Sonnencreme verschmutzt das Meer

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 heißt der Sender aber COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Ah, Strandurlaub, wer steht nicht darauf? Wie heißt es da immer: Eincremen nicht vergessen, damit es auch keinen miesen Sonnenbrand gibt! Das galt bislang immer als vernünftiger Ratschlag. Auf Hawaii sieht man das aber anders. Wenn es nach den Inselbewohnern geht, darf schon ab 2018 keine chemische Sonnencreme mehr verwendet werden. Shia Su, unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin, findet das richtig so.

Shia, was ist denn so schlimm an Sonnencreme?

Die meisten Sonnencremes verwenden chemische UV-Filter und darin ist ein Stoff enthalten, der den Korallenriffen schadet. Der Stoff heißt Oxybenzon, wenn man gucken will: Auf Packungen steht auch wohl Benzophenon-3 drauf. Ja, und dieser Stoff führt bei den Korallen dann zu Verformungen, DNS-Schäden, Ausbleichen und Krankheiten. Leider ist es so, dass auch “wasserfeste” Sonnencreme sich beim Baden von der Haut löst. Forscher der Marche Polytechnic University in Italien schätzen, dass jährlich 4.000 bis 6.000 Tonnen Sonnencreme sich so von Badegästen ins Meer löst!

Shia, gibt es denn auch unbedenkliche Sonnencreme?

Ja, die gibt es zum Glück! Das große Problem sind ja die Sonnencremes mit chemischem UV-Filter, also der Großteil der Sonnencremes – leider. Die sind darüber hinaus auch für uns Menschen nicht so prall, weil sie Allergien auslösen können und Stoffe enthalten, die unseren Hormonhaushalt durcheinander bringen.

Ja – klingt ganz schön bescheuert, sich auf der einen Seite zu schützen und dafür auf der anderen was Schädliches anzutun…

Es gibt es auch noch Sonnencreme mit physikalischen UV-Filtern, das ist meistens Zink- oder Titanoxid. Diese Partikel reflektieren die UV-Strahlen, vom Prinzip her wie ein Spiegel. Das ist dieser typische weiße Film, den einige Sonnencremes auf der Haut hinterlassen und den viele Leute so doof finden.

Deswegen haben Produzenten sich gedacht, dass sie die Partikel verkleinern, das sind dann die sogenannten Nanopartikel – und die sind ebenfalls wieder bedenklich für uns und für das Meer, denn die werden leicht aufgenommen, sowohl von unserer Haut als auch von Pflanzen und Meeresbewohnern. Die gesamten Auswirkungen sind noch allgemein unklar und noch nicht eingängig genug erforscht. Forscher konnten aber schon Beeinträchtigungen in der Entwicklung von Seeigeln, Algen, Fischen und Muscheln nachweisen und haben auch schon an menschlichen Darmkulturen bedenkliche Effekte festgestellt

Oh je, und welche Sonnencreme ist nun sowohl meeres- als auch menschenfreundlich?

Bio-Sonnencreme mit physikalischen Filter ohne Nanopartikel! Es gibt keine Deklarationspflicht für Nanopartikel, aber die Hersteller, die keine verwenden, schreiben das auch drauf. Im Internet schwirren auch immer Artikel rum, die besagen, dass Pflanzenöle wie Kokos- oder Himbeersamenöl vor Sonnenbrand schützen, aber das ist nicht in Studien untersucht worden.
Ich persönlich setze auf gesunden Sonnenkonsum. Also: ich brutzel nicht wie Grillgut. Außerdem setze ich ein Käppie auf und trage leichte Kleidung als Sonnenschutz und zusätzlich dann bei Bedarf meine Bio-Sonnencreme. Ich mein, ja, die lässt mich etwas blasser erscheinen – aber wenn ich die Wahl habe, lieber etwas käsig auszusehen oder meine Gesundheit belasten, die Meere verschmutzen und zur nicht mehr so langsamen Weltzerstörung beizutragen, dann weiß ich, wofür ich mich entscheide.

6 Kommentare

  1. Hallo Shia, nicht-nano zinkoxid bekommt man in jeder Apotheke, damit kann man super Sonnencreme selber machen. Einfach wie eine normale hausgemachte lotion mit Shea Butter, kokosöl etc. Es gibt ganz viele Rezepte im Internet und auf YouTube. Man variiert dann die menge an Zink Oxid, je nach gewünschtem LSF. Ich hab es neulich ausprobiert und bin super zufrieden!
    Lg Lydia

  2. Hast du ein konkretes Produkt, dass du empfehlen kannst dich liebe Shia?
    Ich habe das verpackungsfreie von Lush aber bin unsicher ob es auch keine nanopartikel hat

    • Hi Carina,
      ich selbst benutze seit letztem Jahr diese Sonnencreme und gerade dieses Jahr kam sie im total genialen Sommer in Vancouver schon häufig zum Einsatz. Ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit ihr, auch wenn sie mich etwas blasser aussehen lässt ;).
      LG, Shia

  3. Super interessant, ich beschäftige mich auch mit natürlichem Sonnenschutz. Nicht ganz so einfach, aber: man kann etwas tun!
    <3
    loewenherzvegan.wordpress.com

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