Wie entsorge ich am besten meine alte Brille?

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 nun umbenannt in COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Brillen sind mehr als nur eine Sehhilfe. Sie können richtig cool aussehen und jemanden optisch zum Hipster oder Nerd verwandeln. Wir denken aber selten darüber nach, was mit ausgedienten Modellen passieren soll. Unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su hat sich für uns mal auf die Suche nach der umweltfreundlichsten Lösung für alte, ausgediente Brillen gemacht.

Shia, erst mal: Bist du Brillenträgerin?

Japp, ich bin kurzsichtig und einfach zu doof für Kontaktlinsen. Meine Sehstärke hat sich auch in den letzten drei Jahren ziemlich krass verschlechtert – und ich hab mir deshalb letztes Jahr auch neue Brillengläser einsetzen lassen müssen! Das Brillengestell hab ich behalten, denn mein jetziges Modell mag ich ziemlich gerne und dann schone ich lieber die Umwelt und benutze es weiter. Aber tja, das mit den Brillengläsern und dem Recycling war dann nicht ganz so einfach….

Shia, ich hatte gehört, dass man Brillen auch spenden kann. Ist das nicht vielleicht sogar sinnvoller als sie hier zu entsorgen?

Eigentlich eine gute Idee – aber: wie so oft muss man immer genau hingucken. Denn ähnlich wie bei Second-Hand-Kleidung, die aus Hilfsgründen nach Afrika verschifft wird – dort aber die Entwicklung eines eigenen Marktes behindert, ist es nämlich auch mit Brillen. Auch da gibt’s Programme, mit denen man sein ausgedientes Modell spenden kann. Die werden dann erstmal alle dort hin gebracht und dann vor Ort erst sortiert. Die meisten Brillen sind allerdings komplett unbrauchbar und werden direkt aussortiert – sprich, sie landen dort im Müll, nachdem man sie erst mal um die halbe Welt verschifft hat.

Wie viele dieser Brillen werden denn am Ende wirklich wiederverwendet?

Sehr wenige leider nur. Es gibt eine Studie von 2012, die die “wahren Kosten” dieser Programme untersucht. Am Ende finden nur 7 % der verschifften Brillen einen neuen Träger, denn Brillengläser sind sehr individuell hochspezifisch angepasst und es ist nicht einfach, jemanden mit genau der gleichen Sehschwäche auf beiden Augen zu finden. Und dann heißt es ja noch lange nicht, dass die Brille auch anatomisch überhaupt sitzt oder dem neuen Träger stehen! Viele Brillen werden letztendlich nicht getragen, weil sie schlecht sitzen, bei der Arbeit sogar eine Behinderung darstellen oder ihr Träger sich mit ihr hässlich findet. Das heißt also, dass der Prozentsatz der Brillen, die wirklich weiter getragen werden, verschwindend gering ist. Vor Ort Menschen auszubilden und Brillen dort anfertigen zu lassen kostet übrigens auch nur die Hälfte einer gebrauchten Brille und baut im Gegenteil den Markt dort auf, anstatt ihn zu zerstören.

Also ist so eine Brillen-Spende weder ökologisch noch sozial sinnvoll. Schade! Wie entsorge ich sie dann umweltschonend?

Am besten ist es natürlich, sich nur dann eine neue Brille machen zu lassen, wenn es wirklich nötig ist und sich dann die Gläser einfach in das alte Brillengestell einsetzen zu lassen, wenn das geht. Aber manchmal kommt man nicht umhin, und dann trennt man vor der Entsorgung am besten erst mal die Gläser vorsichtig aus dem Gestell, wie man auch bei Joghurtbechern den Metalldeckel vom Becher trennen sollte, damit beides getrennt voneinander recycelt werden kann. Einige Brillengestelle kann man auch noch wunderbar zum Verschenken ins Internet stellen, für Verkleidungen zum Beispiel. Ob allerdings das jeweilige Brillengestell recycelbar ist, hängt natürlich vom Material ab.

Und was ist mit den Brillengläsern?

Brillengläser aus Kunststoff bestehen aus Polycarbonat und das ist recycelbar, aber leider nicht über den Gelben Sack, denn da dürfen blöderweise nur Verpackungen rein. Einige Kommunen in Deutschland haben statt des Gelben Sacks die Wertstofftonne, wo auch Wiederwervertbares, was keine Verpackung ist, rein darf. Ansonsten kann man das bei Wertstoffhöfen abgeben. Am besten das Brillengestell gleich mitnehmen und fragen, ob das auch recycelbar ist.

Was ist dann mit den Brillengläsern aus Glas? Einfach mit den Weinflaschen in den Glascontainer?

Nein, die müssen leider in den Restmüll, wo sie nach der Müllverbrennung mit der restlichen Schlacke als Straßenbelag zumindest doch noch eine Wiederverwendung finden. Fensterglas, Glas aus Bilderrahmen und Brillengläser dürfen nicht in den Glasmüll, weil sie nämlich einen anderen Schmelzpunkt haben und ein einziger Fehlwurf kann eine ganze Containerladung unbrauchbar machen.

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