Shia besucht Unverpackt-Läden Nr. 7 – Tara in Osnabrück

Seit dem 22.09.2016 gibt es in Osnabrück den Unverpackt-Laden Tara. Ganze elf Jahre habe ich im idylischen Osnabrück gelebt, weswegen ich mich besonders über diesen Unverpackt-Laden freue! Als wir dann zwischen den Jahren zum Geburtstag-Brunch einer Freundin in Osnabrück waren, haben wir die Chance genutzt, auch Tara mal einen kleinen Besuch abzustatten, bevor wir wieder weiterzogen 😁.

Wie funktioniert das mit dem unverpackten Einkaufen?

Ach, alles ganz easy! Man wiegt die mitgebrachten (noch leeren) Behälter entweder an der Waage, die auch einen Sticker ausspuckt (der allerdings Restmüll ist) oder an der stickerlosen Kontrollwaage, neben der ein Stift ist, mit dem man das Gewicht einfach auf das Behältnis notiert. Man kann aber natürlich auch einfach die Notiz-App auf dem Handy benutzen. Ich persönlich finde es immer wichtig, dass es die Option gibt, das Ganze auch stickerlos zu regeln, denn schließlich kaufe ich unverpackt, um Müll zu vermeiden und nicht, um Restmüll zu generieren. Und bei mehreren Sachen kommt bei einem Einkauf schon so einiges zusammen.

Tipp: Wir haben uns mit einem Permanent-Marker das Gewicht auf all unseren Behältnissen inklusive Beuteln notiert, dann kann man sich diesen Schritt sparen. Wir sind doch faul 😉! Wir bieten aber den Läden immer an, die Gefäße zur Kontrolle zu wiegen.

Dann einfach seine Behältnisse befüllen und an der Kasse wird dann alles gewogen und das Gewicht des Behälters abgezogen.

Wer nicht für alles das passende Behältnis hat, wird bei Tara natürlich auch fündig, egal, ob Deoroller, Einmach-Gläser, Seifenspender oder Ölflaschen.

Wie überall dürfen natürlich auch die kleinen Baumwollbeutel mit Kordeln nicht fehlen. Die sind ja übrigens unsere persönlichen Favoriten, die wir nicht nur zum Einkaufen benutzen, sondern auch als Kultur- und Makeup-Beutel oder eben für benutzte Stofftaschentücher.

Wer ganz spontan kommt und gar nichts dabei hat, für den gibt es die „Notfallkiste“, auch „Gläsertauschbörse“ genannt – von Kunden für Kunden. Daran kann man sich bedienen und natürlich selbst auch für andere etwas da lassen.

Die Auswahl

Es gibt neben Trockenwaren auch stickerfreies Obst und Gemüse, Eier und Milch und Joghurt in Pfandflaschen. Selbstgemachte Pflanzenmilch ist übrigens in Planung! Milchprodukte, Marmelade, Honig, Wein und Säfte gibt es alles in Pfandgläsern, was ich ja sehr lobenswert finde 😁. Bald gibt es vielleicht auch Quark, das wird gerade mit einer Molkerei besprochen.

Es gibt Müsli-Sachen, Nüsse und getrocknete Früchte.

Reis und Nudeln dürfen natürlich auch nicht fehlen 😉. Aber natürlich gibt es auch Mehle, Stärke, Getreide und Hülsenfrüche.

Tee und Gewürze sind auch mit von der Partie.

Essig, Öle und sogar Sojasoße gibt es zum selber Zapfen.

Und es gibt sogar Senf und Ketchup zum Abfüllen!

Neben den normalen Backzutaten wie Backpulver und Hefe gibt es auch Gelatine und Agar-Agar.

Süßigkeiten fehlen auch nicht. Allerdings ist die Deklarierung noch nicht ganz vollständig. Es soll noch die Herkunft mit drauf kommen. Ob etwas vegan ist, steht auch noch nicht überall dran, kann man aber problemlos nachfragen und auch da wird man nicht unverrichteter Dinge aus der Süßigkeitenabteilung von dannen ziehen müssen 😉.

Es gibt Trinkflaschen und Brotdosen aus Edelstahl.

Und auch für die Zahnpflege ist gesorgt 😊! Es gibt die Hydrophil-Bambuszahnbürsten, die wir übrigens auch benutzen.

Zahnputztabs kann man sich ebenfalls abfüllen. Wir benutzen zu Hause selbstgemachte Zahnpasta aber nehmen für unterwegs Zahnputztabs mit.

Bei der Zahnseide hat man die Wahl zwischen der veganen, allerdings nicht kompostierbaren Version von Ecodent und der nicht veganen Version aus Naturseide mit Bienenwachs von Vömel. Mehr zur Frage Zero Waste + vegan + plastikfrei in Sachen Zahnseide erfahrt ihr übrigens hier.

Man kann sich auch mit Rasierhobel und veganen Kondomen ausstatten. Beides nicht ganz plastikfrei verpackt, aber dennoch die ökologischeren Optionen im Vergleich zum normalen Angebot. Am Ende geht es meines Erachtens auch nicht um „Zero“ Waste, sondern darum, sich für die ökologischste Alternative zu entscheiden, zu der man selbst Zugang hat. Mehr zu Zero Waste Verhütung könnt ihr hier nachlesen, und auch zur Zero Waste Haarentfernung habe ich mal was geschrieben. Bei Tara gibt es übrigens sowohl die Kondome von Glyde als auch von Einhorn.

Die kleinen Reste von Seifenstückchen kann man übrigens wunderbar in einem Seifensäckchen aufbrauchen. Bei uns kommen sie in ein Glas, wo sie mit dem Rasierpinsel dann aufgeschäumt zum Rasieren verwendet werden. Das, was aus dem Foto wie Bonbons aussieht ist übrigens Lippenbalsam.

Statt Wattepads benutze auch ich waschbare Abschminkpads. Die finde ich nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch in der Anwendung viel besser als Wattepads! Denn Wattepads haben sich immer in meinen Wimpern verfangen und Fäden gezogen, was mit den waschbaren Gegenstücken nicht passiert.

Am gesündesten ist es, sich gar nicht im Ohr herumzustochern. Aber ich weiß, einige können es wider besseren Wissens nicht lassen. Für diese Fälle gibt es diese kleinen Bambus-Löffelchen.

Auch die Monatshygiene wurde hier nicht vergessen. Es gibt Menstruationstassen aus Silikon wie diese hier, aber ich habe auch schon welche aus Plastik, genauer gesagt aus TPE (thermoplastische Elastomere), gesehen. Rohstoff dafür ist natürlich Erdöl.

Stoffbinden finde ich eigentlich genauso wichtig wie Menstruationstassen, und ich freue mich besonders, dass es die auch zu kaufen gibt! Diese hier sind allesamt aus langlebiger Bio-Baumwolle und von Kulmine in Osnabrück direkt genäht worden. Wir haben ein paar Stofftaschentücher von Kulmine, die wir als Servietten benutzen, weil sie schön feste und auch dicker als normale Stofftaschentücher sind.

Seifenstücke für die Körperpflege gibt es genauso wie feste Shampoo von ShampooBits.

Aber auch für die Sauberkeit im Haushalt ist gesorgt 😉.

Es gibt plastikfreie Bürsten. Allerdings muss man generell bei plastikfreien Bürsten immer etwas genauer hingucken, denn die meisten benutzen tierische Borsten!

Die Reinigungs- und Waschmittel-Station hat auch alles, was man so braucht. Geplant ist außerdem ein Tisch, worauf dann Natron, Waschsoda, Kernseife, Zitronensäure und Essigessenz stehen sollen – also alle Zutaten, die man braucht, um seine eigenen Hausmittelchen herzustellen. Wir benutzen übrigens ausschließlich Hausmittel, die wir ebenfalls aus diesen wenigen Zutaten in nur 1-2 Minuten herstellen. Bald soll es auch regelmäßig den DIY-Dienstag geben, wo man das unter Anleitung im Laden lernen kann!

Auch für die Gemütlichkeit ist gesorgt! Denn man vergisst meistens, dass man bei Kerzen eigentlich Erdöl verbrennt. Mehr Infos zu Kerzen hier.

Neben den Kaffeebohnen haben wir auch Getreidekaffee entdeckt, was ich ja ganz toll fand! Es muss ja nicht immer der „richtige“ Kaffee sein, denn der hat einen ganz schön großen CO2-Abdruck. Getreidekaffee besteht meistens aus Sachen, die auch hierzulande wachsen!

Den Kaffee kann man sich in der Mühle selber mahlen.

Man bekommt aber natürlich auch zubereiteten Kaffee, der übrigens sehr lecker ist.

Im ersten Stock gibt es einen sehr gemütlichen Bistrobereich, wo man die Züge beobachten kann, denn der schöne Laden befindet sich im alten Bahnhofsgebäude. Im Sommer kann man sich aber auch im Außengastro-Bereich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen 😊.

Wer keine Zeit dafür hat, kann sich aber den Mittagseintopf im Pfandglas mitnehmen – wie cool ist das denn 😁💚??

Fazit

Die beiden Besitzerinnen, Sarah und Franzi, sind wirklich super sympathisch und ich kann nur sagen, dass dieser Laden Osnabrück definitiv bereichert 💚!

Luft und Liebe zum Abzapfen – wie süß issn das bitte ❤️?

Ich finde es richtig toll, dass es den Kassenbon nur auf Nachfrage gibt und man auch nicht gezwungen ist, das Stickersystem zu benutzen. Das macht den Einkauf für mich tatsächlich Zero Waste.

Sehr lobenswert ist natürlich, dass bei der Einrichtung alles so gut es gibt gebraucht aufgetrieben wurde, vieles davon aus dem örtlichen sozialen Kaufhaus. Die Stoffservietten wurden von einer Freundin von Franzi aus Geschirrtüchern genäht. Lebensmittelabfälle gibt es auch kaum, da das verschrumpelte, aber natürlich noch vollkommen gute Gemüse im Eintopf landet. Wie auch bei natürlich unverpackt in Münster hätten sie nicht mal genug, um den Lebensmittelrettern von Foodsharing etwas abzugeben.

Wie auch andere Unverpackt-Läden versuchen Franzi und Sarah, die Sachen so gut es geht aus der Region aufzutreiben. Sie haben z.B. Saft von Streuobstwiesen aus der Region.

Als Veganerin würde ich mir natürlich wünschen, dass die veganen Sachen als solche deklariert werden, aber solange ich auf Nachfrage Auskunft bekomme, ist das für mich eigentlich kein Problem. Und ich weiß ja, dass vegan in Osnabrück noch nicht ganz so angekommen ist wie im schönen Ruhrgebiet 😉, kommt aber bestimmt noch.

Tara ist aber mehr als nur ein Unverpackt-Laden, nämlich auch ein Treffpunkt. Das alte Bahnhofsgebäude, in dem der Laden sich befindet, bekommt durch Tara neues Leben eingehaucht und trotzdem werden die alten Bahnler nicht vergessen. Die freuen sich, sich nun im Tara treffen zu können. Ich muss wirklich sagen, dass der Laden auch durch Sarahs und Franzis Art zum Verweilen einlädt. Man kommt an und fühlt sich wirklich direkt wohl und ich drücke ihnen die Daumen, dass noch viel mehr Osnabrücker den Laden für sich entdecken und dort auch mal im Sommer einfach zum Kuchenessen und Leute treffen vorbei gucken.

Hat dir der Artikel gefallen? War er hilfreich? Wenn ja, dann würde ich mich riesig freuen, wenn du mir einen Kaffee ausgibst und somit meinen Blog crowdfundest ❤️!


6 Kommentare

  1. Ich fühle mich wohl bei Tara, es ist gemütlich hier. Als ich von diesem Lädchen erfuhr, war ich gerade von einem Urlaub zurück, in dem ich zwei Filme über Plastik im Meer und die Problematik von Mikroplastik für alle Organismen sah. Ich hatte so etwas schon früher gesehen, doch diesmal hatte es so richtig bei mir eingeschlagen. Ich bin reif für das Thema, die Zeit allerdings ist überreif! Ich will kein Plastik mehr! Da kam Tara mir gerade recht :-))
    Ich hab mir dort dein Buch „Zero Waste“ gekauft und rede mit vielen Menschen über Müllvermeidung. Eine meiner lieben Kolleginnen hat mir Stofftaschentücher von „Mama und Oma“ mitgebracht, so makellos sauber, dass ich nach einer zusätzlichen eigenen Wäsche keine Bedenken habe sie zu benutzen. Da sind wahre Schätzchen dabei! Die nächste Erkältung wird zeigen, ob ich dann auch diese benutze!
    Danke Tara, danke Shia, dass ich euch gefunden habe. Es macht mich jedesmal sehr zufrieden, wenn ich einen Einkauf ganz ohne Müll hingekommen 😀

  2. Moin Shia,

    herzlichen Dank für diesen ausführlichen und wunderbar bebilderten Bericht!

    Deine Blogs sind klasse, ich freue mich über jeden neuen Eintrag und habe in Sachen Müllvermeidung viel dazugelernt, seit ich hier mitlese (da sage noch, eine alte Hündin lerne keine neuen Tricks mehr, höhö).

    Hamburg hat seit ein paar Tagen ja auch zwei neue Läden, in denen wir unverpackt einkaufen können, yeah! (Aber das wusstest Du vor mir und hast sie längst gelistet …) Ich werde so bald wie möglich hinfahren, meine ersten Unverpackt-Einkäufe machen und berichten.

    Herzliche Grüße,
    Esther

  3. Ich finde auch die Atmosphäre im Tara beonders einladend, klar und trotzdem gemütlich. Ein wunderbarer Bericht über einen ebensolchen Laden.
    Wir Kulminefrauen sind erfreut, mit unseren Produkten im Tara vertreten zu ein.

    • Hi Petra,
      ich finde es auch total schön, dass es eure Binden und Stofftaschentücher bei Tara gibt <3! Ich finde es persönlich nämlich ziemlich schade, dass die Menstruationstasse zwar inzwischen immer besser ist (yay :)!), aber Stoffbinden bzw. Stoffslipeinlagen immer noch wenig Anklang finden. Denn die braucht man ja auch für die schwächeren Tage, wenn man eine Menstruationstasse benutzt ;).
      Liebe Grüße,
      Shia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.