Seattle verbietet Plastikstrohhalme, sag auch du nein zu Einweg-Strohhalmen

Wiederverwendbare, bruchfeste Trinkhalme als Glas als Alternative zu Einweg-Plastikstrohhalme; mit freundlicher Genehmigung von ©HALM Trinkhalme

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO (ehemals Funkhaus Europa) von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

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So langsam haben wir‘s kapiert: Wegwerfprodukte sind doof. Wir benutzen ja schon möglichst wenig Plastiktüten und nehmen immer, naja fast immer unseren eigenen Kaffeebecher für den Coffee to go mit. Aber dann gibt’s immer noch Sachen, da denkt man einfach nicht dran. Kleinigkeiten, die gar keine Kleinigkeiten sind – sagt jedenfalls unsere Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su. Der Bösewicht heute: Der Strohhalm…

Hallo Shia, was hast du gegen Strohhalme?

Das sind ja gar keine Halme aus Stroh, sondern Plastik-Stengel. Wir schenken ihnen wenig Aufmerksamkeit, weil wir automatisch denken: So ein Strohhalm, der macht ja nicht viel aus. Dabei sind Strohhalme laut dem WWF der am fünfthäufigsten aus dem Meer gefischte Gegenstand. Allein in Deutschland verbrauchen wir 40 Milliarden Strohhalme jährlich, sooo wenig ist das gar nicht. Also gerade weil Strohhalme so klein sind, sind sie ein Problem. Deswegen gibt es eine Stadt, die hat jetzt beschlossen, Strohhalme komplett zu verbieten.

Welche denn?

Seattle an der US-amerikanischen Westküste, an der Grenze zu Kanada, wo ich ja seit einem dreiviertel Jahr lebe. Seattle hat die Schnauze voll von Einweg-Plastikstrohhalmen. Plastiktüten hat die Stadt schon 2012 verboten. Jetzt geht es auch den Strohhalmen an den Kragen. Also heißt es nicht mehr nur “Sleepless in Seattle”, sondern „Strawless in Seattle”, so haben sie das in den Lokal-Nachrichten formuliert. Im Juli 2018 tritt das Verbot in Kraft, und ich persönlich finde es eine super Sache!

Sind Strohhalme wirklich schlimm genug, um sie komplett zu verbieten? Im Vergleich zu Plastiktüten ist an so einem Strohhalm doch viel weniger dran?

Ich hab’s ja eben schon angedeutet: Gerade weil Strohhalme klein sind, sind sie so ein großes Umweltproblem. Von der Masse her sind sie weniger Plastikmüll als größere Plastikgegenstände. Aber gerade weil Strohhalme klein und leicht sind, landen sie häufig nicht dort, wo sie hingehören, sondern als Müll auf der Straße, vor allem, weil sie hauptsächlich in der Gastro und bei “Unterwegs-Sachen” wie Trinkpäckchen verwendet werden. Was leicht ist, kann verweht werden. Was verweht wird, landet irgendwann in einem Gewässer, und von dort aus geht es ins Meer. Und im Meer sind gerade kleine Plastikgegenstände gefährlich für Meeresbewohner und Seevögel. Sie werden leicht verschluckt oder verklemmen sich in Körperöffnungen – und wenn das Plastik zerfällt, zerfällt es wegen der kleinen Größe direkt schon in kleinere Teile, die noch leichter verschluckt werden können. Mit dem Ergebnis: Laut National Geographic haben bis zu 90% der Seevögel weltweit Plastik im Magen.

Okay, aber muss man Strohhalme deswegen gleich verbieten? Würde es nicht reichen, wenn man sie ordnungsgemäß entsorgt?

Das hilft auf jeden Fall schon mal ein bisschen. Aber was heißt das eigentlich, “ordnungsgemäße Entsorgung“? Strohhalme bestehen in der Regel aus Polyethylen oder Polypropylen, beides recycelbare Plastiksorten. Trotzdem heißt “ordnungsgemäß entsorgen” fast überall in Deutschland: Die Verpackung der Strohhalme darf in den Gelben Sack, die Strohhalme selber müssen aber in den Restmüll, weil sie ein Produkt und keine Verpackung sind. Wer soll das im Alltag bitte hinkriegen? Und die Sache ist sogar noch komplizierter: Selbst wenn du in einem Ort lebst, wo es eine Wertstofftonne gibt, in die auch Wertstoffe rein dürfen, die keine Verpackung sind, wie zB Strohhalme: Kleine, leichte Plastikgegenstände werden aus pragmatischen Gründen meistens trotzdem verbrannt und nicht recycelt.

Also kann ich als Otto-Normalverbraucherin Strohhalme gar nicht korrekt loswerden, auch wenn ich es will?

Naja, wie immer gilt: Der beste Müll ist eben kein Müll. Gerade Strohhalme lassen sich echt leicht vermeiden. Man kommt ja auch so ans Getränk! Ich bestelle den Strohhalm z.B. im Cafe oder Restaurant immer ab. Ich würde auch gerne sagen können, dass das gut funktioniert, tut es aber leider nicht. In den meisten Fällen kommt mein Getränk trotzdem mit Strohhalm auf den Tisch…

Und, was machst du dann?

Ich lass mich ja nicht so schnell unterkriegen. 😉 Ich habe mir einen Dauerstrohhalm zugelegt, meiner ist aus bruchfestem Glas, den zücke ich beim Bestellen demonstrativ. Das verleiht der Sache Nachdruck und plötzlich wird der Sonderwunsch nicht wie sonst vergessen. Ich finde Dauerstrohhalme sowieso viel praktischer. Die rutschen z.B. bei kohlesäurehaltigen Getränken auch nicht aus dem Glas sind komplett geschmacksneutral. Alternativ zu Glas gibt es übrigens auch welche aus Edelstahl. Und viel gesünder als an einem Stück schadstoffbelastetem Plastik zu nuckeln sind die auf jeden Fall!

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