Oldschool ist häufig nachhaltiger!

Jeden Sonntag gibt es eigentlich um 14:30 Uhr bei COSMO von mir etwas zu Nachhaltigkeit auf die Ohren! Besser bekannt ist der Radiosender wahrscheinlich momentan noch unter Funkhaus Europa, dem internationalen und interkulturellen Hörfunkprogramm von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, Radio Bremen und Rundfunk Berlin-Brandendenburg. Seit dem 1. Januar 2017 heißt der Sender aber COSMO.

Zu empfangen in NRW auf 103,3 MHz, in Bremen und Teilen Niedersachsens auf 96,7 MHz, in Bremerhaven auf 92,1 MHz und in Berlin und Umgebung auf 96,3 MHz.

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“Oldschool ist nachhaltig!” ist ein Motto unserer COSMO-Nachhaltigkeitsexpertin Shia Su. Die lebt seit fast drei Jahren fast komplett müllfrei. Shias jährlicher Rest- und Plastikmüll passt zusammen in ein 750ml Einmachglas. “Zero Waste” nennt sich das.

Aber Shia, was hat denn “Zero Waste” mit oldschool zu tun?

Ja, das ist immer ganz witzig. Wenn ich sonst irgendwo erzähle, dass mein Jahresmüll in ein Einmachglas passt, will es mir erst mal keiner glauben. Aber wenn ich das älteren Menschen erzähle, leuchtet denen das immer direkt ein! Denn die hatten nämlich früher auch fast keinen Müll!

Also haben sozusagen alle damals “Zero Waste” gelebt?

Ja genau! Naja, hieß natürlich nicht so. Aber überleg mal, wie man früher eingekauft hat – da hat man noch die eigene Milchkanne und Blechdosen mit in den Tante-Emma-Laden genommen! Vieles wurde auch einfach im Laden in Zeitungspapier gewickelt. Die Sachen, die es verpackt gab, gab es in einer Pappschachtel oder Blechdose. Essen hat man in Henkelmännern mit auf die Arbeit genommen. Das sind so runde Metalldosen zum Stapeln mit, ja, ‘nem Henkel oben drauf. Und es gab schlichtweg keinen billigen Ramsch, Wegwerfware oder Fast Fashion.

Shia, was sind denn so Sachen, die man leicht auch in unser modernes Leben heute integrieren kann?

Oh, eine ganze Menge! Früher gab es z.B. kein Einweg-Gedöns. Außer vielleicht im medizinischen Bereich sind sie wirklich überflüssig und ökologisch natürlich ein Desaster. Da verballern wir unsere ohnehin schon knappen Ressourcen, um Sachen herzustellen, die direkt im Müll landen! Statt Spülschwamm und Küchenrolle kann man einfach zu einem Lappen greifen. Statt Wattepads tut es auch ein Waschlappen. Man kann sich natürlich auch waschbare Baumwollpads kaufen oder selber nähen. Statt Wattestäbchen gibt es auch so Ohrenreiniger aus Metall oder Bambus in der Apotheke. Aber jeder HNO-Arzt wird einem sowieso sagen, dass man sich nicht im Ohr mit überhaupt irgendetwas rumpuhlen sollte und das mehr Schaden anrichtet als nützt.

Meine Großeltern hatten immer Stofftaschentücher. Fand ich ehrlich gesagt nicht so lecker. Benutzt du die auch?

Ja, und ich hab die wahrscheinlich hässlichsten Stofftaschentücher, die man je produziert hat! Wichtig ist, wie auch bei Papiertaschentücher, dass man sich nicht den lieben langen Tag in das gleiche Taschentuch schnäuzt! Ich benutze deshalb auch nur Kindertaschentücher, die haben nämlich die gleiche Größe und die kann man schnell wechseln. So ein Herrentaschentuch ist ja ein halbes Bettlaken…

Aber Moment, die dreckigen Stofftaschentücher müssen dann ja auch irgendwohin…

Ja, die sammle ich in einem kleinen Stoffbeutel in meinem Rucksack und zu Hause kommen sie in die Dreckwäsche. Wenn man sie regelmäßig heiß wäscht ist auch alles gut. Und sorry, wer sich davor ekelt müsste konsequenterweise auch Einweg-Unterwäsche tragen. Gleiches Prinzip.

Und die Wäsche wäschst du dann auch mit alten Hausmitteln oder wie?

Äh, ja, das mach ich tatsächlich! Mit Natron, Waschsoda und Kernseife! Ich putze auch nur mit Hausmitteln. Essigreiniger kann man z.B. machen, indem man einfach 1 EL Essigessenz mit 300ml Wasser verrührt. Das ist auch der einzige Reiniger, den man zu Hause braucht. Heutzutage kaum noch vorstellbar, aber nein, man muss nicht seine Gesundheit aufs Spiel setzen, um ein sauberes Zuhause zu haben.

Aber wie ist es denn mit den ganzen Verführungen, die es damals nicht gab? Smartphones, Fernseher, Klamotten und so?

Ja, wir sind ja schon lange von der Bedarfsdeckung zur Bedarfsweckung übergegangen, leider. Man kann sich selbst da ein bisschen testen und wird wahrscheinlich überrascht sein, dass man die meisten dieser Sachen doch nicht so sehr wollte, wie man glaubte. Wenn man z.B. beim Shoppen etwas sieht, kann man sich als erstes mal fragen: “Brauche ich das wirklich?” Und damit meine ich “brauchen”, nicht “wollen”. Oder ist das etwas frei nach dem Motto: “Nie gesucht und doch gefunden?” Wenn man zum Ergebnis kommt: “Ja, das brauche ich wirklich!” Dann sollte man es trotzdem erst mal zurücklegen, um sich Bedenkzeit zu geben. Will man es nach sieben Tagen immer noch, kann man es sich gönnen. Bei großen Anschaffung wie einem Fernseher oder Smartphone würde ich 6 Monate ansetzen, denn man hat ja in der Regel was und sitzt nicht auf dem Trockenen. Man wird feststellen, dass man sich bei 80% der Dinge nicht mal mehr daran erinnern kann, was man da überhaupt kaufen wollte! Zack, Geld gespart und Ressourcen geschont!

9 Kommentare

  1. Catharina

    Was für mich auch irgendwie was mit Old School zu tun hat: Ich war im Frühjahr in London und ziemlich entsetzt, dass es dort in manchen großen Kaffeekettenläden nur noch Einweggeschirr gibt, egal ob man die Sachen vor Ort essen oder mitnehmen will. Und selbst für den Weg von der Theke zum Tisch wird auf jeden Becher ein Deckel gedrückt. Die Ketten verkaufen sich teils als bio bzw. veggie, aber alles ist doppelt und dreifach verpackt und richtiges Geschirr gibt es schlichtweg nicht mehr. Spart halt auch jegliches Abwaschen und teils Abräumen, wenn die Gäste es selbst wegwerfen. War meiner Erinnerung nach vor ein paar Jahren noch nicht so. Man kann zwar zB seinen eigenen Becher befüllen lassen, ich finde aber das ganze Geschäftsmodell ziemlich schrecklich und werde dort wohl nicht mehr hingehen obwohl ich das dort früher mal ganz gut fand…

  2. Simon Hablowetz

    Leider kann ich die Audiodatei bei deinem angegebenen Link nicht finden :'(

  3. Auch Stofftaschentücher braucht man nicht laufend wechseln. Meine Eltern und ich haben, als ich klein war, nur Stofftatü’er benutzt und sie nicht mal jeden Tag ausgetauscht. (Dabei ist niemand krank geworden!) Das braucht man nur tun, wenn man z. B. erkältet ist. Dann ist ein häufiger Austausch nötig.

    • Hi Aeris,
      oh, das ist echt gut zu wissen, danke :)! Aber eins würde bei meiner chronischen Schnupfnase wahrscheinlich auch so nicht reichen XD! Bin Allergikerin und außer im Herbst und Winter, wo dann wieder Schnupfenzeit ist, tröpfelt meine Nase wegen Pollen so vor sich hin. Wobei das auch schon durch Zero Waste viel, viel besser geworden ist! Ich schieb’s auf die gesunde Ernährung und dass wir uns durch Hausmittel und dem sehr sehr sparsamen Einsatz von Plastik natürlich viel viel weniger Schadstoffen aussetzen :).
      Ich werde gucken, ab jetzt Stofftaschentücher auch sparsamer zu benutzen!
      Liebe Grüße,
      Shia

      • Ich persönlich nehme tatsächlich diese riesigen Herrentaschentücher, weil in unserem Haushalt einfach schon so viele davon vorhanden waren. Sind auch meiner Meinung nach total unhandlich und ich wollte sie schon immer mal vierteln, aber da ich keine Nähmaschine habe, hab ich’s bis jetzt immer hinausgeschoben.
        Pollenallergie habe ich auch, zum Glück in den letzten Jahren nicht ausgeprägt. Wenn sie mal ausbricht, nehme ich auch ein oder zwei Taschentücher pro Tag. Bei einer Erkältung nehme ich noch die Recycling-Papiertaschentücher, die wir haben. Danach geht’s entweder doch ans Zerschneiden oder ich besorge mir auch mal ein paar nette Kindertaschentücher…
        Liebe Grüße zurück nach Kanada!

  4. Hey hey 🙂
    dachte, du wäschst mit Kastanien? Tust du das nicht mehr, weil du mittlerweile schlechte Erfahrungen damit gemacht hast oder sie in Kanada einfach nicht findest?
    Beste Grüße!

    • Hey Julia,
      momentan waschen wir leider nicht mit Kastanien, weil wir im März hier in Kanada angekommen sind und es erst im Herbst wieder Kastanien zu sammeln gibt. Ab da werden wir wieder mit Kastanien waschen bzw. wahrscheinlich abwechselnd, weil wir hier so viel Waschsoda geschenkt bekommen haben, das ich in wenig weiser Voraussicht schon zu einer großen Ladung Waschmittel verarbeitet hatte, ups!
      Wir sind mit beiden Alternativen sehr zufrieden :).
      Liebe Grüße,
      Shia

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