Was hat unsere Ernährung mit dem Klimawandel zu tun?

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO-Radio von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Cosmo am Sonntagnachmittag – und wie immer um diese Zeit sprechen wir über nachhaltiges Leben. Ein wichtiges Thema, weil wir unsere Erde nur einmal haben und wenn wir die weiter so Zugrunde richten, dann wird das Leben auf unserem Planeten bald sehr sehr ungemütlich – Stichwort Klimawandel. Viele denken jetzt an Auslöser wie Fabriken mit dicken Schornsteigen, über Kurztripps mit dem Flieger am Wochenende nach Malle – aber der Klimawandel hat auch mit dem Essen zu tun, das jeden Tag bei uns aufn Teller kommt. Das sagt COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su, mit der wir vor der Sendung gesprochen haben.

Shia, was hat denn mein Mittagessen mit schmelzenden Polkappen zu tun?

Mehr, als wir auf dem ersten Blick denken. Das, was wir so essen muss ja angebaut werden. Das verbraucht natürlich Ressourcen. Danach muss das Lebensmittel durch eine häufig laaaange Lieferkette, und dieser Transport hinterlässt natürlich auch seine Spuren in Form von Abgasen. Dann kommt noch die Lagerung, der Transport des Wocheneinkaufs nach Hause und die Zubereitung dazu.

Laut Experten verbraucht jeder von uns durchschnittlich 500kg Lebensmittel im Jahr – ohne Getränke. Da kommen pro Kopf 2,1 Tonnen Kohlendioxid zusammen. Insgesamt sind das etwa so viele Treibhausgase wie für “Mobilität” in Deutschland. Sprich: Unser Essen verursacht so viele Treibhausgase wie alle Autos, Züge, Busse und Flugzeuge zusammengenommen.

Shia, du findest, das geht auch besser. Wie denn?

Ein wirklich einfacher Schritt ist, Lebensmittel einfach nicht zu verschwenden. Das fängt schon beim Einkaufen an. Wir kaufen meistens so viel, dass wir gar nicht alles zubereiten und aufessen können, bevor es verdirbt. Und dann werfen wir nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes Geld in die Tonne, sondern haben auch für nichts und wieder nichts die Umwelt belastet.

Viel wird ja auch weggeworfen, weil wir das Mindeshaltbarkeitsdatum zu ernst nehmen…

Ja, auf jeden Fall! Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist genau das, was der Name eigentlich sagt: Ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Das Lebensmittel ist mindestens bis zu dem Datum haltbar, danach kann die Qualität abnehmen, aber es ist nicht verdorben oder ungenießbar vom einen Tag auf den anderen.

Dann natürlich Essensreste. Viele haben ja Scheu, aber ich kann euch versichern, dass man sich im Restaurant immer freut, wenn der Gast die Reste mitnimmt. Kein Restaurant sieht gerne das eigene Essen im Müll landen. Ich nehme übrigens dafür meine eigene Dose mit. Wenn schon, denn schon! Zu Hause mache ich das Gleiche: was ich nicht schaffe wird nicht etwa vom Teller in die Tonne gekratzt. Nö, das wird schön weggepackt und ist meine Vorspeise bei der nächsten Mahlzeit.

Ein weiterer Faktor ist Fleisch, was auch sehr auf Kosten die Umwelt geht. Inwiefern?

Na, weil tierische Produkte zehn mal so viele Wasser und Energie verbrauchen, als beispielsweise pflanzlicher Kost. Dazu kommt ja, dass wir in Deutschland enorm viel Fleisch essen: 60kg pro Kopf pro Jahr!

Das ist mehr als eine Shia, kann ich dir sagen! Und gilt auch nicht mehr als gesund.

Der WWF hat mal ausgerechnet, dass, wenn alle Menschen in Deutschland ihren Fleischkonsum einfach nur auf ein gesundheitlich sinnvolles Maß von gut die Hälfte herunterschrauben würden, würden wir bereits den Gegenwert von 100 Milliarden PKW-Kilometern an Treibhausgasen und Ackerflächen so groß wie Sachsen einsparen.

Und: wer eher pflanzliche Lebensmittel ist, gibt 20% weniger aus, als eine fleischbetonte Ernährung. Ich lebe vegan und gebe sogar noch weniger aus, und das, obwohl ich ausschließlich bio, regional und saisonal einkaufe!

Das hätte ich ja jetzt nicht gedacht! Aber ja, regional und saisonal ist ja da bestimmt auch gut fürs Klima!

Ja, ganz genau! Und bei Bio ist im Vergleich zum konventionellen Anbau ist der CO2-Ausstoß auch noch mal geringer.
Bei regional und saisonal liegt der Klimavorteil ja auf der Hand: Je weniger Kilometer ein Lebensmittel bis zu uns auf den Teller zurücklegen musste, desto besser. Und dass Erdbeeren oder Gurken aus dem Gewächshaus im Winter auch nicht wirklich klimafreundlich sind, ist ja auch klar. Muss ja auch nicht unbedingt sein. Übrigens bessert es auch die Bilanz auf, wenn du deinen Einkauf zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem ÖPNV statt mit dem Auto machst ;).

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