Wie umweltfreundlich sind eigentlich Accessoires aus Holz?

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Stylische, rustikale Nostalgie ist ja schon seit einer Weile hart angesagt. Denkbare Kombi: Hosenträger, Bart, Tattoos – und eine Brille mit Holzgestell. Ich seh gefühlt immer häufiger irgendwo Handyhüllen und Schmuck aus Holz bzw. in Holzoptik aufblitzen. Es gibt ja sogar Armbanduhren aus Holz. Ich muss ja zugeben, dass ich das optisch auch ganz schick finde. Wirkt, finde ich, gleichzeitig nobel und umweltbewusst. Aber wie umweltfreundlich sind diese Accessoires wirklich? Das wollen wir heute von Shia Su, unserer COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin wissen.

Shia, Hand aufs Herz! Wie findest du diese Dinger denn? Hui oder pfui?

Optisch gefallen mir die meisten dieser Sachen ja schon ganz gut, muss ich ja sagen. Natürlich jetzt auch nicht alles, was es so gibt. Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass mir so ‘ne Brille aus ganz dunklem Holz vielleicht ganz gut stehen würde. Aber: Nur weil es ein Naturmaterial ist heißt es leider nicht automatisch, dass diese Sachen auch die umweltfreundlichere Variante sind… Ein nachwachsender Rohstoff macht nicht automatisch ein nachhaltiges Produkt.

Shia, aber warum denn nicht?

Holz ist ein wirklich sehr sehr schöner Rohstoff, aber eben nicht so unbedingt so das Langlebigste, wenn es so filigran verarbeitet wird wie als Brillengestell, Handyhülle, Armbanduhr oder Gürtelschnalle. Bei einem Brillengestell aus richtigem Holz kann man in der Regel die Gläser nicht wechseln, was bei Brillengestellen aus Metall oder eben Kunststoff problemlos geht, z.B. wenn sich die Sehstärke ändert. Was aber jetzt nicht unbedingt heißt, dass das Gestell an sich nicht etwas länger überlebt.

In der Handyhülle aus Bambus (also nicht direkt Holz) war noch eine Schutzschicht aus Kunstfaser

Ich hatte es mal mit einer Handyhülle ganz aus Holz probiert. Die hat gerade mal zwei Monate überlebt! Einmal vom Tisch gefallen und Teile davon waren abgebrochen. Passiert halt bei filigranerem Holz. Wenn man sich überlegt, dass Handyhüllen ja genau für solche Fälle gedacht sind, ist das ja irgendwie etwas am Punkt vorbei….

Aber ist dafür Holz nicht in der Entsorgung einfacher als so blödes Plastik, dass uns um mehrere Jahrhunderte überlebt?

Ja, in der Entsorgung ist das schon deutlich umweltfreundlicher als Plastik, wobei man da bei Holz eigentlich auch gucken muss, wie es behandelt wurde. Gerade bei vielen dieser Sachen fände ich persönlich Metall viel sinnvoller. Ich denke da nur an so ’ne Gürtelschnalle. Da ist Metall einfach viel stabiler und langlebiger, kann leichter verarbeitet und am Ende recycelt werden. Aber bei einigen Sachen finde ich Holz nicht verkehrt, z.B. wenn man daraus ein Brillenetui oder Perlen für Schmuck macht. Da kommt es aber natürlich drauf an, was für Holz verwendet wird.

Worauf muss ich denn achten, wenn ich mir etwas aus Holz kaufe?

Es ist traurig, aber viel Holz wird illegal geschlagen. Der WWF schätzt, dass 15-30% vom global gehandeltem Holz aus illegalem Holzeinschlag stammen. Viele der gefragtesten “Modehölzer” stammen noch dazu aus den Tropen, wo die Quote von illegal geschlagenem Holz mit 50-90% noch schlechter ist. Mahagoni, Akazie, Teak, Bankirai, Bongossi zum Beispiel… Dazu kommen natürlich auch noch die langen Transportwege. Also, egal, ob bei Möbeln oder Holz-Accessoires: Am besten fragt man nach FSC-zertifiziertem Holz. Und wenn ein Hersteller keine Auskunft geben kann, dann waren das wohl doch nicht die großen Naturfreunde…

11 Kommentare

  1. Liebe Shia, da muss ich dir echt zustimmen. Ich fand anfangs die Idee eine Tastatur oder Maus aus Holz zu haben auch toll, aber mir wurde dann erzählt, dass sie furchtbar laut klackert und schnell kaputt geht. Ebenso bei Brillengestellen oder dergleichen… Holz ist nicht unbedingt immer die beste Alternative 🙁
    Liebe Grüße,
    Ela

    • Ja, leider :(. Über die Holztastatur hab ich übrigens das Gleiche gehört! Fand das nämlich auch mal ziemlich cool XD.

  2. Ein sehr schöne Beitrag! Jedocht wirft sich bei mir eine Frage auf: was für eine Handyhülle nutzt du? Gibt es, bis auf Holz, etwas umweltfreundlichere Hüllen, die auch wirklich etwas nützen?
    Liebe Grüße

    • Hi Julia,
      ich benutze seitdem die Holzhülle kaputt gegangen ist gar keine mehr. Irgendwie hatte ich auch keinen Bock, eine Handyhülle aus Plastik zu haben, weil ich das Handy ja wirklich andauernd in der Hand habe (ich hab ein iPhone und die Rückseite ist Metall), wobei ich mir schon überlegt hatte, mir nicht einfach secondhand eine Silikonhülle zu holen. Irgendwie ist das aber wieder in Vergessenheit geraten. Sollte ich vielleicht mal machen XD.
      Liebe Grüße,
      Shia

      • Danke für deine Antwort!
        Ich sehe das genauso, leider fällt mein iPhone sehr gerne runter, Weswegen es leider ohne Hülle nicht geht.. aber die Idee mit der Second Hand Hülle gefällt mir sehr gut!

  3. Hallo Shia

    Guter Beitrag. Was aber nur beiläufig in einem Nebensatz erwähnt wurde, spielt aber durchaus auch eine große Rolle: wie das Holz behandelt wurde. Manche Hölzer werden so mit Chemikalien behandelt, dass sie für die Entsorgung in die Rubrik Sondermüll gehören. Wer also Gegenstände aus Holz kauft, egal ob klein (Brillenetui) oder groß (Gartenstuhl) sollte unbedingt nachfragen, wie der Gegenstand zu entsorgen ist, wenn er mal kaputt geht.
    Einfach verbrennen kann bei bestimmten Mitteln im Holz zu gefährlicher Giftdampfbildung führen.

    Trotzdem find ich Holz einen der besten Rohstoffe, neben Glas, Metall und Stein.

    • Danke für den wirklich wichtigen Hinweis! Da hast du natürlich absolut recht! Leider bekommt man erfahrungsgemäß nur selten eine wirklich kompetente Auskunft auf derartige Fragen :/. Dennoch: Gerade deshalb ist es wichtig, zu fragen! Damit die Hersteller mitbekommen, dass es eine Information ist, die den Kunden wichtig ist! Wenn genug Leute nachfragen, gibt es hoffentlich dann auch etwas mehr Transparenz!

    • Guter und wichtiger Punkt. Unbedenklich ist meist eine Oberflächenbehandlung mit Wachs oder einem natürlichem Öl. Das ist aber in der Möbelindustrie schon eher die Ausnahme, da das Lasieren/Lackieren einfach viel schneller/günstiger ist.

      Wenn man das selber in die Hand nimmt (sprich selber behandelt), sollte man darauf achten, dass das Öl/Lasur/Wachs mit dem blauen Engel gekennzeichnet ist. Auch für die Raumgesundheit sehr wichtig, da hier potenziell über einen längeren Zeitraum Dämpfe austreten.

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