Weihnachtsbeleuchtung und Stromverbrauch: Was kostet der Spaß eigentlich?

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Heute ist der erst Advent! Ab jetzt geht es in großen Schritten auf Weihnachten zu! Merkt man auch dran, dass es überall bunt leuchtet und blinkt – etwa 17 Milliarden Lichter auf Bäumen, an Fenstern und auf den Straßen sollen uns in die richtige Weihnachtsstimmung bringen. Das ist eine ganze Menge, und jedes Lichtlein verbraucht Strom. Das ist eine Menge Strom, findet unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su.

Shia, wie viel kommt da denn eigentlich zusammen?

Eine ganze Menge. Nach vom DPA veröffentlichten Prognosen wird der Lichterglanz uns dieses Jahr 197 Millionen Euro in Deutschland allein kosten. Bei mir läuft im Kopf bei solchen Zahlen immer direkt der Film: Mensch, was könnte man nicht alles an sinnvolleren Sachen mit dem Geld machen… Bildung, Kultur.. Im sozialen Bereich fehlt ja auch immer Geld: Frauenhäuser, Flüchtlingshilfe, Umweltschutzprojekte…

Aber es ist nicht nur eine Menge Geld, die das kostet. Es ist auch viel Strom, der dafür drauf geht. Der Verbrauch entspricht dem Jahresverbrauch von 220.000 Haushalten. Anders herum ausgedrückt: Mit dem Strom für Lichterketten & Co. könnte man eine Großstadt wie Duisburg mit nicht ganz einer halben Millionen Einwohner für ein ganzes Jahr versorgen!

Jetzt sind das echt große Zahlen. Lass uns die doch mal herunterbrechen. Was geht denn pro Haushalt im Schnitt für Lichterketten und Co an Strom und Geld drauf?

Wenn man noch alte Lichterketten einsetzt, kostet das ungefähr gut 30 Euro pro Lichterkette. Die moderneren LED-Lichterketten kosten nur ungefähr 6 Euro pro Lichterkette in der Weihnachtszeit. Das klingt erst mal nicht so krass. Aber mal so zum Vergleich: Unser Kühlschrank verbraucht nur Strom für 3 Euro im Monat. Und im Gegensatz zum Kühlschrank bleibt es selten bei nur einer Lichterkette.

Jetzt kann man sich streiten über Sinn und Unsinn von solcher Deko: Findest Du das aus Nachhaltigkeitsgründen gut?

Aus Nachhaltigkeitssicht kann man diesen zusätzlichen Verbrauch nicht wirklich gut finden. Ressourcen, die einmal verbraucht sind, sind verbraucht, das lässt sich leider nicht schönreden.
Ich kann aber natürlich verstehen, dass man es festlich haben möchte. Für 80 Prozent der Menschen hier in Deutschland gehören leuchtender Straßenschmuck und illuminierte Weihnachtsbäume zum Fest dazu. Ich denke ja, es muss auch nicht immer alles-oder-nichts sein. Weniger tut’s auch. Wir steigern uns ja von Jahr zu Jahr in immer mehr rein. Die Anzahl der Lämpchen hat sich z.B. allein im Vergleich zu letztem Jahr verdoppelt. Und ich wage einfach mal zu behaupten, dass sich dadurch die Weihnachtsstimmung nicht verdoppelt hat. Ganz im Gegenteil, manchmal ist es schon so viel buntes Geblinke, dass es nervt.

Wie geht denn Weihnachtsbeleuchtung in „nachhaltig“? Hast du überhaupt Lichterketten und Co im Haushalt?

Ich habe tatsächlich im Moment keine Lichterketten im Haushalt, weil ich gerade für ein Jahr in Kanada bin, möbliert wohne und mir das jetzt für ein Jahr auch nicht anschaffen möchte. Ansonsten finde ich so eine Lichterkette auch außerhalb der Weihnachtszeit ziemlich nett und gemütlich. Ich werde mir zurück in Deutschland eine gebrauchte LED-Lichterkette kaufen, die ich benutzen werde, bis sie wirklich kaputt ist. Da hängen zwar häufig mehr Lämpchen dran als an den alten Ketten, aber unterm Strich verbrauchen sie trotzdem deutlich weniger. Eine einzige Lichterkette reicht mir da auch. Die werde ich natürlich auch in der Weihnachtszeit nicht im Dauerbetrieb brennen lassen! Und wenn die an ist werden dafür andere Lichter ausgeknipst.

Was ist mit Kerzen – ist das eine nachhaltige Lösung?

Normale Kerzen sind leider nicht so umweltfreundlich, wie man meinen sollte. Das Wachs besteht nämlich in der Regel aus Paraffin, also Erdöl. Und Erdöl zu verbrennen setzt CO2 frei, egal ob als Sprit im Auto oder als Kerze auf der Fensterbank. Es gibt aber auch Kerzen, die nicht aus Erdöl bestehen. Beispielsweise gibt es welche aus Bienenwachs, sieht man ja immer auf Weihnachtsmärkten, Sojawachs und sogar welche, die aus industriellen Fettabfällen gemacht werden. Die kannst du im Bioladen kaufen. Wobei ich gerade bei Weihnachtsbäumen allein aus Sicherheitsgründen von Kerzen statt Lichterkette abraten wrüde. So ein Baum kann schnell mal in Flammen stehen und das ist dann doch mehr Lichterglanz als man eigentlich wollte…

4 Kommentare

  1. Liebe Shia,

    hab’s mir gerade angehört! Bin ganz erfreut über den Beitrag! Der ist echt super!

    Liebe Grüße
    Vera

  2. Liebe Shia,

    ich bin auf de mWeg der Nachhaltigkeit und Zero Waste, leider immer noch Recht neu. Über den Stromverbrauch für meine Deko hatte ich bisher nicht wirklich nachgedacht. Ich habe aber erfreut festgestellt, dass ich neu eine Lichterkette habe und wenn die brennt, mache ich auch andere Lichter aus. Also wenigstens nicht ganz so schlimm.

    Vielen lieben Dank für deine vielen, tollen und anregenden Beiträge!

    Liebe Grüße
    Marina

    • Hi Marina,
      ist ja cool, dass du dich auf den Weg zu „mehr Zero Waste“ machst! Hach, so viel Neues zu entdecken, das ist immer spannend :)!
      Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim neu Ausprobieren und deine Stadt/dein Dorf noch mal ganz neu kennenlernen!
      Liebe Grüße,
      Shia

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