Persönliches Update: Müllfreie Grüße aus Kanada

Ich kann echt nicht glauben, dass ich das noch nicht auf meinem Blog groß breitgetreten habe XD. Naja, wer mir auf Instagram folgt, der bekommt ja zumindest ganz gut Updates und auch Einblicke in unser tägliches zero waste Leben.

Also, Leute, wir sind seit dem 1. März in Kanada! Genauer gesagt in Vancouver an der Westküste.

Downtown Vancouver

Das war ein ganz schönes Unterfangen und leider auch eine extrem schwere Geburt. Bis zuletzt stand nicht fest, ob es nun klappt, was mich bestimmt alles um 10 Jahre hat altern lassen. Das hieß nämlich, dass wir auf gut Glück die Wohnung kündigen und auch den Flug buchen mussten.

Was verschlägt us nach Kanada?

Der Wunsch, mal für eine Weile nach Kanada zu gehen, ist eigentlich nicht neu. Kanada ist äußerst progressiv bei Themen wie Gender/Sexismus, Interkulturalität/Rassismus und Nachhaltigkeit, was wir persönlich einfach sehr sympathisch ist. Außerdem schwärmt jeder, der da war, oder jeder Kanadier, den wir bis heute getroffen haben, von diesem Land! Mit Vancouver im Speziellen haben wir auch schon einfach so lange geliebäugelt. Eine der wenigen Städte auf der Welt (ich meinte es waren nur drei: Vancouver, Malaga und Antalya), wo man sowohl im Sommer am Strand abhängen, als auch im Winter die Piste unsicher machen kann. Nun gut, heute würde ich aus ökologischen Gründen wahrscheinlich nicht mehr Skifahren. Aber auch davon abgesehen ist es eine Stadt, die viel zu bieten hat. Wusstet ihr, dass die Stadt Vancouver sich vorgenommen hat, bis 2040 Zero Waste und die grünste Stadt der Welt zu werden? Eine Stadt mit nachhaltigen Ambitionen ganz nach meinem Geschmack also!

Naja, auf dem Campus ist eher sehr viel Luft nach oben noch. Aber man ist ambitioniert und will das ändern. Und den Begriff Zero Waste kennt hier fast jeder, was uns natürlich das Leben hier super einfach macht 😉

Das war jetzt auch nicht unser erster Anlauf. Ich wollte eigentlich nach dem Abi schon gerne in Nordamerika studieren. Ist nur finanziell echt nicht ohne und war für mich leider nicht drin. Hanno, mein jetzt-Mann-damals-Freund hatten es für unser Auslandssemester im Bachelor versucht, ich dann noch mal für ein Praktikum, und im Master unternahmen wir dann noch mal einen Anlauf. Am Ende scheiterte es jedes Mal allem voran an unseren finanziellen Möglichkeiten. Aber lange Geschichte kurz: Dieses Mal hatten wir die Chance, und es war für uns ein „jetzt oder nie“-Moment. Schließlich wird mit zunehmender Zeit so ein Unterfangen tendentiell immer schwieriger, weil man in immer mehr sozialen Strukturen eingebunden ist und sich auf mehr Verpflichtungen eingelassen hat.

Was machen wir so in Vancouver?

Hanno ist an der Uni hier ein Jahr lang „Visiting Scholar“, also ein Gastforscher. Was das so alles bedeutet, weiß weder er noch irgendwer hier an der Uni 😉. Er kann seinen Interessen also ziemlich frei nachgehen und hat hier schon viel interessantes neues Input bekommen, das er alles irgendwie verwurstet.

Einer unserer regelmäßigen abendlichen Spaziergänge am Meer. Sunset Beach, Downtown Vancouver

Ich mache das, was ich sonst auch mache, nur halt von Vancouver aus. Naja, leider nicht alles. Vorträge in Deutschland kann ich momentan leider keine halten, was sehr schade ist, weil ich schon von so vielen interessanten Projekten eingeladen wurde, aber alles absagen musste. Dafür habe ich hier schon ein paar Projekte in der Pipeline, die ich aber noch nicht verraten kann 😉.

Und wie sieht euer Alltag in Kanada aus?

Generell bin ich froh, dass bei uns langsam jetzt wieder Alltag einkehrt. Seit letztem November ist bei uns wegen dieser ganzen Sache Ausnahmezustand. Alle Papiere fürs Visum zusammensuchen, übersetzen lassen, die gesamte Wohnung so müllfrei wie möglich auflösen (und nicht einfach alles einlagern), Anträge schreiben, hier ankommen, sich orientieren, Ämter abklappern, Konto eröffnen, sich mit dem System vertraut machen, eine Wohnung suchen und dafür schon wieder alles zusammen suchen – all das nahm so viel mehr Zeit und Nerven in Anspruch als wir erwartet hatten.

Ich muss auch zugeben, dass mich das alles ganz schön geschlaucht hat. Wahrscheinlich hätte ich schon die Zeit gehabt, weiterhin regelmäßig zu bloggen. Aber ich war letztes Jahr bereits ganz schön ausgebrannt. Vor dem Ausnahmezustand wegen Kanada war bei uns nämlich auch schon alles crazy. Davon hatte ich auf meinem Kuchen-Blog Cake Invasion im Januar mal erzählt. Und so ganz bin ich eben wegen der ganzen Kanada-Vorbereitungen nicht rausgekommen, obwohl ich den Blog und auch alle anderen Termine drum herum stark zurückgeschraubt hatte. Denn das waren einfach alles drängende Sachen, die innerhalb der Zeit gemacht werden mussten, egal, wie viel Energie ich noch übrig hatte. Wenn ich dann dazwischen Zeit hatte, war ich einfach nur kaputt und wollte meine Ruhe haben.

Hier zu sein und endlich mal Alltag einkehren zu lassen ist ehrlich gesagt so befreiend für mich! Diesen Tapentenwechsel haben wir nämlich auch dazu genutzt, neue, gesündere Gewohnheiten einzuüben. Ich bin nämlich eigentlich eine ganz schöne Nachteule und habe meine produktivsten Phasen zwischen Mitternacht und morgens um vier. Noch dazu hatte ich die schlechte Angewohnheit, gerne mal so lange zu arbeiten, bis ich wirklich totmüde umfalle, wenn mich die Kreativität packt. Das konnten dann auch mal mehr als 24 Stunden Arbeit am Stück sein. Danach fiel ich immer in einen glücklichen, aber komatösen Schlaf und war erst mal für mindestens 12 Stunden nicht wach zu bekommen.

Jericho Beach, Vancouver, mit Blick auf North Vancouver

Den Jetlag hatten wir also dazu genutzt, vor allem meinen Biorhythmus nach vorne zu verschieben. Statt wie sonst gegen 4 Uhr morgens ins Bett zu gehen und gegen Mittag aufzustehen, wache ich nun gegen 8 Uhr auf und lege mein Handy gegen Mitternacht zur Seite. Das ist für mich schon mal ein großer Erfolg! Unser langfristiges Ziel ist es, vielleicht irgendwann zu denen zu gehören, die ihren Tag schon um fünf beginnen.

Jeden Morgen machen Hanno und ich zusammen Yoga bevor wir uns fertig machen und frühstücken ausgiebig. Danach geht der Tag los und wir machen uns über unsere tägliche To-Do-Liste.

Wir haben nach nun fast zwei Monaten in Vancouver auch das Gefühl, ganz gut angekommen zu sein. Wir haben seit April ein eigenes Zuhause, wir haben schon echt nette Leute kennengelernt, wissen ganz gut, wo wir was gut einkaufen können und wir beschnuppern ganz neugierig die Nachhaltigkeits-Szene vor Ort.

Fahrrad-„Parkplatz“ an der Uni

Diesen Monat waren wir zum Beispiel beim Food Council Meeting, der politischen Arbeitsgruppe, die Konzepte und Ideen zu allen Lebensmittelrelevanten Themen erarbeitet. Es ging z.B. darum, wie man sozialer Ungleichheit in Form von Zugang zu erschwinglichem Schulessen oder bezahlbaren Lebensmitteln entgegenwirkt, ob man Parks und Golfplätze auch z.T. für einen kommunalen Lebensmittelanbau wie beim Urban Farming nutzen oder wie man bestehende Gemeinschaftsküchen besser auslasten könnte. Nächsten Monat wird die gleiche Arbeitsgruppe sich dem Thema Zero Waste zuwenden, und das lassen wir und natürlich nicht entgehen 😉!

Anfang April waren wir das erste Mal auf einem Fashion-Event! Nämlich einer der größten Fashion Weeks der Welt, der Eco Fashion Week, wo es nur um nachhaltige Mode und wie man das bewerkstelligen kann, ging. (Hier habe ich bei COSMO im Radio darüber berichtet)

Ich bin schon mit meinem eigenen Teesieb ins Café gegangen, und die haben statt in einen dieser aber-sie-sind-doch-kompostierbarTeebeutel den losen Tee da reingefüllt 😉. Bei der Bank haben wir direkt vor Ort alles mit einer Scan-App auf dem Handy eingescannt und sie gebeten, uns den doppelten Ausdruck für die eigenen Unterlagen nicht auszudrucken. Die allgemeine Geschäftsordnung und die anderen Info-Unterlagen, die man halt sonst so bei einer Kontoeröffnung bekommt, konnten wir auch so einscannen, sodass wir die Flyer nicht mitnehmen mussten. Unsere zwei Bankberater waren sogar richtig begeistert!

„Bekleidung ist optional…“ – Wreck Beach, Strand auf dem Campus der University of British Columbia 😜

Ihr merkt schon, wir finden es gerade ganz spannend, zu entdecken, was es hier so alles gibt und alles geht (z.B. der „Kleidung ist optional“-Strand auf dem Campus 😂)  und auch etwas auszutesten, wie weit wir es hier mit Zero Waste treiben können, einfach so aus Neugier. Ich werde hier weiter berichten!

6 Kommentare

  1. Hey Shia,

    freut mich, dass ihr euch gut eingelebt habt und am besten gefällt mir, dass in Kanada jeder den Begriff „Zero Waste“ kennt! Wahnsinn!! Ich muss es leider immer wieder erläutern, wenn ich erzähle, wie wir leben.

    Ich wünsche euch eine ganz tolle Zeit!!! Genießt es!!

    LG
    Julia

  2. Astrid

    Liebe Shia,
    Bin sehr froh, dass ich über deinen Blog gestolpert bin!
    Wir leben seit 9 Jahren in China und was hier an Müll täglich und von jedem und noch daz völlig gedankenlos produziert wird, ist furchtbar schockierend!
    Dazu kommt, dass hier der Müll oftmals zB einfach aus dem Autofenster geworfen wird und die Menschen noch absolut kein Interesse an Umweltschutz haben.
    Naja, jedenfalls belastet mich das schon sehr lange und daher versuche ich, soweit es hier möglich ist, zumindest so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Aus diesem Grund bin umso froher, dass ich unter anderem durch deinen Blog, viele Ideen bekomme!

    Mein Sohn wird ab August in Vancouver an der UBC studieren, unter anderem auch sustainability!
    Würde mich freuen, wenn du auch immer wieder mal deine Erfahrungen mit verpackungsfreiem Einkauf etc. posten könntest. Wir waschen ja unsere Haare mit Roggenmehl und da ich mir nicht sicher bin, wie leicht es ist in Vancouver Roggenmehl zu bekommen, wäre es umso schöner, immer mal wieder Tipps von dir zu bekommen!

    Nochmals DANKE und einen schönen Tag!
    Wir haben hier leider gerade mal wieder sehr schlechte Luft und die air purifier laufen auf Hochtouren!

    Liebe Grüße,
    Astrid

  3. Ich beneide Euch gerade, Vancouver ist einfach wunderschön! Ihr würde jetzt gerne eine Runde mit dem Fahrrad durch den Stanley Park fahren, anstatt hier vorm PC zu sitzen.
    Ich freue mich auf weitere Artikel von Dir!

    LG
    Katja

    • Hi Katja,
      ich merke schon, du kennst dich aus ;). Ja, wir genießen auch die Zeit hier und auch, mal aus dem alten Trott rauszukommen. Wettermäßig hatten wir wohl ziemlich viel Pech, es regnet fast jeden Tag, und dann auch ununterbrochen. Ich warte auch immer noch drauf, dass die Temperaturen mal 13 Grad überschreiten ;). Soll angeblich sonst zu dieser Jahreszeit anders sein. Egal, wir genießen einfach, dass wir jederzeit zum Meer laufen können und machen das auch mal im Regen.
      Liebe Grüße,
      Shia

  4. Schön zu lesen, dass ihr euch gut eingelebt habt. Vielleicht ist ja demnächst auch mal Zeit, ein paar Orcas zu besuchen 😉 Freu mich auf weitere Updates aus Kanda,

    liebe Grüße,
    Ela

    • Hi Ela,
      jaaa, die Orcas stehen auf jeden Fall auf unserer Liste <3! Sowieso wollen wir mal auch die Natur drumrum erkunden, wenn das Wetter es hoffentlich bald mal zulässt. Bisher hat es fast jeden Tag geregnet und komplett trockene Tage waren die Ausnahme. Wir sind ja sonst nicht so die Outdoor-Typen und ich scherze immer, dass wir aus Zucker sind, aber das ist hier schon einfach eine andere Liga an „Outdoor“, und ich freu mich schon richtig auf alles, was wir hier so machen können!
      Ganz liebe Grüße,
      Shia

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