Vom Kühlschrank in die Tonne – Lebensmittelverschwendung

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 nun umbenannt in COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Wie macht ihr das eigentlich? Also, ich koche ja sogar regelmäßig, und weil es auch mal gesund sein soll, schnippel ich auch mal ‘nen Brokkoli. Aber was ist eigentlich mit dem Strunk? Kommt der bei euch mit rein? Tatsächlich ist der Strunk essbar und schmeckt genauso gut wie die Röschen! Meistens landet der aber trotzdem im Müll, was eine ganz schöne Lebensmittelverschwendung ist! 82 kg Lebensmittel schmeißt jeder von uns im Jahr zu Hause weg. Zwei Drittel davon wären – wie der Strunk – noch essbar und gehören gar nicht in die Tonne, sagt Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin.

Shia, das ist ja, finde ich, schon extrem viel…

Ja, so 82 kg, das ist so, als ob ich einmal im Jahr meinen Mann in die Mülltonne stopfen würde! Und neben der Menge an Lebensmitteln, geht auch jede Menge Geld in den Müll: 235 EUR pro Jahr und pro Person. Wenn das eine vierköpfige Familie oder Wohngemeinschaft ist, dann kann man sich von dem Geld locker einen Wochenendtrip leisten, dann sind es nämlich knapp 1000 Euro insgesamt, die wir in den Müll werden.

Na, das kann ja keiner wollen. Aber wie passiert das denn trotzdem?

Ein wesentlicher Grund für Lebensmittelverschwendung ist, dass wir grundsätzlich mit den Mengen nicht klarkommen. Da scheinen wir das Gefühl verloren zu haben. Also: Wir kaufen schon viel zu viel ein, kochen zu viel und wenn dann was übrig ist, wird das nicht weiter verwendet, sondern landet im Müll.

Shia, bei Lebensmittelverschwendung zu Hause fällt mir ja direkt das Mindeshaltbarkeitsdatum ein. Ist ja auch ein Dauerthema. Nimmst du sowas überhaupt noch ernst oder vertraust du nur deiner Nase und entscheidest selbst: z.B. abgelaufener Jogurt noch gut oder wegwerfen?

Also ernst nehme ich so ein Datum nicht wirklich. Warum: Das würde ja bedeuten, dass genau eine Minute nach Mitternacht der Jogurt sich denkt: So mein Datum ist abgelaufen, jetzt schmeck ich nicht mehr und bin ungenießbar.

Es heißt ja Mindesthaltbarkeits-Datum, d.h. das Lebensmittel ist mindestens bis zu dem Datum haltbar, aber meistens noch weit darüber hinaus, nur lässt dann die Qualität nach. Und mal seinem Näschen zu vertrauen ist das Vernünftigste, was man machen kann, denn das MHD wird vom Handel bestimmt! Und die haben natürlich ein Interesse, uns immer mehr und mehr zu verkaufen.

Bei Trockenwaren wie Salz, Nudeln und Reis ist das MHD sogar extra kurz angesetzt, um den Umsatz anzukurbeln – auf der anderen Seite frag ich mich: Wann fangen Nudeln oder Reis oder Salz den tatsächlich an ungenießbar zu sein – das müssen schon vielleicht Jahrzehnte sein, bevor die Spaghetti bei mir Zuhause im Regel verschimmeln. Also da nicht nur dem Datum trauen, sondern auch dem eigenen Verstand und der eigenen Nase.

Wie kann ich denn vermeiden, dass Lebensmittel im Müll landen?

Der erste Schritt ist der bewusste Umgang mit Lebensmitteln. Wir denken ja nie darüber nach, wie viel Arbeit und Ressourcen im Anbau, Transport und Lagerung eines Lebensmittels stecken. In einem einzigen Apfel stecken z.B. 7 Putzeimer voll Wasser. Man wirft also nicht einfach nur einen Apfel in die Tonne, sonder jede Menge kostbares Wasser.

Als nächstes geht es darum, Lebensmittelverschwendung vorzubeugen. Also VOR dem Einkauf tatsächlich erst mal einen Blick in die Küchenschränke und den Kühlschrank werfen und am besten eine Einkaufsliste machen, um nicht doppelt und zu viel einzukaufen.

Was ist aber, wenn ich das trotzdem falsch eingeschätzt habe? Ich habe zu viel eingekauft oder zu viel gekocht. Was mach ich dann?

Zu viel gekocht ist doch super! Ich sag immer, mein Lieblingsessen sind Reste. Denn gerade, wenn man immer superbusy ist ist es doch klasse, noch fertiges Essen zu Hause zu haben und sich nicht noch darum kümmern zu müssen! Was ich nicht schaffe, esse ich einfach bei der nächsten Mahlzeit als Vorspeise anstatt die Reste vom Teller in die Tonne zu kratzen.
Wenn man aber vielleicht danach erst mal nicht zum Aufessen kommt, weil man vielleicht gar nicht zu Hause isst, dann kann man das meiste auch problemlos einfrieren. Obst und Gemüse halten sich auch im Kühlschrank häufig länger, wenn man sie in ein feuchtes Geschirrtuch einschlägt.

Apropos Obst und Gemüse. Man kann ja nicht alles einfrieren. Bananen zum Beispiel. Was mache ich damit, wenn die schon braun sind?

Du, Bananen kann man tatsächlich wunderbar einfrieren! Einfach schälen und in ca. 2 cm große Stücke schneiden. Daraus kann man dann wunderbar Nicecream machen, voll der Hit gerade, auch Nanaice genannt. Das ist gesundes Eis aus pürierten, gefrohrenen Bananen. Schmeckt genial!

Aber gerade braune Bananen würde ich gar nicht einfrieren, sondern entweder einen leckeren Shake oder Bananenbrot daraus machen, denn die schmecken nur richtig geil mit richtig reifen Bananen!

8 Kommentare

  1. Liebe Shia,

    ich verwerte auch so gut wie alle meine Lebensmittel.
    In meinem Genossenschaftsladen kaufe ich oft runtergesetztes Obst und Gemüse, da sind dann Druckstellen dran oder es ist inzwischen Neuware gekommen und der Regalplatz soll frei werden. Das ist natürlich viel zu schade zum Entsorgen.
    Aus Gemüseabschnitten/Resten kann man gut Gemüsebrühe herstellen: 10 Teile Gemüse mit 1 Teil Salz im Mixer pürieren und in Gläser füllen. Hält monatelang durch das Salz und du weißt, was drin ist.

    „Fehlkäufe“ kann man ja auch der Food-Sharing spenden, habe ich zum Glück nur sehr selten.
    Ansonsten sind Unverpackt-Läden ja ideal gegen Verschwendung, da man ja nur die Menge einkaufen muß die auch verbraucht werden kann.

    Deinen Blog finde ich großartig!
    Mach so weiter und liebe Grüße!

    • Hi Katja,
      oh ja, selbstgemachte Gemüsebrühe ist klasse <3! Hatte mir letztens eine Freundin geschenkt, und ich war begeistert! Oder man kann daraus direkt eine Gemüsebrühe kochen, aber natürlich nur, wenn man die dann auch aufbrauchen kann (wegen der Haltbarkeit).
      Und genau, ich finde es bei Unverpackt-Läden auch klasse, dass man die Menge kaufen kann, die man braucht!
      Liebe Grüße,
      Shia

  2. Schade finde ich immer, wenn man nichts wegwerfen will und deswegen immer seinen Teller leer isst, obwohl man keinen Hunger mehr hat. Ich denke zu einem sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln gehört auch, dass man auf sein Hungergefühl hört!

    Aufzuhören und dann bei der nächsten Mahlzeit die Reste zu essen finde ich sinnvoller und wenn das Lebensmittel nicht haltbar ist werfe ich die Reste auch weg (Kompost, es wird also Erde draus). Das finde ich besser als sich vollzustopfen obwohl man keinen Hunger mehr hat. Das nützt auch keinem mehr etwas, außer dass ich mich danach schlecht fühle und zunehme.

    Meiner Meinung nach fängt die Lebensmittelverschwendung beim Einkaufen an. Wenn man merkt, dass man immer zu viel Essen hat, sollte man vielleicht auch einfach probieren weniger zu kaufen. Es geht ja nicht darum, dass auf keinen Fall Essen weggeworfen wird weil ganz ehrlich ob das Essen jetzt in der Biotonne oder im Magen landet macht auch keinen Unterschied.

    Für mich geht es um die Wertschätzung des Lebensmittels an sich und der Aufwand der benötigt wurde um es zu produzieren, diesen sollte man wertschätzen und es dementsprechend genießen, finde ich 🙂

    • Hi Klara,
      ja, das mit dem Aufessen habe auch ich damals noch anerzogen bekommen. Wichtig ist, finde ich immer, auch VOR dem Essen schon mal auf sein Hungergefühl zu hören und nicht erst beim Essen. Sprich: Sich eine angemessene Portion aufzugeben. Wir geben uns lieber etwas weniger auf und nehmen uns ggf. nach. Klar, das hatte auch gedauert, bis wir unseren Hunger mit Portionsgrößen verbinden konnten, weil wir früher viel auswärts und in der Mensa/ Kantine gegessen haben, wo es feste Portionen gab. Und was heute doch mal (selten) bei uns auf dem Teller übrig bleibt, das essen wir (wie ich oben auch gesagt habe) als Vorspeise bei der nächsten Mahlzeit mit, denn auch wenn wir selber kompostieren, ist das ja noch vollkommen gut und essbar und würde ich jetzt nicht wegschmeißen ;).
      Liebe Grüße,
      Shia

  3. Ich koche sogar extra viel am Wochenende, so spare ich mir an wenigstens zwei Tagen in der Woche das Kochen zu Mittag, wenn das Schulkind heimkommt. Und besonders kreativ werde ich, wenn es darum geht Reste zu verwerten. Meistens kommt dann ein Gericht heraus, das besser schmeckt als das ursprüngliche. Bei uns werden keine Lebensmittel weggeworfen, sondern wenn ich merke, dass was schrumpelt oder braun wird, dann werden schlechte Stellen ausgeschnitten und sofort was daraus gemacht. Entweder gleich gegessen oder eingefroren.
    Beim Mindesthaltbarkeitsdatum gehe ich nur nach der Nase, da kann ich drauf vertrauen. Und trockene Lebensmittel wie Nudeln und Reis halten jahrelang. Wichtig ist bei allen Lebensmitteln die richtige Lagerung, damit kein Ungeziefer dazu kommt. Am besten Umfüllen in luftdichte Vorratsgläser aus Glas oder lebensmittelgeeigneten Kunststoff sind besser als die Sachen im Karton oder Plastiksack zu lassen.
    Danke für deine tollen Tipps! Sehr gefreut hat mich kürzlich dein Beitrag über „Coffee-to-go“. Leute, die sowas oder Kaffeekapselmaschinen erfinden, sollen mit dem Geld, dass sie damit verdienen gleich die Entsorgungskosten bezahlen.
    Liebe Grüße, Petra

    • Hi Petra,
      ja, wir kochen auch immer extra viel. Allerdings machen wir das so, dass wir versuchen, jeden Abend zusammen zu kochen und das reicht dann meistens für 2-3 Mahlzeiten. Wir sind ehrlich gesagt leider nicht ganz so kreativ bei der Resteverwertung… Die werden einfach gegessen, wie sie waren. Aber wir werden dafür immer besser darin, aus dem, was wir zu Hause haben, etwas Buntes und Leckeres zusammenzuwürfeln :)!
      Da wir weitesgehend verpackungsfrei einkaufen, haben wir zum Glück gar nicht die Option, die Sachen in ihrer Verpackung zu lagern :). Auch ein Vorteil, hihi.
      Shia

  4. ‚Nicecream‘? Dafür gibt es ein eigenes Wort?! Ts.

    Ich habe vor Jahren angefangen, Bananen einzufrieren, zu pürieren und mit Kakao zu mixen – es gab noch keine vegane Eisdiele in Hamburg und wir wollten nicht immer nur (ebenso hergestellte) Sorbets, sondern auch mal Schokoeis essen (ohne eine spezielle Maschine zu kaufen) …

    Schön, dass es jetzt ein hipper Trend ist: Dann greifen hoffentlich weniger Leute zu in Plastik verpacktem Milcheis und werden selbst kreativ. 🙂

    Wieder ein toller Beitrag, liebe Shia!

    … und wir essen übrigens auch gerne Reste, als Pfannengericht oder überbacken als ‚Hoppel-Poppel‘ (nach einem Zitat aus Miss Marple’s ‚Mörder ahoi‘). Geht schnell und ist lecker, hehe. 😉 🙂

    Herzliche Grüße aus Hamburg!

    • Ahahah, ja, das hat inzwischen einen hippen Namen XD. Ich bin zugegebenermaßen auch erst mit dem Trend drauf gekommen, dass man Bananen sehr wohl einfrieren kann. Ich dachte vorher auch, das ginge nicht! Nicht, dass es bei mir Auswirkungen gehabt hätte, ich essen bis heute kaum Bananen. Wenn man wie ich gegen alles an rohem Obst so lange allergisch war (seit Zero Waste wird es besser <3), dann gewöhnt man sich ab, Obst zu essen. Hin und wieder gibt es bei mir mal einen Banane im Smoothie/Shake.
      Und Reste zu überbacken klingt übrigens auch lecker!!

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