Regional und saisonal im Winter, geht das?

Jeden Sonntag gibt es um 14:30 Uhr bei COSMO (ehemals Funkhaus Europa) von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! COSMO ist das internationale und interkulturelle Hörfunkprogramm und eine gemeinschaftliche Produktion von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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Je kälter es wird, umso mehr Eintopf und Gemüse gibt’s, aber auch Obst und Gemüse aus ferneren Ländern. Dabei muss es gar nicht sein, das geht auch regional und nachhaltig – sagt natürlich unsere COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su! Die bemüht seit nun schon fast zwei Jahre, sich so regional und saisonal wie möglich zu ernähren.

Shia, wie und wo bekommt man überhaupt regionales Obst und Gemüse? Im Supermarkt ist die Auswahl ja oft eher mau…

Die gängigste Adresse ist wahrscheinlich der Wochenmarkt. Da kann man immer an den Ständen gut fragen, welche Lebensmittel vom eigenen Hof stammen. Auf dem Land gibt es auch kleine Hofläden. Im Idealfall liegt der Nächste auf dem Weg von der Arbeit nach Hause oder bei einer Freundin um die Ecke. Dann kann man da einfach einen kleinen Zwischenstopp einlegen. Außerdem beziehen kleine, inhabergeführte Bioläden gerne Obst und Gemüse von Höfen aus der Region.

Dann gibt es natürlich noch die Bio-Gemüsekisten. Die kann man sich einmal die Woche nach Hause liefern lassen. Viele Anbieter bemühen sich, immer so viele Lebensmittel wie möglich aus der Region zu beziehen. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, Mitglied eines sogenannten CSA-Hofes zu werden. CSA steht für „Community Supported Agriculture“, also eine „gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft“. Auf Deutsch nennt sich das „solidarische Landwirtschaft“. Man wird Mitglied eines Hofes und zahl einen regelmäßigen Mitgliedsbeitrag und bekommt dafür wöchentlich Ernte-Erzeugnisse vom Hof. Höfe in der Nähe kann man auf solidarische-landwirtschaft.org finden.

Okay, bei Salat, Kartoffeln oder Tomaten ist das oft kein Problem, aber wie ist das mit Kaffee, Schokolade oder Reis? Wo geht’s leider gar nicht regional?

Ja, da wird es in der Tat schwieriger. Natürlich gibt es auch keine regional angebauten Bananen, Kiwis oder Ananas, weil diese Früchte in unserem Klima nicht wachsen. Besonders beliebt, aber auch besonders umweltschädlich sind ja Avocados. Da vergessen wir gerne, wie dekadent der Genuss eigentlich ist. Avocados sind ganz schwierig im Anbau, müssen gekühlt werden und können nur unter einer bestimmten künstlichen Atmosphäre mit viel Polstermaterial, also zukünftigem Müll, transportiert werden. In nur zweieinhalb Avocados stecken ganze 1.000 Liter Wasser. Für die gleiche Menge an regionalen Kartoffeln sind nur 120 Liter und bei Tomaten sogar nur 35 Liter Wasser notwendig. Avocados und Bananen kommen aber immerhin per Schiff in klimatisierten Containern. Das ist nicht sehr umweltfreundlich, aber immerhin! Andere tropische Obstsorten wie Mangos oder Papayas werden sogar per Flugzeug nach Europa transportiert. Wir nehmen also ganz schön viel in Kauf für unseren ganzen Luxus in Sachen Lebensmittel.

Shia, was macht man am besten, wenn das Obst und Gemüse nun einmal hier nicht wächst?

Ich sag immer: Weniger ist mehr. Ich halte mich z.B. bei den Grundnahrungsmitteln vor allem an Regionales und gönne mir das eine oder andere halt ganz bewusst als Genussmittel. Konkret heißt das z.B. mehr Kartoffeln, Brot und Haferflocken. Ich bin inzwischen auch echt ein großer Hirsefan und ersetze damit den Reis. Denn Reis wird meistens von weither importiert, was nicht so prall ist bei der CO2-Bilanz und noch dazu benötigt Reis auch sehr viel Wasser im Anbau, nämlich knapp 2.500 Liter pro Kilogramm! Kaffee und Schoki mag ich zwar sehr gerne, aber muss ich inzwischen auch nicht mehr jeden Tag haben. Und wenn, dann natürlich Fairtrade und Bio!

Und womit man auch der Umwelt etwas sehr Gutes tut: weniger tierische Produkte konsumieren! Denn auch wenn die aus der Region kommen, sind die genauso schädlich, zum Teil sogar noch schädlicher als Obst von der anderen Seite der Welt, was den Wasserverbrauch betrifft. Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch sind ganze 15.500 Liter notwendig! Das sind etwa 100 Badewannen voll!

Was ist denn aber im Winter, da wächst hier in Deutschland doch nicht viel außer vielleicht Grünkohl?

Ja, es wächst weniger, aber schon noch so einiges: Neben Grünkohl gibt es auch Pilze, sehr viel an Wurzelgemüse wie Sellerieknollen, Pastinaken, Steckrüben, Schwarzwurzel, aber auch, Kürbisse, Bohnen, Porree, Beete und gaaanz viel Kohl – meine Favoriten sind da Rotkohl und Wirsing. Außerdem gibt es auch noch viel aus landwirtschaftlicher Lagerung, wie Feldsalat, Spinat, Kartoffeln und Zwiebeln. Es gibt also schon eine ganze Menge an Gemüse und dank des Internets auch eine Fülle an Zubereitungsarten, die für genug Abwechslung sorgen.

Aber was ist mit Obst?

Ja, mit Obst sieht es in Deutschland tatsächlich von Dezember bis April ziemlich mau aus. Leider! Aber die gute Nachricht ist: Jetzt ist die beste Zeit zum Vorsorgen! Äpfel kann man im kühlen Keller lagern – Kartoffeln und Zwiebeln übrigens auch –, Beeren und anderes Obst kann man einfrieren oder natürlich auch ganz klassisch einkochen. Ich selbst koche eher selten ein, aber das liegt eher daran, dass ich ziemlich viele Leute mit Gärten kenne, die das total gerne machen und ich bei selbstgemachter Marmelade, Sirup, Likör, oder eben eingemachten Rotkohl, Grünkohl und andere Leckereien einfach nicht nein sagen kann.

7 Kommentare

  1. Habe mir vor Jahren so ein Saidonkalrnfer ausgedrückt. Und versuche mich in jeder Saison auf das“Neue“ zu frruen. Das ist dann auch irgendwie frischer und knackiger. Man lernt durch eine kleinere Auswahl trotzdem vielfältiger zu kochen – einfach in dem man die Zutatenmengen variert. Plötzlich nicht man Rezepte aus Kindertagen und eenkt sich: warum nicht ftüher? Ist ja lecker.

    ZU Linsensalat mit Äpfel und Birnenwürfelchen und Lauchringen entdeckt

  2. Ich kaufe auch viel Wintergemüse/ eingelagerten Gemüse auf dem Wochenmarkt. Ich finde die Auswahl auch im Winter gut 🙂

    • Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass dieser Eindruck, dass es „zu wenig“ sei, wirklich davon kommt, dass wir
      1. denken, man müsste eine überwältigende Auswahl das ganze Jahr über haben,
      2. wir uns selten die Mühe machen, uns schlau zu machen, was man alles damit kochen kann. Meistens kocht man ja aus Gewohnheit immer das Gleiche daraus. Das muss aber gar nicht sein!

  3. Hier in Belgien hat man beim Einkaufen im Bioladen oder Biomarkt den Vorteil, dass das regionale Gemüse in blauen Kisten ist und nicht-regionales in Kisten mit anderen Farben. Das erleichtert das Einkaufen enorm, man muss nicht jedes mal nachfragen wo was herkommt sondern erkennt es sofort auf dem ersten Blick :-).

      • Problem bei uns in Deutschland ist schon allein, dass der Begriff regional nichts aussagt. Das müsste konkret festgelegt werden. Zum Beispiel im Umreis von 100 km oder so.. Ich sehe auch manchmal, dass mit regional ganz Deutschland gemeint ist, wenn man aber etwas von Flensburg zum Bodensee liefern würde, ist das jedoch bei weitem nicht mehr regional und kommt nur mit Gutwill eben aus einer bestimmten Region

        Saisonal einzukaufen finde ich da einfacher. Leider fallen neurologisch bedingt für mich Kohlsorten (sowohl roh als auch z.B. Rot- oder Sauerkraut) weg, auch wenn ich sie gerne esse 🙁

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