, war, dass Müll nicht nur von der Straße weggeweht werden kann. Sogar nach der Abholung von Müll kann vieles wieder wegwehen. Wir haben ja im Januar eine Abfallaufbereitungsanlage besichtigt. Dies ist ein Foto von unserer Besichtigung. Wie man sieht wird der Müll unter anderem auch containerweise offen unter freiem Himmel gelagert.

Abfallaufbereitungsanlage

Auch an Häfen – sprich direkt am Wasser – gibt es Müllhaufen, die darauf warten, verladen und verschifft zu werden. Und auch von den ganzen Müllhalden weht natürlich regelmäßig etwas weg.

Was kann ich denn machen?

Keinen Müll zu produzieren ist natürlich die beste Methode, um direkt die Ursache zu bekämpfen. Hier ein paar weitere Tipps, die sich nicht zwangsläufig durch einen Zero-Waste-Lebensstil erübrigen:

  1. Kosmetik- und Pflegeprodukte mit Mikroplastik vermeiden: Es gibt immer mehr Kosmetik- und Pflegeprodukte zum Abfüllen, also am besten nachfragen, wobei die Wahrscheinlichkeit bei diesen Produkten geringer ist als sonst im Handel.
  2. Bei Neukäufen von Textilien statt zu Kunst- und Mischfasern zu Naturfasern greifen: Wer Zero Waste lebt, wird Kleidung entweder secondhand oder bio und Fairtrade kaufen. Das sagt aber nichts über den verwendeten Stoff aus. Wir wollen jetzt auch verstärkt darauf achten.
  3. Eigentlich selbstverständlich: Müll (und auch Kippenstümmel gehören dazu) nicht einfach achtlos irgendwohin werfen. Wenn man leichten Plastik-Müll auf der Straße sieht und einen Moment Zeit hat, einfach mal aufheben und zum nächsten Mülleimer bringen. Müssen wir auch mal häufiger machen. Ich habe echt häufig gedacht: „Echt mal, eigentlich müsste mal die Müllabfuhr einfach mal einen Monat streiken. Wenn die Leute mal sehen würden, wie viel Müll sie eigentlich produzieren und wie sie alles damit zudrecken, würden sie vielleicht mal was ändern…“ (Eine beeindruckende Fotoserie dazu gibt es hier)

4 Kommentare

  1. Pingback: Umweltschutz für Anfänger – Wasteland Rebel

  2. Hey Shia, habe dir gerade eine E-Mail mit einer Interesanten Entdeckung geschickt!

  3. Hallo Shia,

    vielen Dank für den Beitrag, mich beschäftigt das ganze Plastik im Meer seit meinem Auslandssemester in der Türkei. Dort habe ich angefangen die Strände und die Meeresufer nach Müll abzusuchen und diesen dann zu entsorgen. Was da an Massen zusammen kommt macht mich jedes Mal wieder traurig. Am Dortmund-Ems Kanal ist das leider ein ähnliches Trauerspiel. Ich überlege schon länger, was ich mit den Microfaser/ Fleece Textilien in meinem Haushalt machen soll. Einfach wegschmeißen? Möglichst wenig benutzen? Ich bin da sehr unentschlossen. Eigentlich müssten alle Kläranlagen umgerüstet werden, mit Filtern, die auch die kleinen Plastikfasern herausfiltern. Ich glaube aber, dass solche Filter noch in der Entwicklungsphase sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.