Warum Laubsauger und Laubbläser ein Unding sind

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Der Hahn hat noch nicht mal drei mal gekräht, da tragen sie schon zur morgendlichen Lärmkulisse bei: die Laubsauger und Laubbläser. Doch diese Dinger sind nicht nur laut und nervig, sondern auch eine ganz schöne Umweltbelastung. Sagt Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin

Erklär uns das mal, Shia? Was ist so belastend an den Laubsaugern?

Der Lärm nervt, klar – aber die Lärmbelastung ist da meiner Meinung nach eher noch das kleinste Problem. Diese überdimensionierten Gerätschaften belasten einfach die Umwelt auf so vielen Ebenen! Ein Sauger liegt leicht beim 40 bis 200fachen des Ausstoßes eines Pkw’s mit Katalysator. Das ist nicht nur Luftverschmutzung – Stichwort Feinstaub – die man direkt schon als Passant im Vorbeigehen merkt, sondern einfach mal schlecht fürs Klima. Aber auch das ist nur eins von vielen Problemen. Der Geschäftsführer Sönke Hofmann vom Naturschutzbund NABU, nennt diese Geräte sogar “Kleintier-Killer”, und das zurecht! Außerdem machen sie den eigenen Garten anfälliger für Schädlinge…

Das Laubsauger ganz schön viel CO2 in die Luft pusten, hab ich verstanden, aber wieso schaden die dem Garten?

Ein Problem, das kaum einer auf dem Schirm hat: Laub ist wichtig für unser Ökosystem. Laubhaufen sind für viele Tiere wie unter anderem Igel, Käfer und Regenwürmer notwendige Überwinterungshilfen. Ohne wird es also nicht nur ungemütlich, sondern lebensgefährdend für diese Tiere. Davon abgesehen sind viele Kleintiere im Laub sehr nützlich: Regenwürmer und Asseln sind wunderbare Kompostierer, ihr Kot guter Dünger. Sprich: Sie sind gut für den Garten und außerdem Nahrung für Vögel im Winter. Laubsauger saugen und zerhäkseln leider nicht nur das Laub, sondern all diese nützlichen Tierchen! Und nicht selten liegt ja auch Müll dazwischen. Der wird gleich mit zerhäkselt und verteilt sich, sodass die ganze Masse, die ja sonst wertvoller Biomüll wäre, zu Restmüll wird.

Und was ist mit Laubbläsern? Die wehen ja sozusagen nur alles zusammen, also ähnlich wie harken oder kehren, oder?

Da ist es ähnlich wie bei den Laubsaugern. Laubbläser zerstören den Lebensraum der Kleinstlebenwesen genauso gründlich wie Laubsauger. Mag man nicht glauben, aber: Eine Harke ist da nicht so aggressiv. Das Laub landet auch wieder häufig mit Straßenmüll auf einen Haufen und somit in den Restmüll. Außerdem werden dabei viele Sachen aufgewirbelt, die man lieber nicht in der Luft haben möchte: Hundekot, Reifenabrieb und auch Feinstaub zum Beispiel…

Was für Alternativen gibt es denn statt Laubsauger und -bläser?

Na, der gute alte Rechen für den Garten und ein Besen für den Gehweg. Ganz low-tech, spart Geld und Emissionen. Aber am allerbesten ist es, wenn das Laub im Garten einfach liegen bleibt! So spart man sich sogar die Arbeit! Die Laubschicht schützt nämlich den Boden und die sogenannte Mikrofauna darunter vor Frost und Austrocknung. Wenn man also zu gründlich Laub entfernt, tut man seinem Garten nämlich nichts Gutes, sondern im Gegenteil – man macht ihn anfälliger für Schädlinge. Also: unter Sträuchern und Bäumen das Laub ruhig liegen lassen und den Rest, wenn’s sein muss, am besten zu einem Haufen kehren und den in Ruhe lassen. Wer dafür kein Platz hat, kann das Laub auch natürlich auf den Komposthaufen tun, wo die Tierchen im Laub beim Kompostieren helfen oder zur Not in die Biotonne geben.

8 Kommentare

  1. Erst Laubbläser, dann Rindenmulch oder Kälteschutz für Pflanzen aus Jute und Kokosfaser. Total schräg. Wie Evelyn treffend sagt, im professionellen Bereich gibt es trotzdem keine Alternative; dazu zählen mittlerweile leider auch die Kommunen. Um das zu ändern, ist großes Umdenken notwendig, z. B. Laub einfach (wieder) schön zu finden, das Herbstchaos zu akzeptieren oder zu mögen, und die nicht zu Kompost gewordenen Reste erst im Frühjahr auf den Komposthaufen zu bringen. Zumindest am Land und im Dorf.

  2. Danke für diesen Beitrag, Shia!
    Vorgestern haben die kommunalen Angestellten das Laub von der Grünfläche vor unserem Haus geblasen. 10 Minuten lang war Höllenlärm und danach war ein mickriger Haufen Laub zusammen, den ich in der halben Zeit mit dem Rechen geschafft hätte. Dann kommt der Laster und holt das Laub mit dem Greifarm auf die Ladefläche. Während dieses Vorgangs wird der Motor laufen gelassen. Doch Laubbläser sind nicht nur laut und umweltschädlich, sondern sie wirbeln Staub, Tierkot, Pollen, Bakterien und Schimmelpilzsporen auf.
    Bin ich froh, dass wir es schaffen das Laub unserer Bäume mit Hand zusammenzurechen. Die Arbeit ist meditativ und Bewergung an der frischen Luft schaden nicht! Wir lassen auch immer einen Laubhaufen über den Winter liegen und entfernen ihn erst im zeitigen Frühjahr. Den Rasen mähen wir mit einem klassischen Spindelrasenmäher, der macht keinen Lärm und schont Kleintiere.
    Viele Grüße
    Inés

  3. Hallo,
    gutes Thema – der Garten – wie siehst du das mit dem Rasen? Noch habe ich keinen Garten. Ich möchte später natürlich einen großen Gemüsegarten haben. Doch wenn man Kinder hat, benötigt man ja auch Spielfläche, die ich mir nur als Rasen vorstelle, der dann gemäht wird und der Rasenmäher ist sicherlich genauso schädlich wie der Laubsauger. Ich würde jetzt den Kompromiss schließen und die kleine Rasenfläche dann nur mähen, wenn es nicht mehr geht (sprich lang genug ist). Oder gibt es andere Ideen/Kompromisse?

    • Wenn du nur einen kleinen Garten hast, dann reicht ein elektrischer Rasenmäher, der keine direkten Emissionen erzeugt (aber natürlich Strom verbraucht).
      Als Alternative zum klassischen Rasen kann man sogenannte Nutzwiesen sähen. Das sind Wiesen mit verschiedenen einheimischen Gräsern und Blumen, die meist nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden müssen und vielen Insekten Heimat bietet. Die Mischung stellt man je nach Boden und Nutzungsintensität zusammen. Gute Infos dazu findet man beim BUND und NABU.

  4. Evelyn Schlosser

    Hallo Shia.

    Grundsätzlich geb ich dir Recht. Man kann und sollte auf den Einsatz von Laubsaugern/-bläsern so gut es geht verzichten. Gerade im privaten Bereich.

    Im gewerblichen Bereich (ich arbeite im Landschaftsgartenbau) lässt es sich dennoch meistens nicht vermeiden. Das liegt oft daran, dass es schnell gehen muss und „sauber“ aussehen soll. Die Kunden denken dabei eher selten an das ökologische Gleichgewicht in ihrem Garten oder im Park, auf Spielplätzen oder Parkplätzen, wo der Bläser dann gerne mal zum Einsatz kommt. Hier müsste ein Umdenken von Kundenseite aus stattfinden. Bis dahin wird diese ungeliebte Lärmquelle und Dreckschleuder wohl so schnell nicht von unseren Straßen verschwinden.

    • Hi Evelyn,
      ich persönlich denke, dass es eine Frage von Aufklärung ist. Viele der Kunden würden sich sicherlich anders entscheiden, wenn sie wüssten, zu was für einem Preis diese „Sauberkeit“ kommt. Kunden sind auch meistens Laien und das nur eine von vielen Aufgaben, die abgehakt werden muss. Gerade wenn du im Landschaftsgartenbau arbeitest hast du ja die Chance, Kunden aufzuklären! 🙂
      Meiner Meinung nach geht es nicht darum, zu gucken, wer jetzt mit dem Umdenken anfangen müsste. Supermärkte und Hersteller sagen ja auch, es sind die Kunden, die das so wollen, ihnen seien die Hände gebunden. Aber auch da gibt es aktive Menschen, die einfach das Heft in die Hand nehmen und z.B. durch das Eröffnen von einem Unverpackt-Laden zum Umdenken anregen. Das zeigt, finde ich, immer, dass die Realität nie so einseitig und einfach viel komplexer ist, als der gängige Sprachgebrauch es uns suggeriert.
      Liebe Grüße,
      Shia

      • Evelyn Schlosser

        Da hast du vollkomment Recht. Und sollte ich jemals mein eigener Chef werden, sprich Selbstständige werden, wird es ohnehin fester Bestandteil meiner Beratungsgespräche auf den Umweltaspekt hinzuweisen.
        Bis dahin bin ich an die Anweisungen meines Vorarbeiters / Chefs gebunden. Und der sagt: Laubbläser benutzen. -.-„

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