Warum man Wasser in PET-Flaschen verbieten sollte

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 heißt der Sender aber COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Plastik ist Gift für unseren Planeten. Soviel sollten wir mittlerweile verstanden haben. Deswegen ging es zuletzt ja auch zunächst den Plastiktüten im Einzelhandel an den Kragen und momentan sind besonders die Coffe-To-Go-Becher mit ihren Plastikdeckeln im Visier der Umweltschützer. Aber was ist eigentlich mit Plastikflaschen? Die hat unsere Zero Waste lebende COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su gerade im Visier und sagt: Wasser in Plastik – am besten verbieten!

Shia warum ausgerechnet die PET-Flasche?

Die Idee ist jetzt nicht auf meinem Mist gewachsen. Das erste Wasser-in-Plastikflaschen-Verbot wurde schon 2009 in Australien ausgesprochen. Und es macht Sinn. Denn Wasser in Flaschen ist einfach noch unnötiger als Plastiktüten oder Coffee-to-go-Becher! Guck mal, wir haben Trinkwasser, das direkt zu uns nach Hause kommt. Ganz ohne Verpackung, ganz ohne Aufwand. Wir müssen nur irgendeinen x-beliebigen Wasserhahn aufdrehen und ein Gefäß drunter halten. Aber nein, irgendwie ist uns das offenbar zu praktisch und zu preisgünstig. Stattdessen wollen wir lieber wie unsere Vorfahren unser Wasser selber suchen gehen. Wir möchten dafür durch die Gegend fahren, bis zu 2000 Mal mehr Geld pro Liter dafür ausgeben und unsere Errungenschaft dann nach Hause wuchten, damit wir hinterher sagen können: Nee, spülen geht grad nicht, ich hab Rücken…

Shia, wie sieht denn nun die tatsächliche Ökobilanz der PET-Flasche aus?

Ziemlich übel. Betrachtet wird mal die dafür die Herstellung der PET-Flasche an sich, dann so was wie das Ausspülen der Flasche, das Abfüllen, das Etikettieren und dann natürlich noch der Transport.
Eine Flasche Wasser aus der eigenen Region, also unter 50km weit weg, verbraucht ungefähr 380 Mal mehr Energie. Vergrößern wir die Distanz auf 1000km, dann sind es schon 700 Mal mehr Ressourcen. Und immer häufiger wird Wasser von noch weiter her importiert, damit wir uns zu Hause mal etwas internationaler fühlen können.

Ja, aber ist Plastikflasche gleich Plastikflasche? Es gibt doch Einwegflaschen, Mehrweg-PET-Flaschen, Mehrweg-Glasflaschen…?

Generell ist Mehrweg natürlich besser, und Glas auch, aber nur, wenn man auch Getränke aus der Region kauft. Aber die Flaschenart ist nicht das eigentliche Problem beim Wasser. Das eigentliche Problem liegt darin, dass abgefülltes Wasser hierzulande einfach nur ein überflüssiges Konsumprodukt ist, das die Umwelt enorm und absolut unnötig belastet, nicht mal so streng kontrolliert wird wie Trinkwasser aus der Leitung und auch noch überteuert ist! Wer Angst vor Leitungswasser hat, kann gerne auch bei Stiftung Warentest den Wassercheck nachlesen. Dass abgefülltes Wasser besser sein soll, ist nämlich ein gewollter Mythos. Oder wie im Jahre 2000 die Führungskraft der Getränkeabteilung der amerikanischen Lebensmittelgiganten Quaker Oats es so schön auf dem Punkt brachte: “Wenn wir fertig sind, dann wird die Nutzung von Leitungswasser allein mehr aufs Duschen und Abwaschen reduziert sein.“ (Quelle)

Ja, aber komm, so ‘ne 1.5 L Flasche kostet doch gerade mal 20 Cent beim Discounter!

Ich hab ja mal etwas gerechnet. Man soll ja 2 Liter am Tag trinken. Aufs Jahr gerechnet kostet die Menge an Leitungswasser ungefähr 2.50€. Nehmen wir das billigste Flaschenwasser vom Discounter, da kommt man auf 92.50€. 90€ haben oder nicht haben sag ich nur. Dann aber das Markenwässerchen. Da kommt man bei ungefähr 600€ raus! 2.50€ kostet die gleiche Menge aus der Leitung. Fürs ganze Jahr. Dafür bekommt man an der Raststätte oder am Bahnhof gerade mal einen halben Liter in der Flasche. Und ich sag’s noch mal: Besser kontrolliert und regional. Das wollen wir doch alle immer. Schön regionale Lebensmittel und so.

Hm, aber wie realistisch ist denn so ein Verbot in Deutschland oder in der EU?

Ehrliche Meinung? Es wird noch dauern. Es gibt schon einige wenige Verbote auf der Welt. 2009 ging eine Kleinstadt in Australien voran. Eine weitere Kleinstadt in den USA hat den Irrsinn auch schon verboten. In Italien wurden Plastikflaschen schon 2010 entlang einer Küste von Cinque Terre verboten. Ist auch Weltkulturerbe. Es gibt aber auch gescheiterte Vorhaben. Montreal in Kanada wollte Anfang letzten Jahres als erste Großstadt Wasser in Plastikflaschen verbieten und es ist nichts mehr seitdem passiert. In der Schweiz ging der erste Antrag auf ein Verbot von Wasser in Plastikflaschen sogar schon 2009 ein, sogar von einem konservativen Politiker – und wurde abgelehnt. Der gute Herr, Jacques Nierynck heißt er, hat es damals aber gut auf den Punkt gebracht. Es muss erst mal ein Bewusstsein für diese Problematik geschaffen werden. Und wir müssen uns fragen: Welchen Aufwand darf die Gesellschaft für ein simples Produkt wie Wasser betreiben?

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14 Kommentare

  1. Hallo Shia,

    ich werde eine Zeit nach Vietnam wohnen. Aus meinen letzten Besuchen und bereits seit meine Kindheit trinkt man dort nur Wasser aus der PET Flasche, denn das dortige Leitungswasser unterliegt nicht solchen Kontrollen wie hier in Deutschland. Nun bin ich auf den Gedanken gekommen evt. eine kleine UV- Filtrierung o.Ä. anzuschaffen. Ähnlcih wie für Wanderungen und Outdoor Geschichten. Hast du heirzu bereits Erfahrungen oder mal was gehört?

    LG und dank

    Katja

  2. Manfred Lebek

    Unser Leitungswasser ist leider sog. Rhein-Ufer-Filtrat und wird jetzt auch noch gechlort 😐
    Wer mal mit Quellwasser/Mineralwasser Tee gekocht hat, der rührt die Brühe aus dem Hahn nicht mehr an, das schmeckt wie aus dem Chemiebaukasten!
    Zum Glück ist die Eifel bei uns in der Nähe und man kann aus zahlreichen Quellen literweise Quellwasser zapfen!

    Fazit: die Leitungswasserqualität ist regional sehr unterschiedlich!

  3. Christina@email.ch

    Nie wieder paypal…
    Ich finde eure Arbeit genial und gut recherchiert. Wollte darum auch dafür spenden – aaaaber – das geht offenbar nur mit paypal. Mit denen hab ich mir aber dermassen die Finger verbrannt ( da bin ich übrigens nicht die einzige), dass das gar nicht geht. Sorry

  4. katrinelli

    Hallo,
    vom ökologischen Aspekt hast du natürlich uneingeschränkt recht. Wir persönlich trinken auch gesprudeltes Leitungswasser aus Glasflaschen, selbiges nehmen auch die Kinder in die Schule mit.
    Von den Plastikflaschentrinkern höre ich aber häufig als Argument, es schmeckt besser – jeder hat seine spezielle Sorte etc. Was will man da bitte entgegnen? Öko-Argument und Kostenfaktor haben gegen „Geschmack“ kaum Einfluss. Daher fürchte ich, dass der Sinneswandel noch sehr lange dauern wird. Ein Verbot ist da sicher effektiver, aber hier auch schwer durchzusetzen.
    Wir hoffen einfach mal, dass genügend Vorbilder sich irgendwann durchsetzen.
    LG Katrin

  5. Dorothea

    Mit wie vielen Leuten ich mich schon gezankt habe weil sie meinen das Wasser aus der Leitung in Hamburg wäre die flüssige Pest.. einigen ist einfach nicht beizukommen. Anscheinend haben sie zu viel Geld und zu viel Freizeit und einen zu gesunden Rücken. Von meiner Reise in die USA habe ich drei schöne Edelstahlflaschen für meinen Freund, mich und meinen besten Freund mitgebracht. Das war die beste Investition seit langem. Mein Freund der sich doch gerne mal unterwegs noch eine Flasche mit was auch immer gekauft hat trägt jetzt genau wie ich immer brav sein eigenes Fläschchen mit sich herum. Bei langen Autofahrten auf denen mir immer entsetzlich übel wird haben wir dann unseren Ingwertee dabei, die Flasche isoliert nämlich auch hervorragend. Wer Flaschenwasser kauft ist doch einfach nur selbst schuld. Unsere Patienten bekommen übrigens auch Leitungswasser aus einem Trinksprudler in (Plastik) Mehrwegflaschen von uns abgefüllt. Glas wäre mir persönlich zwar lieber, aber solange sich die anderen dagegen sperren ist das ein Kompromiss mit dem ich leben kann.

    • Haha, das hast du alles wirklich köstlich gesagt 😀
      Ich kann dir da nur zustimmen. Und ich find das schon ziemlich gut, dass ihr selbst gesprudeltes Leitungswasser anbietet! Das ist ja trotzdem um ein Vielfaches ökologischer! Und ich kann dir nur zustimmen, man labert sich häufig den Mund fusslig. Manchmal braucht es aber einfach nur etwas mehr Zeit. Wir sind ja genauso aufgewachsen, bei sowohl Hanno (meinem Mann) als auch bei mir in der Familie gab es immer nur Wasser aus Flaschen. Anfangs Glas und irgendwann PET. Im Studium haben wir uns dann mal schlau gemacht und sind auf einen Wassersprudler umgestiegen, weil ich der Meinung war, ich würde stilles Wasser beim besten Willen nicht runterkriegen. Nach über einem halben Jahrzehnt riss uns die Plastikhalterung vom Sprudler und unser Vorhaben, den zu ersetzen, zog sich aus Faulheit hin. Und siehe an: Faulheit siegte über Sprudelwasser und seitdem sparen wir uns auch den Sprudler und natürlich kann man genauso gut stilles Wasser trinken! Inzwischen bekomme ich einen aufgeblähten Magen, wenn ich mehr als ein kleines Glas Getränk mit Kohlensäure (in meinem Fall ist das selbstgemachter Kombucha) trinke.

  6. Und was in Gegenden, wo das Wasser zwar um 2,50 aus der Leitung kommt, und voll Chlor ist? Das hat ja auch einen Grund, warum da Chlor reinkommt. Wie siehst du das?

    • Da gibt es ein einfaches Mittel: Abkochen ;). Und ja, es hat seinen Grund: Trinkwasser aus der Leitung unterliegt nämlich strengeren Kontrollen als Mineralwasser, d.h. man kann auch etwas gegen Verunreinigungen machen. Mineralwasser wird hingegen kaum aufbereitet. Aber für diese Diskussion habe ich den Test von Stiftung-Warentest oben ja direkt verlinkt, die können im Gegensatz zu mir oder dir nämlich Proben nehmen und wissen, wie man so was testet.

  7. Catharina

    Danke für diesen Beitrag! Das Bewusstsein für diesen Unsinn muss tatsächlich dringend wachsen. Und ähnlich wie bei Einwegbechern wäre ein Verbot sinnvoll anstatt darauf zu warten dass dieser Bewusstseinswandel bei der Mehrheit der Bevölkerung eintritt.

    • Hi Catharina,
      ja, das mit dem Bewusstseinswandel… Ich finde es erschreckend, wie tief das Vertrauen in „die Industrie“ ist und wie sehr Angstmache funktioniert. Dabei ist Trinkwasser aus der Leitung das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Da fallen natürlich auch kleine Schwankungen direkt auf. Da sollte man sich doch eher mal fragen, was bei den anderen Lebensmitteln und auch Wässerchen unentdeckt bleibt…
      Liebe Grüße,
      Shia

  8. Wow wie wichtig und richtig .. Kranvatten heißt das Wasser aus der Leitung hier in Schweden .. und ich muss sagen, da sind die Schweden einen Tick weiter! Hier ist die Meinung weeeeit verbreitet, dass das Trinkwasser aus dem Hahn am gesündesten und am besten ist. Aber die Wasserqualität ist nicht in allen Ländern so gut, oder? Oder ist das auch nur so verbreitet worden , weißt du etwas dazu?
    Ein toll geschriebener und recherchierter Beitrag und danke für die Links zum Nabu, zur stiftung und ban the bottle!! 🙂
    Lovisa von Schwedenlichter grüßt herzlich

    • Hi Luvisa,
      das ist ja witzig, bei uns im Pott heißt das so ähnlich, nämlich „Kraneberger“! Und nein, die Wasserqualität ist nicht in allen Ländern so gut wie in Schweden, Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Wenn ich die Zahlen recht im Kopf habe haben knapp eine Billionen Menschen weltweit keinen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser. Und wir spülen hierzulande das Klo damit und haben trotz einwandfreier Qualität und flächendeckendem Zugang immer noch dran zu meckern, schnüff… So was macht mich immer ein bisschen traurig. Umso mehr freue ich mich, dass man in Schweden da schon einen Schritt weiter ist! So muss es sein, ganz toll!
      Liebe Grüße,
      Shia

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